Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1905)
- Date
- 1905-12-29
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 699 No! 52 JÜDISCHE RUNDSCHAU Von den Juden in China Mr. Ollvler B a I n b r i d g c. der sich vor einiger Zeit nach Kaifengfu in der Provinz Honan in China begeben hat, um die Überreste der einst so mächtigen Jüdischen Kolonie daselbt zu besuchen, ist am 10. Oktober nach Shanghai zuriickgckchrt. Die Rückkehr hat sich durch eine schwere Erkrankung des Reisenden in Kaifengfu um einige Wochen verzögert. Die Ausbeute dieser Reise besteht in zahlreichen Photographien von Tempeln, Palästen, Moscheen, zwei wertvollen und sehr alten Dokumenten, sowie endlich einer 400 Jahre alten Thorarollc. Die Juden begegneten ihm überaus zuvorkommend und Übergaben ihm einet! Aufruf an die europäische Judcnhcit. in dem diese gebeten wird, ihm beizustchen, damit sie ihre Synagoge wieder aufbauen und die Überreste ihrer einst zahlreichen Gemeinde sammeln könnten. Dagegen stiess er anfangs bei den chinesischen Muhammedanern auf grosse Schwierigkeiten. Ihr Hass gegen die Juden ist so gross, dass, als er in 'Kaifengfu war. er von S00 Mohatnmcdauern umringt wurde, die. im Glauben er wäre ein jüdischer Rabbiner, ihn täglich argre ich wollten. Es gelang Mr. Bainbridge jedoch leicht, sic zu!'!!)erzeugen, dass er kein Jude ist. Das anfängliche Misstrauen der Mohammedaner verwandelte sich darauf, in grosse Freundschaft, die schliesslich soweit ging, dass sie ihm die obcneuvähmc• Thorarollc abj traten. Der Grund für den Hass der Mohammedaner gegen | die Juden bestellt in der Tatsache, dass sie auf einen Teil des j Platzes der alten jüdischen Synagoge eine Moschee errichtet haben und sie infolgedessen befürchten, diese Moschee zu verlieren, wem die Synagoge neu erbaut werden sollte. Falashas Dem ״Hilisverei» der Deutsche» Juden" ist das nachstehende Schreiben der 1־ a 1 a s!1 a s (abesslr.ischen Juden) in Gouda r z.ugestcllt worden: ״Es sei gepriesen.der Herr, der Gott Israels! Heil. Heil. Heil Euch, die Ihr seid im deutschen Lande, die Ihr seid jenseits des Meeres, gross und klein allzumal. Wie geht cs Euch? Wir halten das Gesetz der Thora. Bevor wir das Meer überschritten während der Regierung Solomos, lebten wir vierzig!ahre unter G de׳•;:. Wir halten das Gesetz Moses und verrichten den Opferdienst nach dem Gesetz^ Arons. Wir sind die Familie der N'achko mmen Levis. An den einen Gott glauben wir. Man hat uns gesagt: Glaubet an das neue (Testament). Doch wir gaben unsere Hilfe hin. Der (jetzige) Kaiser von Abessinien hat uns ermutigt; Gott schenke Menelik langes Leben! ״Wir aber sind, seid \v ir aus Jerusalem Jcan.cn, arm. Das Opfer, das wir für den Pessachdienst darbringen, ist ein Lamm und Getreide. Das ist das Gesetz der Thora, an Aaron gegeben. Schembara, Abimelik. Daniel. M a 11 a r i haben dies schreiben lassen. — Dies möge an alle Kinder Israels gelangen, die im deutsch.en Lande sind. Wir glauben, wie Ihr. an einen Gott. Geschrieben am 14. Miäzejä“. (Der Monat Mifizeiä entspricht ungefähr unserm April). Die Eingangsworte sind in üthio- Fischer, alles übrige in amiiarisclier Sprache, der heutigen Umgangssprache in Abessinien, geschrieben. ,Israelitische“ Berich ו * j taltung l Der Mainzer ISRAELIT findet es unangebracht, dass Gg. Auerbach gelegentlich der Trau :!Versammlung in München eine zonistsche Agitationsrede gehalten hätte. Es war freilich eine Versammlung, die von der zionistischen Ortsgruppe einberufen war und gerade bei dieser Gelegenheit wäre wohl eine Agitat'on zur endgi!t'g:׳n Verhinderung von Judenvcrfolgütigen wohl am Platze. Sollet! wir denn etwa so handeln, wie der ISRAELIT, der im Bericht über die Wiener ProtestVer- Sammlung bloss die Ausführungen des Herrn Oberrabbiners und des Herrn Ruzicka veröffentlicht, von d.r Rede unseres Gg. Architekt Marmorek dagegen kein Wort erwähnt, trotzdem diese Rede (nach den Berichten der gewiss alles andere als zionistenfreunJüchen Wiener Tagesblätter) die wirkungsvollste gewesen ist. Allerdings sprach Architekt Marmorek auch etwas ״zion'st.'sch" und deshalb ntersclilägt das sich fromm nennende Blatt d e ganze Rede, ja. verschweigt sogar d.c Tat* Sache, dass Architekt Marmorek überhaupt in der Versanun• lung gesprochen. Wie die Originalkorr.:sponde11ze!1 mancher ״israelitischen“ Blätter zustande kommen, zeigt u. a. der Bercht über die Berliner Protcstvcrsamnilung •:n der Tonhalle vom 20. d. Mts. im HAMBURGER ISRAELITISCHEN FAMILIENBLATT. Über diese Versammlung berichtet das Familienblatt folgendes: ״Am Montag, den 20. November, hat in Berlin eine imposante Protestversammlung stattges'unden, die ihren Abscheu gegen die russischen Judenmetze I e*ien ausdrückte und deren Verlauf sicherlich die Sammlungen für die Opfer dieser barbarischen Vcrfolgungswut günstig beeinflussen wird, da dj'e politische Presse den Protest in weiteren Kreisen zur Kenntnis bringen wird.