Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1906-03-30 · Heft 13 (30.3.1906) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 13 (30.3.1906)
Date
1906-03-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2651447-2651461--03400-2660327
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 182 No. 13 JÜDISCHE RUNDSCHAU - - - ף r■ -— -lg - - - ■— breitet! Welche Segnungen die Brennereien und Brauereien; im Gefolge haben, das sehen wir zur Genüge in den Ländern, j wo diese Industrien in vollster Blüte stehen. Wir danken für f diese Segnungen. j Nun könnte man mir vielleicht eiuwcrfcn, dass ja in j Palästina bereits ein Zweig der Alkoholproduktion, und zwar . in ziemlicher Ausdehnung, besteht, der Weinbau und die Wein-; Produktion. Ja, leider! Ich sehe in dem Weinbau, soweit er ( darauf ausgeht, Wein aus den Trauben zu keltern und das muss er, wenn er in grossem Massstabe getrieben werden und rentabel sein soll eine Gefahr für das Land, we l der Weinbau zunächst dazu führt, die Weinbauer und ihre Umgebung allmählich an den regelmässigen Weitigenuss zu gewöhnen und daun immer weitere Kreise dem Alkoholismus zuzuführen, wenn darüber auch einige Generationen vergehen mögen. Ma i schaue nur nach dem weinbauenden Krank reich, das noch in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts als eines der massigsten Länder galt und sich in den letzten־ Jahrzehnten zu dem alkoholisiertesten Lande der Welt entwickelt hat! Aui , den Kopf der Bevölkerung kommt dort an Traubenwein allem : über!4 l absoluter Alkohol im Jahr, d. i. über 3 1 mehr als in Deutschland an absolutem Alkohol in allen alkoholischen Getränken zusammen pro Kopf und Jahr getrunken wird. Und . auch in den übrigen Wcinlündcrn, in Italien, Spanien, Portugal ist der Weinkonsum pro Kopf nicht viel geringer als in Frankj reich. Wir haben danach alle Ursache, es In Palästina nicht : ebenso weit kommen zu lassen und den Weinbau nicht zu bc- : günstigen, sondern möglichst cinzuschränkcn. Vollständig ausrotten braucht man den Weinbau nicht, denn die Weintraube ist chic köstliche Frucht, deren Rohgenuss eine viel grössere Ausbreitung verdiente; auch können die Trauben zu Gelee verarbeitet, sowie getrocknet und als Rosinen in den Handel gebracht werden. Ausserdem ist es in der letzten Zeit der 'lechnik gelungen, den Traubensaft zu konservieren, ohne dass es zur alkoholischen Gährung darin kommt, und alkoholfreie, unbegrenzt haltbare Traubensäfte hcrzustellen, wie man Hirnbeer, Erdbeer-, Stachelbcersäfte etc. schon lange kennt. (Fortsetzung folgt.) Rundschau Erzählen Sie es bitte nicht weiter!- Der gegen den Herausgeber der HAZEFIRAH (z. Z. HAZOFE) und des TELEGRAPH von der russischen Zensurbehördc angestrengte politische Prozess wurde, wie unsere Leser wissen, vor einem Monat in Warschau verhandelt. Sokolov hatte ״Das rote Lachen“ von Andrcjeii zum Abdruck gebracht. Seine für russische Revoiutionsverhältnissc vielleicht gelinde Bestrafung hat, weil man eine noch grössere Strafe erwartete, und weil Sehokolow es verzog, während des Prozesses im Auslande zu reisen, zti unkontroliierbarcn Gerächten Anlass gegeben, die der Grund unwahrer Pcrfidiecn wurden. Da sie von Mund zu Mund unter dem bekannten ״strengsten Siegel der Verschwiegenheit" weitergegeben wurden, so war diesen ״Gerüchten" keineswegs beizukommen. Es ist in gewissem Sinne datier garniclit so schlecht, dass eine Berliner Jüdische Zeitung einem Berichterstatter zum Opfer gefallen ist, der das Folgende schreibt: ״Sokolows Glück und Ende. Am 27. Februar fand der bereits von uns avisierte Pressprozess gegen Naelmm Sokolow. den in weiten jüdischen Kreisen bekannten Herausgeber des in Warschau erscheinenden hebräischen Tageblattes HAZE- FIRAH statt. Das Verbrechen, ״das rote Lachen", abgedruckt zu haben, wurde mit 150 Rubel Geldstrafe und der Sistierung der HAZEFIRAH auf 3 Monate als hinlänglich gesühnt angesehen. Der Prozess, welcher so einen verhältnismässig giinstigeu Ausgang genommen hatte, dürfte aber nach einer andern Richtung für Herrn Sokolow