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Jüdische Rundschau · 1906-03-16 · Heft 11 (16.3.1906) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 11 (16.3.1906)
Date
1906-03-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Selte^ 152__־_^_J OPIS CHE Judenmission bewilligt, sogar vor getauften und doch wirklich gut getauften Juden, die noch dazu reich und im Besitze von Titel und Rang sind, der Antisemitismus keinen Halt mehr macht. Das ist der scheinbar geringstc, für den tiefer Blickenden aber der allerbes.e Beweis, wie weit es mit dem Judenhass gekommen i't. Wir leben in einer Zeit, wo die Marannen anfangen, sich nicht mehr sicher zu fühlen, trotz der Gunst der bürstet! und trotz der Kapitalien, die sie angehäuft haben, ln solcher Zeit, wo die Marannen erst beunruhigt wurde״, ist der ehrliche und überzeugungstreue Jude bereits halb auf dem Scheiterhaufen gewesen. Der Druck, der jetzt auf den Juden lastet, wie schlimmer selbst nicht in den bittersten Zeiten des Mittelalters, bringt es mit sich, dass auch die Gclus• bliitcn ins Kraut schiessen, wie sie ärger nicht gedacht werden können. In andern Zeiten sind solche Aufrufe, wie sie ein angebliches S ch u t z komitee in Königsberg in die Welt gesetzt hat, gar nicht denkbar. Aber man kann doch den Königsberger Juden einiges zur Entschuldigung anrechnen. Es gibt bekanntlich keine deutscher gesinnten Juden, als die Mehrzahl der Juden gerade in Königsberg. Und das ist ganz natürlich; denn für die hat das Deutschtum einen ähnlichen Reiz der Neuheit, wie das Christentum für die zu ihm übertretenden Juden. In einer solchen Zeit, wo die allgemeine Fahnenflucht vom Staate prämiiert wird, wo die Juden überall rechtlos und schutzlos sind, wo es für eine Ehre gilt, möglichst schnell vergessen machen zu können, von welchem Vater und welchen Almen man stammt, wo bei den Juden der für am gebildetsten gilt, der am wenigsten von der eigenen Nation und ihrem Wissen kennt, ist es doppelt anzuerkennen, wenn sich eine ganze jüdische Gemeinde im Herzen von Deutschland einmütig mit ihrem Vorstände und Rabbiner zusammenfindet, um an der Besiedlung Palästinas durch Juden teiizunehmen. Nur eine wirklich gebildete Judenschaft, nur eine Gemeinde, die sich wirklich frei fühlt, kann sich so einmütig zu dieser Ehrenpflicht zusammenfinden. Freilieh ist das auch eine Gemeinde, die in der Entstehungsgeschichte jüdischer Bildung und jüdischer Freiheit in deutschen Landen die allererste Stelle cinnimmt. Mit Recht hat man in allen Kreisen — nicht nur der Zionisten — in Deutschland mit einen! gewissen Stolze beachtet, dass die ganze jüdische Gemeinde Dessaus, (Nachdruck verboten.) Das frühe Grab (Aus einem Notizbuche vom Jahre 1881.) von S. G. Frug. Uebersetzt von Helene Traub. Ein lautes aus den Stimmen von Hunderten von Menschen gemischtes Ge! ehre! schwebte über dem hinter einer kleinen Bezirksstadt gelegenen Flüsschen. ״Sie hat sich ertränkt!