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Jüdische Rundschau · 1906-02-09 · Heft 6 (2.2.1906) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 6 (2.2.1906)
Date
1906-02-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 78 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 6 in der Zionistischen Partei ein Landsuchen nicht geben kann. Bei einer Kooperation in der Augenb I i c k s h 11 f c ist es um so notwendiger, nach Ländern Umschau zu halten, in denen die Einwanderer in aller-! schnellster Zeit eine soziale Existenz finden können. Daj zu sind Kolonisationslfindcr nur sow eit geeignet, als sie ' bereits in jahrhundertelanger Kulturarbeit dazu vorbereitet wurden. Um Massen von Einwanderern sofort aufzuuehmen, bedarf es einer sehr grossen und sehr entwickelten Industrie, und deshalb kommen alle Länder in Wegfall, wo man mit der Fundamentierung ' der Kultur beginnen müsste. Zu diesen Ländern, in 1 denen eine solche Fundamentierung erst nötig wäre, gehört nicht das Türkische Vorderasien. In diesen weiten Koloniasationsbezirken, die ausserdem teils mit der Heimat der Juden identisch, teils ihr nahe benachbart sind, kann schon jetzt eine grosse Kolonisation stattfinden, wenn nur die nötigen Geldmittel und der richtige Wille dazu vorhanden sind. Hier kann sehr bald eine Schnellkolonisation in Angriff genommen werden. wenn man sich auch klar sein muss, dass auch dabei kein Charter vom Himmel fallen wird. Aber unter dem milden Szepter der duldsamen Türken kann auch ohne Charter eine grosse Menge der Vertriebenen und Fliehenden schon jetzt eine bleibende Ruhestatt finden; und es ist gar nicht erfindlich, warum die Hilisgesellschalten aller Art jede Auswanderung lieber unterstützen als die nach dem Vorderen Orient, wo sie bei wehem am aussichtsvollsten ist. Es ist daher als ein wesentlicher Fortschritt anzusehen, dass von der Konferenz, d. h. auch von den nichtzionistischen beteiligten Gesellschaften — gegen die Stimmen einiger Territorialisten — der Antrag War-! burgs in etwas abgeändertcr Form angenommen wurde, j wonach sich die verschiedenen Organisationen an der Bildung einer Kommission beteiligen, welche verschie- ’ dene Länder und insbesondere den Orient! inbezug auf Einwanderungsmöglichkeit und Kolonisa- 1 tionsfähigkeit iür die russischen Juden studieren soll. Hier liegt ein ungeheurer Fortschritt seit jener Einund- ] neunziger Konferenz vor, wo Heinrich Meyer Cohn und j Hirsch Hildesheimer mit ihren palästinafreundlichen; Anschauungen völlig allein standen und den Kampf für; die Einbeziehung Palästinas in die Kolonisationsländer! unerschrocken aber ohne Erfolg kämpften. Uns Zio-; Aus meinem Märchenbuche Der Ring des Propheten Elijjahu (Fortsetzung.) Es war noch ziemlich früh, als der Bekannte vom gestrigen Tage ins Hotel de Rome kam, um den Jüngling abzuholen: ״Ich ־werde mir erlauben, Ihnen die Stadt zu zeigen; Ich gehe heute nicht selbst zur Börse, und habe meinen Prokuristen Steinthal beauftragt, mich dort zu vertreten. Ist es Ihnen recht, dass wir jetzt gehen?" ״Ganz nach Ihrem Wunsche, Herr Bankier Abraharn," lautete die Antwort, und beide machten sich auf den Weg, um zu gehen. Schon ganz nahe vor dem Hotel kamen sie an ein grosses Denkmal, welches Ben- Jekutiel veranlasste, sich nach dem Manne zu erkundigen, den es darstcllte, und sein Begleiter erzi'h’te;hm mit Stolz ganz kurz die Ruhmestaten des preussischen Königs Friedrich und zwar mit grosser Sicherheit und Bestimmtheit, denn das konnte er, weil er eben sehr wenig davon wusste. Gerade gegenüber lag ein grosses Oebäude, welches noch mehr