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Jüdische Rundschau · 1906-01-12 · Heft 2 (12.1.1906) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 2 (12.1.1906)
Date
1906-01-12
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 2 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 21! Es ergibt sich aus diesen Zahteu dass Aegypten in letzter Zeit für die Juden ein Eir.wandcrungsland ersten Ranges geworden ist. uikI dass es hauptsächlich italienische und französisehe, in Wahrheit algerische, Juden sind, welche nach Aegypten *׳!»wandern. Besonders Setaidün wandern ebenso wie nach Palästina und überhaupt türkischen Ländern, nach dem freien und duldsamen Aegypten. Ihren Wohnsitz hatten 21973־ Juden in Unterägypten, 227 in Oberägypten; diese Verteilung entspricht so wenig der Verteilung der ägyptischen Gcsamtbevölkcrung, dass die Juden in Unterägypten 0,44 Prozent, in Oberägypten dagegen nur 0,01 Prozent der Gcsamtbevölkcrung ausmachen. In Unterügypteu wiederum zählen die meisten Juden der Regierungs-־ bezirk (Stadt) Kairo mit U -1S9 Juden (darunter allem 5 691 Ausländer) — 2,02 Prozent der (iesamtbevölkerung von 570 062 Seelen, ferner der Regierungsbezirk (also ebenfalls Stadt) A Iex and rien mit 9 946 Juden (darunter 5 254 Ausländer) 3,11 Prozent der Gcsamtbevölkcrung von 319 766 Seelen. . Die jemenischen Juden in Jerusalem ״Ein arbeitsames und tüchtiges Volk!" wird jeder ausrufen ,der das Leben und Treiben der jüdischen Jemeniten in Jerusalem betrachtet. Es ist interessant, die Lebensweise dieser Gemeinde kennen zu lernen. Diese dunkelbraunen, von der sengenden Sonne Arabiens verbrannten Brüder sind nicht seit langer Zeit liier sesshaft. Die Geschichte ihrer ersten grösseren Einwanderung in das heilige Land kann man aut höchstens zwanzig Jahre zuriickdaticren. V.,r fünfzehn Jahren betand sich hier schon eine kleine Jeineiiitengemeinde, die nach und nach, als sich die Zustände in ihrem Heimatlande verschlimmerten, an Zahl zunahm. Da sie türkische Untertanen sind, so begegnen sie bei ifirer Einwanderung keinerlei Schwierigkeiten. Palästin׳• erscheint ihren Augen wie den russischen Juden Amerika. Hier fühlt sich der Jemenit glücklich, denn es fehlt ihm nicht an Arbeit, da jedwede Art der Beschäftigung ihm angemessen ist; dazu weiss er, was eine Hauptsache für sein Fortkommen ist. von keiner Unterdrückung seitens der Regierung. Schon bei der ersten Niederlassung vor ungefähr fünfzehn Jahren, zeigte die Jemeniten ihre Liebe und Neigung zur Landwirtschaft im heuigen Lande. Sie gründeten damals einen Verein zur Förderung der Arbeit und Landwirtschaft in Palästina, kauften mit Hilfe der Aschkenasimgemcinde ein Landgut im Dorfe Ar-Rämä, um dort das Land zu bebauen. Leider erreichten sic ihr Ziel nicht und das gekaufte Land, dessen erste Rcbpiianzungcn mangels eines Kredits der Gemeinde zu Grunde gingen, ist seitdem unbearbeitet geblieben. Die Schuld war die eines aschkenasischen Rabbiners. Sic verloren aber den Mut nicht und als sic cinsahcn. dass sic ohne die nötigen Mittel mit der Landwirtschaft sich nicht abgeben können, wende ten sie sich jeder Arbeit zu, von der sie nur hoffen konnten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Der Jemenit ist, wie gesagt, ein sehr geduldiger, sparsamer und genügsamer Arbeiter. Ich kenne einen Jemeniten, einen