Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 14-15 (6.4.1906)
- Date
- 1906-04-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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No. 14/15 Seite 199 JÜDISCHE RUNDSCHAU denn tatsächlich könnte trotz der Annahme des Antrages ein ן Jude diesen Verbindungen nicht beltreten, weil er der festen : Uebcrzeugung sein muss, dass jene als eine formale Konzession j aufzufassende Annahme des Antrags nicht das geringste an den j extrem antisemitischen Anschauungen der Verbindungen, an j ihrem Judenhass und ihrer Judenvcrachtuug, geändert hat. j Vor allem ist es.ja aber im Prinzip verfehlt, eine Parallele; zwischen Dr. Jakob y und Professor M.‘zu ziehen, | weil eben nicht der geringste Beweis dafür vorliegt, dass Herr j Prof. M.innerhalb seiner Verbindung in derselben Riehj tung und mit demselben Eifer wie Herr Dr. Jakob y tätig j gewesen ist. Wäre etwas Derartiges fcstgestellt, so würden wir zwar die Bestrebungen des Herrn Prof. M. nicht billigen ־- denn wir halten sofortigen Austritt aus der Vorhindüng für das einzig mögliche Verhalten —, aber wir müssten ihnen die schuldige Anerkennung zollen; damit wäre ja die Grundlage unserer Beschwerde beseitigt. Aber gerade, weil von derartigen Bestrebungen nichts bekannt geworden ist, verlangen wir eine Erklärung; bleibt dieselbe aus. so müssen wir das Verbleiben eines hervorragenden Juden in der Verbindung als eine dem jüdischen Ansehen schädliche Handlung energisch beanstanden. — Es sei hier weiterhin ergänzend hinzugefügt, dass sich in der Breslauer Versammlung nach einer Diskussion zwischen dem Referenten und zwei zionistischen Herren auch Herr Dr. j üoldschmidt (ein Antizionist, Vorstandsmitglied des Breslauer Zentralverehis) auf den Standpunkt stellte, dass eine , Klärung der Stellung der Herren Prof. M.zu den Raczeks j notwendig sei. Die Unterstützung von dieser Seite verfehlte ■ ihren Eindruck nicht und vcranlasste den Referenten zu der I Schlussbcmerkung. dass e r die Angelegenheit dem Berlinei j Vorstande unterbreiten werde. Wohlweislich verschweigt der i Bericht in IM DEUTSCHEN' REICH die Aeusserung des Herrn Dr. G o I d s c h m i d t. Es verlautet auch nichts von einer! Stellungnahme des Berliner Vorstandes. Wir wollen darüber I nicht voreilig Beschwerde erheben, denn es ist möglich, dass j eine Klärung der Stellung des Herrn Prof. M.zu den Raczeks noch erfolgen wird. Sollte indes — und es gibt schlechte Menschen, die eine solche Vermutung für begründet halten die Berliner Zentralleitung die Angelegenheit weiterhin ignorieren, so wird unsere Forderung auf der nächsten Breslauer Versammlung mit grösserer Deutlichkeit und stärkerem Nachdruck wiederholt werden müssen. Es werden sich alsdann Mitte! und Wege finden, um auf Herrn Prof. M. den nötigen moralischen Druck ausüben, der ihn veranlassen wird, sich unzweideutig zur Sache zu äussern. Dem Ausscustehcudca mag die ganze Angelegenheit zu auigebauscht erscheinen. Schon in N'o. 9 der RUNDSCHAU war aber die Bemerkung getan, dass zahlreiche Breslauer Akademiker von grossem Unwillen über das Verhalten des Herrn M.erfüllt s:nd, well sie sich dadurch r.ls י!!.'