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Jüdische Rundschau · 1905-12-22 · Heft 51 (22.12.1905) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 51 (22.12.1905)
Date
1905-12-22
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 51 JÜDISCHE inachtc. Seine These: ..Die Sklaverei nach der Bibel und den! Talmud“ wurde in fast alle Sprachen übersetzt. 1867 wurde der junge Theologe Mülsrabbiner in Paris״ und als kurz darauf der Pariser ürossrabbincr Isidor zum Grossrabbiner von Frankrefoh ernannt wurde, machte man Zadoc Kahn zum ürossrabbincr, obwohl er das für dieses Amt vorgeschriebene Alter von 30 Jahren noch nicht erreicht hatte. Kr verwaltete daher sein Amt in den ersten Monaten sozusagen ״heimisch‘• und wurde erst nach Vollendung seines 30. Lebensjahres offiziell anerkannt. Zadoc Kahn hat sich vor ollem durch seine phitan tropische n^W e r k e einen Namen gemacht. Als Ehrenpräsident der ״Alliance IsratHite Universelle“ rief er zahlreiche mildherzige Stiftungen ins Leben, u. a. das Mädchenheini in Ncuilly und das Zufluchtshaus in Plcssins-Piquct. eine landwirtschaftliche Schule für eiternlose Knaben. Unter seinen literarischen Werken sind besonders liervorzuheben mehrere Sammlungen von Predigten und die wertvollen Studien über das jüdische Mittelalter. Zadoc Kahn gehörte zu den gebildesten und glänzendsten Kanzclrcdnern Frankreichs: dass er überzeugter Republikaner war, bewies sein berühmt gewordener Vortrag über die ״Revolution und das Judentum“. Der jetzt beschlossener! Trennung von Staat und Kirche stand er nicht als Gegner gegenüber. An seinem Grabe hielt Salomon Rejnacli eine Gedächtnisrede, der wir einige Stellen entnehmen: ״Der hervorragende Matm, dem wir hier die letzten Ehren erweisen, die Ehre seines Landes und des Judentums, war einer der frühesten Mitarbeiter an der grossen Schüpiung der Alliance Isrnclite, deren Ehrenpräsident er seit 15 Jahren gewesen ist. Beinahe •10 Jahre lang widmete er ihr, ohne sich irgendwie zu schonen, die wohltätigen Kräfte seines Wortes, seines Verstandes, seines Herzens. Er hatte sie beinahe schon bei ihrer Entstellung kennen gelernt: noch jung an Jahren begann er mit ihr und für sie zu arbeiten, zu einer Zeit, als p.ocli niemand die ruhmvolle Rolle, die ihr bei der ökono• mischen und sozialen Entwicklung der Judcnheit bestimmt war. voraussehen konnte. Er hat bei allen Aktionen, allen Massnahmen mitgewirkt, die ihre Tätigkeit nach und nach näher bestimmten und entfalteten, die ihren Einfluss erweiterten und ihre HilfsQiicllei: vermehrten. Niemand wird die Geschichte der Alliance schreiben können, ohne beinahe bei jedem Schritt auf den Namen unseres Ereundcs zu stossen. Gleichweit entfernt von jenem Kleinmut, der vor notwendigen Änderungen zurückschreckt und jener N’euerungswut. die allzu oft nützliche Reformen kompromittiert, hatte er von Anfang an eine gleichsam gebieterisch klare Auffassung von der erzieherischen Aufgabe der Alliance, von der ihr obliegenden Pflicht, unsern Brüdern im Orient, ohne sie ihren religiösen Gewohnheiten zu entfremden, das Licht der Erkenntnis, die Methoden und die Werkzeuge nützlicher Arbeit zu bringen: Wohltaten, die das abendländische Judentum nicht für sich reservieren durfte. Diese ausserordentliche Liebenswürdigkeit Zadoc Kahns, die sich in seiner Stimme wie in seinem Lächeln ausdriiekte, hatte nichts Angelerntes, nichts Konventionelles. _ Es war der unwillkürliche und selbstverständliche Reflex einer uncrschöpflichen Güte. Zadoc Kahn war unendlich gut und nachsichtig. Er suchte mit einem rührenden Eigensinn nach Entschuldigungcn auch für diejenigen, die seinen leidenschaftlichen Gcrechtigkeits- und Wohltätigkeitssimi aufs stärkste verletzten. Er sah nur in allerletzter Linie, wenn er es überhaupt sah. in den Handlungen der Menschen die Wirkung von. Bosheit und!Missgunst. Er entzog sich der Verlegenheit, das Schlechte zu hassen, indem er nicht daran ״laubte oder darin einen Irrtum beklagte. Wie viele Male bürten wir ihn, wie er Aufregung besänftigte, Ungeduld zügelte, in naher und ferner Vergangenheit Beispiele aufwies, um entmutigten Seelen Hoffnung zu spenden und Glauben den Geängstigten! So oft sich um den Tisch, an dem sein Platz verwaist ist. seine Kollegen — die es bis gestern waren —. seine Bewunderer und Freunde versammeln werden, uni über