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Jüdische Rundschau · 1906-02-16 · Heft 7 (16.2.1906) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 7 (16.2.1906)
Date
1906-02-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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*,*»Mi,»';»■ ״ä «י*., I I .< i Seite 92 . ' JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 7 tionalismus ohne Romantik? Ist nielit jeder Nationalist, jeder, der historischen Sinn hat, ein wenig Romantiker? Es ist nicht jeder frei, der seiner Fesseln spottet. Und mancher, der glaubt, über Romantik lind Romantiker lächeln zu dürfen, ist mehr Romantiker, als er sich selbst einztigestehen wagt. Und cs ist schliesslich auch keine Schande, historischen Sinn zu haben. Iler Mangel an historischem Sinn führte aus dem Judentum hinaus. Das Wesen der nationalen Bewegung ist es aber, in das Judentum, in den jüdischen Kulturgeist zurückzuführen. Diese Rückkehr hat im nationalem Sinne zu erfolgen. Damit ist es gegeben, dass sie keine rcaktionüre, sondern nur eine fortschrittliche sein kann. Denn der nationale, d. h. der historische Sinn erkennt, dass man gewesene Zustände überhaupt nicht wieder herstellen kann und er verzichtet deshalb darauf, eine Kopie des alten Weltztistandes. hcrbeinihrcu zu wollen und arbeitet darum im Sinne der Entwicklung in nationalem Geiste. Unter den jetzigen Umständen vergisst man es zu leicht, dass es sich bei der Wiederbelebung unseres Volkstums um einen nationalen Kampf handelt.* Die Grundidee unserer ganzen Schatfensperiodc ist nicht die Not und die Hilfe aus und in der Not. sondern das wiedererwachte nationale Gewissen des Jüdischen Volkes. Von hier sind wir ausgegangen und hierher müssen wir ־immer wieder zurückkehren, wenn wir nicht abirren wollen. Die Nation, das ist das verbindende Element. Der Nationalismus ist das belebende Moment. Der nationale Gedanke, das ist die treibende Kraft. Alles andere ist Beiwerk und kann unter Umständen statt zu verbinden trennend w irken. Deshalb ist es auch um der Einigkeit willen notwendig, den grossen nationalen Grtmdgedanken wieder hervorzukehren, der das Schiboletli der widererwachten jüdischen Jugend ist. Gewiss, die Judennot hat heute wieder einmal die allerentsetzlichsten Formen angenommen. Aber die Not des Judentums ist nicht um ein Hürlcin geringer als die N 01 der Jude n. Wir dürfen die eine nicht über die. andere vergessen. Der Judentumsnot kann man aber nur mit dem nationalen Gedanken, der Veraltung und Erkaltung des jüdischen Empfindens nur mit der Anfeuerung des jüdischnationälen Gefühls beikommen. Darum bedürfen wir einer Auffrischung unserer Gefühle und Gedanken im Nationalismus des Jüdischen Volkes. Ch. P. Lotzki. Rede des Dr. M. Mandelstamm (Schluss) Itn Verlaufe der letzten -5 Jahre, seit den Judenlietzen von 1881, emigrierten aus Russland gegen I׳- Millionen. Die Zahl der Emigranten erreicht in den letzten Jahren fast den Nachwuchs. Wohin ~:>cr auch die Juden in grösseren Scharen ziehen mögen, überall tragen sie in ihrem Rucksack die Judenfragc, d. h. den Antisemitismus mit sieh; je grösser die Emigrantenzahl in irgend einem Laude, desto drohender wird die Judenfragc daselbst. Die Tore Amerikas beginnen allmählich sich zu schliesscn; England fürchtet die jüdischen Paupers uud erlässt die Alienbill. Es •überfüllt einen ein wahrer Schauer, wenn man die Berichte über die Dran gsalc lind Quäler eien liest, denen die Auswanderer schon au der preussischen Grenze unterworfen sind, die sich in Hamburg. Bremen und anderen Haieustädteu noch steigern. Die schimpflichste Unterteilung, der sie׳ sich unterziehen müssen, gleicht der Untersuchung von Verpesteten. Sehr häufig geschieht