einfachen Lehmträger. Er war bei seiner Ankunft liier schon verheiratet. Im Hause liefen schon vier Kindlein herum und verlangten nach Brot. Sein tägliches Einkommen belief sich auf nicht mehr als fünf Piaster und damit musste er seine ganze Fa* milie ernähren. Seine Wohnung bestand aus einer Hütte, die mit verrostetem Blech beschlagen war. Im Winter beim lieftigen Regen floss vielmals das Wasser durch die vielen Ritzen in das Zimmcrchcn hinein, ja, mehr wie einmal wurden sie mitten in der Nacht vom einbrechenden Regen geweckt. Und doch litt er alles mit ausserordentlicher Geduld, bis er in nicht zu langer Zeit ein winziges Kapital erworben hatte. Er kaufte einige Meter Land, für die er nur die Hälfte des Betrages zahlte, indem er sich verpflichtete, die andere Hälfte in fünf Jahren auszuzahlcn. Er arbeitete flcissig. um seiner Schuldenlast schneller ledig zu werden. Während dieser Zelt umzäunte er das Feld, baute eine Zisterne und dann gar ein kleines Häuschen so dass er nach fünf Jahren sich ein Haus, einen kleinen Galten und eine Zisterne angeschafft hat. Und so glücklich leben die meisten Jemeniten. Ja, es verschwinden nach und nach die sogenannten ״Bujüt teuak” (blecherne Häuser), in denen diese armen Stammesgenossen wohnten, und an Stelle dieser erheben sich manche nette, aus Stein gebaute Häuser. Jede Arbeit betrachten die Jemeniten als eine anständige Beschäfti״• ״. Sie bcschäftigen sich mit Thora-, Tcfilloth- und Mesusothschreibcn, manche sind Maurermeister, andere Lastträger, wieder einige besitzen Speiseläden. Es befinden sich auch unter ihnen viele Gelehrte. Jeder spricht neben seinem arabischen Hcimatsdialekt ein vortreffliches Hebräisch. Wenige vom jungen Geschlecht besuchen die Schulen; die Kinder gehen aber nicht müssig herum, sondern suchen stets irgendwelche Arbeit, um etwas zu verdienen und so ihre Eltern in der Lebensführung unterstützen zu können. Manche besuchen das ״Maktab" (Chcder), profitiejen aber darin sehr wemg. da sie cs sehr schnell verlassen, um ihren Eltern in ihrer Arbeit zu helfen. Jedenfalls sind die Jemeniten viel weiter vorgeschritten als die persischen Juden, welche sich noch immer auf das Bettelbrot verlassen und fast an keinem Hause Vorbeigehen, ohne zu bettein. Es besteht also in bezug auf Arbeitsamkeit und Strebsamkeit ein grosser Kontrast zwischen diesen beiden Gemeinden. Bagdad-Bahn ״Auf den Spuren der Bagdad-Bahn“ benannte Dr. Wiedemaiin-Haniburg den Vortrag, den er vor der Deutsch- Asiatischen Gesellschaft hielt. Dr. Wiedemann schilderte die allgemeinen Verhältnisse des Landes zwischen Euphrat und Tigris. Die Schätze, die der fruchtbare Bode.1׳ bei gecigneter Bewirtschaftung hergeben würde, können nicht gehoben werden, weil es ke-ne Verkehrsmittel gibt, um sie weiter transportieren zu können. Nur am Unterlauf des Tigris verkehren kleine Dampl.cr, die aber dein Bedürfnis durchaus nicht genügen. Segclschiiiverkehr für den Transport gibt es nur in der Z;it der Ernte, aber hier ist die Fracht so enorm hoch, dass sich ein Export gar nicht ermöglichen lässt. Wer also etwa von Alexaridrettc aus die Reise nach Bagdad antreten will — diese Tour hatte der Vortragende zurückgelegt — der muss zunächst für einen Wagen sorgen, darin er nach Aleppo gelangen könne, um sich dort für die kommender. Etappeil zu Pferde