Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1906)
- Date
- 1906-03-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2651273-2651447-2651457--03316-2660239- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seile 13u JÜDISCHE RUNDSCHAU Nu. י> imtercchbgter gewesen ab diesei• Wählend irühcj du* speziellen Wünsche der jüdischen Bevölkerung bald dieser, Im!.! icner Partei .vorgetragen wurde. Ist diesmal bei dein Schi!!- gcsctzentwuvf der Verband der Deutschen .Inden selbständig und ohne Anschluss an eine bestimmte Partei, also auch ohne Anschluss an die linkGibcralcn Parteien, vm* die Offerulichkeu und an den Landtag •getreten. Au! seine Veranlassung haben gegen PVM vcti den 120׳ indischen Gemeinden Prcusscns der Denkschrift des Verbandes ausdrücklich /!!gestimmt. Es wa: alsn keine Veranlassung, dies linksliberalen Parteien in irgend einer Weise, besonders für diese Agitation zu interessiere;:, «»der die Kosten einer Agitation der liberaler: Parteien zu iibe:* nehmen. Es ist das alte Spiel, dass manche Politiker eu. gegnerische Sache dadurch zu dekretieren suchen, dass sie dieselbe als im jüdischen Interesse, stehend bezeichnen. Oerad. Mitglieder der treikonservativen Partei haben aber diesmal a1> eigenem Antriebe anerkannt, dass die Beschwerden der Vorbands-Denksehritt über die Behandlung der Juden im Gesetzcntwitrf nur zu berechtigt waren. Eine Zeitung, wie DIE POST, •die durch und durch antisemitisch ist, muss natürlich bei dieser Gelegenheit wieder beweisen, was die Juden in Posen und Westpreusscn zu erwarten haben, wenn sie noch weiter als Deutschfreisiunige auf den treikonservativen Ostmarkenleim kriechen, als sie bereits gekrochen sind. Vom Zentralverein In der Hauptversammlung des Zcntralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hielt am Montag Herr Justiz.rat Breslauer einen Vortrag über ,,D i c g e s e 11 s c h a f t ־ liehe Stellung der Juden in Deutschland״, der sehr beifällig auigenommen wurde. In dem darauf erstatteten Jahresbericht meinte der Vorsitzende. Herr Rechtsanwalt Dr. Hurwitz, dass die Verhältnisse die gleichen geblichen wären. Zu dem Eingeständnis, dass die Lage der Juden auch in Deutschland von Tag 711 Tag schlechter wird, konnte er sic!! nicht bequemen. Im Gegensatz dazu stand die Erklärung des Vorsitzenden, dass cs in Deutschland ph i losen! it isc h c Parteien nicht mehr gebe. Bei den Wahlen müsse man, so führte er aus, stets die a 111 i a 111 i s e m i t i s c h c r. Parteien — philoscmitisch, das darf man ja gar 11 i c h t 11 o i i e n b e i u n s ■ - unterstützen, fm übrigen bleiben die leitenden Herren vor!! Zentralverein bei ihrer alten Methode, einen Unterschied zwischen deutschen und nichtdeutschen Juden zu machen. Trotz der lebhaftesten Aufforderung des Vorsitzenden kam es auch in dieser Versammlung — abgesehen, natürlich von Herrn Schuhmachcrmc.istcr K.ohn — zu keiner Diskussion. Also befindet sich bei der Leitung alles — nach der Logik des Herrn Vorsitzenden — in bester Ordnung. Das Vereinsorgan IM DEUTSCHEN REICH erscheint jetzt in 19000 Exemplaren und kostet 16 000 Mark jährlich. ~~ Für das Geld könnte man etwas Hervorragendes leisten. Neue schulen aer Allianz Beim Beginn des Jahrgangs 1905—06 hat die Alliance Israöite Universelle in Tanta (Aegypten) eine Knaben- und eine Mädchenschule eröffnet. Die Gemeinde Tanta hatte auf eigene Kosten Schulgebäude errichtet und es wurde neulich die Einweihung dieser Anstalten gefeiert. Mit der Leitung wurden Herr und Frau Benveniste, die früher in Alexandrien tätig waren, betraut. Es wurde ferner in Cavalla (Europ. Türkei) eine Schulgruppe errichtet, an deren Spitze für die Kntben Herr Bassal. ehemals Direktor in Samacoff, für die Mädchen Fräulein Carmona aus Tctuan gestellt wurden. Die sehr wohlhabende Gemeinde Cavalla trägt den grössten Teil der Schulkosten. Die Gemeinde Galllpcll (Europ. Turkei) hatte schon längs! gewünscht, die Schulen zu modernisieren und die passenden Kräfte dazu zu finden. Alliance konnte in diesem Jahre diesem Wunsche hachkommen und stellte Herrn Franco aus Dcmotico an die Spitze der Knabenschule und Frau Franco an die der Mädchenschule. _ ' Endlich wurde Herr Benveniste. bisher Direktor in Alcpps als Leiter der Schule von Usküb, weicher die Alliance bishc! eilten jährlichen Beitrag bewilligt hatte, angestelit. Fräs Benveniste wurde mit der Gründung einer Mädchenschule ebendaselbst betraut. Hiifsverein in Palästina Der geschäftsführende Ausschuss des Hilisvercins der Deutschen Juden hat für Erziehungs- und Unterrichtszvvcckc in Palästina jetzt eine Reihe von Bewilligungen vorgenommen. insgesamt in Höhe von rund 33 600 Mark. Die Subventionen •der Kindergärten in Jerusalem und Jaffa wurden erhöht, in. Jaffa ist eine neue Knabenschule begründet worden. Der Etat . für die Lehrerbildungsanstalt, die der Hilfsverein im Jahre 1904 in Jerusalem errichtet hat und deren Ausbau im April 190/ abgeschlossen Sein soll, ist für das Schuljahr 1906/0/ am!