Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 14-15 (6.4.1906)
- Date
- 1906-04-06
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 206 J 0 DISCHE RUNDSCHAU No. 1^15 jedoch ein Pfand verlangt. Die Regierung habe Urnen deshalb die in den Kirchen befindlichen Kostbarkeiten und Kunstgegciistünde als Pfand angeboten. und zu diesem Zweck werde die Aufnahme des Kirchenbcsitz.es veranstaltet. Der Zettel hat die Bevölkerung lebhaft erregt. Wahlen und Judenhetzen in Russland Jekatcrinoslaw. Zwischen den indischen und Christliehen Wahlen! kam cs zu einem Konflikt. Die Christen verbieten den Juden. In den Versammlungen zu erscheinen, indem sie sie des Separatismus beschuldigen. Ais Begründung wird angegeben, dass die Juden sich cinnml ohne die Christen versammelt hätten. _ K a m c n e c (Gouv. Podolsk). 25. März. Gestützt aut ihre grosse zahlcnmässige Ucbcriegcnheit im Kongress der Städte bemühen sich die Jüdischen Wähler, nur ihre jüdischen Kandidaten durchzubringen. Die christliche Bevölkerung ist sehr erregt, die Lage ist bedrohlich, cs sind Massnahmen gctroneii worden, um Judenhetzen zu verhindern. In Kamencc. Balta und Nemirow befinden sich einige Sotnicn Kosaken, in anderen Städten sind Polizeiwachen verstärkt. 111 Kamencc ist die Lage noch verwickelter dadurch, dass die Bevölkerung gegen die Juden deshalb erbittert ist. weil diese gestern Abend auf dun Wege, den der Gouverneur nahm, eine Petarde zum I latzen gebracht haben. Die SEWERO-SAPADNAJA-GAZETA teilt mit. dass die Flucht aus Hornel einen panikartigen Charakter nngenommen hat. Während der letzten Woche allein verliesscn die Stadt mehr als 300 Familien, alle aus den wohlhabenden Klassen. Alle Züge in der Richtung nach Libau sind überfüllt; wer kann, flieht. Man fährt über Libau nach London, Ncw-York. Boston. Philadelphia, nach Airika, Australien und nach allen Häfen r.nglands. Man flüchtet auch aus den benachbarten Ortschaften, aber speziell in Hornel macht sich die Auswanderung bcsoudcis bemerkbar: die Stadt wird leer, viele Geschäfte werden geschlossen und die Firmen liquidieren. Gesuche .ausländischer Juden um Zulassung zum Betrieb von Handel und Gewerbe werden vom Ministerium für Handel und Industrie im Einvernehmen mit dem Ministerium des Innern und des Auswärtigen entschieden. Die Einholung der Gutachten dieser beiden letzten Ministerien erforderte bisher gewöhnlich mindestens sechs Monate, manchmal auch ein ganzes Jahr. Im Hinblick daraui. dass die Heranziehung ausländischen Kapitals zur Anlage von kommerziellen und gewerblichen Untermhmungen sowohl im Interesse der Entwickelung von Handel und Industrie als auch zur Versorgung der russischen Bcvölkcrung mit Erwcrbsgelegenheitcn wünschenswert erscheint, hat das Ministerkomitce eine Frist von einem Monat für die Einholung der Gutachten der Ministerien des Innern und Auswärtigen vorgeschrieben. Laufen die Gutachten in dieser Frist nicht ein. so gilt dies als Zeichen des Einverständnisses der bctreffenden Ministerien mit der Erteilung der Konzession und dus Ministerium iiir Handel und Industrie entscheidet alsdann das Gesuch von sich aus. Deutsche Juden in Russland Der DEUTSCHE REICHSANZEIGER gibt über die Frist iiir die Entscheidung über Gesuche ausländischer Juden zum :Betrieb von Handel und Gewerbe folgendes bekannt: Gesuche ausländischer Juden um Zulassung zum Betrieb von Handel und Gewerbe werden vom Ministerium für Handel und Industrie im Einvernehmen mit dem Ministerium des Innern und des Auswärtigen entschieden. Die Einholung der Gutachten dieser beiden letzteren Ministerien erforderte bisher gewöhnlich mindestens 6 Monate, manchmal auch ein ganzes Jahr. 1111 Hinblick darauf, dass die Heranz'cliimg ausländischen Kapitals zur Anlage von kommerziellen und gewerblichen Unternch- ״Jungen sowohl im Interesse der Entwicklung von Handel und Industrie, als auch zur Versorgung der russischen Bevölkerung ’״.* .Erwcrbsgelegenheitcn wünschenswert erscheint, hat das Ministerkomitee eine Frist von einem Monat für die Einholung der Gutachten der Ministerien des Innern und Auswärtigen vorgeschrieben. Laufen die Gutachten in dieser Frist nicht ein. so gilt dies als Zeichen des Einverständnisses der betreffenden Ministerien mit der •Erteilung der Kouzessum. und das Ministenuni fur Handel und Industrie entscheidet alsdann das Gesuch von sich aus. Aus Russland Kiew. Zahlreiche Rücktritte zum Judentum von pCrs< NOWY״wS|V1f'r10r1!'u;l״'it: •*״■wo״»»״ waren. v5״f״ NOW Y \VJfcK konstatiert. Derartige Mitteilungen laufet Naiiic»0dir iS ״<;!f1CS pc״ Prlcstvr״ dalm vorschreibt auszuschfir U,'״, ״in C״£ 'יrs״״.c" aus dc" Kirchenbiie auszusciilitsscn und dem Krourabbmcr