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Jüdische Rundschau · 1906-01-19 · Heft 3 (19.1.1906) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 3 (19.1.1906)
Date
1906-01-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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No. $ Seite 34 JÜDISCHE RUNDSCHAU geltender Weise regelt. Daraus könnte — was allerdings wohl kaum in der Absicht des Gesetzgebers liegen dürfte — gefolgert werden, dass die Bestimmung der $5$ li—13 nicht zu Gunsten der Synagogen ge meinden angewendet werden können. Da nun vielfach die Lehrer der Jüdischen Volksschule gleichzeitig synagogale Beamte der Synagogengemeinden sind und in demselben Hause wohnen, in dem die jüdische Schule untergebracht ist, da zuweilen auch die kleine Synagoge oder Betstube der armen Gemeinde sich in demselben Hause befindet, so würde bei einer derartigen Interpretation des Gesetzes, die nicht völlig ausgeschlossen erscheint, der Fall cintreten können, dass den Juden nicht nur Ihre Schulen und ihr Schniverniögen, sondern auch die Beamtenwohnung, Ja selbst die Synagoge konfisziert wird. Und das alles ohne Einspruchsrecht, ohne geordnetes Rechtsver- . fahren, lediglich durch das diskretionäre Ermessen der Behörde. Den Juden verbleiben sonach von der früheren jüdi- . sehen Schule lediglich ״die Verpflichtungen Dritter.” <§ 16). § 24 Abs. 2 stipuliert auch für die Errichtung neuer jüdischer Schulen Ausnahmebestimmungen. 1. Es fehlt die Verpflichtung des Schulverbandes zur Errichtung einer konfessionellen Jüdischen Schule unter der Voraussetzung des § 23. Die Sache ist vielmehr lediglich in das Belieben des Schulverbandes be7.w. der Schulaufsichtsbehörde gestellt. Die Begründung sagt S.67: ״Die bürgerlichen Gemeinden können nach der Verfassung nicht gezwungen werden, besondere jüdische Schulen cinzurichten.” Der Satz ist völlig haltlos; denn die Verpflichtung zu Errichtung konfessioneller Schulen für die evangelischen und katholischen Kinder ist Ja ebenfalls nicht durch die Verfassung festgelegt, sonst würden die bestehenden Simultanschulcn als Verfassungswidrig bezeichnet werden müssen, was bisher noch niemand in den Sinn gekommen ist, sondern lediglich durch dies Gesetz. . 2. Die jüdischen Hausväter bezw. Synagogenvorstände werden nicht gefragt. Ohne sie zu hören, wird die Neuerrichtung verfügt öder unterlassen werden. Das ist ein Rückschritt selbst gegenüber dem geltenden Recht, das durch § 61־ des Gesetzes über die Verhältnisse der Juden vom 23. Juli 18-47 die Absonderung der Juden zu einem eigenen Schulverbandc ״auf Antrag des Vorstandes der Synagogengemeinde‘‘, ermöglicht also einerseits der Synagogengemeinde das Recht vindiziert, einen dahin gehenden Antrag zu stellen, andererseits die Errichtung einer besonderen jüdischen Schule gegen den Willen der Synagogengemcinde ausschliesst. (Schluss folgt,) Die jüdische Auswanderung nach Amerika im Jahre I905* 1) Die jüdische Einwanderung nach Amerika betrug :29910 i Personen, d. i. gegen das Vorjahr (106236), eine Zunahme von 23 771־ Personen. Im Verhältnis zur Gesamteinwanderung, welche in diesem Jahre sich auf 1 026199־ beziffert — gegen 812 87!י im Vorjahre -- hat sich die jüdische Einwanderung von 13 rc (1903) auf 12,6 c« vermindert. Unter den eingewanderten Rassen nehmen die Juden wie im Vorjahre den zweiten Platz ein; nur die Süd-Italiener sind in grösserer Zahl (18(1390) eingewandert. In welchem Masse die einzelnen Herkunftsländer an der Einwanderung beteiligt sind, zeigt folgende Tabelle: 1905 gegen 1903 Russland. 