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Jüdische Rundschau · 1906-03-30 · Heft 13 (30.3.1906) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 13 (30.3.1906)
Date
1906-03-30
Page
– (sequence 15)
Language
German
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No. 13 jÜDlSCHE RUNDSCHAU Seite 180 Berlin, itn März. Die ״Vereinte»»« jüdischer Akademiker‘*, die vor 5 Semestern hier von einer Reihe immatrikulierter und ehemaliger gcsetzcstrcucr Studenten ins Leben gerufen wurde, hat, wie der vorliegende Semesterbericlit zeigt, sich auch im vergangenen Semester in erfreulicher Weise wcitcrcntwickeit. Die Zahl der Mitglieder betrug 43, w;ovon 30 in Berlin au wesend waren. Die im Verhältnis zu der kurzen Zeit des Be- Stehens grosse MitgliecScrzahl zeigt, dass mit der Gründung des Vereins einem dringenden Bedürfnisse entsprochen wurde, und dass der Verein, der seine Mitglieder zu glaubenstrcucn Sühnen des gesetzestrenen Judentums erziehen will, und dabei alle modernen Fragen in den Kreis seiner Erörterungen zieht, zu grossen Hoffnungen berechtigt. Diese Hoffnungen lassen sich aber nur dann verwirklichen, wenn wirklich alle gesetzestruen Studenten, die nach Berlin kommen, sich diesem Vereine anscltliesscn und mit Eifer für ihn tätig sind, was leider bis heute nicht der Fall ist. Es wäre deshalb wünschenswert, wenn alle, die sich für die Tendenzen des Vereins interessieren, in ihren Bekanntenkreisen für den Anschluss an ihn werben. Folgende Referate wurden im vergangenen Semester gehalten Herr cand. phil. Lcvy: ״Über ein neues konservatives jüdisches Geschichtswerk“; Herr stud. jur. Möller: ״Zionismus und gesetzestreues Judentum“ (8 Abende); Herr cand. phil. Neuwirth ״Über die Stellung der Nichtrabbiner zum Talmud“; Herr cand. phil. Dreifus: ״Kinderspiele itn babylonischen Talmud“; Herr stud. phil. Löwenstein: ״Zum Wesen des jüdischen Religionsgcsetzes"; Herr Dr. ttied. Preuss: ״Der Blinde im altjüdischen Schrifttum“. An alle diese Referate schlossen sich lebhafte anregende Diskussionen, in denen alle modernen und wissenschaftlichen Probleme, die zum Judcntumc in Bc- Ziehung stellen, erörtert wurden tmd wo jeder sich bemühte zur Klärung der Fragen beizutragen. Ausserdem wurde auch die Gemütlichkeit gepflegt, die die Mitglieder bis zu später Nachtstunde zusammenhielt. Der Vorstand setzte sich aus!'01־ genden Herren zusammen:: stud. jur. Jakob Müller 1. Vot sitzender, Rabbiner Dr. E. Munk 2. Vorsitzender; stud. mcd. hvan Haarburger J. Schriftführer, Dr. mcd. Max Ascher 2. Schriftführer; cand. phil. Immanuel Lcvy Kassenwart. An• fragen und Mitteilungen sind zu richten an den Ferien-Prästdeuten Herrn cand. mcd. Salonion Hildesheimer, Berlin N., Friedrichstrasse 130. Berlin. Unter den Auspizien des H i 1 i s v c r c i n $ für die jüdischen Taubstummen in Deutschland, der in der kurzen Zeit se'ncs Bestehens schon überaus segensreich gewirkt hat. w ird in nächster Zeit eine statistische Arbeit über die jüdischen Taubstummen im Deutschen Reich publiziert werden. Angesicht» der überaus betrübenden Tatsache, dass die Juden fast dreimal'so viel Taubstumme aufweisen. als die christliche Bevölkerung Deutschlands, sollen die umfangreichsteil Erhebungen, die bisher auf jüdisch-sozialem Gebiete stattgefunden haben, ins Werk gesetzt werden. Zu diesem Zwecke ist von fachmännischer Seite ein Fragebogen entworfen worden, welcher als Basis für weitere wissenschaftliche und soziale Forschungen dienen soll, zugleich aber auch den Laien einen Einblick in das Wesen. Ursachen und Folgen der Taubstummheit gewähren wird. Es ist daher für die verlässliche Feststellung aller Data von grosser Wichtigkeit dass nicht nur Eltern, Vormünder. Erzieher und Verwandte taubstummer Personen Mitteilung an die Geschäftsstelle des Vereins. Berlin SO.. Köpcnickerstr. 