“ Diese wirklich fixe Berichterstattung ist um so Interessantcr, als.die Versammlung, wie unsern Lesern wohlbekannt ist, gar nicht stattgefunden hat. Jedenfalls e'nc ebenso anerkennenswerte Leistung des Han! bürge r ISRAELITISCHEN FAMILIEN- BLATTES wie seine Privattelegramm: aus Blaschkc in Polen, Ein bischen weniger fix und dafür getreuer und wahrhaftiger wird zionistischerseits vorgezogen. B. G.. Jüdische Wohltätigkeit Im Laufe der letzten zwei Wochen sind liachsthende hochherz ge Spenden von Stammesgenossen zu verzeichnen gewesen: I. Von einem Mannheimer Juden der Stadt Mannheim für c n Schwimmbad 500 000 Mk. 2. Von Herrn von Goldschmidt-Rothschildt (dem Vater des ״Leutnants‘*, gleichen Namens) für das Kreiskrankenhaus in Bomst 1.30 000 Mk. .3. Einer Breslauer Zeitung zufolge hat der Rentier Martin Littaucr für Wohnhäuser iiir arbe tsuniähige Bürger rr Konfession hinterlassen 2000000 Mk., ebne Unterschied 4. Sei! Bruder 1!;:J Universa wechsdsdt'gen Testament für :erbe soü gleichfalls in einem ha bat 2!Mk. 5. Der Ba; ״dl gleichen Zweck hinterlassen kier James Speyer;n New-Vork überwies dem Kuratorium der Kohunbia-Univcrsität als Dotation für die an der Berliner Univers t.it cinzuriehtende Professur far amerikanische (kscnclue 200(1!)ו.־ Mk. Summa: I 230 000 Mk. für zwei Woche־:. - - Nach Ermordung und Aus- Plünderung von Hunderttaus-.-nJen von Juden sind in wohltuendem C'gcr.satz dazu iiir die russischen Juden in Schlesien — einer von vielen w 0 h 11! a b ende n Juden bewohnten Provlnz — bis jetzt in einer Woche 7 •!57,65 Mk. gesammelt worden. L— n. Zur Warnung! . Vor der Mannheimer Strafkammer hatten sich der Mandclsmann Sonnheim Kätzcnstcin aus Oberlissingen und der Kaufmann Judas Stein aus Ortenstein wegen Betrugs zu verantworten. Die beiden hatten auf Grund raffiniert gefälschter Legitimationen der Alliance Isradüte in Paris, und verschiedener Behörden hier, in Mainz und in Frankfurt Sammlungen zu gunsten geflüchteter russischer. Juden veranstaltet. De wegen ähnlichen Schwindels schon vorbestraften Subjekte wurden zu sechs und drei Jahren Zuchthaus verurteilt. — Man sehe sich vor und sende Geld nur an die in der! Zeitungen bekanntgemachten San1mclster.cn, die öffentlich Quittieren! Jedem Haussammler weise man die Tür! Montagsvoriesungen Wie alljährlich, veranstaltet auch in diesem Winter das ־K u r a t o r i u m der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums eine Rc.be von Vorlesungen zum Besten des Stipendienfonds dieser Anstalt. Die Vorsclungen, welche im Saale der Gesellschaft der Freunde. Potsdamerstrassc 9. abends 8 Uhr, gehalten werden, sind folgende: Am 15. Januar: Herr M. Henle (Hamburg): ,.Rück- und Ausblick auf die Entwickelung der Syuagogenmusik." (Mit Klavierbegleitung). Am 29. Januar: Herr Rabbuer D r. S. Samuel (Essen): ״Das Shylockproblem im Lichte der neueren Forschung.“ Am 12. Februar: Herr D r. M 0 r i t z S o b c r n h c i m: ״Reise nach Syrien.“ (Mit Lichtbildern). Am 26. Februar: Herr Dozent D r. A. S. Y a h u d a: ״Uebcr semitischen Geist und semitische Begabung.“ Am 5. März: Herr Rabbner D r. M. Joseph (Stolp): ״Die drei Hauptstufen des religiösen Bewusstseins der Menschheit.“ Am 19. März: Herr Proiesscr D r. Ludwig Stein (Bern): ״Der religiöse Optimismus." Einlasskarten ä 5 Mk. für den ganzen Zyklus, ä 1 Mk. für eine Vorlesung sind zu haben bei Herrn Gebr. Fried- 1 ä n d e r. Unter, den Linden 2$ und beim Eingang in den Saal. Kleine Mitteilungen Wien, 12. Dezember. In der heutigen Sitzung des Abgcordnetenhauses forderte der Christlich-soziale Sturm in einer Interpellation die Ausweisung russisch-jüdischer Studenten, die bei der Wiener Universität inskribiert sind I MPf•״ 4f!f11Wim1iVMifj •״.״Hi יייוויי *«J«*W*T