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Jüdische Rundschau · 1906-02-23 · Heft 8 (23.2.1906) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 8 (23.2.1906)
Date
1906-02-23
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 8 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 115 — ״ ״Wenn Zangwill heute an die russischen Juden ein Sendschreiben schickt, in dem er saßt: Wir bieten Euch an, in eine Wüste zu gehen und daraus einen blühenden Rosengarten zu machen, — so kann er, wie er das ja auch in den Uganda-Diskussionen betonte, höchstens an eine kleine Elite gedacht haben, die einen gewaltigen Kampf mit der Wüste führen muss, einen Kampf langer Jahre, che sic ein Stück erobert, che sie diesem Stück die erste Erucht entlockt hat.“ Aber die grosse Hilfe — die Transportierung, die sofortige Versorgung der Emigranten au ihren neuen Wohn- Plätzen mit Brot, mit Arbeitsgelegenheit, Erw e r b s m ö g 1 i c I! k e i t e n, — für sie muss noch erst gesorgt werden. Die in Brüssel vertretenen Hilisorgauisatioueu haben erklart, dass sie die Emigration Mittelloser nicht unterstützen können. Die Konferenz hat diese Erklärung zur Kenntnis genominal. Das sollte aber nicht heissen, dass für sic damit die Erage aus der Welt geschafft war. Im Gegenteil, die heftige Diskussion gerade bei diesem Punkt war ein Beweis dafür, dass diese Stellungnahme der Hilfsorgunis a t i o u c 11 das Problem erst recht zu einem b r e n n e n d e n gestaltet. Ihre Erklärung war eine peinliche, zumal sie eine Warnung an die Emigranten in sich schloss, die vom Standpunkte der mittellosen Hilfsorganisationen vielleicht gerechtfertigt war, die aber den mittellosen Emigranten, den. Zwange der Tatsachen gegenüber nichts ist als ein leeres Wort. ,.«Mau bemerkt also den ungeheuren Notsiaud, man ermisst seinen Umfang, aber mau sicht keine «Möglichkeit, ihn zu beheben, ihn zu lindem ־ ־ und verharrt angesichts des 1 Ülemmas ratlos, tat'os. In diesem resignierten Stehenbleibcn. in dieser Halbheit steckt «Methode.“--- ״Es gibt jetzt eine «Möglichkeit, «ocli 1;:a1!ei1es Versäumte gut/umaeheii. Die Kommission, die die Brüsseler Konferenz eingesetzt hat, wird zweifellos mit Rücksicht auf die bedrohliehe Situation der Juden in Russland, im Hinblick auf die anschwellcnde Emigration, so schnell als möglich die geplante Gesamtorganisation herheizuführeu suchen.‘■ - - — — ״Die öfters gegebene Anregung, Gemeinden, wohltätige Vereine, (deren Zahl ausserordentlich gross ist) und Private durch eine systematische Aktion für einen solchen Ponds heranzuziehen, könnte bei dein moralischen Gewicht eine Gesamtrepräsentanz und bei dem praktischen Zusammenwirken aller sich endlich verwirklichen lassen . Vor allem aber dürfen sich die Organisationen, die tatsächlich über Mittel verfügen, in dieser ausserordentlich kritischen Zeit nicht stillschweigend mit der Erklärung der gcldarmen Organisationen decken — . wenn sie nicht ihr ganzes Prestige einbfissen wollen. Selbstverständlich, dass daneben auch tiir Unterstützung der Emigranten durch Auskmmsstellen in Russland, durch cm, grossangclegles Informationssystem in den immigrationsländern viel getan werden kann. Abe r getan muss werden.“ ״Schlemiel“ abermals freigesprochen Gegen das freisprechende Urteil des Schöffengerichts in Sachen ür. «Max Juiigmann und Dr. Julius Moses hatte die Kgl. Obcrstaatsanwaltschau Berufung eingelegt. Es handelte sich bekanntlich lim das s. Zt. im ״Schleimer* und ״General• anzeiger” veröffentlichte Gedicht: ״Khille Weilburg“, worin den Vorstandsmitgliedern der Gemeinde Weilburg a. L. der Vorwurf gemacht wurde, dass sic einen Juden nicht beerdigt hätten, weil er mit den Steuern im Rückstände gewesen sei. Von der I. Instanz wurde den Augeschuldigten der § 193 (Wahrnehmung berechtigter Interessen) zugebilligt und damit die Ereisprcchuug begründet. — in der letzten Rcvisions- Verhandlung vor der 5 .Straikammer des Landgerichts I erfolgte nach eingehender Verhandlung abermals Freisprechung. Die Verteidigung führt diesmal Rechtsanwalt Leopold Gottschalk. Der Staatsanwalt hatte je I00 Mark Geldstrafe evtl. 10 Tage Haft beantragt. Vielleicht wird der Prozess der Anlass, unsere Ereunde für ein neuerliches Erscheinen des SCHLEIMIEL. des ungezogeuen Lieblings der Grazien und Musen, zu erwärmen. Schon der Khille Weilburg zuliebe, sollte mau ihn wieder erscheinen lassen, ihn, der mit lachendem Munde bittere W ahrliciten sagt. Von ״christlichen“ Blättern Die antisemitische STAATSBl'RüERZEITUNG. die in der letzten Zeit mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, Ist