חי>5 א E'rcs. festgesetzt worden. In dieser Summe sind• 120•) Mb. Stipendien enthalten. Ausserdem ist für Stipendien, die im Jahre 190? 06׳׳. verausgabt w urden, ein Betrag von 450 Mk. naehl'cwillig! worden. - Die traurigen Verhältnisse in Russland haben die Unterstützungen, die bisher von dort nach Palästina flössen, versiegen lassen und die Ausfälle müssen von :•!!derer Seite gedeckt werden. Für Lehrmittel und den Ausbau der Seminarbibliothek sind S•״» Mark gewährt worden. Die An- Schaffung von Lehrmitteln und die Erweiterung der Seminarbibliothek war besonders geboten, weil sich den jungen Leuten in Jerusalem nicht diejenige Gelegenheit zur Erweiterung ihres Anschauungskreises bietet, wie es in einer glcichgrossen Stadt in Europa der E'all ist und deshalb ist eine möglichst vollkommene Anschauung von Apparaten, speziell für den physikalischcn und chemischen Unterricht notwendig. Zur Vcrvollständigung der Turngeräte und Verbesserung des Turnplatzes sind -WO Mark ansgesetzt worden. Für die beiden Kindergärten in Jerusalem, die sich in schönster segensreichster Weise entwickeln, wurden 2750 Mark bewilligt. Für den Kindergarten in Jaffa ist die gleiche Summe gewährt worden. Die Bewohner eines anderen Standtvierteis von Jerusalem projektieren die Gründung eines dritten Kindergartens. Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat die Errichtung einer Knabenschule in Jaffa beschlossen. Die Schule soll scchsklassig sein, die beiden obersten Klassen sollen je zwei Jahrgänge enthalten. Der vollständige Ausbau dieser Schule soll im Jahre 1912 erfolgt sein. Die Kosten der Schule für das erste Jahr belaufen sich auf 4275 Mark. Für Hebron sind einem Antrag aus dieser Stadt zufolge itir Schulunterricht in Hebräisch. Rechnen und Schreiben 675!Mark bewiligt worden. Tiberias .— Anlässlich des vor kurzer Zeit stattgenindenei! Besuches des niederländischen Ministerpräsidenten Dr. Kuyper. machten ihm die Oberrabbiner und die Vertreter der Gemeinde ihre Aufwartung. Kuyper ist auch der bedeutendste Theologe Hollands. Her Kuyper versicherte die Besucher seiner Achtung für die Juden und seiner Vorliebe für das Hebräische. Auch erzählte er, dass die Königin Wilhclmine ebenfalls hebräisch lerne, dass ihr der nherrabbiner 3 mal wöchentlich Unterricht erteile und fügte hinzu, dass sie diesen jedesmal zu Tische bitte undfür ihn eine rituelle Mahlzeit bereiten lasse. Die Gehälter der Allianzlehrer Folgender Beschluss über gewissen?teilen bew illigte Vorziige wurde von dein Zentralkomitee gefasst:?eit längerer Zeit ist den Lehrern an. gewissen Plätzen ein Teuerungszuschuss bewilligt worden. Dieser ist notiviert teils durch die Verteuerung des Lebens (so z. 15. in Tunesien. Ägypten, Tanger), teils durch die weite Entfernung (Mesopotamien), wie überhaupt durch den rückständigen Kulturzustand der Bevölkerung und die schwierigen Lebeusvcrhültnissc in gewissen Gegenden (Persien, das Innere Marokko’s). Das Komitee setzte dabei Folgendes fest: 1. Die den Lehrern wegen zufälliger oder bleibender Teuerung bewilligte Ortsentschädigung ist kein integrierender Teil des Gehalts. 2. Im Inneren Marokkos (Fez, Marrakesch. Mekiucs) sowie in Mesopota m i e »! wird diese Ortsentschüdigung ein integrierender Teil des Gehaltes, wenn der Aufenthalt des Lehrers in einer oder der anderen dieser Plätze eine ummterbrochcne 5jährige Dauer erreicht hat. 3. Nach einem ununterbrochenen fünfjährigen Aufenthalt in Persien, wird die Hälfte der Ortsentschüdigung zum integrierenden Teil des Gehaltes. 4. Die in Persien verbrachten Jahre, jedoeli nur bei mindestens fünfjähriger Dauer, 1. ä 111 e n doppelt was die Gchaltssteigerung anbetrifft. 5. Auf einen besonderen Beschluss des Zentralkomitees können die obenerwähnten Vergünstigungen ganz oder teilweise auf andere?teilen wie die oben angeführten ausgedehnt werden. Sic sind unabhängig von der Aufbesserung der den Lehrern bewilligte» NormalgeUUUcr. Freiwillige Bitte Mit jener Freiwilligkeit, die Sir Walter Scott in seinem Ivan hoc so schön am Juden Isaak von York schildert, der ganz freiwillig seine Waren ins Meer wirft, weil er anders sein Leben nicht zu retten vermag, und ganzebens«! freiwil lig dem Prinzen Johann von York seine Börse zur Verfügung stellt, hat der Oberrabbiner von Tanger an den amerikanischen Delegierten der Algcciraskonfercnz Henry White, ein Schreiben gerichtet, in welchem er iür die bei der Konferenz 2u Gunsten der Juden beabsichtigten Schritte I