Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 6 (2.2.1906)
- Date
- 1906-02-09
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Benag« JLJEDISCHE RUNDSCHAU•־■״׳׳ ׳**׳ Aus der zionistischen Bewegung Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Die Ortsgruppen werden erstrebt, öffentliche Ver- Sammlungen mit dem Thema: ״Die allgemeine jüdische Konferenz in Brüssel vom 29. Jan 1! a r 1906“ cinzubcrufcn. Das Material für den Berieht ergeben die jüdischen Zeitungen vom 2. Februar, insbesondere die WELT, JLJEDISCHE RUNDSCHAU lind JUED1SCHE PRESSE. Im übrigen nehmen wir auf unser Rundschrei• bch No. 20. vom 1. d. M. Bezug. Voranzeige ’ Im Februar und März d. J. finden Vier Vortragsabende statt, die von einer Reihe jüdischer Vereine gemeinsam veranstaltet werden. 1. Moderne jüdische Dichtung. Einleitende Conference von Dr. Alfred N o s s i g. Rezitationen von Fritz Richard (Deutsches Theater), Egon Brecher (Kleines Theater), Amalie Rosen (Neues Theater) und anderen Künstlern vom Deutschen Theater und Kleinen Theater. 2. Das Heilige Land. Vortrag von Dr. Heinrich Locwc (mit Lichtbildern). 3. Moderne jüdische Kunst. Vortrag von Felix Salten (mit Lichtbildern). 4. Jüdischer Witz und Humor. Einleitende Conference. Rezitationen zahlreicher Künstler. Die Vorträge finden in Zwischenräumen von je einer Woche in vornehmen Berliner Sälen statt. Progranune, Ort und Zeit werden durcli Inserate und Säulenanschlag rechtzeitig bekannt gegeben. _ Eintrittspreise: Einzelbillets: 1 Mk.; Abonnements für den ganzen Zyklus 3 Mk. Zu haben bei: A. Wertheim, Leipzigerstr., Buchhandlung M. L i 1 i e n t h a I, Friedrichstr.!01, und in der Expedition der JUEDISCHEN RUNDSCHAU Auguststr. 49a. Am Tage der Vorträge an der Abendkasse. Der . erste Vortragsabend ״Moderne Jüdische Dichtung“, findet Mittwoch, den 14. Februar. 9 Uhr abends, im Tiergartenhof statt. Judentum und Sozialismus Von D r. M a x B e s s e r. (Fortsetzung.) Wir können die jüdischen Sozialisten für die gegenwartige Betrachtung in drei Gruppen sondern: die sozialistischzionistische Gruppe, die Poale Zion, den Jüdisch-sozialistischen Bund und diejenigen Juden, die vereinzelt ohne jüdische Tendenz den allgemeinen sozialistischen Organisationen angt hören. Für uns ist das Verhältnis zwischen Bund und Zionismus von besonderer Bedeutung. F.s muss zum besseren Versiändnis hervorgehoben werden, dass man in der Leitung des Bundes vom anationalen bis zum radikal-nationalen Standpunkt alle Schattierungen vertreten findet, und dass vielfach von den Führern nur Zweckmässigkeitsgründe für eine speziell jüdischsozialistische Organisation angeführt werden. Es handelt sicli also bei einem Teil der Bundistcn wohl mehr um ein instink־ tives, durch die Verhältnisse gebotenes, als um ein bewusstes und gewolltes Kationatjudcntum. In Wirklichkeit sind sic, wie ihre Separation und Sprache beweist, national, in der Thcoie kleben sie noch zum Teil an dem Ideal eines falsch verstandenen Kosmopolitismus fest. Daraus erklärt sich die dem fernstehenden nicht ohne weiteres begreifliche Erschcinung, dass der Bundismus dem bewussten Nationalismus der Zionisten feindselig gegenfibcrtritt. Eine Verständigung zwischen beiden Richtungen wird besonders durch zwei prinzipiclle Unterschiede erschwert. Da der Zionismus eine Re־ gencration des gesamten jüdischen Volkes in kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht aut territorialer Basis erstrebt, so kann er sich nicht mit‘den ökonomischen Interessen einer bestimmten Klasse identifizieren und durch oifiziehe Annahme sozialistischer Tendenzen seinen anders gesinnten Anhängern die Mitarbeit unmöglich machen. In sein Programm gehört auch die Vertretung der ideologischen. In־ teressen der Jüdischen Bourgeoisie, soweit sie nicht dem Volks- , wohl zuwiderlaufen•. Diese Auffassung des Zionismus schlicsst nicht das Verständnis dafür aus, dass das jüdische Proletariat sich nicht ausserhalb der Bewegung stellen kann, die das Wcltproletariat ergriffen hat. Uebcrdies bietet die im Zionismus hervortretende Tendenz zur Fraktionierung die Möglichkeit, innerhalb der Bewegung sozialistische Anschauungen zu vertreten. Aber auf Seiten der Bundistcn verhinderte ein übermässig radikaler Klassenstandpunkt vielfach die Erkenntnis, dass man auch dem Vertreter entgegengesetzter Klasseninteressen die Hand zur Wahrung gemeinsamer nationaler Interessen reic h e 11 könne. So verstieg man sich z. B. zu der Verdächtigung, der Zionismus wäre von der Jüdischen Bourgeoisie inszeniert, um die jüdischen Massen von der Betätigung des Sozialismus fcrnzuhaltcn. Allerdings muss ich als unparteiischer Darsteller zugeben, dass das Auftreten vereinzelter rcaktionärer Strömungen Im Zionismus zur Herstellung eines Gegensatzes beitrug, der eigentlich nur ein Scheingegensatr war. So führte ein fast philiströser Sozialistenhass zu Sozialistenfeindlichen Kundgebungen aui verschiedenen Kongressen, und der dadurch hervorgeruiene Eindruck wurde noch verstärkt durch das diplomatisch zwar notwendige, aber in seiner Wirl;ung auf die Massen schädliche Paktieren mit dem verhassten russischen Zarismus. Prinzipiell ist eine solche gegensätzliche Haltung gegenüber dem Sozialismus nicht im Wesen des Zionismus begründet. Dafür spricht der ideelle Zusammenhang des Zionismus mit der jüdischen Vergangenheit, dafür die Bedeutung der ökonomischen Seite des Zionismus und vor allem die freudige Bereitwilligkeit aller, mit der Gründung des neuen Jüdischen Gemeinwesens nach Möglichkeit die Durchführung moderner sozialer Forderungen zu verbinden. Ein zweiter Akt, der Anlass zu vielfachen Polemiken gab, betrifft das vom Bund verfochtene System einer national-kulturcllen Autonomie in Russland. Von zionistischer Seite wurde geltend gemacht, dass ein Nationalismus ohne das Streben nach einer territorialen Grundlage unhaltbar sei und schliesslieh zur Assimilation führen müsse. So sehen wir beide Prinzipien in einem hartnäckigen Kampfe miteinander. Die Gegnerschaft des Bundes stellt nur eine Teilerscheinung der Abneigung des gesamten Sozialismus gegen den Zionisinus dar. Die Wortführer der Sozialdemokratie, die doch sonst auch in ihrer Organisation das Nationalitfitspnnzip bis . s