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Jüdische Rundschau · 1905-12-29 · Heft 52 (29.12.1905) · page 8

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 52 (29.12.1905)
Date
1905-12-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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No, 52 Seite .692 JÜ6 1SCHE ־■ RU NDSC HA U Sprache ist in diesen Kreisen sehr begreiflich. Die JÜDISCHE .WELT (JEWISH. WORLD) in New-York enthält seit einigen Jahren eine englische Beilage, die jedenfalls einem Bedürfnisse vieler Leser entspricht. - Herrn Simon gegenüber erlaube ich mir zu bemerken, dass wohl kein Zionist die Beseitigung des ״Jüdischdeutschen“, wünscht Es wäre dies auch nicht möglich. Uns muss jedoch klar sein, dass es sich hier um eine Mundart des Golus handelt. Denn überall, wo die Juden nicht im Ghetto wohnen, ist das .,Jüdischdeutsch** verschwunden.*) Mit sentimentalen Betrachtungen wird wohl kaum jemand überzeugt werden. Es wäre sehr schön, wenn Perez, Pinski und a. ihre Erfolge dem Umstande verdankten, dass sie in ״Jüdisch“ schrieben; sic würden jedoch in anderssprachigen Werken genau so gute Produkte geliefert haben und vielleicht noch grössere Erfolge erzielt haben. Die ״jiidischdcutschc“ Sprache hat auch ihr Gutes (Gam su letauwo!). 1. Verhindert sie die Assimilation, 2. enthält sie viele deutsche und 3. eine stattliche Anzahl hebräischer Ausdrücke, erleichtert daher den Juden des Ostens die Erlernung dieser beiden Sprachen ungemein. Als A g i t a t i o n s m i 11 c 1 mag sie gleichfalls gute Dienste leisten. Sie jedoch als jüdische oder jii disc 11 n a ti ona 1 e Spr ache zu proklamieren, halte ich für verfehlt. B. G. R. Ünhut. Rothschild und die JTO . Im JEW1SH CHRON1CLE veröffentlichen eine Anzahl hervorragender englischer Juden einen Aufruf, in dem sie den Zionismus als eine ״Vision" bezeichnen, der ierritorialistischen Utopie einer Millioncnkolonisation eine Absage erteilen und ihre alte Zerstreuungsoolitik wieder anpreisen, daneben er- .klären, den russischen Juden könne wesentlich nur in Russland geholfen werden. Der ״further appea!" lautet: *Anlässlich der Jüngsten schrecklichen Ereignisse hat sich die öffentliche Meinung wieder mit der Frage beschäftigt, was aus den fünf bis sechs Millionen Juden Russlands v,׳erden soll, die Frage, die nicht erst seit der letzten Katastrophe in Südrussland datiert, sondern das Judentum schon seit mehr als einem Vierteljahrhundcrt beschäftigt und die im Jahre 1S31 *) Unter einer deutschsprechenden Bevölkerung ist ״Jüdisch-deutsch" sogar im Ghetto unhaltbar, wie es die Judenviertcl in Wien, Czernowitz und Berlin bcweisen. Und unser ward Salomos Veste. Da rissen wir alles Unkraut hfcraus Und bauten auf’s neue Jakob’s Haus Im freien Hebräerlande!“ Der Himmel verklärt sich in Flammen, Als sollt’ aller Schmerz, alle Schande Oesühnt sein in lohendem Brande —- Dann rollen die Wolken zusammen. Und wieder Totenstille .... Doch kaum, dass jenes Bild verblich, Regt sich’s leise erst, dann mächtiglich: Es keimt des Volkes W i 11 e: O lasst an jenen Grossen staik uns werden! Im Kampf mit feindlichen Gewalten Am Eignen fest und treu zu halten, Sei uns das Höchste hier auf Erden! Ein Schwächling, der sich seines Volkes schämt, Und sei’s verfehmt! Verachtung jedem, der ein Haupt Dem alten Bunde raubt! mit der Publikation der berüchtigten Ignatiewschen Maigesetze entstanden ist. Das Judentum der ganzen •Welt war seitdem, und nicht ohne Erfolg, bestrebt, die furchtbaren Folgen dieser Gesetze nach Möglichkeit zu lindern. Nahezu eine Million russischer Juden haben teils mit eigenen Mitteln, teils mit Unterstützung der grossen jüdischen Organisationen eine Zuflucht in freien Ländern gefunden. Sic