es, dass die Elenden zwei Mal die Reise von Hamburg nach New-York und von New-York nach Hamburg ziiriicklegeu, um zuguterletzt wieder nach Russland zurück verschlagen zu werden. Ein Teil der Emigranten geht unter Krankheit und Entbehrung jeglicher Art zu Grunde; aber selbst diejenigen, die in England oder Amerika Boden fassen, führen ein jämmerliches Lehen. Da si.e nämlich in hochkultivierte Länder geraten, der Sprache unkundig, die Sitten und Gebräuche nicht kennend, weder mit dem geistigen noch mit dem physischen Rüstzeug ausgestattet sind, um mit dem neuen Wirtsvolk einen Konkurrenzkampf aumchnieu zu können, so bleiben sie auch daselbst minderwertig. Bürger zweiter oder dritter Klasse. Sic bilden neue amerikanische Ghettos, wie etwa die Chinesen, verfallen in das Swcating-Systeni oder werden Peddicr, erregen durch die Unzahl der aus dem russischen Heim überkommenen unsympathischen Eigcntümlichkeitcn meist äusserer Natur, den UnVillen ihrer neuen Umgebung und werden auf diese Weise zur Zielscheibe des Hasses und der Verachtung. Allerdings wird ein Teil derselben innerhalb der Bevölkerung aufgelöst; der grössere Teil aber, der einen unaufhörlichen Zufluss aus Rumänien, Galizien und Russland erhält, vermehrt die Zahl des Lumpenproletariats. Das Bild wird um so trauriger, wenn man bedenkt, dass die Juden sich zumeist in den Städten anlu'iufen, ohne die geringste Neigung, Land zu erwerben uud zum Teil Ackerbau ♦ f i f Aus meinem Märchenbuche Der Ring des Propheten Elijjahu (Fortsetzung.). Die Fremden erhoben sich und sagten ihm: ״Gesegnete Mahlzeit“ und ״Auf Wiedersehen“ und verliessen das Lokal. Ben-Jekutiel war sehr nachdenklich gewforden über das, was er hier gehört und gesehen hatte. Er merkte daher gar nicht, dass ein armer galizischer Jude mit einem Kasten vor ihm stand und ihm allerlei Kleinigkeiten zum Kauf anbot. Traurig betrachtete dieser den träumerisch in sich versunkenen jungen Mann und wandte sich, als alle seine Bemühungen vergebens waren, seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, zu einem anderen Tisch, w0׳ man ihn neckte und hänselte, ohne seines grauen Bartes zu achten, ihm aber doch mancherlei abkaufte. Ben-Jekutiel aber fuhr erst aus seinen Träumereien halb erschreckt auf, als Herr Abraham aus der Juden- Strasse persönlich das Lokal betrat und seinen Freund einlud, mit ihm die Berliner Museen zu besuchen. Ben- Jekutiel zahlte seine Zeche, nicht ohne einen finsteren Blick Vom Kellner zu empfangen, dem er aus Unkenntnis der Verhältnisse kein Trinkgeld gab. Herr Abraham lächelte über diesen Verstoss seines jungen Freundes und steckte dem Kellner einige Geldstücke in die Hand, die dieser mit verbindlichem Danke entgegennahm. Bald darauf rollte die Droschke mit Herrn Abraham und dem Jünglinge über die Strassen dem Königlichen Museum zu. ״Was möchten Sic am liebsten sich schon heute ansehen, Herr von Jekutiel,“ sagte freundlich der Alte zu seinem Nachbar, als der Wagen über die Friedrichsbrücke fuhr, ״die Nationalgaieric, das Alte oder das Neue Museum? Es ist gerade nur noch eine Stunde Zeit bis zum Schlüsse der Museen.“’ Da ßcn-Jckutiel erklärte,.ihm verschlage es nichts, wohin sie gehen wollten, so gingen sie ins Neue Museum. O, welch’ grauenhaften Eindruck riefen in ihm die Trümmer jener Kulturen hervor, die zu seinen Zeiten geblüht hatten. Es schienen zerbrochene Stückchen aus allen Weltteilen wie zum Hohn zusamniengetragen zu sein, um zu sagen: ״Es war einmal, — es w׳ar einmal. Ob es auch wirklich war?-“ Der Bankier merkte, welch tiefen Eindruck die Altertümer auf Ben-Jekutiels Gemüt ausübten, und sagte deshalb: ייי TT w *1׳*fl1■«■ "•■V -יי■« יי■

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