Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XI (1906)
- Issue
- Heft 2 (12.1.1906)
- Date
- 1906-01-12
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 17 No. 2 pekuniäre Entschädigung erhält, abgcschreckt werden können und ihre Banknoten diesem guten Unternehmen entziehen werden? Das ist vor allen! Herr S. Guttmann, ein vielfacher Millionär mit glänzendem Geschäft, angesehener Stellung, angesehen in allen jüdischen Vereinen, wie auch der Gemeinde, dem Literatur- und dem Abwehrverein des Antisemit ismus. ״ _ Wer aber zum Beispiel am Sonntag, dem 18. Dezember 1905 das BAYERISCHE VATERLAND las. der konnte einen schönen Anblick finden. Dass dieses Schundblatt die Berliner STAATSBÜRGER-ZEH UNO in der Judenverhetzung weit übertrumpft. das weiss jeder und selbst der dümmste Jude in München. So kann es auch nicht auffallen, dass besagte Nummer z. B. den grössten Teil ihres Inhaltes den Juden widmet. Ein Artikel behandelt .,Das Judentum nach seinen üblen und hässlichen Seiten der Naturanlage, des Charakters, Temperaments, der Neigung etc.” (sic!), einer bringt die Rede Liebermanns wieder, dass ״die Juden in Russland seit langem schwere Blutschuld auf sich gchäuit haben,” dann eine Geschichte von einer ״noblichtcn Judenschicks”. Entrüstet musste jeder anständige Jude dieses Konglomerat von Schmähartikeln gegen uns Juden von sich werfen. Aber sieh! Auf der Rück- Seite dieses Pamphlets entdecken wir den ganzen Raum einnehmend, ein grosses Inserat, eine sogenannte Hundertster- Annonce von S. Guttmann & Co., dem Juden Guttmann, der sich ״zu Weihnachten empfiehlt.” Wir haben eingangs bemerkt, dass solche Leute tonangebend in den hiesigen jüdischen Vereinen sind. Wenn wir es noch nicht wüssten, wir müssten cs an dem Vorgehen und dem Verhalten dieser Vereine merken. Im vorigen Semester versuchte z. B. die hiesige farbentragende Verbindung im K. C. Licaria bei ihrem Kartell durchzusetzen, dass die Zi.onisten ausgeschlossen würden. Dem Anträge, hauptsächlich auf Betreiben eines alten Herrn, Dr. Holländer, gestellt, ist. ein wenig ruhmvolles Ende beschert worden. Auf den traurigen Ruhm dieser Zionistenhetze und -Fresserei scheint nun die hiesige Loge neidisch zu sein. In ihr sammeln sich die oben gekennzeichneten Typen. Männer, die ihre Loyalität, ihre deutsche Nationalität und ihren Liberalisnius durch Unterstützung des ekelhaftesten Antiscmiteri-BTattes ihren arischen Mitbürgern 7.u beweisen suchen, die den Verein zur Abwehr des Antisemitismus zum Kampfverein gegen eine jüdische Bewegung, den Zionismus, ummodeln, die bei einer Frage wie die, soll sich ein grosser Teil der jüdischen Kaufmannschaft (im jüdischen Jugendbund) an dem neutralen jüdischen Turnverein beteiligen, die Gelegenheit für gekommen erachten, all ihre Wut über den Zionismus auslasscn zu können. Lassen wir ruhig in dieser jüdischen Loge diese traurige Parole ausgeben, die selbst viele ehrliche Gegner des Zionismus, die in der eigenen Vorstandschaft zu suchen sind, herbe Worte des Abscheus in den Mund nehmen liess, lassen wir sie ruhig Anträge selbst fassen für die Grossloge oder dergleichen. Eines nur möchten wir verlangen! Lasst endlich das falsche Spiel, hinter euren verschlossenen Mauern, die Anschlage aus dem Dunkeln! Drückt euch nicht um die Vcrantwortung, wenn wir so frei sind, euer Wollen, von dem wir auch hie und da etwas erfahren, der jüdischen Welt zeigen. Im übrigen, glaube ich, können wir nur mit Bedauern das Niveau der ״Jüdischkcit” der Münchener Gemeinde registrlercn. אהרון׳יבן אברהס - Rundschau ■« ״Mosaischer Konfession“? Berlin. Durch viele jüdische Zeitungen ging in den letzten Wochen eine Notiz, dass etne Anzahl von Rechtsanwälten den Titel ״Justizrat‘‘ erhalten hat. Die in dieser Liste aufgeführten Namen klingen jüdisch: anscheinend nehmen die Redaktionen an. dass es sich um jüdische Anwälte handelt. Dem ist aber nicht so. Von den 12 in der Liste aufgeführten Berliner Rechtsanwalten sind 2 getauft während 3 andere ihre Kinder haben taufen lassen. Nur 7 dieser Herren fühlen sich somit noch als Juden. Es wäre wünschenswert, warn man derartige Listen in Zukunft mit gebührender Vorsicht veröffentlichen würde. Die jüdische Presse kann doch kein Interesse daran haben. Rangerhöhungen von getauften Juden mitzuteilai. Verband der Sabbathfreunde Berlin, 29. Dezember. Gestern Abend fand in der Aula der jüdischen Mädclienscliulc, Kaiserstr. 