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Jüdische Rundschau · 1906-04-06 · Heft 14-15 (6.4.1906) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 14-15 (6.4.1906)
Date
1906-04-06
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 204 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 14/13 Unterscheidung von Altersklassen fcsrgcstcllt werden, ist es : unmöglich, innerhalb der verschiedene:: Religionsgruppe.i die . Zahl der Bestraften mit der der Strafn findigen zu vergleichen, j vielmehr kann trau den Verurteilten nur die Gesimtbcvölkerung gtgcniiberstellen. Da findet man de;::. dass unter 1000 der Gcsamtbcvelkeruug im Jahre 1900 633 Evangelische. 351 Kathollken 4 sonstige Christen und 11 Juden waren. Zn 1000 Verurteilten stellten die Evangelische,1 in Jahre 1900 590. die Katholiken 393. die sonstigen Christen 2. die Juden 11. Der Anteil der Juden an den Verurteilten entsprach also genau ihrem Anteil an der Bevölkerung; die Evaugeloschen stellten auf 100:1 Personen 43 Verurteilte zu wenig, die Katholiken 42 zu viel. Bei den sonstigen Christen war die Kriminalität am giinstigsun. da nur der vierte Teil des Pevöikcrungsanteils verurteilt wurde. Im Jahre 1903 hatte sich der Anteil der Evangelischen weiter um 7 verringert, der der Katholiken um 4 erhöht. Man weiss aber nicht, wie sch inzwischen der Anteil der Religionsgruppen an der Gesamt- Bevölkerung verschoben hat. In Berlin kamen bei der Volks- Zahlung von 190(» auf 1000 Einwohner 542 (auf 1000 Verurteilte i. J. 1903 835) Evangelische. 100 (123) Katholiken. S (3) andere Christen und 49 (38) Juden. Die Katholiken stellen also v'nen erheblich grösseren Anteil an de.־: Verurteilten, als dem Bcvelkerungsantcil entspricht. Allerdings dürfte sich von 1900 bis 1903 der Proz.entsa'tz der Katholiken innerhalb der Reichshauptstadt vergrössert haben. Königstreue aut Kündigung Die mehrfach erwähnten Nobilitierungen von ״chemaligen“ Juden aus Anlass der silbernen Hochzeit des Kaisers haben Herrn T 1! e o d o r Pritsch, den Herausgeber des HAMMER, veranlasst, in einem wutschnaubenden Artikel ״Israel Triumphator" den Kaiser zu apostrophiere: ,.Solcher Sachlage gegenüber sich in ein geduldiges Schweigen zu hüllen, wäre Feigheit und Verbrechen. Der Einwand, dass c'tt Herrscher schliesslich — so gut wie ein Privatmann ־— das R echt habe, sich schien Umgang nach ■Belieben zu wählen, i s t nicht ganz, zulrefiend, d.nn die Handlungen des deutschen Kaisers gehören der Ocffeiitlichkcit; jedoch wäre picht viel eiiiznwenden, wenn cs sieh nicht gerade um Hebräer handelte . . . Wo es aber am meisten gilt. Schleier der Verblendung zu zerreissen — das ist oben! Die Männer um den Kaiser haben die Pflicht, endlich zu reden - sonst wird sie der Fluch der Feigheit für alle Zeiten trefien. Und wenn es nicht geschieht, so wollen wir als treue Söhne unseres Volkes und Vaterlandes uns wenigstens nicht daran hindern lassen, zu. sagen, was wir fühlen. Die Handlungen desKaiscrs erfüllen den besten Teil des Volkes mit wachsender Besorgnis. Es ist unverkennbar, dass der Kaiser die Etihluug mit dem deutschen Volksgeiste verloren hat. Wir kennen viele trefüiehe Männer, die treu zur Monarchie stehen, die aber in tiefe Trauer geraten über das. was geschieht. Wenn es genügt ein reich gewordener Spekulant zu sein, um in den Adelstand erhoben und zum Vertrauten