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Jüdische Rundschau · 1906-03-23 · Heft 12 (23.3.1906) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 12 (23.3.1906)
Date
1906-03-23
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite *74 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 12 Oraf Witte, ״kümmern sich die Finnen« nt! Polen nicht darum, wie es in Russland z u g c h t, jnü interessieren sich nur für ihre eigenen Fragen? Warum, umgekehrt, denken die Juden nur an andere und nicht an sich selbst? Die Finnen st:5rt es gar nicht, wenn in Russland die höchstmonarehische Selbsthcrrschaft ist, wofern sic nur in Finnland ihre Freiheiten haben. So sollen sich auch die Juden in die innere Politik nicht einmischen . . ." Also die Juden sollen in der Duma höchst bescheiden den Mund halten, und sollen sich dort isolieren. Herrn Witte zu Gefallen! ^—1 Sprechsaal EÜ— Für die Mitteilungen an dieser Stelle übernimmt die Redaktion nur die pressgcsctxliche. Verantwortlichkeit Sehr geehrte Redaktion! No. 11 der JUEDISCHEN RUNDSCHAU brachte unter der Ueberschrift ״Aus der Stadt der reinen Vernunft" einen Belicht über die hiesigen Rcpräsentantenwahlen, der in einigen Punkten der Berechtigung bedarf. Zunächst ist festzustellcn, dass die Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen 365 betrug, wovon etwa 150 auf die zionistisch-konservative Liste entfielen. (Der Bericht schreibt diese Minorität von 150 Stirninen der siegenden liberalen Partei zu!) Immerhin ein nicht zu unterschätzender Erfolg, der unseic Freunde zu weiteren und lohnenderen Anstrengungen bei den nächsten Wahlen ertnutign wird. Von einer Drohung der Liberalen, missliebige ausländische Juden ausweisen zu lassen ist hier, soweit ich nachforsclier. konnte, nicht das mindeste bekannt. Aber selbst wenn eine solche Auffassung roher Gesinnung vereinzelt gefallen sein sollte, so wäre cs doch ungerecht, für die Niedertracht eines Einzelnen die Gesamtheit der deutschen Juden Königsbergs verantwortlich zu machen, deren Verhalten gegenüber den russisehen Brüdern zwar gewiss nicht einwandfrei ist. Jedoch eine solche Verdächtigung nicht verdient. Die Gerechtigkeit erfordert cs sogar, anzuerkennen, dass die Wahl des Unterzeichneten, des einzigen ziouitischen Vertreters in der Repräsentantenvcrsanimlung. nur durch die Unterstützung der Liberalen möglich geworden ist. die den Beschluss der Vorvcrsamnilung ohne Rücksicht auf meine Partcistcliung loyal ausführten. Mit Hochachtung und Ziojisgruss Leo D i n e s m a n 11. Kleine Mitteilungen Berlin. Die Grossloge für Deutschland VIII U. O. B. B. erlässt ein Preisausschreiben in Höhe von 500 Mark für das beste jüdische Märchenbuch. Die Arbeiten müssen, mit einen! Kennwort versehen und unter Beifügung eines verschlossenen Briefumschlages mit gleichem Motto, worin sich der Name der Verfasser befindet, bis zum 1. Oktober an das Bureau der Grossloge für Deutschland VIII U. 0. B. B., zu Händen des Herrn D. Wolfi, Berlin, Wilhclmstrassc 118, III eingesandt werden. Berlin. Das Jüdische Mädchenstift zur unentgeltlichen Ausbiidung unbemittelter Mädchen für den Dienstbotenberuf nimmt für die zutn 15. April er. frei werdenden Stellen schon jetzt Anmeldungen die an den Vorsitzenden Dr. S t r c l i 17., B e r- I i n N. 37, 3 c h ö n h a u s c r Alice 162 zu richten sind, entgegen. Hamburg. Herr Schön!cid. der die Massregelung des Tempelpredigers Dr. L c i m d ö r i c r veranlasst hat. ist wieder zum Vorsteher der jüdischen Gemeinde gewählt worden. Hamburg. Der Andrang von Auswanderern ist gegenwärtig so stark, dass die Auswanderhallen nicht ausreichen. Die Amerika-Linie stationierte deshalb die Dampfer ״Christiania", ״Sicilia” und ״Rhaetia” auf der Unterelbe als Logicrschifie Eine Quelle der Blutlüge ln Moschin (Posen) wutde vor etwa einem Jahre das Grab eines verstorbenen Kaufmanns Fl. auf dem jüdischen Rirclthofe geöfinct, der Kopf von der Leiche getrennt und entwendet. Jetzt wurde ein Landmann aus dem Dorfe B a r a n o w 0 verhaftet. Bei der Durchsuchung seines Anwesens fand man Köpfe und verschiedene andere menschliche Körperteile in einer Futtcrkistc. Der Grund zu der Tat soll Aberglaube sein; der Mann stellte die Leichenteile deshalb in die Futterkiste, damit seine Pferde vor Unglück bewahrt bleiben und gut gedeihen sollten.! Juden In Baden : Wie in den übrigen Gebieten Deutschlands, so ist auch in Baden ein steter Rückgang der jüdischen Bevölkerung zu konstatieren. 