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Jüdische Rundschau · 1906-04-06 · Heft 14-15 (6.4.1906) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 14-15 (6.4.1906)
Date
1906-04-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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No. 14Ü5 Seite 19S JÜDISCHE RUNDSCHAU Zur geil. Beachtung In der nächsten Woche erscheint der Pessachfeiertage halber keine Nummer der JUEDISCHEN RUND- SCHAU. Die nächste Nummer erscheint also am Freitag, dem 20. April. Ferner weisen wir nochmals darauf hin, dass die JUEDISCHE RUNDSCHAU auf allen Bahnhöfen Berlins und der Vororte käuflich zu haben ist und wir bitten .unsere Freunde, hiervon Gebrauch zu machen. י Verlag JUEDISCHE RUNDSCHAU, E. G. m. b. H. Moris Rosenfeld ist schwer erkrankt und aller Existenzmittel bar. Zioliistische Ortsgruppen, indische Vereine, veranstaltet baldigst Rosenfeld-Abende, an denen seine Dichtungen vorgetragen werden. Die Erträgnisse des Abends sollen dem Rosenfeld-Fond zufliessen. Lasst uns unsere grossen Dichter nicht erst ehren, wenn sie ein halbes Jahrhundert lang in der Erde schlummern — und nicht durch Steindenkmäler. Ehrt die Lebenden und gebt ihnen Brot statt Steine. H a r r y E p s t e i n. Noch einmal Professor NI. In No. 9 der JÜDISCHEN RUNDSCHAU berichtete ich über eine Sitzung des Zentralvereins in Breslau, in der von zionistischer Seite das ärgerniserregende Verhalten des Herrn Professor M. eines Vorstandsmitgliedes des Berli'ner Zentralvcreins, zur Sprache gebracht wurde. Es war beanstandet worden, das.s Herr Professor M.alter Herr der Raczeks geblieben sei, obwohl sich diese Verbindung längst gegen Juden gesperrt habe, ja, dass er zu dieser antisemitischen Verbindung komme, seinen Namen unter die Aufrufe der Verbindung setze, die Verbindung selbst pekuniär unterstütze — ein, Verhalten, das mit den vom Zentralverein gepredigten prinzipiellen Anschauungen wohl nicht vereinbar sei. Herr Dr. Lewy, der Redner des Abends, der sich eben erst in seinem Referat über die mangelhafte Achtung der christlichen Mitbflrg'er vor den jüdischen beschwert hatte, zeigte für das Verhalten des Herrn Prof. M ...... das Jedenfalls nicht geeignet übrig für die russischen Brüder, und sie hassen und verachten uns mehr, als es die verbissensten Feinde können. Sie glauben, es gehe ihnen besser, wenn sie immer auf uns schelten und schmähen; •und die wenigen — die helfen möchten, . . . . . ja, deren Kräfte reichen eben nicht aus!“ ,,Und hat man Euch garnicht geholfen?“ . ״O ja, zuerst, als die Ausweisungen begannen, da hat man einen Eifer entwickelt, wie man ihn selten gesehen. Aber lange hat es nicht gedauert. Dann kam die Ernüchterung; man sorgte dafür, dass der Auswandererbahnhof von Charlottenburg hierher nach Ruhleben verlegt wurde, und jetzt hat man längst vergessen, dass es überhaupt noch einen Notstand gibt!“ .״Und wohin wendet Ihr Euch letzt? Wollt.Ihr zurückkchren, von wo Ihr gekommen seid?“ , . . ״Ja, wenn das ginge! Das ist leider unmöglich!“ .. ״Und wollt Ihr es nicht versuchen?" forschte Ben- .1Jekutiel weiter, ״in Euer angestammtes Land zurückzukehren. um dort Eure Freiheit zu begründen?“ . Da läutete die Antwort: ״Wir müssen warten, bis Gott'uns zurückführt? Wir .aber können selbst aus eigener Kraft unser Land nicht erobern. Wir müssen ׳warten, 'bis Gott selbst sich unser erbarmt, um uns ist, Achtung und Respekt vor jüdischem Selbstbewusstsein zu erzeugen, anscheinend hohe Bewunderung und Sympathie; er schien cs wenigstens besonderer Anerkennung zu würdigen, dass Herr Prof. M..... in der Verbindung ausharre bis zu Jenem Tage, an dem es ihm kraft seines Eimiu!