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Jüdische Rundschau · 1906-02-09 · Heft 6 (2.2.1906) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 6 (2.2.1906)
Date
1906-02-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Abonnementspreis einschliesslich LITKRATL’RULATT *lerteljihrlich: I. durch die Expedition: •) in Berlin —,90 .Mark, t») nach auswärts I,— Mark, cl für das Ausland 1,50 .Mark. 2. ha Postabonnrment 1,25 Mark. Jüdische Zeitung Expedition und Adresse für Geldsendungen und Bestellungen: Vertag Jüdische Rundschau, E. Q m.b.11., Berlin N.54, Auguststrasse 49i. Geschlftsstunden der Expedition täglich (ausser Sabbat und Sonntaglvo׳- mittags 10-J, nachmittags J-T L * # Insertionsprcls 4k viergespaltene Petit-Zeile deren Raum 25 Pfennig. oder Redaktion: BERLIN NW. 52, Melanchthonstrasse 4 Telephon: II, 3387. Alle Rechte Vorbehalten. Abdruck aus der JUEDI5CHEN RUNDSCHAU nur bei voller Quellenang 1t>: gestatt.*!. gNummer 6 Berlin, 13. Schebat5666— 9. Februar 1906 XI. Jahrgang Die Brüsseler Konferenz Mit den Konferenzen ist es wie mit andern Dingen: Besser eine gute Nachrede, denn die beste Vorrede. Von der Brüsseler Konferenz kann nun kein Mensch bchaupten wollen, dass sie sich einer grossen Vorrede erfreut hätte. Sic wurde notwendig und deshalb zusamnienberufen. Aber der Eiubcrutcr, das Zionistische Aktionskomitee, hat selber keineswegs darauf gehofft, auf der Konferenz bereits die Lösung der Frage zu iinden, um derentwillen sie notwendig wurde. Sie sollte nur die Einleitung sein für eine gemeinsame Aktion, die ihre Notwendigkeit immer gebieterischer zeigt und die v.on zionistischer Seite zwar stets in ihrer ganzen Wichtigkeit erkannt, doch niemals von anderer Seite in ihrer vollen Wucht gewürdigt worden war. Das, was man von ihr verlangt hat und was man von ihr verlangen konnte, hat die Brüsseler Konferenz geleistet. Wer freilich mehr von ihr als eine Einleitung, eine Vorrede zu künftigen Konferenzen erwartet hat, muss gründlich enttäuscht sein. Denn auf Konferenzen dieser Art kann man Fühler ausstrecken, kann man tasten, aber könnte man nur daun etwas Festes zuwege bringen, wenn die Konferenz in der Lage wäre, ihrerseits eine Exekutive einzurichten. Das aber kann jede der einzelnen beteiligten Organisationen, keineswegs jedoch das Plenum. Um eine Lösung iiir die Probleme der Judcniragc zu finden, bedurfte es auch keiner Konferenz mit andern Organisationen. Denn die Zionistische Organisation kennt den Weg ganz genau, der allein zur Lösung der Judcniragc führen kann und hat ihn im Baseler Programm dokumentarisch festgestellt. Kein Jota kann dazu hinzugefügt oder davon weggenommen werden. Die einzige Frage, über die verhandelt und beschlossen werden sollte, war die augenblickliche entsetzliche Lage der russischen Juden, die in jedem Augenblick noch entsetzlicher wird, wenn es auch immer scheint, als ob sic den Höhepunkt des Entsetzens bereits längst erklommen habe. Das Haus brennt und noch im brennenden Hause wird gemordet und geplündert. Und die Bewohner, die noch die Kraft haben, davon zu lauten, rennen nach allen Seiten auseinander und stürzen dahin, wo sie für sich nur Not und Entsetzen, aber keinen Brand sehen. Die Flucht, denn von einer Auswanderung ist keine Rede mehr, ergicsst sich über die Grenzen. Aber überall stellen sich Piken und Spiessruten in Gestalt von Gendarmen und Schiffahrtsagenten, Ausweisungsbefehlen und j’üdischen liberalen Gemeinde- Verwaltungen den Unglücklichen entgegen und stauen die Vertriebenen und aus dem Feuer Fliehenden an den Grenzen auf. Und haben einige von ihnen auf der wilden Flucht gar das scheinbar hilfreiche Berlin erreicht, sind sie den lauernden Fangarmen der Scylla Kontrollstationen und Baliinagemen bis dahin glücklich entronnen, so haben die Aermsten in Berlin keine Mittel, um weiter zu kommen, und erhalten auf den Bureaus, wo sie Hilfe suchen, nur die eine Antwort: ,.Zurück nach Russland bekommen Sie das Billet bezahlt!“ Da fuhrt man gewissenhaft die Parole aus, die von den drei grossen christlichen Blättern Berlins unisono immer wieder ausgegeben wird, und die immer wieder vor der Auswanderung der Juden aus Russland warnen, die Parole der KREUZZEITUNG, der STAATSBUERGER- ZEITUNG und des BERLINER TAGEBLATTES. ״Zurück nach Russland“ heisst aber auf richtiges Deutsch nichts anderes als: Zurück in das flammende Haus, zuruck in den brennenden Ofen! Die Brüsseler Konferenz hatte nur dann einen Zweck, wenn sie cs erreicht hat, dass die nichtzionistisehen Organisationen, die sich an ihr beteiligten, gelernt haben, dass es ein Verbrechen wäre, auch nur einen einzigen der Flüchtlinge freundlich oder gewaltsam zu veranlassen, in das Haus zurückzukehren, dessen verkohlende Balken ihn im Feuer begraben müssen. Wenn daher die Zionisten in einer Resolution die Erklärung der Hilfsgesellschaften zur Kenntnis genominen haben, dass sic die von ihnen nicht geregelte Auswanderung nicht unterstützen können, und dass sie vor ihr warnen, so ist damit nicht ein zionistischer, d. h. jüdischer Standpunkt niedergelcgt, sondern man gibt den russischen Juden nur Kenntnis von der ohnehin existierenden Tatsache, dass sic bei ihrer wilden und absolut nur begreiflichen Flucht auf diese Hilfe nicht zu rechnen haben, und dass die Brüsseler Konferenz an diesem seit langem existierenden Zustande eben nichts zu ander״ vermochte. Sie drückt durch die Kenntnisnahme aus, dass es sich hierbei urit force majeure handelt, gegen die man seitens der Zionisten nur das eine unternehmen kann, den Zionismus zu stärken und auszubreiten. Wenn es sich bei der Brüsseler Konferenz um Z i 0 - n i s!11 u s gehandelt hätte, so wäre es nicht nötig gewesen, nach Ländern auszuschaiicn, umsomehr als es

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