124. gelangen lassen, sondern auch alle Menschenfreunde, die sich für jüdische Angelegenheiten Intercsslcren. Aerzte, Lehrer. Vorsteher und Vereine sich der Fragebogen, die von genannter Stelle gratis und frank״ erhältlich sind, bedienen. Auch Portoauflagen werden dankbar zuerückerstattet und allen Interessenten die Broschüre zu״esandt. Kattowltz. Am 17. Februar fand in Bcuthen O.S. eine Versammlung des oberschlesiselien Rabbinerverbandes statt. Der Vorsitzende. Rabbiner Dr. Cohn-Kattowitz, croffnetc die Sitzung und richtete Worte der Begrüssung an den neu eingetretenen Kollegen Gradenwitz-Tarnowitz. Anwesend waren die Herren Cohn-Kattowltz, Miinz-GIciwitz, Kaatz-Zabrze, Rau- Pless. Norden-Myslowitz, Dienemaun-Ratibor, Braunschwei־ ger-Kattowitz, Galliuer-Bcuthen und Gradenwitz-Tarnowitz. — Nach Eintritt in die Tagesordnung bringt der Vorsitzende ein Schreiben des Amtsgerichtsrats Glogauer-Tarnowitz zur Verlesung. Derselbe teilt dem oberschlesiselien Rabbiuerverbande mit, dass er den Vorsitz des oberschlesischen Gemeinde- Verbandes übernommen und dass er es in dieser Eigenschaft als eine seiner wichtigsten Aufgaben erachte, in Gemeinschaft mit dem oberschlesiselien Rabbine-verbande an der Förderung des Religionsunterrichts mitzuwirken. Die Ve־sammlung nimmt von dieser Auslassung mit Befriedigung Kenntnis. Kollege Münz erstattete den Kassenbericht. Hierauf weist der Vorsitzende darauf hin, dass zum April d. Js. einige Zöglinge aus dem Rybniker Wniscnhausc entlassen werden und ersucht die Kollegen, sich dafür zu interessieren, für diese Zöglinge solche Stellungen ausfindig zu machen, in welchen die Sabbathheiligung inuegehaiten werde. — Hierauf gelangt die nun seit mehreren Jahren eingeführte Revision des Religionsunterrichts in den rabbincrlosen Gemeinden seitens des oberschlesiselien Rabbinerverbandes zur Besprechung. Es wird festgestcllt. dass diese Einrichtung sich segensreich bewährt habe und dass ein Wechsel der Revisoren au den einzelnen Schulen im allgemeinen nicht als zweckmässig erscheine. Der Vorsitzende macht die Kollegen darauf aufmerksam, dass nur durch sorgsatne und pünktliche Innehaltung der von ihnen als Revisoren übernommenen Ehrenpflicht ein erspriesslichcs Zusammenwirken in dem grossen Organismus, der so viele Gemeinden und auf den Dörfern verstreute Schulen umfasse, zu ermöglichen sei. —• Die Versammlung wandte sich hierauf dem Entwürfe eines Nonnaliehrplanes für cinklassigc Schulen zu, der einem Unterricht zu Grunde gelegt werden soll, für den nur 2 Stunden in der Woche zur Verfügung stehen. Diese Frage, die bereits iriiher zur Erörterung stand, wurde auch diesmal in angcregter Debatte beleuchtet. Sic ist gerade fiir obcrschlesische Vcrhältnisse, wo aus den Hiittendörie״j1 einzelne Kinder zu ge• meinscliaftlichem Religionsunterricht zusammengeführt werden, von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Nachdem