“. Diese verhängnisvollen Worte gingen von Mund zu Mund. Vom Strome fortgerissen fand man sie unter den Rädern einer halb eingefallenen Mühle. Schrecken und Grauen bemächtigte siel! der Seele beim Anblick dieses verunstalteten Körpers. Die rechte Schulter wies an vielen Stellen halbkreisförmige Spuren von Zähnen auf. Durch die zum Gesicht eingeklebten schwarzen Haare schauten weit. geöffnete tote Augen. Schrecklich war der Ausdruck fieser Augen. Aber noch schrecklicher, noch grauenhafter RUNDSCHAU No. 11 r A , auch die Baronin Cof!n־QppenI!cin1schc Stiftung, Jahresbeitrüge zürn Nationaifond gezeichnet und erstmalig gespendet hat. Das hone Ptiicmbewusstsem, das uu;> der freien und freiwilligen Handlungsweise dieser doch echtdeutschen und wirklich gebildeten Gemeinde spricht, wird ein Ansporn sein für alle bewussten Juden, ihnen nachzucifern. Und wie einst das Licht der Bildung den deutschen Juden von Dessau kam, so möge die bewusste Rückkehr zum Judentum ebenfalls von dort aus weitere Kreise ziehen. Von Deutschland aus ist zuerst jener Geist ausgegangen, der die Entjudung zum Ziele hatte und zu de׳! Juden anderer Länder wie ein schnell sich verbreitendes Krankheitsgift vordrang. Der griechische Mythus lässt den Speer, der die Wunde schlug, auch das einzige Mittel sein, die Wunde zu heilen, bo!st es denn die Pihcht der deutschen Juden, ganz besonders im Hinblick auf die immer noch engverbundcnci! Geschicke der Juden aller Länder, mit der Pflege jüdischen Geistes wieder voranzugehen, wie sie es taten, bis die Lossagung vom Judentum sic hierin ohnmächtig machte. Wie die materiellen Geschicke der Juden auis innigste mit einander verknüpft sind, so sind cs auch die Ideen, die das ganze jüdische Volk durclidringen. Keine geistige Bewegung und keine Stagnation ist in irgend einem Teile der Judenhcit möglich, ohne auf alle andern Teile, der Entfernung und den Gesetzen der Kraft und der Masse entsprechend, fortzuwirken. Den deutschen Juden erwächst hieraus die unabweisbare Pflicht, durch freien und treuen Anschluss an das angestammte Judentum dazu beizutragen, dass selbst 111 diesen bittersten Zeiten die Zukunft des Judentums nicht gefährdet werde. Dann werden wir dazu beitragen, dass auch in Deutschland die Zukunft der Juden niefit ״auf dem Wasser“ beruht. Eljüqim. Das jüdische Volk Man unterscheidet zwei verschiedene Arten von Defini* tionen, ich nenne sie einmal der Deutlichkeit halber, Primär- und Sekundärdennitionen. Die Primärdefinition schafft sich den Begriff erst, den sie definiert, während die Sekundärdefinition den schon vorhandenen Begriff logisch zu erfasset! und genau zu begrenzen sucht. Die erste Art der Definition kommt hauptsächlich in der Mathematik zur Verwertung. waren die schwarz gewordenen verzerrten Lippen, auf welchen der verhängnisvolle Schrei: ״Was habt Ihr mit mir gemacht?!״ mit dem letzten Erzittern erstarrt zu sein schien. Hier ist die Erzählung dieses in der Blüte der Kraft und Hoffnungen zerknickten reinen und unschuldigen Lebens: ״Unbemerkbar strichen 3 Jahre ihres Lebens in der Hauptstadt vorbei, Eine neue Welt, neue Menschen, neue Bücher — die ersten Schritte auf dem Wege zu jenem Ziel, das sie so lange und inbrünstig in ihrer jungen Brust hegte und pflegte. Und mit der ganzen Leidenschaft ihrer drang* und sehnsuchtsvollen Seele stürzte sie sich in die schäuinenden Wellen dieses für sie neuen Lebens. Sie wird Arzt sein, wird arme Leute umsonst heilen, hauptsächlich diese hungrigen und unglücklichen Bauern. Sie ist doch erst 21 Jahre alt; ein ganzes Leben steht ihr noch bevor. Sie wird zugunsten der Menschheit und der Wissenschaft arbeiten. Sie wird glücklich sein. Zwei Jahre, nur noch zwei Jahre und sie ist am Ziel!. Der Vater .... alt ist er.... arm.... und nicht mehr imstande zu arbei- N

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