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Jüdische Rundschau · 1906-03-09 · Heft 10 (9.3.1906) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 10 (9.3.1906)
Date
1906-03-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite M4 JÜDIS CHE R UN D SC HA U ■ No... 10 44 '■'< .luden, J a r o s I a 11 ־ R /. e s z o \v 49 e<c Juden, S a 11 o k - K rasno-Jaslo-dorlice 3S r< Juden, B o c 11 n i a - I י o d r o r z e ־ W i c I i c k a 21 ׳“׳ Juden usw. Die Bukowina entsendete bisher zwei Juden in den Reichsrat, einen von der Stadt C 7. e r 11 o w i t z, einen von der Handelskammer. Czernowitz erhält jetzt zwei Mandate, cs könnte also das Stadttuandat den Juden erhalten bleiben. Um ihren Besitzstand zu erhalten, müssten die Juden trachten, das Stüdtemandat S e r e t h - S u c z a w a ־ R a d a u t / zu bekommen, wo sie gute Chancen haben. Der weisse Schrecken Aus Nikolajew wird der RUSSISCHEN KORRESPONDENZ gemeldet: Welch haatsträubende Zustande gegenwärtig in Russland, namentlich in der Provinz herrschen, kann mau sich im Auslande kaum vorstellcn. Politisch völlig unschuldige Menschen. Personen, die in ihrem Lehen auch nicht einen Schritt zugunsten der Rcvolfftion getan haben, die sogar ob ihrer Anschauungen von den revolutionären Parteien bekämpit werden, sind jetzt ohne die geringste Begründung aus ihren Berufen herausgerissen, ins Gefängnis geworfen, verbannt. Man ist heutzutage in Russland buchstiiblich vogelirei. Niemand weiss mehr, welches Schicksal ihn morgen erwartet. .In unserer Stadt hat sich u. a. folgender empörende Vorfall zugetragen: Der Rabbiner, br. I.. Wilenski, ist vor wenigen Tagen in Hait genommen und jetzt ohne jegliche Gerichtsverhandlung, ohne die geringste Motivierung zu vierjähriger Verb3nmmg nach den nördlichen Teilen der wildesten und entlegensten ostsibirisclitn Provinz Jakutsk verurteilt worden. Pies ist aber eine der härtesten Strafen, über die das jetzige System der grausamsten Willkür und Gesetzlosigkeit veriiigt. Man fragt sich nun: welche Sünden hat der so schwer Betroffene begangen? Ist es etwa ein so inrehtbares Vcrbrechen, dass er am 30. Oktober einem Meeting der gemässigt liberalen Elemente präsidiert hat? Oder, dass er am 31. Okt״»״er nach Bekaiintwerdc!1. «•es Manifestes der .,Freiheiten" in einer Ansprache die Volksmenge ermahnt liat. sich ruhig zu verhalten und die Ordnung zu wahren? Kundige w isscu jedoch die wirklichen Gründe des Willküraktes anzugeben. Der jetzige Chef der Schutzabteilung von Nikolajew. Iw anow, war nämlich noch vor wenigen Monaten Polizcimcister unserer Stadt. Als nun die Exzesse gegen die Juden inszeniert wurden, war er der Hauptorganisator und Inspirator des furchtbaren Nikolajewcr Judenpogroms. Diese niederträchtige Rolle des Polizeivorstehers wurde darauf in einem Memorandum gekennzeichnet, das eine jüdische Deputation, zu der auch der genannte Dr. Wilenski gehörte. Witte überreichte. Seines Postens des Scheines halber enthoben und zum Chet der Schutzabteiluug ernannt, benutzte nun der wiirdige Mann seine Macht, um persönliche Rache auszuüben und Wilenski ins Verderben zu stürzen. So ist man gegenwärtig in Russland der Willkür und dem Gutdünken roher und dummer Polizeiknechte preisgegeben. Jetzt wüten die untergeordneten Geister. Der Krieg, die Juden und die Reaktion Es gibt keine noch so unmögliche Gelegenheit, die unsere geschäftstüchtigen Antisemiten voriiberliessen, ohne iiir Kapitiileben daraus zu schlagen. Da gerade nichts anderes bei der Hand war, musste in der letzten Zeit die Erinnerung an den Jahrestag des Kriegsanianges dazu herhalten, um ein antiscmitisch-reaktionäres Flugblatt in die Welt zu setzen dessen Inlialt zur Charakteristik der antisemitischen Kriegführung hier mitgcteilt sei. Es lautet: ,,Christenbrüder! Der 9 .Februar ist der Tag, an d in der tückische Feind auf das Drängen der Judenschatt uns in den Gewässern des fernen Ostens überfalle» hat. Oder gibt cs noch einen Menschen, der es nicht wüsste, dass schon lange vor Ausbruch des Krieges von den Juden, mit Unterstützung ihrer Banken, und besonders der eigens zum Zweck dieser Propaganda gegründeten zionistischen überall im Auslände eine rege Agitation gegen Russland und alles russische geführt worden ist? Gibt es noch einen, der nicht weiss, dass die Judcngcsellschuft erst sämtliche Staaten Europas und Amerikas und dann, mit deren Hilfe auch Japan gegen Russland und alles russische aufgehetzt hat, bis dieser Feind, die Kenntnisse und Hilfsbereitschaft der Juden ausnutzend, uns plötzlich überfiel und unersetzlichen Schaden zufiigte? Wer weiss es nicht, wie dann dieses selbe Judengesindel