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Jüdische Rundschau · 1906-01-05 · Heft 1 (5.1.1906) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XI (1906)
Issue
Heft 1 (5.1.1906)
Date
1906-01-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 6 \ '1י• ü JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 1 *•v ־ ־ ־. ' Erhebende Weihnachtsfeier Wie alljährlich hat der frühere Kandidat der sog. liberalen Partei für die Wahlen zur Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde in Berlin im Jahre 1901, Herr Sanitütsrat Dr. Edel, auch dieses Mal das Weihnachtsfest unter Zu- Ziehung eines christlichen Geistlichen gefeiert. Wir lesen darüber in der in Charlottenburg erscheinenden Zeitung NEUE ZEIT.No. 303 vom 28. Dezember 1905 folgendes: Eine erhebende Weihnachtsbescherung fand am Sonntag nachmittag 5 Uhr in der Nervenheilanstalt des Herrn Sanitätsrat Dr. Edel statt. Im grossen Saal des nach dem Charlott'enburger Ufer zu belegenen Gebäudes hatten sich unter einem lichterstrahlenden Weihnachtsbaum eine grosse Anzahl Patienten, deren Angehörige sowie Gäste versammelt. Nach einer von ,dem Kirchenchor der Luisenkirche unter Leitung des Herrn Professor Wangemann vorgetragenen Motette hielt־ der Seelsorger der Anstalt, Herr Pfarrer Mann, die Festpredigt, an welche sich ein Gebet anschloss. Hierauf trug der Chor noch.drei weitere Gesänge vor. In den einzelnen Kranken- Stationen erfolgte dann die Bescherung, welche grosse Freude und allseitige Zufriedenheit hervorrief. Sodann fand im grossen Speisesaal die Bescherung der zahlreichen Familienmitglieder und der vielen Hausangestellten statt. Auch hier hielt Herr Pfarrer Mann eine zu Herzen gehende Ansprache und der Kirchenchor trug mehrere Gesänge vor. Die reichen Gaben erfreuten alle an der Feier Beteiligten. In der zu Herzen gehenden Ansprache hat Herr Pfarrer Mann hoffentlich auseinandergesetzt, wie viel wir Juden dem Erscheinen des ״Erlösers” zu verdanken haben. Der Christliehe Gottesdienst im Hause eines Mannes, der darnach strebte, Repräsentant der Jüdischen Gemeinde in Berlin zu werden, ist ein recht erhebendes Erzeugnis der Assimilation, zu dem wir den ״Liberalen Wahlvcrcin” gratulieren, der uns diesen Mann immer wieder als Vertreter jüdischer Gemeindeinteressen zu präsentieren wagt. Er bat um Gnade! Der trutzige Recke Graf Pückler wurde am 13. Januar v. J. wie seinerzeit von uns mitgeteilt, zu einer sechsmonatigen Gcfänignisstrafe verurteilt. Diese Strafe ist fetzt im Gnadenwege in eine gleichfristige Festungshaft umgewandelt worden. Na! Natürlich! Das Asemitische Geseiz London, 1. Jan. Ani Grund des mit dem־ heutigen Tage in Kraft tretenden neuen Einwanderungsgesetzes sind bereits heute von 42 aus Hamburg hier eingetroffenen Auswanderern 24 zur fl ckge wiesen worden. Diese Zurüqkweisung der heute aus Hamburg cingefroffenen Einwanderer ist lediglich mit der Begründung ihrer Mittellosigkeit erfolgt Einige Einwanderer, die die ärztliche Kontrolle passierten, waren F l ü c h 111 n ge a u s R u s s l a n d. Die Zurückgewiesenen machten von ihrem Recht der Berufung an den Appellationsgerichtshof für Einwanderung Gebrauch. Die Sitzung findet morgen statt. — Einem Telegramm aus Dover zufolge ist auch am 2. Januar eine Anzahl Ausländer zurückgehalten worden. Kleine Mitteilungen Im jüdischen Mädchenstift fand am 28. Dezember aniässlieh der Chanukah-Feier im Beisein des Vorstandes und einer Reihe von Freunden der Anstalt (u. a. Frau Lina Morgenstern) neben der üblichen Bescherung auch die Entlassung der demnächst in den Dienst tretenden Zöglinge und eine Prämienverteilung für treue Pflichterfüllung im Dienste statt. Unter den im ganzen während des 15jährigen Bestehens des Stiftes aus demselben entlassenen 76 Zöglingen ist bisher 14, welche 2—9 Jahre lang in derselben Dienststellung bewährt haben, die Prämie zuerkannt worden, ein Erfolg, der am deutlichsten für die erspriessliche Wirksamkeit der immer noch nicht nach Gebühr gewürdigten und unterstützten Anstalt spricht. Gesänge und andere Vorträge eröffneten und beschlossen die Feier, bei welcher der Vorsitzende, Direktor Dr. Strclitz eine wirkungsvolle Ansprache an die versammelten gegenwärtigen und