Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 3 (19.1.1906)
- Date
- 1906-01-19
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 35 No. 3 JÜDISCHE_RÜ;NDSCH AU t 1# * ••;:־.,יי:.: Jüdische Einwanderung Gesamt- Einwanderung Zahl Prozentsatz Zahl Prozentsatz Männer . . . . ... 82076 63.1 724 914 70.62 Frauen . *47834 :569 301 585 29,38 Kinder (unt. 14 Jahren) £28553 21.9 114 668 11,17 Personen 14-45 Jahren 95 964 73,8 855 419 83,33 ן Analphabeten*) . . . 23577 18.1 239 Ü9I | •23,29 i Die Zalil der von der Landung Zurückgewicsenen ist vcrhältnisnuissig nicht gross. Bei der öcsanueinwanderuug waren es 11879 Personen (1,15 c,r>) . Bei den Juden allein 1623 Personen (1.25 *4(»׳). Von den ankontnienden Einwanderern mussten 7786 _ in Krankenhäusern aufgenomnien werden (0,75 %), darunter 153-1 jüdische Einwanderer (1,18 ^). Zum Schluss sei noch erwähnt, dass sich in den Krankenhüusern und ähnlichen Instituten, Irrenanstalten und Strafanstaltcn Amerikas 396-16 Fremde befinden; davon stellen de Juden, die doch in den letzten 7 Jahren durchschnittlich 1J,5 ר>׳ zur Frcmdeneinwanderung stellten, 2765 Personen — 6 und zwar befinden sich von fremden Juden in Krankenhäusern u. ähnl. Anstalten 127-1 Personen א 8 ־־־> Irrenanstalten.. . 932 ה — ״ g Strafanstalten..7/0*־־ ״ 559 ־ KORRESPONDENZBLATT des ,.Centralbureaus für jüdische Auswandcrungsaugelcgenheiten‘׳. a) Dazu sind auch solche gerechnet, die zwar lesen aber nicht schreiben können, Ihre Zahl ist gering. *) Darunter 1208 wegen Mittellosigkeit. 353 wegen ansteckender oder ekelerregender Krankheit (meistens Eavus und Trachoma),20׳ wegen Irr- oder Schwachsinns. 3.1 als Kontraktarbeiter und 8 als unterstützte Einwanderer; einige ganz wenige aus verschiedenen anderen Gründen. XÄI Rundschau ■־ Repräsentantenversammlung Berlin, 4. Januar. Die Repräscntantcnversammlimg ergab die Wahl des Herrn Louis Sachs zum Vorsitzenden, zu dessen erstem Stellvertreter wurde Geheimrat Blumenthal, zum zweiten Kommerzienrat FriedlSndcr gewählt. Schriftführer wurden Dr. Ignaz Cohn und Willibald L ö w e n t h a I. Später fand die Einführung und Verpflichtung der wiederbezw. neugewählten Gemeinde-Ältesten und Ältesten-Stellvcrtreten statt. Justizrat W. Lachmann sprach denn auch seinen königliche Gestalt. Und mit machtvoller Stimme sang sie: , ״Singet ihr Harfen und Flöten, Singet Posaunen, Drommeten, Singt dem Gebieter des Kriegs, Singet dem Herren des Siegs!“ Ja, das war David, der ruhmvolle König, der unvergleichlichc Sänger, so wie er im Herzen seines Volkes ewig, unvergänglich und unsterblich fortlebte Und ihm folgten Salomo und J 0 a b und B e n a - i«hu und lausende von den Helden Israels und den Jünglingen Judas. Und dann kam Elijjahü der Prophet, der Mann mit dem Feuereifer und dem Feuerblick, ganz so, wie er dem Ben-Jekutiel erschiene״, nur viel grösser, aber er schien den Jiingling dort unten gar nicht zu bemerken. Auch er sah aus wie der Ewige Jude, aber er war viel ruhiger, hoheitsvoller, und doch auch viel lebendiger und feuriger. Und weiter und weiter wallten die Scharen und alle reihten und scharten sich um Mose und David und Salon!. und Eliiiäliu. ric‘־c vier aber stimmten an den Gesang: ״HciIigkei t der Hei Dank im Namen der Kollegen aus. Die nächste Periode werde eine Bauperiode sein. Die Gemeinde hätte über zwei Millionen Mark Stenern zu verfügen, nur bei grösster Sparsamkeit könnten die Aufgaben der Zu kunft gelöst werden. Er hoffe auf ein förderliches Zusammenarbeiten von Vorstand und Repräsentanten. — Für die Bewirtung der Delegierten zur ersten Hauptversammlung des Verbandes der deutschen Juden