1S52 belief sich die Zahl der Juden auf 1,75 700 3ל Prozent der Gesamtbevölkerung und im Jahre 1900 auf rund 26 100 1,-10 Prozent der (icsamtbcvölkcrung. — Auch der fortwährende Zuzug der Juden in die Sta'cft und die damit Hand in Hand gellende Entvölkerung des Landes von den Juden lässt sich, wie überall in unserem Reiche, so auch in Baden konstatieren, denn die jüdische Stadtbevölkerung, die im Jahre 1852 1S.9 Prozent der gesamten jüdischen Bevölkemng Badens betrug, stieg bis 1895 bereits auf 4S Prozent. Orden der Söhne Benjamins Im Murray Hill Lyceum zu Ncw-York hielt der ״Orden der Söhne Benjamins“ seine Jahreskonvention unter reger Beteiligung der Mitglieder ab. Nach dem vom Gmssmeister Abraham Rosenberg erstatteten Jahresbericht zählt der Orden heute fast 21 000 Mitglieder. Im abgclaufeneii Jahre wurden 26*1849,75 Dollar an Witwen und Waisen ausbezahlt, und seit Gründung des Ordens sind 3 67-1752.-1.1 Dollar für Endowmcnts anigewendet worden. •י,!'״■׳ Personalien. Urner Gesinnungsgenosse Herr Apotheken!» sitzer Eugen Isldcr Mamlock hat sich mit Erätilcin Grete Judith Rosenthal verlobt. Die Redaktion der JUEDISCHEN RUND- SCHAU schlosst sich den gcsinmingsgenössisclien Gratulationen aufs herzlichste an. ....,T7-E ׳ .׳ ־ ׳ _j c□ L-.. V Briefkasten der Redaktion Bitte zu beachten! Wir werden ersucht, den Aufenthalt eines jungen Mannes ausiindig zu machen, der seit dem 5. Februar 1906 aus Dessau, wo er sich zuletzt atifhielt, verschwunden ist. Er heisst Baruch Mendel Aurbach (nennt sich mit Vornamen auch Benno), ist Schnei de rgescllc, 18 Jahre alt und aus Plot z,k in Russisch -Polen gebürtig. Er spricht ziemlich gut deutsch. Schwarze Haare, schwarze Augen, Grösse etwa 1.65 m, kleiner, schwarzer Schnurrbart. Jeder, der irgendwie über den Verbleib des jungen Alanncs etwas anzugeben vermag, wird dringend gebeten, Mitteilungen für den Vater an die Redaktion der JÜDISCHEN RUNDSCHAU, Berlin NW. 52, Alelanchthonstr. 4, gelangen zu lassen! M. In B. Manuskripte dürfen immer nur auf einer Seite beschrieben werden. Dürfen wir auch um leserliche und deutliche Handschrift bitten. Zionsgruss. F. ln B. Die Bürgersäle sollen in Rixdorf sein. In Berlin ist uns ein Lokal dieses Namens unbekannt. H. Sch. in B. Besten Dank! Das jüdisch-deutsche, Gedicht können wir aber deshalb nicht bringen — £0 schön und charakteristisch es ist — weil der Name Z. darin vorkommt. Man würde uns sofort wieder böse Absichten unterschieben. Also nichts für ungut! Herzlichen Zionsgruss. F. B. in F. Ueber Grosskolonisation, öffentlich-rechtliche Sicherung, Charter, genossenschaftliche Kolonisation etc. dürften Sie geeignetes Material in ALTNEULAND finden. Wir raten Ihnen aber auch, allgemeine Werke über Kolonisation zu Rate zu ziehen. Zur Beachtung! Der Jüdische Volksvcreln, dem der Leitartikel dieser Nummer gewidmet Ist, verdient allseltlge Unterstützung. Wir bitten unsere Freunde, sich der dieser Nummer beiliegend•;!! Karten bedienen zu wollen und als ausserordentliche Mltgltcdor dem segensreich wirkenden Verein belzutrctcn. An unsere Abonnenten. Wir bitten der Porto-Ersparnis wegen um gefU Ein- Sendung der Abonnenicntsbcträge für das; neue Quartal, da w׳lr sonst annehmen müssen, dass die Erhebung des Betrages durch Nachnahme gewünscht wird, was eine Mehrausgabe von 30 Pfennigen verursacht. Hochachtungsvoll Verlag ״Jüdische Rundschau“, E. G. m. b. H., Berlin N. 54, Auguststrasse 49 a.

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