Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1906-02-02 · Heft 5 (2.2.1906) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 5 (2.2.1906)
Date
1906-02-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2651447-2651453--03227-2660146
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

No. 5 ו Seite 67 * JÜDISCHE RUNDSCHAU prcussischen Landesteile zusammcngelundcn haben, hat die Denkschrift sämtlichen prcussischen Gemeinden mitgeteilt, von welchen bereits etwa 700 Ihre volle Zustimmung dem Abgcordnetenhause gegenüber erklärt haben. Abgclehnt ist die Beteiligung im ganzen von zwei oder drei kleinen Gemeinden. Unter den zustimmenden fehlt keine der grösseren Gemeinden. Soweit noch die Beschlüsse ausstehen, was hiernach nur noch bet der kleinen Minderheit der Synagogen* gemeinden der Fall ist, dürften lediglich formelle Hinderungsgründe den Beschluss verzögert haben. Die Denkschrift bittet, wie in der RUNDSCHAU ausgeführt war, um Streichung des § 24 im Entwürfe, welcher die jüdischen Volksschulen vollkommen der Willkür der politischen Gemeinden und der Schulaufsichts* behörde überantworten wollte. Es wird ferner eine Garantie dafür erbeten, dass im Falle der Auflösung lebensfähiger jüdischer Volksschulen unter Anstellung eines Lehrers der Reiigionsuntcrricht auf die neue öffentliche Volksschule übernom* men wird. Endlich wird im wesentlichen eine Gleichstellung der jüdischen Minderheiten mit anderen Minderheiten sowohl bei Begründung konfessioneller. Schulen wie bei der Besetzung der Schuldeputationen und Schulvorstände befürwortet. Soweit bisher aus den Kreisen des Landtages über die Aufnahme der Denkschrift etwas bekannt geworden ist. scheint die Annähme des Regierungscntwurfcs. hinsichtlich der jüdischen Schulen und Schüler eine Mehrheit nicht zu finden. Auch im übrigen sind die Beschwerden der Denksehriit sichtlich nicht ohne Eindruck geblieben. Köln. Am 27. v. Mts. fand in den Räumen der Rheinlandlöge eine ausserordentliche Generalversammlung statt, an der die Rabbiner Dr. Baron-Birkenfekl ,Basslreund-ל rier, L e v y - Krefeld, Neu mark - Duisburg, Roscnthal - Köln, Samuel-Essen und Taw rog i-Kreuznach teilnahmen. Der Vorsitzende Ro se 111 h al - Köln erstattete das Referat über den Schulgesetzentwurf. Er beleuchtete zunächst unter Hinweis auf die Broschüre von Direktor Dr. Adler die wirkliehe Lage der jüdischen Volksschule, sodann auf Grund statistischen Materials die Verhältnisse im Rheinland und unterzog die einschneidenden Paragraphen der Vorlage einer herben Kritik. Er schlägt eine Resolution mit folgenden 4 Thesen vor: ־ ... 1. Der Rheinische Rabbinerverband erkennt im neuen Gesetzentwurf eine nicht zu verkennende Zurücksetzung der jüdischen Schulinteressen, zumal auf dem Gebiete des Religions- Unterrichts und gibt dem Wunsche Ausdruck, dass auch der Rabbinerverband in Deutschland die geeigneten Schritte zur Abwendung dieser Rechtsungleichheit unverzüglich und nachdrücklich unternehme. , 2. Der Rheinische Rabbinerverband sieht, was speziell die Rheinprovinz betrifft, durch den neuen Gesetzentwurf die Forterhaltung einer Reihe von kleineren jüdischen Volksschulen ernstlich be!rollt und damit die Existenz der betreffenden jüdischen Gemeinden selber, die bei Fortfall des Staats- Zuschusses für den Lehrer überhaupt keinen Kultusbeamten mehr werden besolden können. Er verlangt deshalb, dass eine Auflösung jüdischer Schulen gegen lien Willen der jüdischen Scliulsozictäten resp. Vorstände der jüdischen Syuajjogcn-Ocnielndcn, nicht vor sich gehen dürfe. 3. Der Rheinische Rabbitierverband verlangt ferner, dass der Rabbiner, oder wo sich kein Rabbiner befindet, ein sonstiger von der Synagogcn-Gemeitid^ delegierter Vertreter, auch dort in die Schuldcpntation eintrete, wo sich keine jüdische Volksschule befindet, dagegen jüdische Kinder die Schulen der betreffenden Ortsgemeindcn besuchen. 