Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1906)
- Date
- 1906-03-09
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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- Agen 1× ep/1043981
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ו I No. סו JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 145 sondern im 'Gegenteil dem gesamten Vatcrlandc zym Segen sein wird.־‘ Die Resolution kam nicht zur Abstimmung. Auf diesem Kongress sind im ganzen 82 Delegierte anwesend gewesen, die sich alle für regste Beteiligung der jiidisehen Bcvölkcruug an der Wahlkampagne aussprachcn. Ganz, reaktionär dagegen lautete die Resolution des in Moskau tagenden Agrarierkongress, welcher bei der Regierung um stärkere rechtliche Beschränkung der Juden und Aus- Schliessung sämtlicher Juden von den russischen Hochschulen zu petitionieren beschloss. Aus Palästina Die Drage der Übernahme der Rotscliildschcn Kellerei und Kelterei in Rischon Ic Zion ist in den letzten l agen der Hauptsache nach geklärt worden. Die Kolonisten übernehmen die Kellereien; für die ersten Jahre ist ihnen ein beträchtlicher Zuschuss von seiten der bisherigen Verwaltung zugesichert worden; zum Betriebsleiter wurde Herr Giuskin aus Warschau,der langjährige Vertreter von ,.Karmel“, gewählt. Wir werden auf diese für die selbständige Wcitacntwlckelung der weinbauenden jüdischen Kolonien Palästinas höchst wichtige Angelegenheit noch eingehender zurückkommen. Die Kolonie Gederah befindet sich in grossen Schwierigkeiten. Statt des üblichen Zehnten im Betrage von 7000 Piaster (350 Mark) wurden ihr diesmal von den ScuciPächtern nicht weniger als 3$ 000 Piaster (1700 Mark), (also rund das Fünffache!) zu zahlen atifcrlcgt. Nach langen Verhandlungen hat man sich endlich auf Fin- Setzung eines Schiedsgerichtes geeinigt. Der Ausgang der Sache erscheint recht zweifelhaft. Fs ist nunmehr höchste Zeit, dass die Kolonien auf genossenschaftlichem Wege Steuerpacht und Steuereinziehung in eigene Verwaltung übernehmen. Allerlei Heine und das Christentum Ich bereue sehr, dass ich mich getauft habM. (Brief an Moser 9. 1. 26.) Ich weiss nicht, was ich sagen soll. Cohen versichert mich. Gans predige das Christentum und suche die Kinder Israel zu bekehren. Tut er dieses aus Ueberzeugutig, so ist er ein Narr; tut er cs aus Gleissncrei, so ist er ein Lump. Icit werde zwar nicht aufitören, Gans zu lieben; dennoch gestehe ich. weit lieber wärs mir gewesen, wenn ich statt obiger Nachricht criahrcn hätte. Gans habe silberne Löffel gestohlen. ... Fs wäre mir sehr leid, wenn mein eigenes Getauitscin dir in einem günstigen Lichte erscheinen könnte. Ich versichere dich, wenn die Gesetze das Stehlen silberner . Löffel erlaubt hätten, so würde ich mich nicht getauft haben. (An Moser 14. 12. 25.) Du hattest damals auch einige sehr gute Gedanken über Judentum, christliche Niederträchtigkeit der Prosclytcnmacherci, Niederträchtigkeit der Juden, die durch die Taufe nicht nur die Absicht haben, Schwierigkeiten fortziirätnnen, sondern durch die laufe etwas erlangen, etwas erschachern wollen, und dergleichen mehr, die du gelegentlich einmal aufschreibcn solltest. Du bist ja selbständig genug, als dass du es wegen Gans nicht wagen dürftest., und was mich betrifft, so brauchst du dich wegen meiner gar nicht zu genieren. (An Moser 23. 4. 26.) Ich mache kein Hehl aus meinem Judentum, zu dem ich nicht zuriickgekchrt bin. da ich cs niemals verlassen hatte. (Karpcles, Heines Biographie.) Ich spreche von jener Religion, in deren ersten Dogmen eine Verdammnis alles Fleisches enthalten ist, und die dein Geiste nicht bloss eine Obermacht über das Fleisch zugesteht, sondern auch dieses abtötvii will, um den Geist zu verherrliehen, icii spreche von jener Religion, durch deren unnatiiriiclic Aufgabe ganz eigentlich die Sünde und die Hvprokrisic in die Welt gekommen, indem eben durch die Verdammnis des Fleisches die unschuldigsten Sinnenfreuden eine Sünde geworden und durch die Unmöglichkeit, ganz Geist zu sein, die Hvprokrisie sich ausbiiden musste; ich spreche von jener Religion, die ebenfalls durch die Lehre von der Verwerflichkeit aller irdischen Güter, von der auferiegten Hundedemut und Engelsgeduld, die erprobteste Stütze des Despotismus geworden. (Vorrede zur Geschichte der neueren schönen Literatur in Deutschland I&83.) Ich nenne das Christentum eine Idee, aber welche! Fs gibt schmutzige Ideenfamilien, die in den Ritzen dieser alten VVclt. der