29/30, die von dem Vorstand der jüdischen Gemeinde bereitwilligst zur Verfügung gestellt war, die erste öffentliche Versammlung des Verbandes der Sabbathfreunde• (Ortsgruppe Berlin) statt. Nach einem Bcgrüssungsworte des Vorsitzenden, Herrn Moritz Posen hielt Herr Rabbiner Dr. E. Munk seinen Vortrag: ״Was soll und wäll der Verband der Sabbathfreunde?” Reicher Beifall dankte dem Redner, als er mit einem warmen Appell an die Erschienenen, sich selbst dem Verbände anzuschliessen und stets eingedenk zu sein, rn ihren Kreisen für denseihen zu werben, schloss. Nach kurzer Pause. i!1 welcher überaus zahlreiche Anmeldungen zum Beitritt erfolgten, nahm der zweite Referent, Herr Eli Lazarus, das Wort zu seinem Referat: ,.Was hat der Verband bisher erreicht, was kann er erreichen.” Die vorgerückte Stunde zwang den Herrn Refcreuten, das reiche Material, welches ihm zur Verfügung stand, zusammenzudrängen. Er konnte darauf hinweisen. dass der Verband trotz der Kürze seines Bestehens, doch bereits auf allen Gebieten, die er für seine Tätigkeit und für die seine Tätigkeit in Anspruch genommen, bereits erfolgreich gearbeitet hatte. Der heutige Tag sei der erste Geburtstag des Verbattdes und schon habe derselbe über 500 Mitglieder und beständen in allen Teilen Deutschlands, von Frankfurt a. M. bis Kempen, von Stuttgart bis Königsberg, bereits Lokal-Konvtees, deren rühriger Tätigkeit die Rcxhshauptstadt nicht nachstchen dürfe. Die Stellenvermittlung sei in rationeller We׳se zentralisiert worden und habe durch den Verband neue Impulse erhalten und gegeben: auf dem Gebiete der Assoziation seien, wenn auch tastende Versuche gemacht worden. Auf dem Gebiete der Gesetzgebung hat der Verband namentlich hinsichtEch der Sonntagsruhe gemeinsam mit dem Verband der Deutschen Juden die Abwehraktion der drohenden Gefahr unternommen: ebenso habe er auf dem Gebiete der Schulgesetzgebung und Schulverwaltung bereits Erfolge zu verzeichnen. Das Organ des Verbandes DER SABBATH wird slmtl'chen Mitgbedern allmonatlich unentgeltlich /!!gestellt und trägt Anregung und Aufklärung weit in die Lande hinaus. — Aehnliche Versammlungen werden;demnächst in verschiedenen Stadtteilen Berlins nacheinander abgehalten werden. Gememdewahfen in Frankfurt am Main s. Die vor kurzem stattgehabten Wahlen in den Ausschuss der jüdischen Gemeinde haben das erfreuliche Resultat ergehen, dass zum ersten Mal ein eifriger, geslnnungstüchtiger Zionist einen Sitz im Rate der Gerne mde cinnchmen kann. Bisher hatten sich die beiden in Betracht kommenden Parteien immer fricd!:c!1 geeinigt: diesmal wollte der ״Freisinnige Verein‘‘ die drei erledigten Sitze selbständig besetzen und den konservativen . Zentralverein“ gä.nz’ich ausschliessen. Fs handelte srch bei den Freisinnigen besonders darum, den Sonntacsgottesdienst durchzusetzen, dem Religionsunterricht In den höheren Schulen ein möglichst ..freis:nniees“ (d. h. unjüdisches) Gepräge zu geben und im Westen der Stadt eine Prunk Synagoge zu errichten, die höchstens an drei Tagen im Jahre besucht sein würde. Der Zentralerem verband sich ancesxhts der drohenden Gefahr nrt der zionistischen Vercinigung. derart dass d:c Liste einen Namen der Freisinnigen, einen des Zentralvcreins und enen der Zionisten, des Herrn Dr. med. Hanauer, enthielt. Der Wahlkampf war ausserordentheh heftig. Zum ersten Male erlebte man in Frankfurt eine öffentliche Gememdcwähler-Vcrsammlune. die dank dem geschickten Auftreten des Herrn Dr. Hanauer und ganz hesonders des Herrn Fritz Sondheimer (des früheren Vorsitzende der hies'gen Ortsgrunoe) einen glänzende!! Verlauf nahm, ebenso wie die einige Tage später ahgehaltene Ver- Sammlung der OrKgruope. Die Wahlbeteiligung war eine sehr starke: etwa 50% aller Wähler stimmte ab. trotzdem man lange Zeit warten musste, bis man In das viel zu enge Wahllokal gelangen konnte. Besonders stark wurde gegen den .Zionisten‘‘ Hanauer gearbeitet: alles Vergehens: mit ca. 1300 Stimmen hbeben die Verbündeten Sieger über die 1000 Stimmen der Freisinnigen. Der Zionismus in Frankfurt hat einen redliehen Anteil an der Agitation übernommen und kam! stolz smn. den schönen Steg errungen zu haben, besonders da der Erwählte des Zentralvcreins, Herr Max Bauer, sich verpflichtet hat Herrn Dr. Hanauer in seinen Forderungen zu unterstütz•':!. Hoffentlich bringt nun auch das nächste Jahr weitere Erfolge. Wie man Prozesse gewinnt Wie tief der Aberglaube in mancher Gegend Deutschlands noch wurzelt, dürfte folgender heitere Vorfall bezeugen, den man der FRANKFURTER ZEITUNG berichtet: Sass ich da vor kurzem im Wartesaal zweiter Klasse des Bahnhofes zu Breslau und unterhielt mich lebhaft mit einer ansclwinend