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Jüdische Rundschau · 1906-04-06 · Heft 14-15 (6.4.1906) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 14-15 (6.4.1906)
Date
1906-04-06
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 14/15 JÜDISCHE RUNDSCHAU_ _; Seite 20ה furtcr Anti-Heinc-VcrsaninilmtK (rRANKl'UKTER ZKITUNO vom 25. ds.) mache ich darauf aufmerksam, dass auch Schiller ״in jüdischer Sprache" gedichtet hat. Beweis: ״Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern" (״Teil", Akt 2 Szene 2), während doch jeder Deutsche schriebe: ״Wir wollen ein einiges Volk von Brüdern sein." Ferner heisst cs itn 1. Akt 1. Szene: ״Wann wird ein Retter kommen diesem Laude?" Solche jüdische Sprachfehler müssen jedem Deutschen in der Seele wchtnn. ~־M. C. Strazverein und dudenhetze Posen. 29. März. Der ״S t r a 7. v c r e i n" zählt jetzt rund 14 000 Mitglieder. Nicht nur wird eine besonders eifrige Agitationss-.ätigkcit entfaltet. Die Redner in den Versammlungen gehen auch so hetzerisch vor. dass es gar nicht überraschen kann, wenn die Bauern und Handwerker dem Vereine;n grösserer Zahl beitreten. Herr v. Kosciclski rechnet sogar damit, dass 20 000—30(«)0 Polen dem Vereine, der au ch im Auslände Mitglieder zählt, beitreten werden. Als wirk* saines Lockmittel erweist sich das Versprechen, dass die ״Straz" junge polnische Handwerker und Kauiicute unterstützen wird. Hs ist bereits ein Garantiefond in Höhe von 30 000 Mark gezeichnet woren. der dazu dient, für Darlehen bei polnischen Genossenschaften die Bürgschaften zu übernehmen. Selbst* verständlich wird auch immer wieder von einer Bedrohung des ״polnischen״ Glaubens gesprochen, wie denn überhaupt alles geschieht, um den polnischen Fanatismus der Hörer anzufachen. Erwähnenswert ist ferner, dass immer wieder betont wird, m an müsse sich von den Juden frei* m a c 11 c n. die sich nur von dem S c 11 w e i s s e des polnischen Volkes mästeten. Hier und da wird mit besonderer Freude iestgesteiit. dass das Judentum in der Provinz sichtbar ahnehm e. ln jeder Vcr* Sammlung werden die schärfsten Vorwürfe gegen die bäucr* liehen Lau des verse ha chercr erhoben. Solchen Judassen dürfe kein Pole die Hand reichen, man sollte sie melden wie die P e s t. Eine Taufe im jüdischen Spital ״Ueber einen Taufakt eines im hiesigen jüdischen Spital vollzogenen Glaubenswcchsels berichtet der MAGYAR NHMZHT: ln diesem Spital befand sich seit längerer Zeit der Maler Alexander Bihari, der dortselbst in seiner schweren Krankheit der aufmerksamsten Pflege teilhaftig wurde. Vorgestern wurde jedoch sein Zustand so kritisch, dass die Aerzte das Acrgste befürchteten. Seine Frau, eine Katholikin, drang nun in ihn, er möge sein Testament machen und sich taufen lassen. Obwohl die Spitallcitung keinerlei Hinwendung gegen die Taufe erhob, jedoch ersuchte, dieselbe nicht im Jüdischen Spital seihst vornehmen zu lassen, holte Frau Bihari dennoch einen Geistlichen, der den Taufakt an dem Schwerkranken vollzog. Der Kranke wurde darauf heute auf sein eigenes Ansuchen in das Rote Kreuz-Spital trans* portiert; sein Zustand ist noch immer äusserst bedenklich." Trotz der Taufe noch bedenklich — ei. ei! Und wie tolerant die katholische Geistlichkeit, die sich hcrablässt, das Sakrament der Taufe im Judcnhospital zu gewahren. Hin hohes Mass von liebevoller Duldsamkeit! Das Märchen vom Ritualmord Von dem Lehrer am k. k. Gymnasium in Drohobycz, Hugen Bieganowski. erhält die NKUH FRHIH PRHSSH folgende Zu- Schrift: ״In der ״N. Fr. Pr." vom 7. März d. J. befindet sich in der ..Kleinen Chronik" ein (in Nr. 11 der ״Mitteilungen wiedergegebener) Artikel mit folgender Aufschrift: ״Märchen vom Ritualmord‘'. In dem genannten Artikel wird mir zur Last gelegt, dass ich in der fünften Klasse des hiesigen Gym* nasiums mich dahin geäussert hätte, dass der Ritualmord ״eine historische Tatsache" sei. Weil diese Notiz auf einer falschen Anschuldigung und auf grober Unwahrheit beruht, so bitte ich hiermit die Redaktion unter Berufung auf § 19 de$ Pressgesetzes. folgendes Dementi veröffentlichen zu wollen: Am 5. März d. J. wurde in der fünften Klasse das achte Buch der Hpopöc Pan ladeusz von Mickicwiez interpretiert. Vers 070 des achten Buches lautet: ..Piakala jak dziceko cnl Zyd״w Mute igkikann", oder in wortgetreuer Uebersetzung: ״Sic weinte wie ein Kind das von Juden mit Nadeln gestochen worden ist." Bei der Krklärung obiger Stelle wies der Lehrer darauf hm, dass die in dem genannten Passus gebrauchte Vergleichung dem Dichter aus einer unter dem Volke weiverbreitete!! Sage und Meinung vom Rituaimord geflossen sei. Der Lehrer fügte in Anknüpfung an diese Steile seinerseits hinzu, dass bislang weder die Wissenschaft, noch die gerichtlichen Untersuchungen zu einem positiven Resultat von der objektiven Kxistenz solcher Morde geführt hätten. Auf vorstehende Ausführungen bcschränkte sich die Krklärung der inkriminierten Stelle. Andere Deutungen des vorliegenden Falles als vorstehende beruhen auf Unwahrheit und bösem Willen, wie die bei der massgeben* den Behörde eingelcitetc Untersuchung ergeben wird. Drohobycz. 