die Aufmerksamkeit des Jünglings auf sich zog und er fragte seinen Führer nach dem Zwecke des Hauses. nisten ist es nichts Neues, dass in Palästina und im ganzen Türkischen Orient, nicht minder aber in Aegypten schon heute ein weites Feld auch für A u g e n b 1 i c k s liilfe für die vertriebenen Juden offen steht. Aber dass auch der deutsche Hilisverein — nicht bloss in Hildesheimers Person — und die Anglo- Jewish Association diesem Vorschläge beistimmten, ist von wesentlich symptomatischer Bedeutung. Ein Kolonisationsland, in dem man nach dem Plane Mandel- Stamms In seiner Brüsseler Rede im Verlaufe der ersten fünf Jahre 2000 Familien unterbringen könnte, die positive Werte dort schaffen und in 'geometrischer Proportion deshalb wachsen würden, ist, wie uns Zionisten wohl bekannt sein sollte, Syrien und das dazu gehörige Palästina. Hier ist auch die Lösung der Judenfrage, die für uns auch eine Judentumsfragc ist, allein gegeben. Wenn wirklich eine Kommission zustande kommen sollte, und wir sehen keinen Grund, warum es nicht geschehen sollte, die die Kolonisationsmöglichkeitcn und dabei auch die des Vorderen Orients studiert, so haben wir keinen Zweifel, dass die syrischen Länder mit Aegypten jetzt als die einzige Möglichkeit in Betracht kommen, um dort eine die Not des Augenb 1 i c k s und das Elend der Pogrome lindernde Kolonisation zu schaffen. Von Wichtigkeit ist * auch die Einsetzung des Londoner Komitees, das die Kooperation aller jüdischen Organisationen herbciiühren und zu einer dauernden machen soll. Hier war die Wahl der Personen eine besonders glückliche. Mr. Greenberg, Herzls rechte Hand und beste Hilfe, ist allen Zionisten wohlbekannt. Herr Spichnann ist nur einem kleinen Kreise, diesem aber nicht minder wohlbekannt als einer der Energischsten, der am richtigen Punkte die russische JudcniTage schon früher angeiasst hat, besser als Jene reichen Juden Berlins und Londons, die - noch immer nicht begriffen haben, dass jeder Kaui russischer Papiere und jede Zeichnung russischer Anleihen gleichbedeutend ist mit neuen Judcnlcichcn und neuen Schöndüngen jüdischer Frauen und Mädchen. Er gilt mit Recht als nicht minder energisch und klug als unser Greenberg. Und wenn allmählich eine Kooperation aller jüdischen Organisationen für das Hilfswerk zustande kommt, so wird die Brüsseler Konferenz auch in dieser Richtung keine vergeblich aufgewendete Mühe bedeuten. ״Das ist die Universität, und die vielen jungen Herren, die hinaus- und hineingchen, sind die Stu• denten, d. h. die Spitzen der Intelligenz und die künftigen Träger der Kultur und des Staates." Und vor dem Hause ging ein Mann auf und ab, der mit zudringlichem Lächeln den Leuten Zeitungen anbot, und die Studenten kanten zu ihm und kauften bei ihm den ״Antikrat" und die ״Staatsbürger-Zeitung", das ״Volk" und ..Frei-Deutschland." Und da Ben-Jekutiel wusste, dass die Studenten die Spitzen der Intelligenz und die wahren Kulturträger waren, so glaubte er, dass die Zeitungen, die sic kauften, einen wahrhaft adligen Inhalt hätten. Er hätte sich daher auch gern die Zeitungen gekauft, obwohl ihm die schclmischen Augen des Verkäufers gar nicht gefallen wollten, aber Herr Abraham zog ihn am Arme fort, lndem er ihm sagte: ״Wenden Sie dem Kerl nichts zu, er ist Antisemit und soll sogar selbst ein getaufter Jude sein." Und weiter kamen sic an ein Haus, welches der Bankier die Oper nannte. Und darin wird jeden Tag gesutigen, und wer die Leute darin singen hören will, der muss viel Geld bezahlen. Beide aber gingen zu einem

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