Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 13 (30.3.1906)
- Date
- 1906-03-30
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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! I Seite 188 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 13 Import nach Palästina fl?0000 Pfd..Sterl.>, dann kam Oesterreich-Ungam ((SO 000 Pfd. Sterl.) und au dritter Stelle Grossbritannien (43 000 Pid. Sterl.). Die nachfolgenden Ziffern sollen den Anteil Grossbritannicns am Export und Import Palästinas, verglichen mit dem der hauptsächlich konkurrierenden Staaten zeigen: Export: Grossbritannien 31 Prozent: Aegypten 25 Proz.; Deutschland 10 Proz.: Frankreich 8 Proz. Import: Tiikei 35 Proz.: Oesterreich-Ungarn 12 Proz.; Grossbritannien 9 Proz.; Russland 7 Proz.; Britische Kolonien 6 Proz.; Frankreich 6 Proz.; Deutschland 4 Prozent. Der Wert des Exports nach den Britischen Kolonien war in! Jahre 1904 6000 Pfd. Sterl., gegen 500C Pfd. Sterl. im Jahre 1903 und der des Imports aus den Britischen Kolonien 32 000 Pfd. Sterl. gegen 30 IW Pfd. Sterl. im Jahre 1903. Die Vcrschiffuugsauswcise des Seehafens von Jaffa für das Jahr 1504 zeigen sowohl in der Anzahl als auch im Tonnengehalt der Schiffe eine bedeutende Steigerung gegen das Vor- Jahr. Die Gesamtzahl der Schifte, welche Jaffa im Jahre 1901 anfuhren und dort löschten, betrug 893 mit einem Tonnncngehalt von ungefähr 718 647 tons gegen 765 Schiffe mit 589 249 tons int Jahre 1903. Von diesen waren 409 Scegelschiiie mit einem Gesamttonnengehalt von 13 711 tons und 4S9 Dampfschiffe mit einem Tonncngehal! von annähernd 704 936 tons. Itn Jahre 1903 war die Anzahl der Dampfschiiie, welche in Jaffa löschten, 425, und der Tonnengehalt 567 820 tons; das macht eine Steigerung um 64 Schilfe mit 128 116 tons im Jahre 1904. Den wachsenden Aufschwung Jerusalems und •Palästinas im allgemeinen hat man nicht zum kleinsten Teile der Eröffnung der Eisenbahn zwischen Jerusalem und Jaffa, welche vor nunmehr J2 Jahren erfolgte, zu verdanken, und die Fortschritte, welche gegenwärtig im Bau der Linie zwischeu Haifa und Damaskus gemacht Verden, haben den Schiffsverkehr Jaffas, des Seehafens von Jerusalem, welcher bloss 37 Meilen*) Chausseeweg und 54 .Meilen*) Bahnweg von dort entfernt ist, merklich belebt. Ein neues Element ist in das Jerusalemer Alltagsleben ge% kommen, seit die Herren Prof. Schatz und Lilien hier anlangten und ankündigten, dass das Institut ״Bezalei” in kurzer Zeit eröffnet werden wird, in welchem talentierte Arbeiter im Zeichnen und Kunsthandwerk und weite Kreise der Bevöi• kerung in allerlei Arten von Handwerkarbeit unterrichtet werden sollen. Man hont, dass durch diese Bestrebungen die hiesige gewerbliche Arbeit neubclebt und der ökonomische Zustand vieler Familien verbessert werden wird. Mancher palästinische Jüngling, der nie davon geträumt hat, dass er sein Talent zum Malen entwickeln und praktisch werde verwerten können, da seine Mittel nicht hinreichten, um ihm eine Europareisc zu ermöglichen, wird im ״Bezalei” ohne oder mit geringen Schwierigkeiten sein Ziel erreichen und es hoficntlich dadurch zu einer gesicherten Existenz bringen. Man hat für Unterbringung des Instituts ein schönes, zweckmässig eingerichtetes Haus gemietet, und es sind auch bereits alle auswärtigen Schüler hier augekommen. * Das sephardischc oder, wie man cs nennen möchte, das hebräische Waisenhaus hat cs endlich dahin gebracht, ein eigenes Haus auf eigenem Boden bauen zu können. Diese Anstalt ist vor zwei Jahren von sephardisehen jungen Leuten mit wenigen Mitteln gegründet worden, und seitdem macht sie in allen Hinsichten grosse Fortschritte. Es ist fast das einzige unter den hiesigen Wohltätigkeitsinstitutcn. das . mau als hebräisches bezeichnen kann, ln diesem Hause wird nur hebräisch gesprochen und dank dem tüchtigen Lehrer, Herrn A. Elmalech. machen die Zöglinge ganz bemerkenswerte Fortschritte in der hebräischen Sprache, aber auch in den anderen Disziplinen, wie Geographie, Rechnen u. a.. die von dem obengenannten Herrn gelehrt werden. Dieses ebenso notwendige wie erfolgreiche Institut verdient in der Tat eine kräftige U11terstiitzung seitens unserer Brüder in Europa. * Vor einigen Wochen sind hier viele persische Juden angelangt, die die Unterdrückung und die Not in ihrem Heimatslande nicht mehr ertragen konnten und glaubten, hier eine bessere Unterkunft zu finden. Sic sahen sich aber in ihren Hofinungen getäuscht und greifen, wie ihre hier schon ansassigen Glaubensgenossen und Landsleute, zum Bettelstab. Die hiesigen persischen