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Jüdische Rundschau · 1906-02-23 · Heft 8 (23.2.1906) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 8 (23.2.1906)
Date
1906-02-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 116 JÜDISCH!; RUNDSCHAU No. S seinerseits muss die ändere Halite des Weges machen. Ich hin nun Protestant geworden. Ich hin in die Festung eingetreten, um sie besser zerstören zu können. Aber ich zustöre zur selbigen Zeit die jüdischen Bollwerke. damit beide sich vereinigen auf dem gemeinsamen Felde der Freiheit." Hütte aber Heine statt Stahl undNeander den Freisinnigen Mugdan gekannt, so hätte er die irivolcn Worte nicht gesprochen. Denn Herr Mugdan ist iihvrgetreten. weil er eben an die Gottheit Jesu, an die Dreieinigkeit und au die Lehre von der Erbsünde wirklich giau’t. Darum ist er ja auch liberal und Abgeordneter. »,Und du bist zu Kreuz gekrochen“ (Heinrich Heine: An einen Abtrünnigen.) Aus dem Testament Heinrich Heines, das gelegentlich des iiinfzigsten Todestages des Dichters mitgetcilt wurde, ist iolgcndcr Satz interessant: § 7. Ich verlange, dass mein Leichenbegängnis so einfach wie möglich sei, und dass die Kosten meiner Beerdigung nicht den gewöhnlichen Betrag derjenigen des geringsten Bürgers übersteigen. Obschou i c h d ti r c h d e n T a u f a k t d c r lutherischen Konfession au ge höre, wünsche ich nicht, dass die Geistlichkeit dieser Kirche zu meinem Begrabnisse cingeiaden werde; ebenso verzichte ich auf die Amtshandlung jeder andern Priesterschait. um mein Leicheiibegängnis zu feiern. Dieser W unsch entspringt aus keiner freigeistigen Anwandlung. Seit vier Jahren habe ich allem philosophischen Stolze entsagt, und bin zu religiösen Ideen tma Gefühlen zurückgekehrt; iclt sterbe im Glauben au einen einzigen Gott, den ewigen Sc lupf er der Welt, dessen Erbarmen icl! atificl'.e für!!;eine unsterbliche Seele. Ich bedaure, in meinen Schritten zuweilen von heiiigeu Dingen ohne die ihnen schuldige Ehrfurcht gesprochen zu haben, aber ich werde mehr durch den Geist meines Zeitalters als durch meine eigenen Neigungen iortgerissen. Wenn ich unwissentlich die guten Sitten und die Moral belciJ gt habe, weiche d:!s wahre Wesen aller monotheistischen GlauheissLIiieii ist. st. bitte ich Gott und die Menschen um Verzeihung, ich verbiete, dass irgend eine Rede, deutsch ״.:••r iranzösisch. au meinem Grabe gehalten werde. Kleine Mitteilungen Professor Moritz Steinschneider in Berlin vollendet am 31». Mürz sein 93. Lebensjahr. Au diesem tage soll dem Gelehrten eine grosse gedruckte Sammlung seiner in allen gelehrten Zeitschriften der orientalischen Wissenschaften verstreuten Aufsätze überrueicht werden. Seiner Tätigkeit für einen palästinischen Judenstaat, deren er sich jetzt schämt, wird .man hoffentlich nicht gedenken. Die Summe, die infolge des sog. Interkonfessionellen Aulruls vom 26. November v. Js. iür die bei den russischen Juden- Verfolgungen geschädigten Juden und Christen der städtische! Hauptstiftungskasse zugcüosscn ist. hat sich nachträglich noch uni 7937 Mark erhöht. Das Ergebnis der Sammlung beträgt 28 256 Mark. — Von den Juden allein sind gegen vier Millionen Mark in Deutschland gesammelt! Die Denkschrift des Verbandes der deutschen Juden v״n. 7. Januar ist sämtlichen prcussisehei! Synagogengcmeiude •. zum Beitritt zugegangen. Die Aufforderung hat einen ausserordentlich günstigen Erfolg gehabt. Von den höchstens 120 prcussischcn Synagogengemeimien haben bis zum *h Februar etwa I00 ,Gemeinden mit einer Seekazahl \mi zusammen 323 I63 dem Verbände mitgeteilt, dass sie ihre Zustimmung an das Abgeordnetenhaus eingesandt haben. Die noch fehlenden Gemeinden sind, wie sie meiiriach initgcteilt halte:!, durch irgend welche formellen Gründe an der Absendung gehindert worden, z. B. weil sic glaubten, ihrer'entsprechenden Pflicht durch die Unterschrift irgend einer besonderen Petition bereits genügt zu haben. Diese Ansicht ist irrtümlich, weil z. B. die Petition der. Gemeinden und l.aiidrabbincr in Hannover aus drücklich sich mit dem Inhalt der Vcrhaudsdenkschrift einverstanden erklärt hat. Ein getaufter Baron PESTI HIRLAP!trachte vor einigen lagen die sensationelle Meldimg, dass Baron Herrntann Königswarter finanziell ruiniert sei. Der Baron hatte seinerzeit von seinem Vater 36 Millionen Kronen geerbt, heiratete Jas Fräulein Melanie Blaschkowitz und liess sich ״ihr zuliebe‘• taufen. ,.Leider‘‘ musste er für seine •Taufe, entsprechend einer let/twilligeii Verfügung seines Vaters, 7.wei Millionen Kronen au die jüdische Kultusgcmeinde in W'ien zahlen. Später iiess er sich scheiden und ehelichte die Schauspielerin Sosra. Seither war er in pekuniären Schwierigkeiten. Heute betragen die f orderungen seiner Gläubiger neun Millionen Kronen. Per Baron wird nicht Not leiden, sondern eine Rente zugesichert bekommen. Ausiinss der ״Liebe״ .