92386 543 77 ״ Österreich. 17 352 20 211 England ...... 142992 817 ״ Rumänien.1853 6336 ״ Deutschland ..... 7.13 .669 ״ aus anderen Ländern . 1 28.1 .. 539 Was den Bestimmungsort anlangt, so begaben sich nach den Staaten: New-York (New-York). 83 723 Juden Pennsylvania (Philadelphia). 13 377 ״ Massachusetts (Boston) . 9 097 ״ Illinois (Chicago). 5 380 ״ New-Jersey (Patcrson, Camden, Newark. Trcnton) . 3,226 ., Ohio (Cincinnati, Clcvcland).2169 ,.! Maryland (Baltimore) . 2376 ״ t Connecticut (Ncw-Haven. Providence) . . 2033 ״ i Der Rest verteilt sich auf alle anderen Staaten. Die meisten jüdischen Einwanderer blieben in den Städten, welche neben den Staaten in Paranthese angeführt sind. An Geldmittel brachten die jüdischen Einwanderer insge• samt 1 823 617 Dollars. Das macht auf den Kopf 13,18 Dollars, während bei der Gesamteinwanderung 23,50 Dollars auf den Kopf entfallen. Uber die Gliederung und Schichtung der jüdischen Ein- Wanderer mag folgende Tabelle Auskunft geben: Jüdische Einwanderung Zahl pCt. Freie Berufe . . 1 163 0,89 Gelernte Arbeiter . 60135 363 Verschiedene Berufe 21731 16,73 Ohne Beruf . . . 36871 36,10 Gesamtem- Wanderung Zahl pCt. 13 633 1.32 180112 17,53 600 726 SS,52 232018 22,62 ‘) Gemeint ist das amerikanische Fiskaljahr vom 1. Juli 1903 bis 30. Juni 1905. 2) Diese Auswanderungszahl aus England beweist mein wie alles andere die schlechte Lage des Arbeitsmarktes dort. ” * Auf dem Tische stand die Schachtel mit den schwedischen Streichhölzern, so wie sie der Bediei te hatte stehen lassen. Wüst und wir ging es Ben-Jekutiel durch den Ko.i und mechanisch streckte er sich wieder in das Bett nieder, um zu versuchen, ob er weiter schlafen könnte, und bald hatten ihn von neuem Schlaf und lebendige! Traum umfangen. Er sah, wie sich die Hitnelstore weit öffneten und aus ihnen zogen wie iin Triumph die himmlischen Heerscharen heraus, allen voran jener Cherub, der mit dem stets kreisenden Schwerte die Pforte zum Paradiese hütet. Ihm folgten die Scharen der Cherubim und Seraphim und sangen: ״Singet in Jubelnden Chören, Dem ewigen Herren der Ehren, Der mit dem Worte ״Es werde” Geschaffen hat Himmel und Erde.“ Immer neue Scharen kamen aus allen Toren d׳'S Himmels in Freude und Seligkeit und schwebten sin- 1 gend und jauchzend auf farbcngHihenden Regenbogen hinüber aus blauem Acther, um den Irdischen Friede ' und Seligkeit zu bringen. Allmählich wurden die Scharen weniger, und endlich schlossen sich alle Tore und nur das mittelste und grösste blieb weit geöffnet stehen. Und aus ihm sch webte ein Mann, dessen Antlitz wie das Licht der strahlenden Sonne leuchtete. Und von ihm ging ein Glanz aus, der die ganze Erde erhellte. . I . Acusserlich war er dem Ewigen Juden nicht ganz unähnlich an Haar und Bart und Gestalt, ja ein oberflächlicher Blick sie hätte verwechseln können, und Ben-Jekutiel zweifelte einen Augenblick, ob er cs nicht wirklich sei. Oer riesengrosse, mildblickende Mann aber hatte in der gewaltigen Rechten eine Btieherrolle worauf geschrieben stand; ״Du sollst Deinen Gott lieben mehr denn Dich selbst!” Und er schritt und schwebte weiter und alle Engelgestalten bückten sich ehrfürchtig vor ihm, denn es war Mose, unser Lehrer. Und hinter ihm folgte im Hel• dengewand, in der Rechten das Schwert, in der Linken die Leier und auf dem Haupte die goldene Krone, eine

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