Kollege Kopistein. einige allgemeine Gesichtspunkte für den Minimal- Ichrplan aufgcstellt hatte, wurde eine aus den Kollegen Norden, Braunsehwdgcr und Galliner bestehende Kommission gewählt und derselben die Auigabe übc־trage11. den zur Beratung stehenden Minimallehrplan unter Berücksichtigung der in der Sitzung gegebenen Anregungen und aufgestellten allgemeinen Gesichtspunkte auszuarbeiten. Der Vorsitzende berichtet nunmehr über die erneute, drohende Agitation der Tierschutzve*eine gegen das Schächten. Von jüdischer Seile müsse jetzt vor allem das religiöse Moment in den Vordergrund gestellt werden. Es wird beschlossen, an den allgemeinen Deutschen Rabbiuerverband das Ersuchen zu richten, die diesbezügliche Erklärung, die bereits früher von den deutschen Rabbinern erlassen wurde, zu erneuern. Coethcn. Die an unserem Polytechnikum bestehenden farbentragenden Verbindungen haben sich um eine vermehrt, der akad.-jüd. Turnverein ״M a 11 a t h i a s“ ist am Sonnabend den 20. d. Mts., zum ersten Mal in seinen Farben erschienen. Die hellblaue Aliitzc, der blau-wciss-gelbc Rand verraten beim ersten Anblick die jüdisch-nationale Grundlage der neuen Verbindung. In würdiger Weise verlief am Sonnabend die erste Kouleurkneipe der neuen Verbindung. Der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den Inländischen Israeliten (Israelitischer Handwerkerverein) in Wien, der auf das 64. Jahr seines Bestandes zurückblickt, gibt Bericht über den Stand im Vereine und im Lehrlingsheim: Ein Meister erhielt das Erträgnis der Königswarter- Stiftung, 6 Gesellen und 6 Zöglinge erhielten Prämien, 27 Geseilen wurden für Reisen ins Ausland unterstützt, aufgenommen wurden 361 Knaben, 159 wurden Oehilfen, 69S blieben in Obhut des Vereins. Für allgemeine Zwecke wurden ausgegeben in Kronen: Aufding־ und Freisprech-Taxen 513S.34, Wüsäe und Bekleidung 33.S26.25, Schulrcquisitcn 656.89, Lehrgelder, Werkzeuge, Prämien 812.25, Verköstigung an Feier־ tagen 6S5.90. für das Lehrlingsheim 3749.73, Meisterunter- Stützungen 2700. Der Vermögensstand des Vereins beträgt 96S.4S4.92. Von den Zöglingen sind aus Böhmen 41, Galizien 275, Mähren 9S, Nicderüstcrrcicl! 101, Schlesien 10, Ungarn 173, die in allen bekannten Gewerben unterbracht sind. Synagogenweihe in Posen Vor 8 Tagen wurde die Feier der Grundsteinlegung zur neuen Synagoge begangen. Zu Ehren des Tages hatten das Gemeindehaus und einige angrenzende Gebäude Flaggenschmuck angelegt. Präzise 11 Uhr begann der Akt. Herr Justizrat Salz, stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der Synagogengcmeinde. hielt eine Ansprache Und dankte hierin den Spendern, die zu dem Bau des heiligen Gotteshauses beigetragen, ferner dem Bauleiter fiir den gelungenen Bauentwurf, sowie auch den staatlichen und städtischen Behörden für den wohlwollenden Schutz und bat die Vorsehung um das gute Gelingen des Werkes. Der jüdische Männergesang verein unter Leitung des Dirigenten Berggruen trug hierauf den Psalm 84 vierstimmig vor. Darauf folgte die Wcihcrcdc des Herrn Gemeinde-Rabbiners Dr. Feilchenfeld. Der ehrwürdige Greis ging von den! Bibelworte aus: ,.Ziehe deine Schuhe ab von den Füssen, denn der Ort, worauf du stehst, ist ein heiliger.” In weiterer Ausführung kam Redner darauf zu sprechen, dass die Stelle, worauf die Synagoge

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