Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 6 (2.2.1906)
- Date
- 1906-02-09
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Es hicsse Ihnen Binsen- Weisheiten vortragen, wollte ich Ihnen darlegcn, dass hier ein unehrliches Spiel mit den Worten ״national“ und ״international" getrieben wird, dass es unehrlich ist, die .Be- Strebungen, die auf die Erkämpfung der elementarsten Menschenrechte für eine unterdrückte Nation hinauslaufcn. mit den chauvinistischen Hetzereien gewisser Nationalitäten auf eine Stufe zu stellen. Wo sich eine Nation im Besitze aller notwendigen Lcbensbcdingungen befindet, da wird ihr Nationalismus gegenstandslos und, wo er laut betout, zur Phrase und zum Deckmantel für kulturwidrigcn Chauvinismus. Niemand braucht den Menschheitsgedanken uns Juden zu predigen, die auf allen Schlachtfeldern des Gedankens gekämpft, stets für Freiheit und Recht gelitten haben, und die noch heute des Prophetenwortes gedenken: ״Die Völker werden umschmieden ihre Schwerter zu Hacken und ihre Lanzen zu Winzermessern. Nicht wird erheben Volk gegen Volk das Schwert, und nicht lernen sic fürder den Krieg." Jch nannte cs unehrlich, wenn der internationale Gedanke gegen den Zionismus ausgespielt wird. Lassen Sie mich zum Beweise dessen folgendes anführen: Das Internationale wird innerhalb der Sozialdemokratie offenbar in zweifacher Bedeutung gebraucht. Bebel und Liebknecht haben versichert, dass die Sozialdemokratie mir insofern international sei, als die ökonomischen Interessen der Proletarier aller Länder gemeinsam gewahrt werden müssten, ebenso wie auch die Wissenschaft international sei; hingegen erkenne man die nationalen Unterschiede der Völker weiterhin als berechtigt an und wünsche nur, dass sie auf dem Wege eines friedlichen Wettbewerbes in die Erscheinung träten, und dass Kriege und chauvinistische Strömungen verschwändcu. Einen ähnlichen Gedankengang hatte auch eine Rede, die Jaurüs kürzlich in der französischen Deputiertenkammer gehalten hat. Nun, gegen eine derartige Auffassung verstösst der jüdisch-nationale Gedanke nicht, im Gegenteil, er beseitigt einen Anlass zu Reibereien und zur Aeusserung inhumaner Empfindungen aus der Mitte der Völker. Die andere Auffassung der Internationalen ist umfassender und identisch mit utopischem Kosmopolitismus, mit dem Gedanken eines allgemeinen Völkerbassins. Wir haben es hier mit einem Ideal zu tun, dem keinerlei praktische Bedeutung für die Gegenwart zukommt; aber von 1111s Juden verlangt man, dass wir danach unsere^ Gegenwartspolitik einrichten. Wir erwidern darauf unseren Gegnern: ״Dann beginnt doch damit, dass Ihr Eure Vergangenheit aufgebet. Eure Sprachen nicht mehr redet, Eure Empfindungen aus dem Herzen reisset, und wenn Ihr es nicht tut, dann ist Euer Gerede vom Kosmopolitismus eine hohle Phrase, eine .schillernde Seifenblase, die jeder schwache Luftzug vernichtet." Es gibt keinen weniger berechtigten Vorwurf gegen den Zionismus, als denjenigen, dass er reaktionär sei, d. h. die Erkenntnis und Förderung der höchsten Ziele der Menschheit verhindere. F.in Volk, das stets allem Fortschritt Verständnis• volle Begeisterung entgegengebracht hat, wird auch zwischen nationaler Exklusivität and phantastischer M p jn s.c h hcj 4$ verbrüde rau« die rechte Mitte zu <i״- den wissen auf dem Wege des nationalen Kosmopolit j s m u 5. , Dieser Oedanke wird auch der Leitstern iü: die RUNDSCHAU_ __No. 6• Bewegung sein, deren geistiger Vater in Deutschland ein Moses Hess, deron Führer ein Theodor Herzl war. Und er, in dem sich alles Grosse und Edle seines Stammes mit dem Höchsten paarte, was die Natur an Adel dem Menschen verliehen, hat die unvergesslichen Worte gesprochen: ״Wir werder den Völkern die Antwort geben, in unserer Zukunit. in unserem Lande! Und diese Antwort soll bestehen in einem Erhöhen der menschlichen Gesittung." (Schluss folgt,) —I Aus den Ortsgruppen!