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Jüdische Rundschau · 1906-02-09 · Heft 6 (2.2.1906) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 6 (2.2.1906)
Date
1906-02-09
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 6 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 79 Wer sich von der Brüsseler Konferenz versprochen hat, dass sic die bisher so sehnüchst gewünschte Lösung der Auswanderungsfrage fände, wird durch ihr Resultat natürlich unbefriedigt sein. Wer aber weiss, dass grosse Dinge langsam, ungeheuer langsam wachsen und reifen müssen, wird keine Enttäuschung erlebt haben. Die Differenzen, die zwischen dem Zionismus, der einzigen politischen Partei in der allgemeinen Judenlieit und den Hilfsorganisationen grundsätzlich bestehen, werden durch eine solche Aussprache auch nicht aus der Welt geschafft werden. Aber es ist erfreulich, dass die Hilfsorganisationen anfangen, einzusehen, dass die blosse Hilfsaktion mit der Unterstützung der Auscrwählten unter den Auswanderern und der Brockenvcr’teilung in Russland Millionen verschlingt und nichts ist als ein Tropfen auf einem heissen Stein. Wenn sic lernen, dass man der Judennot nur mit der Judenkraft, dem Judenclcnd nur mit der Volksenergie, dem Untergang der Judenlieit nur mit der Aufrichtung seines Volkstums beikominen kann, dann ist Grosses erreicht. Dazu ist es noch weit! Aber auch dieser weite Weg, er führt nach Palästina. Heinrich Sachse. Von der Konferenz Von den Verhandlungen auf der Brüsseler Konferenz haben wir bereits unsern Lesern einen allgemeinen orientierenden Bericht gegeben, halten es aber doch für nötig, noch ausführ־ iicher diejenigen Punkte wiederzugeben, die der Versammlung Farbe und Ton gegeben haben. Im ganzen waren S7 Teilnchctier der Konferenz, die in folgender Art delegiert waren: Von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Zentralfcomitce: Dr. Adler-Lübeck, Dr. Bo den heim er, H. Schachtel, Julius Simon, Rechtsanwalt S. Gronemann, S. Hcpn er-Berlin, Moritz. S. W 01 f f - Hamburg. — Vom Aktionskomitee: Dr. Bcrnstein-Cohan, Josef C o w e n. B. F c i \v e 1, Dr. F r ä n k e 1 - Kopenhagen, J. L. Orccnbcrg, H. Granau- Antwerpen, Dr. A. H a n t k e- Berlin, Dr. 1 de l son - Petersburg, Dr. Kahn- Wien, J. H. Kann- Haag, Dr. K ח h a n - Kischinew, Dr. Schmaria L e w i n - Wilna, Dr. AI. Marmorek - Paris, J. Moser- Bradford; N. S 0 k 01 o \v - Warschau, M. Ussischkin, A. V c c h t - Ncu-Sccland. Prof. Wa r b u r g-Berlin, und der Präsident W o I f f s oh n. — Red. der WELT: A. C o r a I n i k. — Odcssaer Zionistischer Rayon: Alejnikoff, Ing. Beniamin. — Odessaer Chowcwe Zion:: S. Barbasch. — London Zionist League: H. Ben t wich. Dr. M. Friede• b e r g e r - London. — Hi'.isvereln der Deutschen Juden: S. Bergei-Berlin, Dr. H. Hildesheim er-Berlin, Dr. P. Nathan-Berlin. — Zcntralhüro für lüd. Auswanderungswesen? Dr. Bernh. Kahn. — Verein zur Erlangung der Gleichberechtigung: Dr. Brutzkus -Petersburg. — Jcwisli Colonial Trust: M. Feldstein -Warschau, Dr. Katzen elsohn -Libau. — Anglo Jewlsfi Association und Maccabacans: M. A. Spie!man-London, B. Kish-London. — Spanlsh and Portugucs Congregatlon: J. Susman- Manchester. — Englisli Zionist federation: W. Nathan- London, M. S h i r e - London. — Belg. Zion. Federation•. L. M e r I a n d c r - Antwerpen. — Hachnasath Orchim in Amsterdam: I. V reden berg-Amsterdam, A. M. Herzb erg-Amsterdam. — Jüdische Turnerschalt: Dr. L. Wern er-Wien. — Palästina: S. Pewsner. — Palästinakommlssion: Dr. Franz Oppenheimer-Berlin. — Büro für Jüdische Statistik: Dr. Alfred Nosstg-Berlin. — Zion. Komm, zur Prüfung d. gegenwärtigen Lage der russlscheu Juden: L. Motzkin-Berlin. — Auswanderungskomitee: E. K a r 1 i n - Amsterdam. — Jüd. Gerne in de-Vorstand .Wilna: A. M. Neu sch ul-Wilna. — Jüdische Gemein de Balta: D. Poznanski. — Jüd. Gemeinde Elisabethgrad: W. Temkin. — Jüd. Hai. Gemeinden: Dr. F. Ravenna -Ferrara. — Consorzio Israelltlco Milano: Cesarc Sarfati. — Ohne bes. Mandat: B. L. Be- 1 i s h a-Manchester, S. CI a f!