des Kaisers gemacht zu werden: wo soll da die Ehrfurcht im Volke vor der Monarchic bleiben? Das Wesen der Aristokrat c muss im öffentlichen Ansehen sinken - - und damit das Ansehen der Krone selber, die der erste Edelmann im Staate trägt. Die Anschauungen in den höchsten Regicruugskreiscn.bc• wegen sich in einer gefährlichen Dissonanz mit dein Empfinden irn deutschen Volke. Es kann kaum schwerer gegen das Staatsanschen verstossen werden, als es jetzt von gewissen hohen Stellen aus geschieht. Das Vertrauen zur Reichsregicruug ist in raschem Schwinden begriuen: darüber sollte man I dem Kaiser doch endlich reinen Wein einschenken. I Aber es scheint fast, als sei der Kaiser bereits so dicht I von den Feinden unseres Volkes umstellt, dass die Stimme f seiner ehrlichen Deutschen nicht mehr za ihm dringen kann. I Eine unheimliche Kluft tut sich auf zwischen Herrscher!und I Volk. Wo ist der Ritter, der sich in den Abgrund stürzt, um ihn zu schliessen? — Gibt cs denn keinen einzigen prcussischcn Adeligen, der bei dieser Gelegenheit seinen Adel uiederlegt?" Soweit der HAMMER. Wir Juden haben eine andere Auffassung von der köiügstreuen Gesinnung. Für uns ist eine Treue mit B c d i n g u 11 g cn und Klauseln keine Treue». Jedenfalls hält sich Fritsch wieder einmal für den besten Teil des Volkes. Das ist beinahe u 11 b e - scheiden. Aber ״Bescheidenheit" mangelt nur den jiidischeu Mitbürgern! Die Dessauer Stiftung Die Baronin v. Cohu-Oppenheiiu-St liinig der Israelitischen Kultusgemeinde in Dessau (Kuratorium: Geh. Kommerzienrat S o n 11 c n 111 a I. Kommerzienrat Tuch in a 11 n, Kommissionsrat M. Probst. Bankier Paul Maerker. Rechtsanwalt Dr. Cohn; Stiftungssekretär: Kaufmann R o s e 11 b a u n!) hat auch im Jahre 1905 eine segensreiche Tätigkeit entfaltet. Au Gesuchen sind insgesamt 999 Stück gegen 1329 im Vorjahre engegargen und zwar betrafen die Gesuche (die Ziffern des Vorjahres sind in Klammern angefügt): Anhaitische Kultusgemeinden 2»• (42). Unterstützung Armer und Hilfsbedürftiger 767 ( 953). Krankenpflege 66 (86). Jüdische Wissenschaft 46 (10!). Stipendien 1137) 0יי). Von diesen Gesuchen wurden 741 (534) bewi.l'gt, während 258 (444) abgelehnt werden mussten. Vm den im Jahre 19.>5 an Einzelpersonen erfolgten Bewilligungen waren die betreffenden Personen ihrem Geschlecht? nach 473 ( 312) wwbl cl! mul 18(» (151) männlich. Die unterstützten weiblichen Personen waren dem Stande nach 331 Witwen. 59 Ehefrauen und 13יי ledig. Die männlichen Personen waren 59 Invaliden, 10 Arbeiter. 23 Handwerker. 23 Handelsleute. .8 Kauflcute. 16 Beamte. 34 Studierende und 12 diversen Beruies. ln einem Vergleiche mit dem Jahre 1904 ergibt sich, dass zwar die Anzahl der an die Siiitung herangetretenen ücsuchs'.eUer niedriger war in dem abgclaufenen Gescliäftsjahrc. die Anzahl der an Korporationen und Einzelpersonen criolgteu Bewilligungen sich jedoch wesentlich vermehrt hat. indem im Jahre 1905 207 Gesuche mehr berücksichtigt werden konnten wie im Jahre 1904. In der Hauptsache hat dieses seinen Grund darin dass die Mittel, welche zur Verwendung kamen, gleichfalls wesentlich höhere waren wie int Jahre 1901. Von den an Korporationen erfolgten Bewilligungen sind zu nennen: Die Lchrerinnen-Stittung (das Lir.dnerheim) in Dessau 50t» Mark, die Volksküche in Dessau 500 Mark, das Eüsahctliliaus in Dessau 3־׳> Mark, die Herberge zur Heimat in Dessau HK» Mk.. der Gemeinnützige Verein in Dessau 100 Mk., der Rechtsschutzverein für Frauen in Dessau 200 Mk.. d:e H i I f s k a s s e d e r Israclitisclien.Stn üenten in C ö 11! c 1t 50(» Mk.. die Hiliskasse der Israelitischen Kuitusbeamteu in Deutschland in Berlin!