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Jüdische Rundschau · 1906-03-09 · Heft 10 (9.3.1906) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 10 (9.3.1906)
Date
1906-03-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 13S JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 10 Grundgedanke der mosaischen Gesetzgebung unverstanden geblieben ist. Aber es ist derselbe Zug, wenn man Jesus zu einem Arier und gar zu einem Deutschen gemacht hat, weil man es als beschämend empfand, ein Volk zu verfolgen, dessen Söhnen man die höchsten menschlichen und göttlichen Ehren erweist. Und sollte doch einmal wider Erwarten die Person Abrahams inschriftlich bezeugt werden, so wird es uns keinen Augenblick wundern^ wenn mau ihn dann sofort zu einem Sutnmerier machen würde, der vor der semitischbabylonischen Eroberung das ״alte summerische Erbteil eines einigen üottesglaubcns“ in das benachbarte Ausland retten wollte. Selbst im ärgsten Elend des Golus ist das Jüdische Volk seinem Mosaismus und damit sich selbst treu geblieben. Freilich ist seine Reinheit oft getrübt worden, aber niemals wurde der mosaische öa« uns entrissen, und er ist der Ausg׳augspunkt und das Zentrum des Judentums immer geblieben. Die gewaltige und einzigartige Person Moses, die am Eingänge unserer Geschichte steht, verbürgt uns ihre Dauer und ihren dauernden Wert. Mosaismus ist jüdischer Nationalismus. Und weil uns Purim die Erhaltung und Rettung des Judentums durch das An- ^denken Moses im Golus symbolisiert, ist Purim nicht minder als irgend ein anderes Fest ein echt nationaler Feiertag. — t — Die Kriminalität der deutschen Juden Von Dr. Bruno Blau. (Schluss.) Die Erpressung hat bei den Juden abgenommen, bei den Christen dagegen ist sie häufiger geworden. Die Verurteilungen wegen Betruges haben sich sowohl bei den Juden als auch bei den Christen vermehrt, bei diesen jedoch in etwas stärkerem Masse als bei den Juden. Ferner Ist die Zahl der Bestrafungen von Juden höher als von Christen bei folgenden Vermögensdelikten: Untreue und Pflichtwidrigketten des Vorstands einer Aktiengesellschaft, Verfälschung von Nahrungs- und Gcnussmiücln, Urkundenffilschung und Unterdrückung von Urkunden, Vergehen in Bezug auf Glücksspiele und Lottericen, Beseitigung von Vermögensstücken bei drohender Zwangsvollstreckung, Vergehen in Bezug auf das geistige Eigentum, Verletzung fremder Geheinmisse, einfacher und bctriigliclier Bankerott, andere Konkursdelikte, Wucher, ״andere Fälle des strafbaren Eigennutzes" (unlauterer Wettbewerb, Vergehen gegen das Depotgesetz, das Börsengesetz, das Gcwerbcunfallversichcrungsgcsctz, verbötencs Kreditgeben an Minderjährige, Gebraticlisanmassung von Pfandstücken seitens öffentlicher Ptandleilicr usw.) Hier ist zunächst zu konstatieren, dass die Zahl der Bestrafungen wegen betrügerischen Bankerotts und wegen Wuchers erheblich gesunken ist (um 25 Prozent bezw. 50 Prozent). Eine einfache Uebcricgung lässt sofort vermuten, dass die stärkere Teilnahme der Juden an den genannten Delikten mit ihrer Berufsgliederung Zusammenhänge Es erübrigen sich alle weiteren diesbezüglichen Ausführungen, da sich jene Vermutung durch Zahlen erweisen lässt. Eine gemeinsame Betrachtung von Beruf, Religion und Verbrechen ist leider aus Mangel an statistischem Material nicht möglich. Doch genügt es, die Tatsache, dass mehr als die Hälfte aller Juden