־Manchester, D. C 0 h e n-Leyden, M. Hahn- Paris. Dr. K a t z - Paris, Dr. Klein- Paris, Dr. Joseph Klausner -Lausanne, B. Mossinson -Bern, L. Ä. Pariser -Manchester, P. Pariser -Manchester, Prof. Simonsen-Kopenhagen, — ITO: Dr. Dulbcrg-Manehester. Miss Carmel G 01 d s m i d - London, Jasinowski- Warschau, D. Jochelmann -Bern, Dr. Mandelstamm■ Kiew, Dr. I. M. S a 1 k i n d - London, 1. Clement S a I a m a n ־ London. S. S c h r i r o - Lausanne, Dr. Klee-Berlin, Morris Wolf f. Wir geben heute die Rede Dr. Mandelstamnis wieder, aus der am lautesten die Stimme des Gemüts heraustönt. Rede des Dr. M. Mandelstamm Meine Damen und Herren! Ich bin hergekommen, nicht etwa um Ihnen die Schreckens- Szenen zu schildern, die wir in den Oktobertagen durchlebt, und den Jammer, den wir zur Neige ausgekostet haben, denn wenn ich es auch tun wollte, und wenn ich mit der Flammenspräche eines Dante ausgerüstet wäre, ich vermöchte kaum in ihrer wirklichen Gestalt die Hölle zu zeichnen, welche eine vertierte Mcnschcnmassc im Verlaufe einiger Tage im russisehen Ghetto geschaffen hat . . . Auch will ich Ihnen nicht die unendlich traurigen Folgen der stattgehabten Judcnmassckers schildern, da das Elend und der Jammer sich seit undenkbarer Zeit, innerhalb des Ghettos, in Permanenz erklärt, und die Oktobertage die Alisöre blos akuter gemacht haben. Wagen, und der Alte sagte zu dem Manne, der auf dem Bocke sass: ״He, Droschkenkutscher, fahren sie uns durch die Stadt, wir wollen sie uns ansehen, und dann wollen wir um ein Uhr in der Neuen Friedrichstrasse sein. Nicht wahr, Herr von Jckutiel, Sie essen doch lieber in einer jüdischen Restauration zu Mittag?“ ״Wie sollte ich anders, Herr Abraham!“ Während der Faiirt konnte sich Ben-Jekutiel nicht genug über die vielen Wagen wundern, welche die Strassen entlang rollten. So viele Leute waren ja auch stets auf den Strassen Jerusalems gewesen, aber die gingen meist alle zu Fuss. Und ferner war zwar Berlin in keiner Weise schöner als sein altes Jerusalem, la, es hatte keine so herrlichen Terrassen und Säulengänge, es lag nicht auf den lichten und weithin sichtbaren Berges- Höhen, aber es war doch auch schön, wenngleich in ganz anderer Art. Eben war es ein Uhr, als der Wagen vor einem Hause in der Neuen Friedrichstrasse hielt, an den! mit nicht sehr grossen Buchstaben zu lesen war: ״Koscheres Restaurant.“ Nachdem der Jüngling eine beinahe schmale Holztreppe hinaufgestiegen war, betrat er ein grösseres Zirnmer, wo eine Zahl weissgedeckter Tische standen, um die herum eine Anzahl meist junger Leute sassen. Ab einem ireien Tische nahm Ben-Jekutiel Platz, um ungestörter das Völkiein beobachten zu können, das um ihn herum sass und plauderte. Der Bankier hatte sich wieder entfernt. ״Nein, ich esse nicht koscher. Was würde auch meine Rosalie sagen? Aber Schweinefleisch essen wir nicht, — nur Schinken, nur Schinken, — na, das ist doch kein Fleisch! Ha! Ha!״ Ein dicker, wohlgenährter, ia gradezu feister Mann, dessen Körperumfang in schreiendem Gegensätze zu seinem Gesichte stand, das ein Alter von etwa siebenundzwanzig Jahren anzudeuten schien, führte das grosse Wort. Er hatte keine besonders jüdischen Gesichtszüge. Ja, die breite, flache Nase, und die hellere Farbe von Bart und Haaren hätten auf einen Nichtiuden schliessen lassen können, wenn nicht seine ewig nervösen Handbewegungen und der singende Ton seiner sonst sonoren Stimme den hebräischen Jüngling an jene Juden erinnert hätte, die Ihm im Frankfurter Ghetto und in den Strassen Warschaus so missfallen hatten. Von seinen Genossen bei Tisch wurde er mit ״Herr Wohlsein* angeredet, ein Name, der sehr wohl zu seinem Gesichte

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