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Jüdische Rundschau · 1906-01-05 · Heft 1 (5.1.1906) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 1 (5.1.1906)
Date
1906-01-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Beilage zu 1 .סח - Berlin, Den 8. lebet!) 5666 - 5. Januar 1906 Mitteilung Die Sammlungen für das Nationalgcschenk für die Kinder Theodor Hcrzls haben bis zum heutigen Tage die Summe von über 9000 Pid. Sterl. ergeben. Indem das Komitee hiermit die Sammlung sch Messt, will es nicht unterlassen, allen, die zu dem Nationalgeschenke beigetragen haben, auf diesem Wege seinen Dank zum Ausdrucke zu bringen; Das Komitee für das Nationalgeschenk für die Kinder Theodor Herzls. ' :־ Für das Komitee; David Wolffsohn. Makkabäertum und Zionismus (Festrede zur Makkabäerfeicr der Zionistischen Ortsgruppe in Lübeck am 2S. Dezember 1905.) Von Dr. Landau- Lübeck. Jenes erschütternde Drama, das sich vor wenigen Wochen in den fluchbeladenen russischen Landen abspielte, hat das' Herz des jüdischen Volkes mit unermesslichem Weh erfüllt, dass cs kaum den Mut findet, den nationalen Gedenktag an jüdische Ruhmeszeit fesiach zu begehen. Aber wie der Mensch in trüben Tagen Trost sucht In der Erinnerung an vergangene glückliche Zeiten, und wie er sich an ihr wieder emporrichtet, so sollen auch wir in unserem Judenleid neue Kraft schöpfen aus dem lebensfrischen Kern jüdischen Heldentums. Nicht mit nutzlosem Jammer und weibischen Tränen dürfen wir der Toten gedenken, denn die Zeit ist kostbar, und jeder neue Tag fordert neue Opfer aus unseren Reihen. Mit unseren Tränen lindern wir keine Not, Worte des Mitleids vermögen nichts zu bessern und Worte des Trostes klugen wie ein Hohn in diesem beispiellosen Unglück.־ Nur durch Mut, nur durch mannhaftes Handeln, nur durch kraftvolle Tat und zielbewusste Arbeit können wir dem Unheil einen Damm entgegensetzen. Nur ein klares Erfassen unserer Lage und ein rücksichtsloses Aiifaecken aller Schäden, die am Marke des jüdischen Volkes zehren, kann uns Rettung bringen. Aus den Ueberlieferungen unseres Volkes müssen wir lernen, was uns nottut; an den Beispielen, die wir in der Geschichte unseres Stammes finden, müssen wir für unsere Zeit die Folgerungen ziehen, anstatt die nationalen und religiösen Feste gedankenlos als blosse Rasttage zu feiern. Sobald erst einmal das jüdische Volk erkannt haben wird, dass es m seiner Tradition eine Lehrmeister in besitzt, die der Nacheiferung' wert ist, wird der erste Schritt zu seiner Erlösung getan sein. . Im Hinblick auf die Ereignisse unserer Tage kann gerade die" Geschichte der Makkabäerzdt der Judcnheit von heute als Vorbild dienen kl ihrem Ringen nach Freiheit. Der Zionismus wenigstens findet im Makkabäertum sein leuchtendes Vorbild. Und dies will er nicht nur nüt Worten und den hoffnungsstrahlenden bunten Lichtlein zum Ausdruck bringen: er will sich auch bemühen, ein gelehriger Schüler zu sein, und ringen und kämpfen, es der Meisterin gleichzutun. — Versetzen wir uns im Geiste 2000 Jahre zurück 1 Judäa seufzte unter dem lastenden Joche der Syrer. In Jerusalem w־aren 40000 jüdische Mänraer, Frauen und K n׳* der Blutgier des IV. Antiochus zum Opfer gefallen und ebensoviele in die Sklaverei verkauft worden. Das AHerhciligste w־ar seiner Kostbarkeiten beraubt und ruchlos besudelt, und ein unsägliches Elend kam über das jüdische Voik. Da erstand ihm ein