Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 7 (16.2.1906)
- Date
- 1906-02-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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ßierung, unter deren Schutz sic sieh stellen würden, namentlieh von der englischen, bei der alle Völker der Welt in Kolo• nisationsfragen in die Schule gehen sollten — unter die Anne gegriffen und schnell gefördert werden. Das entsprechende Material besitzen wir; wir haben Landbaucr, die kein Land besitzen wir haben Handwerker, die am Hungertuch nagen, wir haben ein intelligentes Proletariat, welches gegenwärtig seine Krait und sein Leben unnütz zur Vermenschlichung halb wilder Massen verzettelt; wir haben heldenhafte Jünglinge sonder Zahl, d!e sich viel eher dazu ent* schliesscn würden, zu Nutz und Frommen ihres Volkes mit Ticgern zu kämpfen, als mit Kosakenhorden; ich glaube, wir müssen durchdruigen .... Sollte aber dieser Versuch, dieser letzte, misslingen *־״ ein Versuch, der nicht mehr kosten würde, als der Versuch, die zerstörten Existenzen in Russland heute durch Hilfsaktionen wieder aufzurichten. damit sie morgen aufs neue zerstört werden, dann, fa dann wäre die Judenfrage in ihrer Art gelöst, Wir würden dann sagen müssen: finis Judaeac . . wir würden dann zur Missionstheorie unserer Rabbiner ztirücktoehrcii müssen, die da behaupten, dass wir bestimmt seien, in der Welt unstät und flüchtig herumzuwandern, die Kolporteure ethischer Begriffe zu sein, damit sie andere ausnutzen, der Dünger, auf welchem der Ereiheitsbaum für alle grünt, nur für de Juden selber nicht. Ich hoiie aber, dass letzteres nicht eintrcficn werde und dass unser gequältes, unglückliches Volk endlich eine Heimstätte finden werde. Präsident Wolffsohn bemerkt zum Referate Mandelstamms, dass es natürlich nur die persönlichen Arschaumigen des Referenten wiedergebe und wiederholt, dass die Diskussion über Zionismus und Territorialismus bei den heutigen Verhandlungen ausgeschlossen sein müsse. Qrient=Ferienkursus am Städtischen Fr ied richs-Polytechnikum zu Cöthcn vom 25.—2S. April 1906. Veranstaltet von der Kommission zur Erforschung Palästinas. Nähere Auskunft erteilt der Akademische Verein ״T c h i 0 h" in C ö t h e n, der auch Wohnungen nachw eist, die Teilnehmer am Bahnhof empfängt usw. Die Lebensverhält־ pisse in Cöthen sind billig, die Eisenbahnverbindungen vorzüglich. Das Honorar beträgt 10 Mk. 1. Rektor Eberhardt, Zarrentin (Mecklenburg), 2 Std. Die Schulverhältnisse in Palästina. 2. Dr. L. Kahn, Wien, 4 Std. Rechtliche Verhältnisse des türkischen Orients. 4,ן 3. A. Kaiser, Charlottenburg’,! 2 Std. Die physischen und w׳irtschaftlichen Verhältnisse des Sinai. Ja, ob er das verstand? .,. . War das nicht die Sprache, die er selbst redete, waren das nicht die Worte, die er selbst sprach, jene erhabenen Sätze, die ihm sein innerstes Herz bewegten: ״Wie herrlich sind deine Zelte, Ja‘aköb, wie schön deine Hütten, Jisrael!“ Freilieh war die schöne hebräische Sprache durch eine falsche Aussprache völlig entstellt, aber das Wesen des Schönen bleibt immer schön, und wenn es auch noch so sehr von aussen her verunziert wird. Nun wurde gebetet und gesungen, und dazwischen brauste die Orgel, deren schönes, aber einförmiges Spiel In so auffallendem Kontraste zu den jüdischen Melodien und dem herrlichen orientalischen Bau stand, piese Töne wollten In ihre Umgebung durchaus nicht binetnpassen, Am meisten missfiel cs ihm, dass so viele Juden in trauriger, schwarzer Kleidung zwischen de; Gängen in den Bänken standen, und sich dabei um den Gottesdienst nicht weiter bekümmerten. Sie unterhielten sich meist zu zwei und zweien. Zuweilen aber wandte sich der eine oder der andere an irgend jemand yoo.dem Publikum, um ihn mit harten Blicken und strengem Wort zurecht zuweisen, weil er es gewagt, ebenfalls mit seinem Nachbar zu reden, oder um das Befj&hlszeichen zum Aufstehen und Sichsetzen zu g.eben. 4. Dr. A. Klee, Berlin, 2 Std. Zur Staatsverfassung des osmanischen Reiches. 