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Jüdische Rundschau · 1906-02-02 · Heft 5 (2.2.1906) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 5 (2.2.1906)
Date
1906-02-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Bürgertums und versuchen häufig, Versammlungen zu stören oder za sprengen. Der moralische und politische Erfolg dieser grossangclegten und mit bewundernswerter Energie geführten Aktion ist schon Jetzt ein bedeutender. Neue Pogrome Während des Wasserweihfestes fanden in Klschinew und in ganz Bcssarabicn blutige. antisemitische Exzesse statt, jüdische Häuser wurden geplündert und niedergeb r a n n t. In) Dorfe Pisctz bei 0 א w o - U s c h i t /. k a (P o d 01 i e n) fanden Exzesse neuen die Juden statt, w «bei viele j fi d i-, sehe E a tu i 1 i e n g ä n z1 i c h ruiniert wurde n. In Klschinew haben während des Wasser weihfestes neue antisemitische Ausschreitungen stattgefunden. — Inj Marktflecken Orllew wurde der wohlhabende Jude Kupferntann mit Familie in furchtbarster Weise gemartert und beraubt, die einzige Tochter wurde weggeschleppt.• ln Siidbessarablen dauern die antisemitischen Exzesse fort. Judenhäuscr werden in Brand gesteckt, die Behörden lehnen es ab, Truppen 7.um Schutze der Juden zu schicken. Geheimer Antisemitismus der russischen Regierung Die ״Russische Korrespondenz“ teilt ein Zirkular der Rcgierung an die Gouverneure bezüglich Gründung von Kreditgenossen sc haften mit.. Dieselbe Regierung, die im Zirkular von Absonderungsgelüsten der J u d e n spricht, scliait sich nicht ein Spezialgesetz zu erlassen, das atn besten geeignet ist auf einem bestimmten Gebiete eine Sch ekle wand zwischen Juden und Nichtjuden zu errichten. Wird nämlich die Oründung einer Kreditgenossenschaft beantragt ist folgende Bestimmung ausgeklügelt: Wo die jüdische Bevölkerung über 80 Prozent beträgt, da sind keine beschränkenden Vorschriften erforderlich. Wenn aber dieser Prozentsatz nicht erreicht vrtrd. also an fast allen Punkten, in denen die Juden selbst die Majorität bBden, soll im Vorstände einer Kreditgenossen־ schaft die Anzahl der jüdischen Mitglieder nicht mehr als ein Drittel betragen. Abgesehen davon, dass die Massnahme für die unter abnormen Verhältnissen lebende jüdische Masse, namentlich iür die zahllosen jüdischen Handwerker, für die der Kredit der Lebensnerv ist, einen ausserordentlichen Druck bedeutet, gewährt rf;e prinzipielle Seite einer solchen Bestimmung einen Einblick in das ganze Heucheleisystem. Jetzt, zu einer Zeit, da die russische Regiejung selbst das Wort Freiheit im Munde hat, da sie trotz aller Reaktion nach jeder Richtung hin Erleichterungen schaffen muss, vermag sic für die Juden nur eine beschränkende Massregel zu ersinnen. — ״Wenn — heisst es im Rundschreiben des Finanzministeriums -— als grundlegender Gesichtspunkt in der Judenfrage völlige Ignorierung der Stammesunterschicde. vollständige Gleichberechtigung aller Bevölkerungselemente und gleichmassige Freiheit der Handlangen auf allen Gebieten sich darstcllte. so würde es eine Frage von irgend welchen Beschränkungen auch in der Organteattonssphäre׳ des Klcinkredits nicht geben. Aber die Zeit für die Durchführung eines solchen Gesichtspunktes im Leben ist zw׳etfello$ noch nicht gekommen.** Die Sprache ist klar. Vor der Öffentlichkeit wird von Gewissens- und Reltgionsfreiheit gerodet im Geheimen aber wird der schimpfliche Kampf gegen dfe ohnehin ökonomisch tief gedrückten Juden in alter Weise weitergeführt Provokationsmittel gegen die Juden Wie die Petersburger Zeitung NASCHA SHISN in ihrer letzten Nummer mitteilt (das Blatt ist mittlerweile unterdrückt w'orden), haben die russischen Antisemiten ein altes Mittel der Aufreizung gegen die Juden neu entdeckt, indem sie einen ״Aufruf eines Rabbiners an seine Glaubensgenossen, an das jüdische Volk" verbreiten. Dieser natürlich gefälschte Aufruf ist in der Staatsdruckerei gedruckt und fordert die Juden auf. dadurch die Christen zu schädigen, dass sie sich alles GoUes bemächtigen, wie die Juden denn auch schon in Paris, London, Berlin, Amsterdam, Hamburg, Rom, Neapel usw. Herren der Finanzlage seien. Ferner müssten die Juden grosse Güter aufkaufen, um die Macht des christlichen Grundbesitzes brachzulegen. Da die christliche Kirche eine der gefährlichsten Feinde der Juden sei', so seien diese verpflichtet, an der Verringerung des Einflusses der Kirche zu arbeiten und all ihre Kräfte auzuwenden, um den die