Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1906)
- Date
- 1906-03-02
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 9 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 129 gcosser Zahl zum Judentum zurückkehren wollen, zu! verhindern. Ich war imstande, aus eigener Anschauung zu konstatieren, wie viele darnach streben, zu ihrem väterlichen! Kultus zurückzukehren. Doch werden sie daran durch die unwissenden, dem Einfluss der orthodoxen Geistlichkeit unterworfenen ״Räs" gehindert, welche sie strafen, plündern, ihre Güter koniiszieren, ihre Frauen und Kinder heimlich fortschaffen. Die übergetretenen Falaschas der Provinz Dombca bilden also eine Gesellschaft für sich, sic wollen sich in der Tat nicht mit anderen abyssinischen Christen assimilieren und Gemeinschaft mit ihnen machen, und andererseits sehen sie sich von ihren falaschischen Brüdern wegen ihrer religiösen Ideen zurückgestossen. Die falaschischen Priester dieser Religion haben mir einen auf Amarin geschriebenen Brief übergeben und mich beauftragt, ihnen den Juden zu überbringen, damit unsere Brüder aus der ganzen Welt davon Kenntnis nehmen möchten. Sie bitten darum, nicht vergessen zu werden, sie flehen die Juden an, weiter zu Gott für sic zu beten, dass er sie im Schosse des Judentums erhalte, da sic ia. dank ihrer Bitten) die drohende Vernichtung überlebt hätten. Dieselben Falaschas haben mir einen iungen Mann namens Ghütife Jercmie aus Tendia einer Ortschaft bei Gondar. anvertraut. Sein Vater wünscht seine weitere Ausbildung in der jüdischen Religion und den europäischen Wissenschaften, wozu er ihm erlaubt, mich nach Europa zu begleiten. Nachdem ich einige Wochen im Asmara verbracht hatte, um meine Reiseaufzeichnungen zu ordnen, nahm ich das Anerbieten des jungen Falaschas aus Djenda bei Gondar, namens Taamrat Emmanuel, der sich damals in der italienischen Kolonie befand, an. Von demselben Wunsche beseelt wie sein Landsmann Ghötie ,ere-!nie, ist mir dieser Jüngling gefolgt. Mit meinen beiden Reisegeführten bin ich im August vorigen Jahres nach Frankreich zurückgekehrt .... (Schluss folgt.) I- ■■■ - Rundschau — - ■ 1__1 Memorandum des Verbandes Zion an das k. k. Ministerium des Innern in Wien. Ueber die seitens der politischen Behörden in Galizien gelegentlich der Wahlrechtsbcwegung unter den Juden gegen zionistische Vereine ergriffenen Massnahmen teilen wir mit: Am 7. Februar 1906 erhielten die Obmänner und Sckretäre folgender zionistischer Vereine in Krakau: ״Haschachar" (Akademiker), ״Ruth" (Frauen und Mädchen) ״Ozrc-Zion" (Behelfer d. h. Lehrer). ״Achdus" (Handelsaugestcllte) ״Chcjruth" (Arbeiter), ״Judith” (arbeitende Frauen) und ״Paole- Zion" (Verband jüdischer Arbeiter und Handelsaugcstcllter ir. Oesterreich) Vorladungen von der Poli/.eidircktion Krakau ״in einer höchst dringenden Angelegenheit" und wurden die Zu- Stellungen so eifrig betrieben, dass z. B. im Hause des Hochschiilers Spira vom Vereine ״Hascliachar" 11 m 3 U 11 r 11 a c 111 s der Hausbesorger zwecks Uebermittlung der Vorladung an Spira, geweckt wurde. Die pünktlich erschienenen Vereinstimktionüre wurden von Polizeioberkominissär Banach sogleich vernommen und über folgende Umstände sehr eingehend befragt: I. Ob sie im Dezember 1905 an Dr. Byk in Lemberg eine Entrüstungsdepcsche mit dem Wortlaut geschickt hätten: ״Wir protestieren gegen die Abhaltung Ihres Konvcntikels. verlangen für das jüdische Volk die Schaffung autonomer Wahlkurieii." 2. Ob sie es als Verciiisfunktionäie und ob auf Grund vorhergegang,cner Beschlüsse, oder ob sie es als Privatpersonen getan haben. Sämtliche Vcrcinsfuuktionäre mit Ausnahme der uubeteiligten Vereine ,.Ruth" und Ozre Zion" gaben zu. das vorliegende Telegramm, welches von Dr. Byk zur Verfügung gestellt war. spontan auf Grund einer gemeinsamen Besprechung, jedoch ohne vorher die Ausschüsse oder gar die Plcnar- \ersammlungen ihrer Vereine betragt zu haben, also aut* eigene Faust abgeschickt zu haben. Nur der Obmann des .Chcjruth" gab an, dass er nachträglich seinem Ausschuss Bericht erstattet habe. Hierauf wurden allen Vereinen ihre Protokollbücher abverlaugt. Da die Funktionäre des ״Ozre-Zion" wahrheitsgemäss angahen, solche seien hei ihnen nie geführt worden, wurde ihr Vercinslokal sogleich ־ unter grossem Aufsehen, jedoch erfolglos — durchgeforscht. Dem Verbände ״Poalc Zion" wurde, als sein Protokollbuch nicht sogleich herbeigeschafft werden