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Jüdische Rundschau · 1906-03-23 · Heft 12 (23.3.1906) · page 15

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 12 (23.3.1906)
Date
1906-03-23
Page
– (sequence 15)
Language
German
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N0.J2,' JÜDISCHE .RUNDSCHAU __|_Seite 173 steigt, der hat deutsches Fühlen und Denken nie gekannt*' Wir lassen Ihrem. Briefe dieses Schandgcdicht folgen. Es lautet: , Beichte. Das beste meiner Bücher. Das hab* ich nie geschrieben: Die schönsten meiner Lieder Sind ungesungen geblieben. 1 Die feurigsten meiner Küsse. Die hab' ich nie geküsst. Die stolzesten meiner Gelüste. Die hab' ich nie gebüsst. Sobald ׳ich lieg' im Sterben. Ruft mir ein Piäfflein her. Dem will ich reuig es beichten. Was drückt mich iin Gewissen so schwer. Die Sünden, die ich begangen. Wird mir der Himmel verzeih’». Doch die ich versäumt zu begehen. Die werden mich ewig gereu'n. Mit bestem Dank für Ihre Teilnahme und Kampfgenossenschaft und mit alldeutschem Gruss P." — ..Wir fühlen uns“ schrieb darauf der Grazer ARBhITERWILLE. ..im Interesse der deutschen Literatur verpflichtet, Herrn P. (Holzer) die Mitteihing zu machen, dass dieses Schande-dicht. das von echt iiidschcm Zynismus und französehuier Frivol.tüt strotzt, leider nicht von Heinrich Heine, sondern von dem hoffentl cli noch als deutsch anerkannten - - Robert Hamerling ist! Lin Blick in die Volksausgabe. Band 3. Seite 310־. wird den literaturkundiger■ allerdeutsclicste» Professor überzeugen. Hoffentlich beantragen nun die Dcutscbnationaien nicht die Demolierung des Hamerling- Denkmals.“ ln der PSYCHIATRISCH-NEUROLOGISCHEN WOCHEN- SCHRIFT schreibt Dr. H. Hoppe. Königsberg, über ״d c n Acrztemaugcl an Irrenanstalten und eine bisher nicht beachtete Ursache desselben“, und kommt dabei auf die Lage der jüd sehen Aerztc in einer Weise zu sprechen, die zu denken geben sollte: ..-- Das angedeutete Moment besteht darin, dass man in Deutschland seit Anfang oder Mitte der 80er Jahre begonnen hat. die jüdischen Acrzte allmählich aus den beamteten Stellungen lierauszudrängen resp. als Assistenzärzte nicht mehr anzustellen. Es ist dies ja keine isolierte Erscheinung, sondern sie hängt zusammen mit der allgemeinen antisemitischen, oder besser gesagt asemitischen. Tendenz, die seit dieser Zeit in Deutschland in zunehmendem Masse Geltung gewonnen hat. In den Irrenanstalten trat diese Tendenz früher und stärker hervor, während sic die meist .1• den grösseren Städten gelegenen allgemeinen Krankenhäuser bei dem mehr liberalen Zug. der in den Grossstädten herrscht, erst später ergriffen hat. Die ausdrückliche Bemerkung allerdings, die sich vor Jahren hier und da in den Aus* schrc'bungeu fand, dass sich christliche Bewerber melden solltcn. oder dass ein Tatitzeucnis cim/urcichen sei. sind bald wieder auf Grund der darauf erfolgten Rckriminationen gcschwun• den. aber cs ist ja ein offenes Geheimnis, dass an den üifentliehen Irrenanstalten Deutschlands, mit Ausnahme vielleicht von 1 oder 2 städtischen, die etwaigen Bewerbungen j ii d i ־ scher Aerzte schon seit vielen Jahren sofort beiseite gelegt werden, und dass die Irrcnanstaltsdircktoren resp. die Verwaltungen die Assistenzarztstclien lieber jahrelang unbesetzt lassen oder mit weniger fähigen Elementen besetzen, als dass s:e einen jüdischen Arzt anstellen. Jetzt allerdings werden sich jüdische Aerztc bei der allgemein bekannt gcwordenen Aussichtslosigkeit kaum ntclir bewerben. So sind denn die öffentlichen Irrenanstalten, nachdem schon vor Jahren die letzten jüdischen Aerztc abgestossen worden sind vollkommen Judenrein’’ geworden (mit Ausnahme wieder von einigen städtischen Anstalten). Und ähnliches gilt auch jetzt von den meisten öffentlichen Krankenhäuser!!. Wenn man mm bedenkt, dass unter den Medizinstudiercndcu an den preussischen Universitäten, wo mir die Zahlen, mit Ausnahme von Strassburg (auch 16 %). nicht zu Gebote stehen, werden die Verhältnisse wohl ähnliche sein — wenn man ferner bedenkt, dass von den jüdischen Studenten bei ihrer «!!gemein bekannten Massigkeit und Strebsamkeit viel weniger verbummeln, als von den christlichen, und dass sie deshalb wohl auch in» Durchschnitt das Examen früher machen, als die christlichen Mediziner, so kann man sicher annehmen, dass regclmäss:g mehr als der 6. Teil aller jungen Aerzte, welche die Approbation erhalten, aus Juden besteht. Es ist dies eine ganz betraentiiehe Uuotc, aui welche die Irrenanstalten — und jetzt auch die meisten allgemeinen Krankenhäuser — von vornherein verzichten. Im Jahre 1893 waren an den öffentlichen Irrenanstalten Deutschlands 559 