sehr unangenehme Folgen haben. Als Alilderungsgrutid teilte nämlich der Staatsanwalt in seinem Plaidoyer mit, dass der Angeklagte zur Zeit des Erscheinens des inkriininierten Artikels sich im Auslände aufhielt und zwar — im Aufträge des russischen Ministers des Aeusseren. Diese letzten Worte haben im gesamten russischen Judentum grosses peinliches Aufsehen erregt. Nachuni Sokolow, ein Agent des russishen Ministers des Acusseni! Offenbar bereiste er auf Kosten des Ministeriums das Ausland, um die jüdischen Bankiers daselbst von dem guten Willen der mssischen Regierung gegen die Juden zu überzeugen. Es muss jedoch bemerkt werden, dass Sokolow selbst in seinen Blättern HAZEFIRAH und TELEGRAPH den Zweck seiner Reise als weit harmloser binstellt. Das Ministerium des Acussern habe ihn nach Holland geschickt, um Material über die Judenfrage zu sammeln. Diese Erklärung wird aber von der jüdischen öffentlichen Meinung in Russland als leere Ausrede und die publizistische Karriere Sokolows als vernichtet bctrachtet.“ — Wir sind auf Grund genauer Informationen in der Lage, festzustellen, dass diese Behauptungen völlig auf U n w a 11 rhei t beruhen. Wahr ist daran nur das Strafmass, das Sokolov zuteil wurde, und dass Sokolov, der im Kampfe der russischen Juden um die Gleich- und Vollbcrechtigung neben Dr. Schmarjah Lcwin eine hervorragende Rolle spielt, unterstützt von hervorragenden Juden Material sammelt über die europäische Judenemanzipation zwecks geeigneter Vorlage in Russland. Die Regierung gab ihm nur ein Empfehlung zur Benutzung europäischer Archive, wie sie jedem• historischen Forscher fast ohne weiteres zuteil wird. Wir bedauern, dass eine in jüdischer Beziehung sonst uns so nahe stehende Zeitung der Weg wurde, in dem die gefälschte Nachricht den Weg an die breite Oeffentlichkeit fand. ״Nein,“ erwiderte Ben-Jekuticl, ״ich bin aus der grossen Stadt Jerusalem." ״Na ja, was man so gross nennt!“.... Da getraute sich Ben-Jekutiel nicht zu widersprechen; denn er dachte bei sich, wenn jetzt die Juden, die doch ehemals ein so grosses Volk waren, so klein und schwach geworden seien, da wäre cs auch möglich, dass gar Jerusalem die herrliche Stadt, wieder klein geworden war. Und er seufzte tief im innersten Herzen. Da fiel ihm ein, wie schon einmal das Volk weggeführt war in die Gefangenschaft nach Babel, der Stadt im Osten. Damals aber war wenigstens das Volk krliftig geblieben, und hatte nicht seiner selbst vergessen. Jetzt aber schien es gar keinen Juden mehr zu geben, der daran dachte, sein Volk wieder wieder frei sehen zu wollen. Kein Makkabäer war zu erwarten, der im Feuereifer das Volk von Sieg zu Sieg geführt hätte. Und wenn Gott, der Herr Israels, sogar ein Wunder getan und ihnen einen Juda Makkabbi vom Himmel geschickt hätte, sie würden nur gesagt haben, er sähe nicht jüdisch aus; aber er hätte wohl keine drei Mann gefunden, die ihm gefolgt wären. Tieftraurig wurde ihm um’s Herz. Es war ihm so bitter. Mit Gewalt presste er die Tränen zurück denn es fehlte wenig, solbitte er zu weinen begonnen. Ach, was war aus seinem so ruhmreichen Volke geworden? Unwillkürlich fasste er nach seinem Ringe, um sich zurückzuversetzen in die Zeit Königs Jatinai, die ihm einst so öde erschienen war und die er jetzt für ein goldenes Zeitalter halten musste, seitdem er diese Zeiten erblickt, die so.. so fortgeschritten waren. Bitter seufzend ergriff er seinen Ring, um in jene Zeit zuriiekzukehren, die jetzt mehr als zwei Jahrtausende hinter ihm zu nieklag. Schon wollte er seinen Ring drehen und seinen Wunsch aussprechen, als er sich des Propheten erinnerte» der ihm den kostbaren Ring geschenkt hatte. Er sah im Geiste die vorwurfsvollen Augen des hohen Greises auf sich gerichtet, als wollten sie sagen: ״Und du hast dich bcklagt!“ Er liess den Ring los, und indem er ihn namenlos unglücklich betrachtete, seufzte er vor sich hin. Aufmerksam war sein junger Nachbar allen seinen Blicken und Bewegungen gefolgt; jetzt fragte er teilnahtnsvoll: ,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.