15. März 1906. Mit Achtung Fügen Bieganowski, Lehrer am k. k. Gymnasium." — Wie aus dem Schlusssätze der Zuschrift des Herrn Bieganowski hervorgeht, bemerkt das Wiener Blatt hierzu, ist die gegen ihn bei der massgebende!! Behörde eingelcitetc Untersuchung noch nicht zum Abschlüsse gelangt und das Ergebnis derselben liegt noch nicht vor. Nichts־־ destoweniger glaubt Herr Bieganowski. auf dem Berichtigung.'- wege die ihm zur Last gelegten Tatsachen als .,falsche A!•- schuldigung" und ..grobe Unwahrheit" bezeichnen zu können. Auch stellt der Herr Bieganowski den Sachverhalt so da־׳, als ob die gegen ihn erhobene Anschuldigung lediglich au! de! von der NEUHN FREIEN PRESSE voroiicm.ichten Zuschr.fi aus Drohobycz beruhen würde, während die Untersuchung gegen ihn auf Grund des Beschlusses einer grossen Vgrsammlung sowie eines Gemeinderatshcschlusscs tingcleitet wurde, der vom Kanonikus Serwacki und Abgeordneten von Wiesniewski befürwortet worden war. Herr Bieganowski muss also warten bis der Landesschulrat das letzte Wort über ihn gesprochen haben wird. Inzwischen ist er infolge der amtliehen Untersuchung zwar nicht des Amtes enthoben, aber nach Demhitza versetzt worden. Zionisten und Polen In einer Besprechung, die vorige Woche zwischen den! Obmanne der zionistischen Landesorganisation Dr. Schalit u!׳d dem Vorstandsmitgliede H. Müller einerseits und den! Cbmannc des P o I e n k 1 u b s Grafen D z i e - d u c z y c k i andererseits stattiand. äusserte sich dieser iolger.dermassen über den Zionismus: ..Ich erkenne den Zionismus als eine idealistische und ethische Bewegung an. Ich erkenne seine grossen Vorzüge, verhehle mir aber nicht, dass er. wie Jede ethische Bewegung, das Gebrechen besitzt, nicht immer praktisch zu sein. Ich sympathisiere aber mit deni Zionis 111 us. weil er eine Be\vegun g der Wahrheit ist im Gegensatz zur Lüge des 19. Jahrhunderts, die vorgab, dass die Juden Polen, Tschechen oder Deutsche seien." Grenzsperre in Oesterreich In jüngster Zeit treffen besonders die österreichischen Grenzbchördcn die schärfsten Massrcgeln. um die Ein- oder Durchwanderung russischer Flüchtlinge zu verhüten. So wurde erst vor einigen Tagen 52 aus Jckatcrinosiaw über Jassy geflüchteten Juden der Eintritt nach Oesterreich verboten. Die Flüchtlinge befinden sich in grösster Verzweiflung in Bnrdujeni. da auch Rumänien ihre Aufnahme verweigert. Bewertung der Theaterbesucher In der schönen Stadt Steyr befindet sich ein Stadttlieate• (Direktor Augustin Knirsch). Nun befindet sich in dieser Stadt das Organ der rabiat-antisemitischen deutschen Volks- Partei, der ALPENBOTE, und der brachte am 24. Februar 19t ö folgende Notiz: ״Ein Wunsch vieler Theaterbesucher. Es ist uns von Seiten mehrerer Theaterbesucher folgende Zuschrift zugekommen: Anlässlich der Wiederverleihung des Theaters für die nächste Saison an Herrn Direktor Augustin Knirsch erlauben sich viele Theaterbesucher, der geehrten Direktion dringend ans Herz zu legen, bei der Engagierung neuer Schauspieler uns mit den Juden womöglichst zu verschonen.“ Herr Direktor Knirsch sah sich deshalb veranlasst, seine drei besten Kräfte (die Juden sind) ab 1. März zu kündigen, so dass die Leute mitten in der Saison ohne Engagement waren. Er haue jedoch die Rechnung ohne die Juden gemacht. Die Juden dieser Stadt beschlossen, so lauge das Theater zu meiden, bis diese Kündigung rückgängig gemacht wurde. Der Herr Direktor sah sich deshalb vor die Alternative gestellt, entweder die Antisemiten, die so wie so keine Theaterbesucher sind, oder die Juden die einen erheblichen Prozentsatz seiner Besucher ausmachen, vor den Kopf zu stossen, und er eutschloss sich als guter Geschäftsmann, lieber als Zionist zu gelten (so bezeichnet ihn der ALPENBOTE in seiner nach der Kündigungszurückzieluing erscheinenden Nummer), als seine besten Kunden zu verlieren. So geschehen in der schönen Stadt Steyr. Der französische Kirchenstreit* In dem französischen Departement Calvados wird gegenwärtig eine von dem royalistisehen üeneralrat d'Artheuay Unterzeichneter Zettel massenhaft verteilt, worin cs heisst, die Regierung brauche grosse Summen für die Wahl, und die jiidisehen Bankiers hätten sieh bereit erklärt, Geld vorzustrecken,

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