״In Haimover vergiftete sielt eine Arbeiters!‘™!! mit ihren beiden Kindern aus Not. In Deutschlaud hat man iiir die russischen Juden Geld.“ So schreibt das BAYRISCHE VATERLAND, jenes katholische Blatt, das iiir Süddeutschland die .,Eiche“ gepachtet hat. wie KREUZ- ZEITUNG und GERMANIA für den Norden. Das ist echte, wahre Liebe und Frömmigkeit. Man kann den hohen Kulturwert der darin steckenden sittlichen Ideen ermessen. Zabrze Bei der Ein- und Umgcnieindting von Z a b r z e . Zaburze ttsw. wurden die hiesigen katholischen Schulen auf den Gcmeir.dectat übernommen, während die evangelische und jüdische Scluilsozietät bestellen blieb. Da das Bestellen der letzteren zti verschiedenen Schwierigkeiten führte, werden dieselben zum l. April aufgelöst und alle Schulen auf den Gemeindectat übernommen w erden. Riga. In die Wohnung einer jüdischen Witwe drangen einige Leute ein und knebelten deren Dienerin. Hierauf et• mordeten sie die Witwe, plünderten die Widmung und brachten sich dann in Sicherheit. In Brody hat mau ein Komitee eingesetzt, um ein Judisc 11 es Volks haus zu bauen, weiches ein jüdisches Zentrum für die dortige Judcnhcit werden soll. Im ״Jüdischen Vidksiiause“ sollen eine Hebräische Schule zur!,liege und Förderung unserer Volkssprache, ein jüdischer Turnverein, die bereits bestellende aber erwartete Jüdische Volksbibliothek u. a. ihren Platz linden. Versammlungen jüdischer Studenten Auf Veranlassung eitles Exekutivkomitees dei jüdischen Studenten Österreichs wurden am Sonntag, dem 11. Februar n(>. in iWen. Prag. Brmu!. Krakau. Eembcrg und Czcrnowitz. jüdische Studcutcnversatmiihmgen abgehaltcn. welche über die Anerkennung der jüdischen Nationalität an den Hochschulen Österreichs beriete:!, um! beschlossen. Memoranden den Rek־• toraten der betreuenden Hochschule!» und gleichlautende Petitionen dem Ministerpräsidenten und dem Ministerium für Kultus mal Unterricht zügelten zu lassen. נ etc Briefkasten der Redaktion 3 c־e כ Arrthekcr B. Per Zeitungsbericht aus Frankenthal scheint uns ungenau zu sein. Damit würden die Folgerungen daraus entfallen. L. L. in B. Wir sind nicht berufen über die r'rZ'2 Auskunft zu erteilen. Aber iiir die ׳צרותin Rogascn können wir gewiss keine Gewähr übernehmen. Wenden Sie sich an das Rahbinat in Posen. R L. in Danzig. Sowohl der ganze Jahrgang 1905 des LITERATURBLATTES wie einzelne Nummern sind (freilicti nur in wenigen Exemplaren) noch zu haben. Einzelne Nummern kosten, so weit vorhanden, je I" Pfennig. Pen ganzen Jahrgang geben wir für 1.2'• Mark ab. Niirnberg-Fürth. Die wöchentlichen Zusammenkünfte der Ortsgruppe werden nicht in Nürnberg, sondern in Fürth, Im Kaffee Kurländer, ״!)gehalten. Warn Sie unter den Mitte:- hingen des Z.-B. einen entsprechende Berichtigung wünschen, müssen Sic sich f»üi. an das Zentralbüro wenden. Zionsgruss. Geschäftliche Mitteilungen Die Kreosot-Behandlung tuberkulöser Kehlkopf- und Luugenerkranktfugen ist in den meisten Fällen nicht durchführbar wegen dem unangenehmen Geschmack und dem kratzenden Geiüiil, das sich im Rachen nach Einnahme des Mittels gewöhulich cinslellt. Es muss daher als ein grosser Gewinn für diese Kranken bezeichnet xverdeti, dass es gelungen ist, ein Kreosotpräparat ohne derartige unangenehme Nebeiterscheimmgen zu erhalten. Dieses Präparat ist das ״Sirolin Roche", welches von einer grossen Anzahl von Ärzten geprüft und als ein vorzüglich wirkendes Mittel gegen die Tuberkulose erkaum worden ist. Ungiftig, von angenehmen» Geschmnek und liolier Aufnahmefähigkeit in den Körper hat das ״Sirolin Roche“ auch den weiteren Vorzug, dass es ודיס Appetit liebt und auf diese Weise ganz wesentlich zur Krii.tigung der Kranken heiträgt. Pas ״Siroliu Roche“ ist in den Apotheken erhältlich. /

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