5. Dr. Franz Oppenheimer, Berlin, 2 Std. Genossenschaftliche Kolonisation. 6. Said Ructe, Berlin, 4 Std. Die wirtschaftlich-politischen Vcrhältiiisse in Babylonien (Siid-Mesopotatuicn). 7. Dr. A. Sandler. Breslau, 5 Std. Die epidemischen und endemischen Seuchen des vorderasiatischen Orients. 8. Dr. S. Soskfn, Berlin. 4 Std. Palästina in wirtschaftlicher Beziehung. 9. Prot. Dr. O. Warbtirg. Berlin, 4 Std. Kleinasien und Syrien als Kolonisationsgebict. Stundenplan. Stunde 25. April ן 26. April; 27. April 28. April 8- 9 9- 10 Warburg Warburg Soskin Soskin 10-11 11-12 Kahn Kahn : Said Ruete 1 Sandler 4-5 Kaiser . Kaiser t _ | Sandler 5- 6 6- 7 Oppenheimer! Eberhardt j Sandler i Klee L Die Juden in Tunis In der französischen Kammer ist eine Broschüre des Juden Mardoch Srnadja aus Tunis als Unterlage der Forderungen der Juden in Tunis cingercicht und von dem Berichterstatter Chauinet als mit Tatsachen operierend bezeichnet worden. Das Protektorat Frankreichs ist bekanntlich anno 1881 proklamiert worden, und eine kleine Juden-Kolonie, noch unter dem italienischen ’Regime unter dem Namen die ״Qiornesen“ organisiert, bildete eine europäische Elite. Dagegen waren die anderen Juden noch im Ghetto-Stil behandelt. Sie zahlten keine Abgaben, wurden aber zu unentgeltlichen Diensten im öffentlichen Interesse gezwungen. Dieser haben sich die Uvornescn angenommen, so dass sie auch gute Schulbildung besitzen und sogar zu Studien als Arzt, Ingenieur usw. in Frankreich zugelassen worden sind. Aber die Situation der Gesamtheit ist schlecht. So sind, was Personenstand, Ehe- Schliessung, Familie, Erbschaft u. a. anbetrifft, unter Ausnahme- Bestimmungen eines eigenen Tribunals, sonst aber unterstehen sie, auch die Livornesen, dem Bej׳. Sie finden keinerlei Stütze in Paris, sie haben keinen Zutritt zu irgend welcher öffentlicher Funktion, sie sind in sozialer Hinsicht nicht als gleicliberechtigt anerkannt, und auch ini Stadtrat haben sic mit Mühe einen Vertreter. Allmählich hörte der Gesang auf und die Orgel tönte gezogen und leise, als weinte und schluchzte sie, und zwei Mäoner verliessen den Altar, um durch den Mittelgang die Ausgangstür zu erreichen. ״Was tragen sie für hässliche lange, schwarze Hemden, wie Molochspriester,“ fragte Ben-Jekutiel, und wer sind sie?“ ״Der erste ist der Rabbiner, der zweite der Vorbeter. Sie trösten einen Trauernden." — Mit niedergeschlagenen Augen, gesenktem Haupte und gefalteten Händen ging der Rabbiner voran, ohne aufzublicken, und der Vorbeter folgte ihm stolz gehobenen Hauptes, indem er bald dem einen, bald dem andern freilich beinahe unmerklich mit den Augen einen halben Gtuss zuzsvinkerte. Der Rabbiner wollte aber dem Ben-Jekutiel gar nicht gefallen. Denn das verstand er nicht, dass man so aussehen muss, wenn man einen Trauernden trösten will. Bald darauf kehrten die beiden in gleicher Weise auf ihre Plätze zurück und der Gottesdienst nahm seinen Fortgang. Ais er zu Ende war, eilte Ben-Jekutiel, so schnei! er konnte, der Ausgangstür zu,'und schien sich erst wieder wohl nnd sicher zu fühlen, als er drausseu?11! der Strasse waf ........ (Fortsetzung folgt.)