betrugen die Ausgaben 7 366 Mark, welche genehmigt wurden. Zu den Kosten der Aufstellung eines jüdischen Betraumes auf der 1906 in Dresden stattfindenden Kunstgewerbeausstcllung hat die Versammlung UhXi Mark bewilligt. - In der geheimen Sitzung wurde, wie bereits in voriger Nummer der JÜDISCHEN RUNDSCHAU mitgeteilt war, der Ankauf eines Grundstücks in der Fasanen- Strasse zur Frbauung einer Synagoge genehmigt. Sic wird voraussichtlich eine Orgelsynagoge werden. Dagegen ist nichts cinzuwenden. wenn man die Rykestrassen-Synagoge unangetastet lässt. Der vor 1 Vi Jahren gegründete jüdische Frauenbund! hielt in Berlin am 27. Dezember seine erste Gencralvcr- Sammlung ab. Fs waren etwa 7יי Delegiertinncn anwesend. Fräulein Pa p p c n h e i m - Frankfurt a. M. begrüsste die Ver- Sammlung und setzte auseinander, welchen Aufgaben sich der Bund auf dem Gebiet der Wohltätigkeitpflcge und sonstiger sozialer Hilfsarbeit zu widmen habe. Nach dem Geschaftsberieht von Frau Direktor May-Berlin hat sich der Bund unter Zustimmung des ״Hilfsvereins der deutschen Juden" diesem zur Mitarbeit bei der Fürsorge für die russischen Auswanderer zur Verfügung gestellt. Der Bitte des Bundes um Kleider- Sammlungen ist vielfach Folge gegeben worden. Mar! hat versucht, einzelne Auswanderer-Familien api dein Lande anzusiedeln, und einige junge Mädchen konnten in geeigneter Weise untergebracht werden. Fräulein W e r n e r ־ Hamburg trat in einem Referat für die Anteilnahme der jüdischen Frau an der Gemcindearmenpflcgc ein. Auf Antrag Fräulein Pappen* heims bcschlicsst die Versammlung energische Beteiligung bei der Unterbringung der russischen •Waisenkinder, ferner Mass-. nahmen zur Errichtung eines ländlichen Mädchen- und Frauenheims. Die nächste Versammlung findet Ende 1900 zu Berlin statt. Der gemassregelte Tempelprecligep Der Prediger des Hamburger Tempels, Herr Dr. Leimdörfer, hielt am letzten טבועות*' :Feste eine.:- jetzt im Druck vorliegende — Predigt (betitelt: ״Das Wesen de$ Judentums", Vprlag J. Kaufmann. Frankfurt a. M״ |w), in welcher u. a. mit scharfen Worten auf die zahlreichen von Kindertaufen innerhalb seiner Gemeinde hinwies **Er sagte wörtlich: ״Es schaudert mich, wenn ich bedenke wie in den letzten Jahren viele ans unserer Mitte. |a selbst Kinder ehr.vnrd.pr Kehrer. Scelsor8cr, Vorsteher ihre Ueblinsc 7u den Kirchcnaltiircn der herrschenden Koniession führen — Ein ernstes Wort in ernster Zeit! Israeliten! _ Was ist zu tun? Israeliten von Ehre! Meidet die Ehrlosen! Saget Euch los von ihrer Gemeinschaft, los vom Wandel und Handel ‘und lißk ei teil, alles ist heilig!" Und von Milliarden brauste es zum Himmel empor; ״Heiligkeit der Heiligkeiten, alles Ist heilig.“ 1 Aber da war einer, den der Jüngling früher nicht bemerkt hatte. Der sah mit tückischem, missgünstigem , Blick auf die hehre Schar, und ei״ abscheuliches Grin- . sen verzerrte sein ohnehin hässliches Gesicht; indem er mit dem Finger auf Salomo wies, rief er mit gellender Stimme: ״Eitelkeit der Eitelkeiten, alles ist eitel!“ Da verschwand aller Glanz. Der Himmel wurd•» fahl und grau, und allmählich erblasste alles mehr und mehr, bis es endlich ganz verschwand. Auf dem ver lassenen Platze aber mitten zwischen Himmel und Erde schwebte ein Greis, dessen schleppendees Gewand niederhing bis tief über alle Lande, während sein Haupt die Wolken berührte. Seine schwarzen Augen blickten so unendlich traurig, wie Ben-Jekiitiel nie dergleichen er« blickt hatte. Es schien, als wäre jeder Blick ein Klagelied. Und er tat seinen Mund auf und sang traurig: ״O weh. wie einsam liegt die S*adt die Trauernde, die zur Witwe geworden