die Interessen zu wachen, die ihn: so teuer waren, werden sie sich seine Gedanken und Ratschläge ins Gedächtnis rufen und werden den Hauch dieser Erinnerungen auch auf die Jugci1d_zu übertragen suchen, die ohne Zweifel in demselben Geist der Solidarität und des Fortschritts unser Werk tortiiihren und vollenden wird." N D SCH All ■׳ Seite 68.1 —ך Aus der Bewegung ן— Berlin. In der zweiten Hälfte des Januar findet eine grosse Jüdische Gedenkfeier im Neuen Koni gl. Opernhaus (Kroll) statt. Aus dem reichen künstlerischen Programm nennen wir: Aufführung des fünften Aktes der ״Makkabäer“; Chorgcsänge; lebende Bilder aus der Geschichte Israels. Näheres folgt in nächster Nummer. Berlin. Die Berliner Zionistische, Verein!- gung lädt zu der am Sonnabend, dem 3ö. Dezember 1905. Abends 9 Uhr, in den grosse» E'csträume» der Sophicu-Säle (Berliner Handwerkcrverein), Sophienstr.!7/18, stattfnideuden Al a k k a b ü c r f c i-c r ein. Das Programm der M a k k a ־ büerieier wird ungefähr folgcndermasscti sein: I. Teil. Konzertstück, Prolog (Julius Simon), , Gcsangsvortrüge jüdischer Lieder (ITI. F anny Opier, Herr Lötvenkop i), Festrede, Rezitationen. II. Teil: Prömenadenkonzert. Tombola, Kaffeetafel mit Vorträgen. Der Reinertrag des Festes wird zu Gunsten der russischen Juden verwandt. Eintrittskarten ä 1 Mk. sowie Eamilienkarteii (fiir •I Personen giltig) ä 3 Mk., letztere nur im Vorverkauf, sind in der E x pcd i tTon der JÜDISCHEN RUNDSCHAU, Auguststr. 89a (4—6 Uhr uaciim.l, in der Buchhandlung des Herrn Louis Lamm. Neue Ericdrichstr. 61 <3 und an der Abendkasse zu haben. Berlin. Am Donnerstag, den 1-1. Dezember, hielt im V c r e i n Zionistischer K a uHeute ״Tft eodor Herz i" Herr Davis T r i c t s e!1 einen Vortrag über Handc I und Industrie in Pa I ä s ti 11 a. Davon ausgehend, dass in Palästina mit einer industriellen Kolonisation ־begonnen werden müsse, da die Juden sich heute einmal mehr zu Handefsberufen eignen, zäjiit Redner die vielen Möglichkeiten auf. die sich heute schon bieten, um einer grossen Anzahl von Juden Ausicdlungsgelegcnhcit zu gewähren. «Jetzt sei cs Zeit zum Eingreifen der zonistischen Bewegung, und an der Leitung liege es, für genügende Publikation dieser Möglichkeilen zu sorgen, um kapitalkräftige Unternehmer zur Verwirklichung derselben zu veranlassen. Hierin sei bis jetzt zum grossen Schaden der ganzen Bewegung sehr wenig getan. Die Erforschung Palästinas allein genüge ja nicht, es muss auch wirklich wirtschaftlich erschlossen werden, wenn wir im Lande jüdischen Einfluss gewinnen wollen. An der Diskussion, die sich bis 1 Uhr hinzog, beteiligten sich die Herren Referendar Heibrunn. Abraham Trans’ateur, Quito hhrd und Lipschiitz. Berlin. Hcrzlbund. Mittwoch, den 27. Dezember, 9 Uhr abends, findet im Restaurant Simon, Gipsstr. 12A, eine Besprechung statt, zu der alle Gesinnungsgenossen eingeladen sind, die sich fiir die Bestrebungen des Herzlbundcs interessieren. Zur Debatte steht vor allem die Frage, in welcher Weise der Hcrzlbund hier in Berlin am zweckrnässigstcn die Aufgabe der Jugendorganisation lösen kann. Berlin. Der Jüdische Turnverein ״Bar Kochba" veraustaltet am Sonntag, dem 24. Dezember er., abends P unkt 9 Uhr, in der Berliner Ressource. Knmmaniantencr. 57, eine Makkabäerfeier. Progranmiauszug: Festspiel von Berthold Eci'vel. Kol .Nidre (Cello: Herr Walter Levy). Rezitationen aus Berthold Feiwels ״Junge Harfen“ (Frl. Sidonie Lorm vom Deutschen Theater). ״Höre Israel” aus Mendelssohns ״Elias" (Erl. Elisabeth KempeE Rezitationen aus Zlocistis ..Vom Heimweg“ (Herr Siegfr. Raden vom Kleinen Theater), Aufiiihrung von ״Amtsger clitsrat Markus". Tciulerzsatire v1:״ Dr. Emil Cohn. Die Festrede hält IK Elias Auer b n c h. Das Billet kostet I Mark. Es wird gebeten, recht pünktlich zu erscheinen, da die Vorträge Punkt 9 Uhr beginnen. Berlin. Am Donnerstag, den 28. Dezember, abends 9 Uhr, findet in der Aula der Mädchenschule der Jüdischen Gemeinde, Kaiserstrasse 29/30 eine Versammlung des Verbandes der Sabbathircundc statt, in der die Herren l)r. Hirsch Hildesheimer und Eli Lazarus über die Wichtigkeit, Bedeut u n g und Möglichkeit der Sabbathruhc sprechen werden. Filehne. Auf Veranlassung der hiesigen zionistischen Ortsgruppe fanden sich Sonntag Abend im Gramss'schen Lokale

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