Juden bilden in bezug au! ihre Sprache und Lebensweise eine besondere Gemeinde, werden aber als י) Eine engl. Meile 1,600 km. solche hier nicht anerkannt und schlicsscn sicli darum an die Sephardimgcmeinde an. Sie besitzen mit geringen Ausnahme», keine Wohnhäuser, die dieses Namens würdig sind, sondern ihre kleine Kolonie, die im Westen der Stadt liegt, ist aus Hütten von Wellblech zusammengesetzt, die itn Arabischen Bujüt at-tcnck heissen, wie die der Jemeniten. Die Jemeniten tun ihr Möglichstes, uni sich durch ihrer Hände Arbeit der Armut zu erwehren; die persischen Juden aber nehmen, sobald sie hier angelangt sind, das Betteigeschütt auf. machen ihre Touren durch die Stadt, um das. was man ihnen hinreicht, ohne viel Bedenken in ihre schmutzige, an der Seite herabhangende Betteltasche .zu stecken. Ihre Kinder besuchen keine Schulen, nur einige unter ihnen, die im Verhältnisse zu den anderen wohlhabend genannt werden können, schicken ihre Söhne in die Schüfe oder ins Glieder, das in einer ebenfalls aus Blech und mürbem Holze hcrgcstelitcn Hütte untergebracht ist, wo ein armseliger Rabbi den zusammengedrängt mit unterschlagenen Beinen auf dem Boden sitzenden und iniolge der durch die vielen Ritzen und Spalten eindringenden Nässe und Kälte frierenden und zitternden Kindern Unterricht im Lesen und Ucbersctzcn der Bibel erteilt. Die übrigen bcgleiten ihre Mütter beim Bettelgewerhc oder betteln auf eigene Faust. Ihre Lage ist in der Tat sehr erbärmlich, doch kann man zu ihrer teilweisen Entschuldigung anfuhren, dass durch die stete Unterdrückung und die Armut in ihrem Heimatlandc das Bettelwcsei! ihnen gleichsam schon ange- Boren ist. Der Sultan, der bis jetzt der Einführung der Elektrizität heilig widerstrebt hat. gibt, wie THE NATION mittcilt, nunmehr nach und hat die Konzession zur elektrischen Beleuch tu ng Jerusalems um! für ein Draisinen-Systcm in der Umgebung gewährt, das sich zu einer Strassenhaha nach Bethlehem, Bethanien und wahrscheinlich auch nach Jericho und dem Mosesgral) auswachsen wird. Man plant sogar die elektrische Linie bis A m tu ü n weiterzui'iihren, womit der Anschluss an die Linie D a m a s k u s - M c k k n erreicht wäre. Wie wichtig dieser Bahnbau für Pilger. Tot:- risten und Archäologen wäre, braucht wohl nicht gesagt zu werden. Von Amman fährt die Eisenbahn in 13 Stunden nach Ma'än. von wo man in sechsstündigem Ritt die grandiosen Ruinen von Petra erreicht, die bisher nur mit Schwicrigkeiten und Gefahren besucht werden konnten. ־* Auch Damaskus wird ein vollständiges elektrisches Strasse 11 bah ns y sic m erhalten, wozu die Wasserkraft von dem historischen ’Amanafliisschcn, gewöhnlich Baraä genannt, geliefert werden soll. Und Bcirüt, die am weitesten vorgeschrittene und modernste Stadt Syriens, bewirbt sich ebenfalls um die Konzession für elektrische Beleuchtung und Strasscabahneu. Einige kirchliche Zeitungen »md Zeitschriften des Kontinents sollen gegen die ״Entweihuitg” durch die elektrische Spannung der Luit Protest eingelegt haben, da z. B. die Tramway Jerusalem-Jericho direkt über den Oelberg laufen wird. Aber die Verkehrsriieksiehten werden hier doch siegen. Die letztgenannte Lime und wahrscheinlich auch die anderen werden von einer deuisehen Gesellschaft gebaut werden. נ Aus Gemeinden und Uereinen Berlin. An! Montag, dem 2. April d. J., abends 812 Uhr, findet im grossen Saale der Gesellschaft der Freunde. Potsdamerstrassc 9. eine Gedächtnisfeier für Gabriel Riesser statt, die der Vorstand des Vereins für jüdische Geschichte und Literatur (Dr. Gustav Karpeles) veranstaltet. Berlin. Das der hausw irtschaftlichcn Ausbildung unbemittclter jüdischer Mädchen und ihrer Verbreitung für den Dienstbotenberuf dienende Jüdische M ä d cli c n s t i f l uuterhiilt nach seinem eben ausgegebenen 16. Jahresbericht in einem von der Hausmutter, Frau Henriette Bacr, geleiteten Heim, Lotluingcrstr. 16, 16 Zöglinge vollständig unentgeltlich, lin ahgclaufcnen Jahre sind 6 und im ganzen bisher 52 Mädchen dem Dicnsthotcnbcrui zugeführt worden; unter diesen konnten bereits 14 für 2- 9jäl1rigen *reuen Dienst hei derselben Herrschaff durch eine Prämie ausgezeichnet werden. Zur Fortfiihrung seiner verdienstlichen Wirksamkeit bedarf das Stift, das bei einer Gesamtausgabe von 10 163 Mark. d. 11. 635 Mark nro Kopf nur 9740 Mark zur Deckung derselben bestimmte Einnahmen, also einen Fehlbetrag von 424 Mark aufweist, dringend einer Kräftigung und Sicherung seiner finanziellen Grundlage. Vorsitzende sind Direktor Dr. Streiitz und Frau Julie N'eumann. i 1