im Handel tätig sind, im Auge zu behalten und dann die folgende Zusaminenstelhmg zu betrachten, welche dem Werke Ruppins (die Juden der Gegenwart, Berlin 1901־) entnommen ist. Von den wegen der nachstehenden Delikte im Durchschnitt der lahre 1S99 und 1890 Verurteilten waren erwerbstätig in der Industrie, in Handel und Verkehr: Erpressung: 63,32 Proz., Betrug: 58,16 Proz., Untreue und Pilichtwidrigkeiten des Vorstands einer Aktiengesellschaft: 79,06 Proz., Urkundenfälschung: 6$,65 Pro/.., betrügerischer Bankerott: 86,15 Proz., einfacher Bankerott: 98,70 Proz., andere Konkursdelikte: SS,57 Proz., Verfälschungen von Nahrungs- und Genussmitteln: 69,36 Prozent. Diese Delikte sind also Schossdelikte des Handels und der Industrie. Und da die Juden im Handel so unverhältnismässig stark vertreten sind, ist ihre grössere Beteiligung an jenen Delikten erklärlich und natürlich; Dazu kommt noch ihre grössere Zahl von Selbständigen. Beim Betrüge ist cs ferner von Bedeutung, dass eine verhältnismässig grossere Anzahl von Juden als von Christen in Städten, namentlich in Grossstädten, wohnt; es steht nämlich fest, dass die Verurteilungen wegen Betruges in den Städten viel häufiger sind als in ländlichen Gegenden. Aus meinem Märchenbuche Der Ring des Propheten Elijjahu (Fortsetzung.) Draussen vor der Synagoge zerstreute sich das Publikum nur sehr langsam. Auch Herr Abraham zog es vor, sich noch vor der Synagoge mit Bekannten und Freunden zu unterhalten, die er seltener Gclegenhc.t hatte, zu sehen. Er stand nicht lange allein. Ein Herr trat zu ihm heran, den er, dem Anscheine nach zu tirteilen, sehr erfreut begriisstc. ״Ei guten Abend, Herr Abraham, wie gellt cs Ihnen denn noch? — Ich hätte kaum geglaubt, Sic so bald wieder hier tu Berlin 7.u sehen. Sie wollten doch ins Bad reisen?" ״Freilich, Herr Jakob, das war nicht nur meine Absicht, sondern ich bin wirklich schon einige Jage fort gewesen. Aber wer kann jetzt bei den schlechten Zeiten wirklich aus seinem Geschäfte abkomnien? Ich war denn auch einige Tage in Eimen, weil ich gerade in ein weniger besuchtes Bad gehen wollte. Na, wie s so einem geht! Wir waren kaum den ersten Jag da, so sehen wir, dass nicht bloss alles mit Menschen wie besät ist, sondern cs müssen zu meinem Schrecken auch noch lauter Juden sein, die wir dort antrefferi. Nu, Ihnen Herr Jakob, brauch’ ich doch nicht erst zu sagen, was das heisst, mit all dem Judenpack zusammen sein zu müssen. Das mauschelt, Gott behüt’, von morgens bis abends unberufen am Gradierwerk hinauf und hinab, dass einen Gott davor schützen solle! Nu‘, da hab’ ich keine acht Tage ausgchaltcn, hab’ Therese mit den Kindern nach dem Harz geschickt, und bin selbst wieder nach Hause gefahren.“ ״Alles ganz schön, lieber Abraham, aber glauben Sie mir. im Harz ist cs noch schlimmer. Die Natur- Schönheiten, die man dort jetzt bewundern kann, heissen Sarah Kolm, Rosalie Itzigsohn und Golde Veiteistein! Wissen Sie, Abraham, wenn man soviel Juden mit ihren Weibern sieht, da fängt man ordentlich an, selbst ein Roschoh zu werden,“ — und damit meinte er einen Judenfeind. ״Jawohl,“ fiel vor Zorn fast schäumend Ben-Jekutiel ein, ..wenn es noch mehr solche Juden gibt, wie Ihr seid, ihr Volksvcrröter!". Einen solchen Zornesausbruch hatte weder Herr Abraham, noch sein Freund Jakob vorausgeseheu, und sie

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