Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 52 (29.12.1905)
- Date
- 1905-12-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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I f » No. 52 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 691 I der üblichen ״liberalen“ Gewissenhaftigkeit einfach tot. Die Sache stand ja im Parlamcntsbericht, und ein weiteres Interesse hat sie eben ״für unsere Leser“ nicht, dass man etwa an den Weihnachtsartikeln etwas sparen müsste für die Behandlung dieser parlamentariselten Enunciation. Es wäre an die Wahrheit zu erinnern, die in den W’ortcn des eben genannten Juden doch verborgen liegt, nur in anderem Sinne als er meinte: die veriogene Feigheit dieser Hüter deutscher Treue, die im Herzen mit Herrn Liebermann von Sonnenberg durchaus eins sind, aber sich wohl hüten, ihm Bravos zu spenden, denn sic sind ja auch die berufenen Stützen des Rechts in deutschen Landen; sie würden ia einst in Deutschland die Rolie der Kischinewer und Homeler Richter zu spielen haben und die von Liebermann und Genossen inspirierten Raubmörder — freisprechen, von Rechts wegen. Deshalb bedenken sie sich, offen ihre Meinung zu sagen. Und die ״Juden und Judengenossen“ sind ja dumm und merken nichts ־— oder wollen nichts merken! Wollen sich weiter und weiter darüber täuschen, welche Gesinnung ihnen von den so eifrig umworbenen Teutonen, bzw.. deren berufenen und erwählten Vertretern entgegengcbraclU wird, und wie lendenlahm und im tiefsten Grunde falsch und Verderblieh die Vcrteidigungsnolitik der sogenannten Judenfreunde ist. Wollen nicht begreifen, dass auch in Zukunft überall, wo cs nur möglich ist, wie jetzt in Russland auch, die Juden für den sozialen Fortschritt, den sie erkämpfen müssen, mit Ihrem B1 u t e verantwortlich gemacht werden. Wollen Kischinew, Home!. Odessa, Kiew — die ganze entsetzliche Liste nicht in ihrer Bedeutung begreifen. Wollen 1905 vergessen, wie sie das Mittel alter vergassen. , ״Es ist ciiic alte Geschichte ..“ Wahrlich, wenn heute ein Themistoklcs den Strom des Vcrgessens. Lethe, suchte, er müsste zu den Juden gehen. Sie sind die politischen Kinder, die niciits gelernt und alles vergessen haben. Und sie werden mit den anderen Sylvester feiern, werden vom vergangenen Jahre des Heiles 1905 sprechen und auf das kommende Jahr des Heiles 1905 trinken — und werden sich des gesegneten Landesfreuen, in dem sic leben — und wieviele von euch. Juden, werden an dieses Symptom kommender Zeiten denken: ״Wer einen Juden totschlägt, der beerbt ihn!“ (Heiterkeit rechts.) ib. Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Das stenographische Protokoll des VlI. Kongresses ist erschienen und vom Verlag Jüdische Rundschau, Berlin N. 54, Auguststr. 49a, für 1 Mk., exklusive Porto, zu beziehen. Jüdisch oder Hebräisch? Audiatur et attera pars. (Man höre auch die! andere Partei.) Als ich meine Meinung über die Jüdische“ 0 j Sprache in der JÜDISCHEN RUNDSCHAU äusserte, sah ich ן voraus, dass sich Stümpen dagegen erheben werden. In der | vorletzten Ausgabe geschah dies durch die Herren Dr. Pinj k u s und Julius S i m on. j Herr Dr. Pinkus findet, dass jüdisch-deutsch mit dem | Deutschen sehr wenig gemein habe, so wenig, dass ein Jüdischdeutschsprechender in der ״Tsclierta“ kein Wort deutsch ver-! steht. Daran vermag ich beim besten Willen nicht zu glauben, | ebensowenig glaube ich, dass das Schweizerdeutsch als eigene Sprache gilt. (Auch nicht in Philologenkreisen.) Tatsachen beweisen. Es ist nun Tatsache, dass jüdischdeutsche Schrillen mit deutschen Lettern keinen Zweck haben. Alle ,jüdisch" Sprechenden müssen mehr oder weniger deutsch verstehen und dies ist schon daraus zu ersehen, dass die Jüdisch-deutschen” Blätter SO—90 % deutsche Worte enthalten. Ich wäre Herrn Dr. Pinkus dankbar, wenn er mir das Gegenteil nachwciscn würde. In einem Punkte gebe ich Herrn Dr. Pinkus Recht, nämlich bezüglich der Verbreitung der Jüdisch-deutschen“ Presse. Es ist richtig, dass namentlich in Amerika die Zahl der Jüdischen" Blätter wächst: dass dies jedoch hauptsächlich durch uic* zahlreiche Einwanderung aus östlichen Landern der Fall ist, scheint mir ziemlich sicher. Die jüdische Jugend liest und schreibt natürlich bereits englisch und das Streben nach Gründung von jüdischen Tagesblättein iii englischer Ein Hohn ist die Erinn'rung alter Grösse; Und doppelt schmerzlich blutet meine Stirne. Hör' icii den Ruf des Herrn, Und doppelt friert mich meines Leibes Blosse, Denn unser Land ist fern ־— Wie die Gestirne! Wie sollen wir an Zion denken, Das Land der Rosen und der Palmen, Zur Freiheit unsre Schritte lenken — Und flehen um Almosen, Und uns'rc Dächer qualmen! . . . .“ Da teilen sich rauschend die Wolkcnfaltcn, Auf leuchtet ein Zug von Feuergestalten, Gleich einer himmlischen Menorah. Hoch sicht man einen ragenden Alten In nerviger Hand ein Strahlendes halten: Die aufgerollte Thora. Und Einer, der einen Hammer schwingt, Des Blick gar tief in die Seele dringt, Er spricht mit bezwingender Stimme: ״Wir waren wie Ihr gedrückt und geschändet. Uns nahm man die alte Lehre. I Und plötzlich hat sich alles gewendet: ן Wir setztc!#uns zur Wehre! j In den Bergen Judäas sammelten wir Die Kühnsten von unserem Stamme, Wir lebten wie das freie Getier Und schürten die heilige Flamme. Dann stiegen wir hernieder in’s Tal Ein Häuflein von mutigen Mannen Wir fragten nicht nach der Feinde Zahl Und Gott gab, dass die Schlacht wir gewannen Von Modiim nach Emmous, von da nach Beth-Zur, Auf der Feinde Spur Ging der Zug und Sieg — Und waren immer zehntausend nur. Wir sahen durch Monde nicht Wein noch Brot, Die Jüngsten, die Schwächsten, sie zitterten nicht, Sie trugen beherzt den Feuertod — Aus dem Feuer brach endlich das Licht! Das alte, das einzige Heimatland Errangen wir wieder mit mannhafter Hand. Wir hämmerten, was uns aufhielt, hinweg: Die feindlichen Reste, Sie stürzten davon in Staunen und Schreck. 1 - *t י r «י