verlassenen Bettstelle des göttlichen Geistes, sich cingcnistet, wie sich Wanzenfamilien cimiistcn in der Bettstelle eines polnischen Juden. Zertritt man eine dieser Ideenwanzen, so lässt sie einen Gestank zurück, der jahrtausende* lang riechbar ist. Eine solche ist das Christentum, das schon vor achtzclinhundert Jahren zertreten worden und das uns armen Juden seit der Zeit noch immer die Luft verpestet! (Aus einem Briefe Heines, nach Jungmant: ״Heine ein Nationaljndc״, Berlin 1896.) Kleine Mitteilungen Der Deutsch-Israelitische Genieindchund begründet aut dem von der Stadt Beelitz gestifteten Terrain eine Anstalt für geistig zurückgebliebene Kinder. Der Baufonds beträgt zurzeit etwa 35 000 Mark. Das Jüdische Mädchenstift zur unentgeltlichen Ausbildung unbemittelter Mädchen für den Dicnstbotcnbcriif nimmt fiir die zum 15. April freiwerdenden Stellen schon jetzt Anmeldungen, die an den Vorsitzenden Dr. Strelitz, Schönhauscr-Allec 162, zu richten sind, entgegen. Thorn. Aufgelöst hat sieh der jüdische Turnverein, nachdem seine Eingaben an Magistrat und Stadtvcrordnctcnvcr- Sammlung wegen Hergabe einer städtischen Turnhalle zu den ühungsstunden abschlägig bcschicden worden sind. Schünlanke, 7. Adar. Auf Anregung unseres Rabbiners Herrn Dr. B am herger fand hier eine Gedenkfeier zum Geburts- und Todestag Mosche Rabbanis statt; er gedachte •in seiner Rede auch der jüngsten Märtyrer unseres Volkes in Russland, namentlich des Rabbiners David Schciomo Slouschz Odessa. — Die Erben des in Posen jüngst verstorbenen Herrn Sclioeiilank bestimmten ein Legat in Höhe von 3000 Mark fiir die hiesige Gemeinde; dieselbe bat diesen Betrag als Stainmfonds zum B;׳u eines Gemeindehauses bestimmt, b. Der Jüdische Verlag Berlln-Charlottenburg zeigt an, dass die Zeitschrift JUNG-1SRAEL leider eingegangen ist. Sie wird vielleicht von April ab wieder erscheinen. Berlin. Am Sonntag. 25. Februar, hielt in der vom nationaljüdischcn Komitee des jüdischen Turnvereins ״B a r- Koch ha“ einberufene Versammlung Herr Dr. Zirker einen Vortrag über die ״J ii d i s c b e T u r n e r s c 11 a f t“. Seine Ausführungen gipfelten hauptsächlich in der Klage über die Interesselosigkeit seitens der einzelnen jüdischen Turner und auch vieler auswärtiger Vereine. Hierin sei unbedingt ein Wandel notwendig. Im Anschluss an den Vortrag trugen die Herren Biallcr. Soberski und Dr. Kluge jungjüdische Dichtungen vor. Von befreundeter Seite wird uns mitgeteilt, dass unser Korrespondent durch eine Verwechselung getäuscht wurde, als er in voriger Nummer schrieb, dass Geh. Med.-Rat Prof. Fritz, Strass mann zum Christentum fibergetreten sei. Prof. Fritz Strass mann ist Jude und nicht zur herrsehenden Religion übergetreten. Frankfurt a. M. Die Sitzungen des Ausschusses der Jfidiselten Gemeinde sind von jetzt an öffentlich. HAZEFIRAH ist noch immer verboten. Inzwischen erscheint in Sokolows Verlag eine neue Zeitung mit folgendem Titel: ..HAZOFP. wird geliefert allen Abonnenten von HAZEFIRAH.“ Tiberias. Dr. Abraham K unter, der als calvinistischcr Theologe und als Politiker in Holland eine gleich bedeutende Rolle spielt, besuchte auch die jüdischen Kolonien und sprach seine höchste Anerkennung iiher diese gelungenen Versuche zionistischer und nationaljiidischer Tätigkeit in Palästina aus. Am 23. Februar starb im 63. Lebensjahre Herr Sairicl Marcus, ehemaliger Oberinspektor der türkischen Tabakregie iti Smvrna. Saniel Marcus zählte z.ti den vornehmsten Kämpfern fiir die Emanzipation der Juden in Rumänien und hat sein ganzes Leben hindurch für die Befreiung seiner Stammesgenossen gewirkt. Berühmt sind seine Artikel über die Juden- »rage in Rumäiren, die der Verstorbene 1901 im Pariser Jour- »׳al SIECLE publiziert hat. welche auch ein historisches Dokument seines reichen Wirkens bilden. Diese Artikel wtirden der Aktcnsaiumlung einvcrlcibt. welche den! Brüsseler Kongress ..Pro Armenia“ vorgcleet wurden. Er zählte zu den Mitgliedern der diplomatischen Sendung, welche vovnehmVch 11׳ Berlin beim Fürsten Bismarck zu Gunsten der rumänischen Juden Intervenierten. Saiücl Marcus war ein stammcsstolz.cr Jude, der stets in den ersten Reihen der Nationaljuden stand »■ ■ ..-.. —7־ .—. Z3 CS! I l Briefkasten der Redaktion --- - ־"־־' ־.1 BC3 f־־'־־.-. .. G. in G. Wegen der Angelegenheit Perimaiin—Bundisten haben wir uns nach Königsberg an tmsern Vertrauensmann gewendet, um erst einmal das Tatsächliche festzustcllen, ehe wir selbst Stellung nehmen. I