christliche Konfession ausübenden inteliigenten Klassen die Ideen des Freisinns und des Skeptizlsmus beizubringen. Der Staatsämter sollen sich die. luden bemächtigen, in. einflussreiche christliche Familien hineinheiraten, zu Geliebten Christinnen nehmen und die Presse kauten usw. Der Zweck dieser ungeheuerlichen Mystikation ist, die Arbeiter gegen die Juden aufzuhetzen. Es ist nicht unmöglich, dass solche Hetzereien auf die völlig ungebildeten Schichten der Bevölkerung Eindruck machen können. Leute wje Kruschcwan, der jetzt einige südliche Provinzen bereisen soll, rechnen darauf. Neue Judenmassakres Der Kopenhagener Korrespondent des DAILY TELE- GRAPH übermittelt seinem Blatte eine Unterredung mit dem dänischen Konsul in Rostow am Don, Herrn Nissen. Herr Nissen sagte, man würde bald neue Judenmassakres erleben. Der nächste Ausbruch de Volkswut würde alle früheren Vorgänge dieser Art in Schatten stellen. Die Revolution sei ein vollständiger Misserfolg gewesen und die enttäuschten Aufständischen beschuldigten ihre jüdischen Führer, den Misseriolg verursacht zu haben. Die Rädelsführer werden beschuldigt, das Volk absichtlich ins Verderben geführt zu haben. Judenemanzipation Aufsehen erregt in Amvaltskrcisen eine Aeusserung des Justizministers, der dem Bureau der Rechtsanwälte nahe gelegt haben soll, keine Juden mehr in Vorschlag für die Advokatur zu bringen; er würde sic nicht bestätigen. Nachrichten aus Palästina ״Von einem sehr genauen Kenner des heiligen Landes, Pfarrer Schneller in Köln, wird geschrieben: ״Meilenweit gefiört zwischen Jana und Haifa das Land jetzt Juden. I n Galiläa sollen sie bereits drei Fünftel des Landes besitzen. Zwar ist der Zuzug der Juden vom Sultan streng verboten; sic scheinen aber Mittel und'Wege zu wissen, um durch i n 11 a 11 v o 1 I e Händedrücke am Goldenen Horn selbst die Verbote des Gross- 11 c r r n unwirksam zu machen. Nach der babylonischen Gefnngcnscliaft wauderten 70 000 Juden ins gelobte Land zurück. Diese Zahl ist durch die heutige Rückwanderung längst überschritten.‘‘ Auch diese Rückwanderung ist unter die bedeutsamen ״Zeichen der Zeit” zu rechnen." So berichtet die antisemitische Zeitung DAS REICH. Herr Pastor Schneller mag ja sonst ein sehr tüchtiger Mann sein, wie seine materielle Fürsorge für das. Schnellersehe (Missionsl-Waisenhaus beweist, aber entweder weiss er nicht Bescheid, — wir nehmen das an — oder er irrt sich in der Erzählung von Tatsachen, die durchaus anders sind, als sie hier wiedergegeben werden. Jedenfalls spricht deutlich dieselbe judenfeindliche Gesinnung aus seinen Worten, die hier in Deutschland schreit: ״Die Juden nach Palästina” und die in Palästina alles Mögliche erfindet, um die Juden aus Palästina fern zu halten. Wir bemerken ausdrücklich, dass nur deutsche protestantische Oeistliche und französische Jesuiten diesen judcnhasserischen Stand- Punkt in Palästina vertreten. Zu den ״bedeutsamen Zeichen der Zeit" gehört es jedenfalls, dass von der Seite, wo uns immer die christliche Liebe gegenüber dem angeblichen Rachegott der Juden vorgehalten wird, die praktische Liebe eine ganz merkwürdige Form annimmt. Wenn die DEUTSCHE WARTE richtig unterrichtet ist, so ist im Ostjordanland der Plan einer jüdischen Koloniegründung in unmittelbarer Nähe der Hedschäzbahn gesichert. Durch diese Bahn ist die zukünftige jüdische Kolonie sowohl mit der Hafenstadt Haifa, wie mit Damaskus und dem Beiröter Hafen verbunden; und da die jüdischen Familien — es werden deren 50 seit! —, die sich beteiligen werden, durchweg deutschsprechend sind, so bildet diese Kolonie den ersten ungeheuer wichtigen Faktor speziell für deutsche Industrie und deutschen Export, im Ost-Jordanland vorzudringen. Die Kolonie ruht zw׳ar, wie alle Jüdischen Kolonien in Palästina, auf landwirtschaftlicher Grundlage, verbunden mit Wein- und Oelfabrikation, unter Benutzung der modernsten europäisehen Maschinen und Geräte; es werden aber unter, den Kolonisten sich auch Kaufleute befinden, die andere europäische Importwaren, sowohl für die jüdische Kolonie selbst, wie für die von ziemlich wohlhabender Araberbevölkerung bewohnten Städte und Dörfer imponieren werden. — Wenn wir auch nicht sagen können, was an dieser Meldüng Wahres ist, so müssen wir doch feststellen, dass es im höchsten Masse wünschenswert wäre, w׳enn in dieser Richtung gearbeitet w׳ürdc. Denn der Einfluss und Anspruch ייי^

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