<׳׳־ Mk.. Strafanstalt Brandenburg zur rituellen Speisung israelitischer Strafgefangenen am PassahLste 50 Mk.. Straf:!״- stalt Insterburg zu gleichem Zwecke 30 Mk.. Israelitisches Mödchenst'ft (Anstalt zur Ausbildung israelitischer Dienstboten) is: Berlin 3׳Hl Mk.. Hilisvcrein iiir die russischen A 11 swandereri n B r e m c 11 500 Mk.. Waisenrat der Stadt Dessau zur W e i h 11 a c 111 s b c S c h e r u n g von Waisenk'ndcrn in Dessau 150 Mk.. H i I f s v e r c i n der deutschen J 11 den in Berlin für die notleidenden russischen Juden-3000 Mk.. zum gleichen Zwecke an Herrn Rechtsanwalt Dr. Ascher in Dessau 500 Mk.. Akademischer jüdischer Tur 11verein in C ö 111 c 11 zur Beschaffung von Turngeräten 400 Mark. Kleinkinderbcwahranstalt der Schwester Rosa Hammer in Ballenstedt 100 Mk.. Jüdische T u r 11 c r s c h a 1' t in Berlin 50 Mk.. das Krankenpflege - Institut der grauen Schwestern tu Dessau 720 Mk., die freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Dessau zur Erhaltung des von derselben c־!!gerichteten ständigen Sanitätsdienstes für die Stadt Dessau 3000 Mk.. das Direktorium des Kreiskrankenhauses in Dessau erhielt zur Beschaffung neuzeitiger Heileinrichtungcn. soweit hierzu de Mittel seitens der Verwaltung des Kreiskrankenhauscs nicht zur Verfügung gestellt werden können, 1000 Mk. Der Kreis\ erein vom Roten Kreuz für den Kreis Dessau erhielt für die Einrichtung und Erhaltung der Laiulkrankciipflcgc durch Schaffung von Krankcnpflegestationcn in den Ortschaften des Kreises 30 h» Mk.. für Unterbringung Erholungsbedürftiger in der Walderholungsstätte I zu Dessau wurden US Mk. verattsgabt. Die Anhaltloge in Dessau erhielt auch :11 diesem Jahre wieder zur Entsendung einer Ferienkolonie von Kindern israelitischen Glaubens aus dem Anhaltlande in die Sommerfrische 8!Hl Mk.. für ehe Kindcr-Lungenheilstütte ..Herzogin Marie" in Oranicnbaum erhielt der Verein zur Bekämpfung der Schwindsuchtsgefahr in der Provinz Sachsen und dem Herzogtum Auhalt in Halle 1000 Mk. Auf Anregung des Herzoglichen Staatsnüuisteriums wurden zur Unterbringung Lungenkranker in Heilstätten den Herzoglichen Krcisdircktümeu in - Dessau. Cötltcn, Zerbst lind Ballenstedt zusammen 1000 Mk. bewilligt, die in den betreffenden Kreisen mit Ausnahme der Städte Dessau Cethen. Zerbst und Ballenstedt verwendet werden sollten. Zwecks glcichruässiger Berücksichtigung der vier Kreise hat die Stiftung jedem derselben 2.50 Mk. überwiese:!. Der Verein zur Ausbildung jüdischer Krankenp f l c g e ז i n u e n in Berlin erhielt 1000 Mk. Ein Beitrag von 20 0111) Mk. ist dauernd der neu errichteten städtischen Haudcsrealschule zu Dessau überwiesen. Das Stiftungsvermögen beträgt nach der Bilanz vom 31. Dezember 1905 5 312 038,22 Mk. gegen 5 293 7SI.25 Mk. am Schlüsse des Jahres 1904. Es hat demnach eine Vcrmchrurtg des Stiftungsverinögcns um 19 256,97 Mk. stattgefimden. Auch Schiller ״jüdelt“ Ein Frankfurter Leser schreibt der FRANKFURTER ZEI TUNG: Bezugnehmend auf die Notiz in Betreff der Frank-

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