>ses gelingen werde, die Verbindung von der Unsinnigkcit ihrer antisemitischen Ideen zu überzeugen. Der Gang der Diskussion wird dem Leser aus dem Breslauer Brief in der RUNDSCHAU noch erinnerlich sein. Die Zeitschrift des Zentralvcrcins IM DEUTSCHEN REICH berichtet nun in der Märznummer über die Breslauer Ver- Sammlung. Die Erwiderung des Referenten, Herrn Dr. Lewy, fasst sie in die Worte zusammen, ,.dass es der Vorstand nicht als seine Aufgabe betrachten könne, Splitterriclitcrei zu treiben. Es handle sich um ein überaus verdientes Vorstandsmitglied, dem der Verein vieles zu danken habe. Die betreffende Verbindung habe keine Bestimmung in ihren Satzungen, die die Juden grundsätzlich ausschliesse, und wenn augenblicklich die Strömung auch dahin gehe, keine Juden aufzunehmen, so könne doch auch das Motiv zum Ausharren darin liegen, dass sich der betreffende alte Herr die Gelegenheit, zu gegebener Stunde im Sinne des Zentralvcreins auf die Verbindung zu wirken, erhalten wolle. Achnlich habe Dr. Jakob y-Eydtkulmen dem Goslarcr Verbände gegenüber die Stellung der Juden verteidigt . . . .** Zunächst müssen wir kurz auf den nächsten Satz eingchen. Der Sachverhalt ist aus derselben Nummer von IM DEUT- SCHHN REICH (S. 19S--193) ersichtlich. Herr Dr. Jakoby bemüht sich verzweifelt, den Kartelltag zur Annahme eines Anträges zu veranlassen, nach dem die Aufnahme der Mitglieder unabhängig vom religiösen Bekenntnis erfolgen solle. Aus der Schilderung des Sachverhalts, der hier nicht wiederholt werden soll, geht zur Evidenz hervor, dass sich der Kartelltag unter dem moralischen Druck, den zwei alte Herren, besonders Herr Prof. C h u 11 ־ Leipzig, durch ihre Drohung, aus dem Verbände auszuscheiden, auf die antisemitische Studentenschaft ausüben, dazu hat drängen lassen, einen lauen Vrmittelungsar.trag anzunchmen, den Herr Dr. Jakoby selbst als klägliches Kompromiss bezeichnet. Nach unserem Empfinden ist zwar dieser ganze Kampf durchaus überflüssig und zwecklos; denn wenn selbst die Annahme des Jakobyschcn Antrages durchgesetzt wäre, so wäre sie eben nur unter eben jenem moralischen Druck erfolgt, hätte also nur rein formalen Wert und würde auf die tatsächlichen Verhältnisse.nicht den geringsten Einfluss ausüben: zurückzuführen.“ ״Haltet Ihr Euch denn für so schwach, dass Ihr es nicht wagt, hinaufzuziehen?“ (Fortsetzung folgt.) Der Zionismus unterwegs Seinen treuen Oenossen ״Leben“ und ״Freiheit“ als Sendbote voranschreitend, eilt der Zionismus durch alle Lande und lässt seinen Weckruf zur Auferstehung weithin erschallen. Der Schlafenden Viele erwachen aus ihren langjährigen Träumen. Schlaftrunken schlagen sie die Augen auf; daun, wie durch elysischen Hauch ncubelebt, sehen sie den Nebelschleier zerrcissen, der das Auge verhüllte. Sie schütteln ab mit Macht die Fesseln, von Sklaverei zeugend; ein leises Rauschen, dann ein Jubeln, ein Jauchzen! ein Recken, ein Klirren, ein Beten, ein Hoffen! — Der Jude ist erwacht! Nur Mauschcl schläft. ״Wach’ auf, Schläfer, wach’ auf! der Tag graut, das Leben ruft; wach’ auf! wach’ auf! die Freiheit naht!“ Mauschel schläft. Rüttelnd und schüttelnd wird Mauschel geweckt. Endlich — siehe, er schlägt die Augen auf, findet auch

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