haben in der neuen Heimat grosse jüdische Gemeinwesen begründet und atmen nunmehr die gesunde Luit der Freiheit. Zu dieser wohltuenden Zerstreuung und Ansiedlung von Juden in den Vereinigten Staaten ,Kanada, Argentinien und anderen Orten hat das englische Judentum auch das Seinigc beigetragen, indem es nicht nur einige tausend Flüchtlinge׳ in England selbst ansiedeite, sondern aucli einige weitere Tausende in den Vereinigten Staaten. Kanada, Argentinien und anderen Orten untergebracht hat. Diese Hilfe erschien aber einigen ungeeignet und allzu langsam vor sich zu gellen, denn cs blieben in Russland immer noch fünf bis sechs Millionen Juden zurück. Aus diesen und andern hier nicht näher zu untersuchenden Gründen ist vor acht Jahren die zionistische Bewegung entstanden, welche auf dem ersten Kongress in Basel sich zur Aufgabe gemacht hat, in Palästina eine Öffentlich-rechtlieh gesicherte H c i m s tä 11 e für das jüdische Volk zu etablieren. Allein der Zionismus hat in seinem Eifer die wichtigste Tatsache übersehen, dass Palästina nicht gross genug ist, um allen verfolgten Juden Aufnahme zu gewähren. Sie übersahen ferner, dass die besten Ländereien in Palästina bereits in nicht jüdischen! Besitze sich befanden und dass der Sultan gegen jede jüdische Immigration in Palästina mit politischem Hintergrund eine grosse Abneigung hegt. Jetzt wird Palästina von den Zionisten selbst nicht mehr als eine praktische der Not der Gegenwart abhelf ende Lösung angesehen, und die Hoffnung auf eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstatte ist zu einer Vision in die ferne Zukunft verblasst. Diese Vision genügt vielen Zionisten nicht mehr. Freilich, die Logik der Tatsache hat das Land der Verheissung einstweilen aus dem Bereiche der Möglichkeiten gerückt. Ein grossrnütig angebotenes Gebiet in Ostafrika wurde nach sorgfaltiger Untersuchung als ungeeignet für jüdische Kolonisation befunden. So blieb das Problem immer noch ungelöst. Die fünf oder sechs Millionen Juden verblieben nach wie vor in Russland, seufzten unter der Last der Verfolgung und erstickten im Ansiedlungsrayon. Nun ist etwas* entstanden, was man nennen könnte ter r i tor!alis t isc h’e n Zi on is ־ mus, und eine beschränkte Zahl von verzweifelten Juden hat gierig nach dem neuen Mittel gegriffen Das ist die Entstehungsgesfhfchte der jüdisch-territorialistischen Orgar.isation. ־Ihr Programm ist eine Zufluchtsstätte auf der Basis der Selbstverwaltung für alle Juden, welche in ihren gegenwärtigen Heimatländern entweder nicht bleiben können oder nicht bleiben wollen. Die Hoffnung der Führer ist darauf gerichtet, von der britischen Regierung ein unbewohntes Territorium zu erhalten, das aus einer der englischen Kolonien herausgeschnitten und umfangreich genug ist, um einen grossen Teil, vielleicht sogar die gesamte Zahl der unter- Ihr aber, die Ihr treu um Zion ringt, Seid Ihr ein Häuflein auch, verzaget nicht: Wenn Ihr das Leben setzt an Eure Pflicht, Könnt Ihr vertrau»: Das Werk gelingt! Bereitet klug und mutig Euch im Stillen, Stählt Euren Arm und schärft den Willen; Lernt Euer Schicksal bauen, lernet hämmern, Dann wird auch uns der Tag der Freiheit dämmern! Alfred Nossig Aus meinem Märchenbuche Der Ring des Propheten Elijjahu (Fortsetzung.' Hier lest es selbst: diesen Aufruf verteilt das nationale polnische Komitee unter den Juden in der Nationalgarde. Seht den Holm, wie hier mit riesigen Buchstaben am Anfang die Anrede ״Volk Israel“ steht, und das hat Lelevel als erster gar unterzeichnet. Aber seht nur hier gar erst den Schluss und hört, wie man sich dreht und windet, um uns nur nicht als gleichberechtigt anerkennen zu müssen. Hört,

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