darüber Miilcil״״! machen. Man sicht daran die Werbekraft der christll Religion bei Juden. Die Kosaken haben minier tausendmal mehr Juden zum Christentum bekehrt als die Missionare. NASCHA 5H.ISN erfährt von einer Abkommandierung von Beamten zu besonderen Aufträgen nach Kiscliinevv und anderen von Juden bewohnten Städten. Der besondere Auftrag der Beamten besteht darin, dass sie. falls Ostern Judenlietzen ausbrechcn. die Ursachen s t n - ü i e r e 11 und feststelleu ob durch Nationalhuss oder Aufhetzung de Exzesse hervorgcrufcii werden, d. 11. sie sollen hetzen und nachher konstatieren: ״Die Juden waren schuld!" Die Partei für Rechtsordnung in Odessa hat die jüdische Bevölkerung wissen lassen, dass sic ein Blutbad veranstalten würde, sollte bei der Waid in die Uossudarstvenugia Dum 1 der Jude Pergament als Sieger aus der Urne hervorgchcit. Der hiesige Oberkonimandant Baron Kaulbars gab dem Redakteur der SÜDRUSSISCHEN RUNDSCHAU. Beilesohn, die bestimmte Versicherung, dass alle Massregelu zur Verliütung von Judenmctzclcicn anlässlich der Osterfeiertage gctroffen seien. Kurz nach dieser Audienz wurde ,Oeilesohu von der Polizei verhaftet. In Odessa ist grosse Besorgnis über Ausbruch von schweren Osterhetzen gegen die Juden. In Rostow am Don gehen Gerüchte von einem bevorstehenden Pogrom gegen die Juden um. Die jüdische Bevölkerung von Pajtawa befindet sich in grosser Furcht, da ..das schwarze Hundert•* Proklamationen verbreitet, in denen es mit Pogromen droht iiir den Fall, dass der liberale Sehritfsteller Korolcnko der nebenbei bemerkt griechisch-orthodox ist. in die Duma gewählt wird. Aus Russland kommen neuerdings Nachrichten, die darauf hiiidciiteu. dass die Biircaukratie die jüdische Bevölkerung von neuem cinznscliiichtcrii versucht. Die RU'SS. KORR, erhält aus Petersburg folgendes Telegramm: ..fu letzter Zeit werden Aufrufe verschiedener Patriotenverbände verbreitet, welche die jüdische Bevölkerung mit Krawallen bedrohen, falls bei den Wahlen jüdische Kandidaten atifgestellt werden. Fine 011ziellc Depesche aus Kamenekz spricht bereits von der ״durch die jüdische Wahlagitation hervorgerufene Aufregung״ der christlichen Bevölkerung. Der offiz'elle Charakter dieser Depesche in Zusammenhang mit den letzten Homcl-Emhiiilimgea erweckt die Gewissheit, dass auch bei dieser Aufregung des Pöbels in Pudolich Regierungsorgane die Hand im Spiel linnen. Wie früher w egen der Beteiligung an der revolutionären Bewegung, so jetzt wegen der Teilnahme an der Wahlagitation, will die Regierung die jüdische Bcvölkcrung mit Krawallen einschiichtern. Es steht nach allen Nachrichten grosse Gefahr bevor, dass in Bessarabien Cherson lind Podolieu organisierte Krawalle ausbrcchcu werden. Es wird glaubwürdig b.stätigt dass alle Juden aus Sewastopol aiisgewiescn werden sollen, einschliesslich derjenigeu. die bislang im Besitze des Nicderlassungsrcchtes waren. Es war nur ein russischer Jude Aus Kopenhagen wird der FRANKFURTER ZEITUNG gemeldet: .,Wie־ kürzlich erwähnt, wurde dieser Tage in der jütländisclien Hauptstadt A a r!1 u s ein russischer Jude. K a s t a 11. der vor zwei Jahren desertiert w ar. von der dortigen Polizei aufgegriffen und der Kopcnhagener Polizei zwecks freundlicher Weiterbeförderung nach Mitau cmgehämligt. um daselbst der strafenden Gerechtigkeit ausgeliciert zu werden. Nun ist zu diesem beschämenden Fall zu bemerken, dass Kastan durchaus nicht, weil er Deserteur ist. verhaftet wurde, sondern als ..Mittelloser״: her in Kopenhagen hat er als ehrlieber Mensch gearbeitet, zeitweilig auch von der hiesigen jüdischen Gemeinde unterstützt, und nach Aarlms ist er gereist, um daselbst lohnende Arbeit zu suchen. Als er verhaftet wurde, hatte er nur wenig bares Geld •in den Taschen, wie mir aber bekannt ist. wäre die hiesige jüdische Gemeinde bereit gewesen, sich auch fernerhin seiner anzunehnicn. Die Aar- Imser Polizei fand es .jedocli ganz unnötig, die Verhältnisse des armen Juden näher zu untersuchen und liess ihn, mit der Etikette ..Mittellos“ versehen, nach seinem Heimatsort abschicken. ohgle:ch es ihr nicht unbekannt sein konnte, dass dies iluu eine hngiüUvige SUanubeU eUibrvugcn würde. Georg Brandes bespricht in der POLITIKEN diesen empörenden Fall und erklärt, das dänische Volk müsse tief gcsunken sein, wenn cs ruhig himiehnien sollte, dass dänische Poli'/eiobrigkeiten sieh als ..schamlose Henkersknechte der brutalsten aller europäischen Regierungen benutzen lassen“ . .. Wenn das im freien Dänemark geschieht, was soll man dann von Anderen erwarten? Walther Rothschild über die Fremdenbil Am 15. März sprach, wie wir schon kurz mitgeteilt hatten, das konservative Mitglied für Chatham. Mr.