konnte, mit gleicher Revision gedroht. Obgleich in dem vorgelegten Protokollbuch sich nichts über die imkriminierte Depesche voriand, wurde dasselbe zurückbehalten und trotz des Versprechens der Rückstellung seitens des Herrn Oberkommissärs für den 8. Februar, bis zur Stunde, 12. Februar, nicht ausgefolgt. Am 7., 8., 9. und 10. Februar wurden die Vernehmungen, welchen nun auch die Stellvertreter obiger Funktionäre zugezogen waren, eifrig fortgesetzt. Nachdem bei den Vereinen eine nochmalige Revision stattgefunden hatte, wurde ihren neuerdings votyeladenen Fur.ktionären am 12. Februar vom Herrn Obcrkommissär eröffnet, dass der Verband ״PoalC• Zion" und die Vereine ״Haschachar", ״Achdus" und ״Chejruth" wegen Ueberschreitung ihres Wirkungskreises (§§ 24 und 25 Vereinsgesetzes) nach § 25 suspendiert seien. Sogleich nach Aushändigung der bezüglichen Bescheide wurden in die betreffenden Vereine Polizeiorgane entsandt, welche sämtliche Vereinsbücher und sogar alle Verelnsgelder beschlagnahmten und das Lokal des ״Haschachar" überdies sperrten und versiegelten. : In Huslatyn wurde mit Bescheid der k. k. Bezirkshauptmannsehaft vom 6. Februar, L 4352/1906 der Verein ״Bnei Zion” wegen einer Entrüstungsdepesche an Dr. Byk mit der gleichen Begründung wie in Krakau jedoch nicht bloss suspendiert, sondern geradezu aufgelöst.. In Kalus? wurde wegen einer solchen Depesche von de/ Bezirkshauptmannschaft der Verein ״Safa Ikrura” ohne weiteres aufgelöst und überdies die von ihm organisierte, sehr w-ohltätig wirkende jüdische Privatsclmle geschlossen. ln Stanlslau hat der Bczirkshauptmanu Herr Prohopczycz schon atn 7. Januar eine von den Zionisten eijiberufene Volks- Versammlung wegen angeblicher Baufülligkeit des projektierten Versatninlungslokales verboten. Ebenda fand Jedoch, ohne jedes Hindernis am nächsten Tage eine öffentliche Theater- Vorstellung statt. Der Herr Bezirkshauptmann w׳arnte auch in der Folge die Führer der jüdischen Wahlrechtsbcwegung vor einer Fortsetzung derselben. In Zloczöw׳, dem Wahlbezirke Dr. Byks, wo seine wärmsten Förderer der Kultuspräses Josef Gold und sein Schwiegersohn. der Vizchürgermelster Dr. Josef Gold schon vor Wochen mit der demnächstigen Auflösung der Zionsvereinc drohen konnten -- ein Beweis, dass es sich um eine gross angelegte, von lange her vorbereitete Aktion handelt — wurde zunächst hei der von diesen Vereinen im Dezember v. J. arrangierten Makkabäerfeier entgegen der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung seitens des Kommissärs jeder Vortrag der Prograninummniern in Jargon und hebräischer Sprache verboten. Am 5. Februar wurden gleichzeitig in den Lokalen der Vereine ״Ahawath Zion” (Bürger) 011״ el Leah” (Mädchen und Frauen) und ״Poale Zion" (Arbeiter) von Beamten der k. k. Bczirkshauptmannscliaft unter Zuziehung von A.mtsdienern, Polizisten usw. eine genaue Revision vorgenotnmen, überall die Vcrcinsbiidier saisiert, im ״(>h$l Leoh" auch die Bibliothek beschlagnahmt, tags darauf allerdings wieder frei gegeben und das Lokal des ״Poale Zion" gar gesperrt und versiegelt. Am schroffsten benahmen sich hierbei der Herr Kommissär Przybyski und sein Gehilfe, Herr Sjapisawski. Auch aus anderen Städten Galiziens wird uns gemeldet, dass gegen die zionistischen Vereine eine Untersuchung im Gange ist, welche ininer w ieder auf die eine Tatsachc zuriickgeiiihrt wird, dass dem Kultusvorsteher von Lemberg, Dr. Byk, eine missbilligende Resolution übermittelt worden ist. Da derartige Resolutionen tu unzähligen anderen Fällen von politischen wie nicht politischen Körperschaften straf- und anstandslos ergangen sind; erscheinen die oben angeführten, gerade gegen zionistische Vereine ergriffenen Massnahmen als unvermittelt und überstreng. Daher erlaubt sich dr ergebenst gerechtfertigte ״Verband Zion", das hohe k. k. Ministerium des Innern um den Schutz der in ihrem Bestände : gefährdeten Verbandsvereine und um Riicktufung der seitens [ der galizisclicn Behörden getroffenen Massnahmen höflich drin- gend anzugehen. : Für den Verband Zion: Dr. Schal! t. Vom neuen Ausnahmegesetz Zur Beratung des Preussischcn Schulunterhaltungsgesetzes schreibt die POST, ״das freikonservative Organ des Freiherrn . v. Zcdlitz.-Neukirch". dass die Kosten der ״linksliberalen I Agitation" gegen den Schulgesetzcntwurf hauptsächlich mit jüdischem Üelde bestritten w׳erde. Niemals ist ein Vorwarf ייוי" •יד־י יי* י"י■ ypy!״n t יי.