ehemaligen Zöglinge hielt. In der Jüdischen Arbeiter-Kolonie In Welssensee wurde am 23. Dezember das Chanukahfest in Anwesenheit der Herren und Damen des Vorstandes und Wojilfahrtsaus- Schusses feierlich begangen. Die religiöse Ansprache in der Anstaltssynagoge hielt Herr Dr. Escheibacher jun.; die Chanukakcrzen entzündete Herr Siegmund Bergei, die Chanukahymne bildete den Anfang und Schluss des eindrucksvollen religiösen Aktes. Für die Einbescherung hatten die Damen des Wohlfahrtsausschusses, insbesonder Frau Maurermeister Adler und Frau Prof. Schaeffer, mit den aus einer i Sammlung im Kreise des Vorstandes beschafften Mitteln in 1 dankenswerter Weise gesorgt; jeder Kolonist erhielt ausser ן Kleidungsstücken sein reichlich Teil an Pfefferkuchen, Obst und Zigarren. Der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Handelsrichter Moritz Roscnow, und die Leiterin des Darncnkomitces, Frau Adler, hielten herzliche Ansprachen an die Kolonisten, die einen sichtlich tiefen Eindruck hintcrlicsscn. Berlin. Am 10. Dezember hielt der Vorstand des Vereins ״J-ü dische Arbeiter-Kolonie" im Bureau des D. I. G. B. gemeinsam mit den Damen und Herren des Wohh'ahrtsausschnsses eine sehr zahlreich besuchte Sitzung ab. Anstelle der im Laufe des Jahres durch Tod nusgeschicdetten Vorstandsmitglieder, Justizrat Herrn. Stern I und Martin Simon, sind die Herren Emil Cohn in Charlot&enburg und Dr. Ginsberg getreten. Ober die Weiterentwicklung der Anstalt lagen günstige Berichte vor. Zurzeit sind 86 Insassen vorhanden, von denen 26 mit Stockfabrikation, 25 mit Rohrflechterei, 23 mit Herstellung von Bürsten, 1 als Koloniesclincider, 1 mit Hausreinigung beschäftigt sind. In den 11 verflossenen Monaten hat die Kolonie 411 Mann, seit ihrem Bestehen 13-1*1 Mann aus allen Ländern Europas aufgenommen. Die Komische Oper hatte am J^onntag ein« Vormittags-. auftührung geplant, deren Erträgnis den durch die russischen Unruhen geschädigten Juden zukommen soll. Das Theater war aber nur zur Hälfte gefüllt. Gut besucht war dagegen in Stettin die von Aron heim und Cohn veranstaltete Weihnachtsbescherung christlicher Kinder. Exempla doccnt. -- Das JÜDISCHE VOLKSBLATT (Wien) .erscheint vom 1. Januar 1906 ab unter dem geänderten Titel NATIONAL- ZEITUNG, Organ für die gesamten Interessen des jüdischen Volkes, zweimal wöchentlich. ECT Dieser Nummer liegen Titelblatt und Inhaltsverzeichnis zu in Jahrgang 1905 der JÜDISCHEN RUNDSCHAU und ihrem LITERATUR- BLATT bei. Lustige Ecke Seltsam, höchst seltsam Im BERLINER LOKAL-ANEIGER. No. 619, vom -3. Dez. finden wir zwei Heiratsannoncen, die ziemlich dicht unter einander stehen und folgenden Wortlaut haben: $öit»ue, 32־, coangelifd), für Familie auSrddjrnbe Crjciftcn^. angeneljnutJ Tfeufjcre, wünfefjt Stomfpoubcuj mit m 0 f a i f rf) c m ßnufmann jiurrfj $cirat. 5kbingungfn; repräfentable Grjdiftmmg. Gijmuafialbilbung, 15»mX) Vermögen. Xiäfcetioit felöftoerfiänblirfi. CfferUit mit iUjotograp&ie erbeten G. iH\ «00 [)auptpofflagerub. 2öcif)1«ncf)lötu1111frf), ®roBfaiifinfliin, i 5 r a e l i t i j dj (freibenfenb), Gnbc 3", ftfjr folibe, 0011 fcljr gutem Gfyaraftcr, bem pnpenbet Serfehr fcfjtt, fudjt eine gebilbete. fjäuSliib erjegene, d) r i ft fi d) e Xante mit grüfierent Vermögen aiö 2ebenS> gefäfjttiit. Gefällige Offerten Cr. «VN0 on bic oilial* errebiliott bie|\5!8latte4 Siofentfjalerftr. 4׳J. Hierzu bemerkt die antisemitische WAHRHEIT — lucus a non lucendo —: ״Warum nun wohl bloss die evangelische Witwe absolut einen mosaischen Herrn, der israelitische Grosskaufmann eine christliche Dame sucht? *Das letztere ist uns ja allerdings verständlicher; das erste aber kann doch höchstens als Perversität gedeutet werden. Wozu Scherl sein Papier missbrauchen lassen muss — das ist niefit zu sagen!” , .■ZT-—־־. —_1 M t. , Briefkasten der Redaktion — ~.־ l E23 I - J. Schl. Bitte bemühen Sie sich nicht! Die Inserate der Jüdischen Gemeinde werden jüdischen Zeitungen nicht bezahlt, wir haben also gar keinen Grund, auch noch ihre Richtigkeit nachzuprüfen. S. Wl. Breslau. Wir bitten, die Berichte stets so kurz wie möglich halten zu wollen, wenn wir sie unverkürzt bringen sollen.

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