durcli Kauf in den Besitz des Stöckerschen Blattes DAS REICH übergegangen. Die Übergabe dürfte Ende dieses Monats erfolgen. Die ST•\ATSBCRGERZEITUNO wird dann unter ihrem alten Titel Weiter erscheinen, im übrigen aber inhaltlich vollständig mit dem REICH iibcreinstim1r.cn. - Jetzt wird^sie also noch frömmer werden als bisher. DIE POST schreibt unter dem 14. Ecbruar 19U6: ״Ein jüdischer Akademiker - Kongress tagte hier gestern unter starker Beteiligung in den Sophieiiaälcn. Das Hauptkontingent der Besucher stellte die russische Studentenschuft. Dr. Mathias Achcr-Prag sprach über ״Das Judentum als Nation". Er bezeichnetc sieb als Nichtzioiiist. erklärte es aber für die Aufgabe der in Deutschland lebenden Juden, ihre jüdische Eigenart mehr als bisher in den Vordergrund zu stelle», ln der Diskussion stimmte die Mehrheit der Redner den Ausführungen des Redners zu. — W ir meinen, die Juden in Deutschland stellen ihre jüdische Eigenart schon mehr als genug in den Vordergrund. Ausserdem sollte der Unfug der vielerlei jüdischen Kongresse, welche nur den in Massen dazu erscheinenden ausländischen Juden Gelegenheit bieten sollen, auf deutschem Boden zu agitieren, nicht mehr länger geduldet werden. Wir brauchen in unserem Vaterlande die durchweg revolutionären jüdischen Akademiker aus Russland nicht.“ DIE POS!' ist eine fromme christliche Zeitung. Sie äussert diese Anhänglichkeit au die ״Religion der Liebe“ auch in ständigen Angriffen aut die Juden. Wir bemerken, dass ausser dem Ausländer ,Matthias Acher aus Wien kein einziger ausländischer Jude in der Versammlung gesprochen hat. Auch hat überhaupt kein einziger ״jüdischer Akademiker aus Russland** in der Versammlung geredet. Schon die einiaciiste Vorsicht würde das verbieten, denn ein Korrespondent der POST würde zweifelsohne ihm solche Worte in den Mund legen, dass er auf Grund dessen in redaktioneller Bemerkung der besonderen Eftrsorge der ausweisemjen Polizei empfohlen würde. Allerlei Heinrich Heine über seine Taufe. Alexandre Weil! erzählt folgendes in seilten Souvenirs intimes de Henri Heine. ״Eines Tages, als ich Heine fragte, warum er sieh taufen liess. sagte er mir: Sic müssen wissen, dass ich nach meiner Rückkehr aus Italien und England, wo ich niemals üble Eolgcii meiner Religion verspürt halte, eine deutsche Revue herauszugeben versuchte״ - deren Herausgeber.ich von vornherein in meiner Eigenschaft als Jude nicht sein könnte. Börne ist ebenso zur Taufe gezw ungen worden, um die Balance zu veröffentlichen, obwohl er nicht mehr Christ w ar. als der König von Preussen und ich. Einen Augenblick hatte ich mich mit meinem Ereunde, dem Doktor Gans, verbunden, um die geistige und gesellschaftliche Lage der Juden zu bessern. Kaum hatte ich das Werk unternommen, da irugte ich mich: Was ist dein Ziel und was deine ,Absicht? Du willst offenbar, dass alle Juden so vorgeschritten seien wie du und dein Freund Gaus. Worin besteht diese Aufklärung und dieser Eortsehritt?!11 dem Verwerten der Wunder der Bibel und in der Verachtung aller scholastischen Vorschriften des Talmud und der .Rabbiner. Wenn alles dies geschehen sein wird, wenn alle meine Glaubensgenossen den alten Menschen des Moses und der Rabbi Jehuda Hanasi abgelegt haben werden, was wiru ihnen bleiben? Die einen werden Anhänger Hegels werden, die anderen Seltellings. die dritten Spinozas, andere nichts. Was werden sic gewonnen haben? Werden sie emanzipiert, weil sie zu Hegel schwören werden, anstatt zu Moses? Keineswegs! Sie!missen zu Jesus schwören! Sie werden einen ialsehen Eid leisten, denn niemals wird ein Jude an die Göttlichkclt eines Juden glauben, nicht einmal Ncatidcr und Stahl, wie sehr sie sieh auch dagegen sträubten. Nur durch diese Lüge werden sie und ihre Kinder alle ihre natürlichen Rechte gemessen, die die Christen den Juden vorcnth.ilien. Warum? ich weiss nichts davon! Vielleicht, um sich au Urnen 7.u rächen, weit sie ihnen das Christentum gegeben haben, die unwahrste, unvernünftigste, abgeschmackteste Religion, die cs gab. eine Religion der Liebe, die nichts als den Hass kennt, eine Religion der Ereilieit, die nichts kennt als den Dcsnotismus. eine Religion der Humanität, die stets nur die grausamste Barbarei ausgeübt bat. Die Christen sind erst menschlich geworden, seitdem sie an iltre Religion nicht mehr glaube:•, seit der Renaissance und der Reformation. Ein Protestant ist ein Katholik, der den Aberglauben der Dreieinigkeit verlässt, um dem jüdischen Monotheismus entgegen zu gehen. Der Jude י«ו

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