mitsamt ihren Mitläufern den Revolutionären, die ganze Mandschurei überschwemmt und dort altes ausspioniert und die Soldaten gegen die Regierung aufgehet/t hat, wodurch der Mut und die Disziplin unserer bis dahin so ruhmreichen Armee gesunken ist? Wem ist es denn »och immer nicht klar, dass cs eben diese verfluchten Juden mit Hilfe eben dieser Jiidenbankcn gcwesen sind, die Russland in einen Haufen von Trümmern, nud Asche verwandelt haben? . . . Wie unendlich viel Kummer, Schmerzei; und Tränen hat doch dieses Judenpack und seine Mitläufer dem russische Volke während der Streiktage zugeuigt! Die blinden Russen, die den revolutionären Juden nachliefen, haben ihre Strafe empfangen. Aber wo stecken nun die Judeukerls — die sicht mau ja garnicht. Versteckt haben sich diese Keris. Sie lachen uns von weitem aus. Ihr wildes, teuflisches Lachen hört Russ-!and wohl, aber sie selbst sind für die Gerechtigkeit ltnerrcichbar. . M ie sollten wir jetzt, am Jahrestage des Ausbruches des unglückseligen Krieges nicht auch der Schuldigen ״edenken. die das entsetzliche Unglück des Volkes herauibeschworen haben? W ir sollten wir ruhig bleiben angesichts der Tatsache, dass diese Juden unser' heiliges Russland in einen Haufen von Trümmern und Asche verwandelt haben? Wie könnten wir dabei vergessen, dass diese Juden cs sind, die mit ihren Bomhen und Mordwaffen die Besten unseres Volkes vernichten? Und endlich, wie können wir vergessen, dass die Juden Russland für die kommenden fünfzig Jahre in Armut und Elend gestürzt haben? Nein, niemals werden wir das vergessen können! Solche Tatsache» vergisst man nicht! •׳'•׳•־' Brüder! Wie lange noch wollt Ihr unter dem jüdischen Joche keuchen? Haltet Ihr es noch nicht an der Zeit, den höllischen Tcufclsspuk abzuschütteln? Je länger wir es dulden, um so schlimmer wird es für uns werden. Jeden Tag wird die Last unerträglicher. Versammelt Euch denn am 9. Februar am Volkshause, um auf ein gegebenes Signa! endgültig die Frage der Abschiebung der ehristusverräterischcn Juden zu lösen. *'IWUH lllll UUl 1 lllAUl I!; * 1I\,UV I *•ויי russischen Volkes! Nieder mit den Christusfcinden! Fort mit den Juden aus Russland!! Es leben alle friedfertigen Nationalitäten in Russland!" Jekaferfnoslaw. Seit der Verhängung des Kriegszustandes über unsere Stadt belegt die Polizei 1'ie jüdischen Bewohner für unbedeutende Vergehen gegen die harten Vorschriften des Kriegsrechts mit grosen Geldstrafen, die manchmal bis zy einer Höhe von 2000 Rubel gehen. Die Polizei will auf W eisung von W'itte — unter allen Umständen, dass die Bevölkerung ihre von der Staatsbank zurückgezogenen Einlagen wieder einlegt, und so ziehen ganze Scharen von Huligans in Uniform und ohne Uniform in der Stadt umher, überfallen am hellen Tag die jüdischen Häuser und rauben alles in bar Vorgefundene: geht jemand auf die Polizei, um darüber Klage zu erheben, so bekommt er zur Antwort: Tragt euer Geld auf die Staatsbank, dann wird cs niemand rauben können. - Aus einem Odessaer Briefe In Bessarabien ist wieder die provokatorische Tätigkeit seitens der Regierung und der antisemitischen Bande deutlich bemerkbar. Es lässt sich ganz danach an, als ob ein neuer Pogrom bevorstchc. Auf Befehl des Gouverneurs ist das ganze Personal der Redaktion der lokalen Zeitung BESSARABSKAJA SCHISNJ, die die Provokation von Kruschcwuu bekämpft hat. arretiert. In dem DRUG, dem Organ von Kruschewan befindet sich eine Proklamation, die expressis verbis zu neuen Metzeleien in ncij qualifizierten Fo.rmeu ruft. Sic hat einen gewaltigen Schrecken bei den Einwohnern erweckt. ׳ . Der neue Justizjninistcr Akitnow ist, so scheint es, bereit eine neue Richtung in der Justiz eiuzuschlagen. so hat er z. B. den Senator Dawidow vom Amte des Vorsitzenden der Gerichtskatnmcr in Odessa, wo viele Untersuchungen über die Metzeleien in Siidrussland bevorstchc», beseitigt. Es ist.bekanut. dass statt Dawidow, Kotljarcw’ski, der im Prozess von Hornel der Vorsitzende xvar, ernannt wird. Petersburg. Dem Verband 1 u r G I c i c 11 b e r e c!11 i g ם n g der Juden war gestattet worden, in Petersburg vom 23. bis 25. Februar eine innere Konferenz zu veranstalten. Hierbei war diese Resolution in Aussicht genommen: .,Ein Volk, das auf dem Kriegsschauplätze im fernen Osten durch mehr als -41000 י Mann vertreten war und alle Lasten und Pflichten in de! selben W'cisc wie alle anderen Völker in Russland trägt, hat' wohl das Recht, die Gleichberechtigung zu verlangen. Die russiselie» Juden hoffen, dass die ilmc» gewährte Gleichbcrcehtigung den Interessen der Stammbevulkerung nicht schaden.

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