Aerzte angcstellt, jetzt wird .hre Zahl oci der Vermehrung und Vcrgrösscrung der Irrenanstalien 600 weit überschritten haben. Wären die Arztstellen an den Irrenanstalten den Juden in gleicher Weise gcöifnet wie den christlicnen Aerztui, so müssten, da die jüdischen Aerztc im allgemeinen etwa den 6. Teil aller Aerzte bilden, etwa IU0 Arztstcllcn m.t Juden besetzt sein, und die Irrenanstalten hätten 100 Vakanzen weniger und bei ihren Ausschreibungen eine um V» grössere Auszahl. Und ähnliches gilt für die allgemeinen Krankenhäuser. Dabei fällt noch ins Gewicht dass d!e jüdischen Aerztc. was ja auch allgemein anrekannt ist. infolge einer besonderen Begabung für die Medizin (die wahrscheinlich aus der zahlreiche Generationen hindurch Vorhändenen. zum Teil aus den äifsseren Verhältnissen erklärl.chen. bcsonderen Bevorzugung gerade dieses liberalen Berufes hervorgegangen ist) sich in besonders grosser Zahl durch Tüchtigkit und ausserdem durch Ernst, Liier. Fleiss und Nüchternheit auszcichnen. Die Verzichtle.stung auf einen so bedeutenden und verhältnismässig tüchtigen Teil der Aerzteschaft erklärt so, wenigstens zu einem Teil, den Assistenzarztmangel und die Verkümmerung des psychiatrischen Nachwuchses Ich habe d.ese Ausführungen nicht gemacht, um dafür zu plaiclieren. dass die judisenen Aerzte wieder ״in Gnaden“ aufgenommen wcrdui. Nicnts liegt nur ferner als ein Appell an uas GcrecntigKeitsgefüül. Ictt glaube aucit nicht dass, selost wenn innen die Irrenarztsteilcn jetzt Wieder eröffnet würden, sie sich in irgend wie ernebheher Zahl um solcne bewerben wtirun, falls sie nicht die üewanr haben, im Avancement, auch was die Direktorstellcn anlangt ganz ebenso beriicksicnt.gt zu werden, w׳ie ihre christlichen Kollegen, wozu ja in absenbarer Zeit nicht die geringste Aussicht besteht. Ich wollte, wie gesagt, nur auf die 'latsachen h.nweiscn. damit nient ein, wie nur scheint nicht ganz unwesentlicher Grund für den Assistenzmangcl der Berücksichtigung entgeht.” Ueber eine Audienz jüdischer N'otabcln bei Grat Witte heisst es im jüdischen Tageblatt DAS LEBEN (früher: DER FRAIND): ״Nachdem die Deputation den Grafen Witte in eindringlicher Weise aufmerksam gemacht hatte, in welcher Not und in welch furchtbarer Besorgnis die Juden allerorts leben, dass überall in Russland ganz öncntlich und frei Agitatoren zu Pogromen aulreizen, indem sie sich dabei auf den Kaiser imd die Erlaubnis der Regierung berufen, dass ferner grosse Organisationen, sogenannte ״Patriotische Ligen", sich zu dem ausgesprochenen Zwecke gründen, die Juden auszurotten, verlangte sie energische Mass regeln der Regierung zur Abhilfe, worauf Grai Witte sagte: ״Ich Lann versichern, dass nicht die Regierung, dass nicht der Minister, nicht die Gouverneure zu den Organisationen der Pogrome gehören. Für die kleineren Beamten, für die Polizeimcister und die Polizei selbst könne er nicht einstehen! Aber, die Regierung ist gewiss gegen die Pogrome.“ Er meint, die Juden könnten ihre Rechte höherenorts einfordern. Graf W itte verbreitete sich dann über die Anteilnahme der jüdischen Jugend an der Revolution. Die Deputation antwortete ihm, erstens sei im Verhältnis zur Stadtbevölkerung die Zahl der Judenrevolutionäre nicht unverhältnismässig gross, und zweitens sei bei der Rechtlosigkeit der Juden ihre Unzufriedenheit doch kein Wunder. Graf Witte erwiderte, es sei natürlich, dass man die Millionen Juden nicht für Tausende von Revolutionären biissen lassen dürfe. Dann sprach man über die bevorstehenden Wahlen der Duma. Die Deputation erklärte, vor den Pogromen hätten sich die Juden sehr für die Wahlen interessiert. Nunmehr, nach den furchtbaren Metzeleien, sei das Interesse nur sehr gc־־it g. W iite antwortete: Nach seiner Meinung sollten sich die Juden beinUlicn, nur Juden zu \v ä lt i e n. g I c i c h g i 11 i g w׳ e 1eher Partei sie angeboren. Die Juden müssen ihre Politik führen. Können die Juden nicht eigene Kandidaten durchbringen, dann ist es für sie das Beste, siel! nicht mit den Unken Parteien zu verbinden, sondern mit der Regierung. In der Duma selbst -• das wäre am klügsten — mögen sich die jüdischen Abgeordneten bei allen Fragen neutral verhalten, aber wenn die Jude 11 frage auf die Tagesördnung käme, dann sollen sie stark und energi$c!1 die Rechte der Juden fordern, und die Regicrung wird ihnen daun helfen. Aber wenn die jüdischen Abgeordneten für fremde, nichtjiidische Interessen eintreten werden, werden sie die Wahrung ihrer eigenen Interessen unmöglich machen. Die J u d c n ni ü s s e n n!1 r ein .Iure 11aus jüdisches Programm habe n. ״Warum", fragte

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