4. Der Rheinische Rabbinerverband regt an, dass auch der Rabbinerverband in Deutschland eine ausführliche, die Unterschritt sämtlicher preussischcn Rabbiner tragende Eingabe bezgl. des neuen Schulunterrichtsgesetzes an das hohe Haus der. Abgeordneten richte. ' Nach reger Debatte, an der sich alle Teilnehmer beteiligten, wird die Resolution einstimmig angenommen und ihre Überweisung au den• geschäftsführenden Ausschuss des Rabbinerverbandes in Deutschland beschlossen. Aus der Erürterung ist hervorzuheben, dass Tawrogi -Kreuznach von - einer wichtigen Unterredung Mitteilung macht, die er jüngst mit dem Abg. Dr. H a c k e n b e r g gehabt hat. Itn Verlaufe derselben hat dieser einflussreiche Miturheber des sogen. Koniprotnisscs sich bereit erklärt, jeden von jüdischer Seite körnmenden Verbesserungsvorschlag zum Schulgesetz wohlwollend zu prüfen und an der Abstellung der darin beklagten Härten mitzuwirken. Eine jüdische Volksschule Da die jüdische Schule In Pakosch nur noch von neun Kindern besucht wird, steht deren Auflösung bevor. Die Kinder werden der evangelischen Schule zugcteilt. — Auch ein Kapitel aus der Geschichte des Judentums in der Provinz Posen. Die Herren Hakatisten-Antisemitcn ״germanisieren״ alle deutschgesinnten Elemente langsam aber sicher ans der Ostmark weg. Studentennot Cöthen I. Anh. Durch die Pogrome sind die Angehörigen einer grossen Anzahl der am hiesigen Polytechnikum studierenden russischen Juden derart heimgesucht worden, dass sie ihren Söhnen die zur Fortsetzung der Studien erforderliehen Mittel nicht mehr gewähren konnten. Um es den in den letzten Semestern stehenden, ganz besonders be- 'dürftigen jungen Leuten zu ermöglichen, ihr Studium zum Abschluss zu bringen, hat der Hilfsverein der deutschen Juden in Berlin 1500 Mk. für diesen Zw׳eck gestiftet; die gleiche Summe hat das Kuratorium der Baronin von Cohn- Oppenheimstiitung zu Dessau angewiesen. Die freie Schweiz Ein erneutes Vorgehen von Seiten der russisch-jüdischen Hausierer, die Zurücknahme des Hausier Verbots ini Kanton Zürich zu bewirken, hat bei der Regierung, wie zu erwarten war, wenig Erfolg gehabt. Es war von vornherein beschlossene Sache, die russisch-jüdischen Hausierer los zu werden. Die Hartnäckigkeit, mit der diese trotzdem, von der Not und Elend getrieben, wieder und wieder versuchten, den Beschluss rückgängig zu machen, hat lediglich bewirkt, dass die Regierung nach weiteren Gründen für ihre Massregei suchte. Sie verweist jetzt in Ihrer erneuten Abweisung des von Herrn Rechtsanwalt Dr. Martlialer für 22 solcher Hausierer eingereichten Gesuchs aut polizeiliche Erhebungen im ganzen Kanton Zürich, denen zufolge die russischen Juden als frech, zudringlich, unanständig und lügenhaft bezeichnet werden. Der Preis des Patentes ist auf das Doppelte erhöht worden. dudenrecht in Oesterreich Die Wiener ARTISTISCHE RUNDSCHAU vom 10. d. M. veröffentlicht folgende Zuschrift: ״Geehrte Redaktion! Ich, Maurice Wagner, Humorfst aus Wien, bin im Besitze eines Reisepasses nach Rumänlen, sitze hier seit 19. Dezember und kann meiner Kontrakt- Verpflichtung nicht nachkommcn, weil Österreich 1sehen Staatsangehörigen jüdischer Konfesslon über Auftrag des rumänischen Ministeriums des Acussern das Visum verweigert wird usw. Das CZERNOWITZER TAGBLATT teilt gleichzeitig die Eingabe eines Herrn J. Fuhrmann, Inhabers einer Konzertagentur an die Handelskammer mit, in der es heisst:״Seit 19. d. M. werde den mit ordnungsmässigen Reisedoku menten, bezw. Pässen versehenen österreichischen Staatsbürgern jüdischer Konfession vom rumänischen Konsulate das Visum über Auftrag des rumänischen Mini* s t e r.i 11 m s des Acussern verweigert usw.'f- Und wo sind die B v k und Genossen, die keine nationale Judeiikurie zulassen wollen, weil sic ihnen nicht in den Kram passt?! - « Ruthenen und Juden Im galizischen Bezirke Nadvorna wollten die ruthenisehen Bauern sich anscliicken, einen ״P o g r o m" zu verattstaltcn. SLOWO POLSK1E brachte ein Telegramm, dass die Juden von Nadworna aus Furcht vor den Dingen, die da kommen sollen, massenhaft die Stadt verlassen und sich nach Stanislau oder Lemberg begeben. Das ruthenische Irussisehe) Fest der Wasserweihc (19. Januar) war der verabredete Ter.min. Indessen verlief das Fest ganz ruhig und die angekiiiidigtcn Exzesse blieben aus, weil sich die Statthalterei veranlasst sah, eine Kompagnie Infanterie von Stanislau nach Nadworna zum Schutze der dortigen Juden zu beordem. Wären die beabsichtigten Unruhen von Polen und nicht von Ruthenen geplant gewesen, so wäre das Militär keineswegs so bald bei der Hand gewesen. : Autonomie in Oesterreich Immer lebhafter wird die Tätigkeit der Zionisten zu Gunsten einer jüdischen Autonomie. Die Zahl und der Umfang der von ihnen veranstalteten Versammlungen sind geradezu imponierend. Hunderte von Versammlungen sind abgehalten worden. Die jüdischen Sozialdemokraten stellen sich mit Naturnotweiidigkeit auf die Seite des assimilatorischen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.