— Berlin. Dienstag, den 5. Februar, erstattete Rechtsanwalt Dr. A. H a n t k e in einer öffentlichen, von über 500 Personen besuchten Volksversammlung Bericht über die Brüsse• ler Konferenz. Der Redner gab in seinem cinstiindigen Referat zunächst eine Uebersicht über die Vorgeschichte und den Verlauf der Konferenz, um dann ihre Ergebnisse von allgemeinjiidisclicm, sowie vom zionistischen Standpunkt aus zu würdigen. Insbesondere wies der Redner auf die Ausbreitung nationaljüdischer Gedankenreihen auch unter den Nichtzionisten hin, die cs zum ersten Mal ermöglicht haben, dass das Aktions- Komitee auf einem wichtigen Gebiete sich mit den tätigsten der Hilfsorganisationen zu gemeinsamer Arbeit habe vereinigen können, ohne den Prinzipien des Baseler Programmes untreu werden zu müssen. Redner scliliesst mit dem Wunsche, dass das auf der Konferenz eingesetzte Londoner Komitee dauern• den Nutzen schaffen möge. An den Vortrag schloss sich eine überaus anregende Diskussion an, die die Zuhörer bis 1 Uhr fesselte. ־ Berlin. Am 15. Februar, um 81׳ז• Uiir Abends, wird der bekannte Schriftsteller Schalom-Alelchem im Sophiensaale (Handwerker-Ver.), Sonhienstrasse 17/18 aus seinen Werken vortragen. Billcts sind in der Russischen Lesehalle, Linienstr. 1-G und in Lili ent hals Buchhandlung, Friedrichstrasse Hl zu haben zum Preise von •i, 3, 2 und 1 Mark. Berlm, 1. l’ebr. Zwischen der Freien Verbindung H a s - n!ona ca -Berlin und der Verbindung J o r d a n i a -München wurde ein Kartell abgeschlossen, das den Namen ״Kartell Zionistischer Verbindungen (K. Z. V.) führt. Die Verbindungen im K. Z. V. verfolgen den Zweck, die Idee des Zionismus zu fördern, ihre Mitglieder in der jüdischen Sprache, Geschichte und Literatur iortzubilden und neben der Pilege der Geselligkeit für die körperliche Ausbildung der Bundesbrüder Sorge zu tragen. Die Präsfdialverbindung im K. Z. V. H a s m 0 n a e a. I. A.: Lrchtheim. Berlin. Tauemzienstr. 9. Berlin. Eine Heinrich Heine-Sitzung veranstaltet anlässlich des 50jährigen Todestages des Dichters der ״Verein Makkabaea" am Mittwoch, dem H. er., abends 9 Uhr, in der Konditorei Lazarus. Rosenthalerstr. 60. Gäste. Damen und Herren willkommen! Berlin. Am Montag, dem 29. Januar 1906 hielt Frl. Channah Margarethe Sachs in der Jüdischnationalen Frauenvereinigung, Restaurant Rosenthal, Leipzigcrstrassc, einen Vortrag über ״Rechte und Pflichten des antiken und des modernen jüdischen Weibes." Die Vortragende bot einen formvollendeten Vortrag mit Benutzung des Buches von Nahida Ren1>* ״Das jüdische Weib”. Wir sind Frl. Sachs zu grossem Dank verpflichtet, für die edle Begeisterung, die in ihren Worten lag und hofien, dass alle jüdischen Mütter ihre Rechte und Pilichtcn als schönstes Samenkorn in die Kindcrsecle pflanzen werden, zur Hebung des jüdischen Selbstbewusstseins. 48. . Jüdischer Jugendbund. Der Gedanke, einer grösseren Jugendorganisation in Berlin auf allgemein jüdischer Grund- , läge ist in letzter Zeit melm'ach erörtert worden. Es handelt sich darum, weiteren Kreisen der jüdischen Jugend Verständnis für alle Äusserungen jüdischen Lebens zu vermitteln. Die Vorberatungeu sind nunmehr so weit gediehen, dass in einer Sonnabend, den 10. Februar, 9 Uhr abends, im Lokal des Vereins Jüdischer Studenten, Gipsstr. 1*2 A, sattündenden Versammlung die Gründung eines jüdischen Jugendbundes beschlossen werden soll. Junge Juden, die sich für diese Bestrebungen interessieren, sind cingcladen. Königsberg, 1. Februar 1906. ln unserer heutigen Woche«• Versammlung sprach Herr stud. P i n e 11 e aus Jaffa über das Thema: ״Die Rechtslage des Grundbesitzes in fe