Held, ein Retter: Mattathias, ein Priester aus dem Bergstädtchen Modim. Eine ragende Gestalt,' mit wallendem Bart und leuchtenden Augen, in denen ein heiliger Eifer glühte. Mit flammenden Worten rief er sein Volk zur Wehr, und mit schien Hcldensöhnen schritt er zu mannhafter Tat. Er rief zu den Waffen gegen Willkür und Gewaltherrschaft,.und alle, alle• kamen י Die kleine Schar wuchs zu einem stattlichen Heere au, die den Feind schlug, wr0 Syrer und Judäer zusammenstiessen. Aber ehe es noch zur Entscheidungsschlacht' kam, ehe noch der heldenhafte Priester die Frucht seiner rettenden Tat aufblühen sah‘, rief ihn der Tod von hrnnen. Als.er. sein Ende nahen fühlte, versammelte er seine Söhne und die Führer seiner Scharen um sein Lager und sprach zu ihnen: ״Jetzt herrscht Frevel und Züchtigung, und es ist eine Zeit der Verwüstung und des grimmigen Zornes. Ünd nun, Kinder, eifert für das Gesetz und gebet Euer Leben hin für den Bund unserer Väter. Gedenket der Taten unserer Väter, die sie vollbracht in• ihren Geschlechtern, so wurdet Ihr rechte Ehre und einen ewigen Namen erlangen!“ Dann ordnete er an, wie die Leitung des Heeres nach seinem Tode verteilt werden sollte, und ging ein zum ewigen Leben, voller .Zuversicht auf die Vollendung seines Werkes. Die letzten Worte des sterbenden Feldherrn hatten die kampfbegeisterten Scharen zu äusserstcr Hingebung angespornt, j Unter der Führung seines Sohnes Juda stürmten sie dem 20 000 Mann starken Heere der Syrer bei Emmaus entgegen und schlugen den mehr als dreifach überlegenen Feind in die Flucht Und als der Feind sein Heer, auf 60 000 Mann .yerstärkte, besiegte ihn Juda mit nur 10 000 seiner Tapferen bei Beth Zur. Da feierte das Makkabäerbeer ein Siegesfest und brachte dein Herrn der Heerscharen Dankopfer dar für die Errettung aus höchster Not. In den Vorhöfen des Tempels flammten Freüdenfeuer auf, und in ganz Judäa wurden von den Bewohnern acht Tage lang Lichtlein angezündet zur Feier der Heldentaten ihrer Söhne und der. Hilfe des Höchsten. Und es geschah ein Wunder: Der heilige Leuchter brannte acht Tage von einem einzigen Krüglcin Ocl! So gab der Himmel ein Zeichen seiner. Huld den Makkabäern, die sich aus untätigen Dulden und’Harren auf Erlösung zu mutiger Selbstwehr aufgerafft hatten. Denn wohlgefällig ist es dem Schöpfer, wenn der Mensch, den er in seinem Ebenbilde geschaffen hat, frei und aufrecht zu sein, das Joch derr Knechtschaft abschüttclt und Gut und Blut an seine Ehre setzt, anstatt für sein _und seiner Brüder Not. nur Geld und .Tränen zu haben! Das lehrt uns die Geschichte der Makkabäer! — ' . Zweitausend Jahre später! — Israel seufzte unter dem; Joel« der• Völker, über "den weiten Erdenrund zerstreut. Sein Heiligtum lag in Trümmern, ünd in Strömen floss sein Blut. Da erstand ihm.' wie einst zur Syrerzeit, ein Held, den das Leid seines Volkes bekümmerte. Theodor Herzl! Eine ragende Gestalt, mit. wallendem Bart und leuchtenden Augen, in denen ein heiliger Eifer glühte. — Mit mannhaften Worten rüttelte er sein Volk aus dumpfer Tatenlosigkeit auf, mit ihm an der Wiedererweckung nationalen Judentums zu arbeiten und für das heimatlose jüdische Volk eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte zu schaffen in dem Lande der Väter. Nicht ־mit Waffengewalt, auf loyalem und legalem Wege, im Einverständnis und mit Hilfe

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