auszurüsten. Ebenso unzulänglich wie die Verkehrsverhältnisse smd die S::herhcitsverhä!tn:sse im Lande. Als Vorbedingung für eine Rentabilität df.r zukünftigen Bagdadbahn hält der Vortragende die Bezwingung der Kurden insofern, ajs diese nicht mehr die Macht ausüben dürfen, deren sie sich gegenwärtig unter den Augen des Sultans erircucn. Für die Bagdadbahn hat man jefzt bekanntlich einen anderen, südlicher gelegenen Weg als früher. Es ist notwendig, zunäclist von Basra aus die Bahn bis Bagdad auszubauen. da es sonst zu lange Zeit währen würde, bis man die ganze Bagdad-Bahn fertiggestellt haben würde. Die Verwendnng von Kamelen Die Verwendung von Kamelen für Transportzwecke in Dcutsch-Siidwestafrika ist beschlossen worden. In erster Linie kommen wohl Kamele aus den Somaliländern in Betracht, dann solche aus Syrien, Mesopotamien und Aegypten. Eingehende und wertvolle Studien über die Tiere hat Baron Eduard No!de im Jahre 1892 während seiner Reise nach Innerarabien. Kurdistan und Armenien gemacht. Er betont besonders, dass entgegen den in Europa häufig ausgesprochenen Ansichten alle Arten von Kamelen auch in steilen und schwierigen Berggegenden sehr brauchbar seien und trotz ihrer weichen Füsse ganz auffallend wenig von anhaltendem Treten auf Geröll und sogar auf sehr scharfen Steinen zu leiden hätten. Gefährlich sei ihnen nur feuchter und glitschriger Erdboden, da sie auf solchem nur einige hundert Meter vorwärts kämen, dann aber zitternd stehen blieben. Auch hebt er ihre Fähigkeit im Durstertragen hervor.. ־ Vielfach sehr falsch sei auch die Tragkraft der Kamele angegeben. Die stärksten Tiere seien die syrischen, da sie auf langen Reisen von zwanzig und mehr Tagen bei einen» täglichen Marsche von acht d e u t s c h e n M e i- I e n etwa 330 Kilo tragen könnten, und zwar bei gelegentlichem anhaltendem Dursten. Die leistungsfähigsten in Bezug auf Schnelligkeit sind die innerarabischen Vollbiut-Rennkamele. Bezüglich der Tragfähigkeit des zweihöckerigen Trampeltieres weiss Nolde aus eigenen Erfahrungen zu berichten, dass die Tiere aus Anatolien, Khorassan und Südtibet, sofern sie in guter Kondition sind, auf längeren Karawanenreisen bei sechs bis sieben Meilen täglichem Marsch 450 oder 500 Kilo tragen. Natürlich geht der Marsch nur im Schritt. Nolde warnt vor Ueberbürdung des Kamels, da es billiger sei, drei neue Kamele zu kaufen, als ein übermüdetes wieder heraufzubringen. Vollentwickelt sei das Kamel erst in seinem fünften bis sechsten Jahre. In Innerarabien, wo man mit dem Tiere vorzüglich umzugehen wisse, bleibe es bis in sein 25. oder 30. Lebensjahr dienstfähig. In anderen Ländern, wo das Tier rücksichtslos ausgebeutet werde, erliege cs oft schon aui der 2weiten oder dritten grossen Reise. Immerhin habe cs sich dann schon bezahlt gemacht. Die Mitteilungen Noldes sind gerade für die jüdischen Kolonien In Palästina beachtenswert. — Leider haben unsere Kolonisten sich noch immer nicht dazu entschliesscn können, das Kamel zu züchten oder auch nur zu verwenden und gelegentlich der Vendange müssen sie hunderte vfln Kamelen mieten und ihre arabischen Besitzer beschäftigen. Es wäre an der Zeit, den jüdischen Kolonisten die Wichtigkeit der Haltung und Züchtung von Kamelen dringend zu empfehlen. ״1f ׳"יייי|יי,י|י״1׳ f u m׳1

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