•:•• in ihrem Ansehen geschädigt fühlen. \\ •״nt» sich e 11 buk• hoher sozialer Stellung durch die Anschauungen einer Ver bmdueg. nach denen der Jude als inferior, als \ •ז : ן •; zweiten Grades zu betrachten sei, nicht veranlasst iu.ilt, so,.e freundschaftlichen Beziehungen zu dieser Verbindung' zu lösen oder wenigstens den offenen Kampf gegen diese sein eigenes Volkstum verhöhnenden Bestrebungen aufzunelimen. so muss sich die Verachtung der antisemitischen Studenten gegen die von ihnen als minderwertig betrachteten Juden steigern. Darunter muss der jüdische Akademiker in einer weit niedrigeren sozialen Stellung, nämlich mit allen Kräften gegen diese Schädigung seines Ansehens durch einen Stammesgenossen zu wehren. Die Berliner Zentralleitung wird leicht den Weg finde:: können, um zu verhüten, dass die Breslauer Akademiker d e für beide, Te'lc gleich unangenehmen Konsequenzen ziehen. Breslau. Dr, J udasohn. Brauereien und Brennereien in Palästina Von Dr. Hoppe- Königsberg. (Fortsetzung) Wenn man aber, um zu zeigen, dass ich bezüglich der Geiahreu des Weinbaues und des Weiukelterus bei den Juden zu schwarz sehe, mich auf die grauen Vorzeiten unserer Sei'!- ständigkeit verweisen will, in denen doch auch der Weinbau in Palästina geblüht habe, ohne dass es dort zu einer besonderen Alkoholgefahr gekommen sei, so habe ich darauf folgendes zu erwidern: Einmal war der Alkoholismus int jüdischen Staat, besonders in den letzten Jahrhunderten seines Bestehens, gat nicht so unbekannt, wie viele Stellen der Bibel, speziell det Propheten, beweisen, und es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass an dem Veriall und dem Untergang des jüdischen Staates die Sprache wieder: .,AVer ruft hier?! Wer wagt cs, dem süssen Traume mich zu entreissen!*‘ So schreiend und schimpfend, mit Händen und Füssen um sich schlagend, sclilicsst er die Augen zum Schlafe wieder. ״Das Leben, die Freiheit naht, wach’ auf!“ .״Was ist Leben, was ist Freiheit; ich entbehre sie nicht!“ ״Du schläfst schon lange, das ist kein Leben; du hast Ketten an den Füssen, das ist keine Freiheit!“ ״Lass mich schlafen, ich fühle keine Ketten; lass mich träumen, das ist mein Leben! — Nun schere dich fort, du Strolch, du Lügner! He, ihr Schergen ergreifet den Dieb!!!“ ״Aber sei doch vernünftig, beruhige dich. Viele Tausende schmachten, wie du, in Ketten. Ihnen jedoch ist kein Schlaf, wie dir, gegönnt. Sie fühlen die Ketten, des Eisens brennenden Schmerz; über Not und Jammer täuscht sie kein Traum hinweg!“ ״Lass mich schlafen -- hier ist üoid. Clib ihnen, gib! aber fort mit dir!“ ״Für kurze Zeit nur erwache, kannst dann wieder zur Ruhe geben; nicht dein Gold, deine persönliche Mitliilfc begehren wir.“ Mauschcl schlägt wieder die Augen auf. ״Ach, wie dunkel, ach, wie kalt! Wo ist mm das Licht, wo das Leben? Wo die Wärme, wo die Freiheit?! Ich sehe nichts.“ ״Nur eine Weile bleib’ noch wach — noch ist es dunkel, wohl, doch der Tag bricht schon an; noch ist es kalt, aber Frühling naht! Die Augen nur weit geöffnet und du siehst des Tages Glanz. Dein Geist erwache und du vernimmst des Frühlings seliges Rauschen.“ ״Aha! Zukunftsträume! — Verräterei!!! — hinweg, hinweg! ich schliesse meine Augen — und träume jetzt. Wehe aber, dreimal weit! wer es ferner wagt, mich zu stören,“.. Mauschcl schläft. Schlafe, Mauschcl, schlaf’; ziehe deine Nachtmütze tief über Augen und Ohren, aber schimpfe und tobe nicht im Schlafe*wie ein Trunkener. Doch, was tuts, mein Juda ist ja wach; es folgt dem Weckruf, den Leben, und Freiheit, durch Herold Zionismus, erschallen lassen. Ja. mein Juda ist erwacht, mein Juda lebt. Es schreitet durch die Gcgenwartswüste rüstig vorwärts, höffnungsfreudig dem Ziele entgegen. Geleitet des Tages und des Nachts durch eine Wolken- und Feucrsäule: Zionismus! Bl. in W.