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Jüdische Rundschau · 1905-12-22 · Heft 51 (22.12.1905) · page 11

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 51 (22.12.1905)
Date
1905-12-22
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Seite 6S1 No. 51 JÜDISCHE RUNDSCHAU um die Bevölkerung zu veranlassen, in Russland selbst zu bleiben. 10. Das Petersburger Komitee traf beieits vor unserer Ankunft Vorbereitungen, um sämtliche betroffenen Plätze durch Advokaten besuchen zu lassen, die auf dem Gerichtswege versuchen sollten, den Betroffenen ihr Recht zu verschaffen. Es wurde die Frage aufgeworfen, ob die Kosten teilweise aus unseren Fonds bestritten werden sollten. Obwohl die Kommission dieses Vorgehen vollständig billigt, wurde doch über diesen Punkt kein Beschluss gefasst. Die Kommission begab sich darauf nach Moskau und langte daselbst an» 27. November an. Noch am gleichen Tage fand eine gemeinsame Sitzung des Moskauer Komitees mit der Kommission im Hause des Herrn T. Sc 1» los? be r g statt. Es wurde hicrselbst beschlossen, dass Moskau als Zentrale dienen sollte für die Versorgung der kleineren Orte ausserhalb des Ansicdehmgsrayons, sowie für die tiouvcrnements Tschcrnigow und Mohilew. Es wurde festgestellt, dass aus Sammlungen, die in Moskau seihst vorgenommen worden sind, in runder Summe ein Betrag von etwa 100 000 Rubel zur Verfügung stehen würde. Die Kommission begab sich hierauf nach Kiew, wo sie am 29. November eintra». Es stellte sich nunmehr heraus, dass sowohl die Londoner, wie die St. Petersburger Beschlüsse gemäss den ursprünglichen Absichten nicht würden zur Durchführung gelangen können. Durch einen Poststreik in Russland, dessen Dauer nicht abzuschen war, war cs unmöglich geworden, mit den kleinen Orten oder auch nur imt?*• Petersbürg oder mit Berlin in postalische Verbindung zu treten. Fs stellte s’ch zunächst die Unmöglichkeit heraus, alle Zentreu der betreffenden Gegenden persönlich zu besuchen. Diese Schwierigkeiten führten des Weiteren dazu, dass die Kommission fetzt selbstverständlich ohne Zuziehung von Bcr- I i n und St. Petersburg ihre Beschlüsse nach zwei Richtungen hin fasste. Da die Einholung eines Votums aus St. Petersburg zu einer Verzögerung von nicht abzusehender Dauer geführt hätte, und, da sich in Kiew zugleich zeigte, wie dringend eine umnittelbare Hilfeleistung war. so entschloss sich die Kommission auf Grund der ihr vorliegenden Tatsachen und unter Hinzuziehung des Rates angeschner und mit den Verhältnissen vertrauter lokaler Persönlichkeiten sowohl die Abgrenzung der Bezirke wie die Zubilligung der Betrage an die Heinigesuchten sofort an Ort und Stelle vorzunelunen. Kiew wurde als Zentrale eingesetzt. Fernere Zentralen sind Hornel. Odessa. Poltawa, Romny, J cka- K r e m c 111 s c 11 u g. t e r i!1 o s I a w, J e l i s a w e t g r a d. R o s t o w a 111 D o n und Saratow. Der Gesichtspunkt, nach dem bei der Einsetzung von Zentral-Komitees in den oben genannten Städten gehandelt'worden ist, war der. dass einerseits auf die geographische Lage, andererseits und insbesondere darauf Rücksicht genommen wurde, dass in diesen Zentralpunkten die geeigneten Kräfte sich fanden, um die Gewähr dafür zu bieten, dass das Hilfswerk in zweckentsprechender Weise zur Durchführung gelangt. In Kiew fanden mit dem dortigen Komitee unter dem sitz des Dr. Mandclstanim zwei Sitzungen statt 29. und am 30. November). In diesen Sitzungen wurde vollständige Uebereinstimmung erzielt. Sic erstreckte Vor- (am eine sich Hilfe Zenauf die für Kiew zu gewährende:! Mittel, sowie auf de »ür den grössten Teil der Ortschaften, die dem Kiewer tnM-Komitce ungegliedert worden sind. Es ist insbesondere zu bemerken, dass die Kiewer Kaufmannschaft selbständig einen Ford aufgebracht hat, um durcli Kreditgewährung solchen grösseren Kauflcutcn wieder aufzuhelfen, denen auch nur ein entsprechender Betrag des ihnen zugefügten Schadens aus internationalen Mitteln nicht hätte zurückvergütet werden können. Es waren auf telegraphische Berufung in Kiew folgende Städte und Gemeinden anwesend :Poltawa. K r o l c w c t z, N i e sh in, K l i e n z y, S o 1 o t ״ n o s c 11 a, B e r d i t s c h e w, Starodub, Bcresna, Nowosybkow, Romny, T s c h e r 11 i g o w und H o m c 1. Am 1. Dezember reiste die Kommission nach O d es s a und langte daselbst am 2. Dezember an. Nach vier Sitzungen mit dem Komitee in Odessa, dessen stellvertretende Vorsitzende, in Abwesenheit des Herrn Aschkenasy, Chaves und Herr Rechtsanwalt Margulies sind, wurde auch in diesem Ort eine vollständige Ucbere'mstimmung erzielt, und zwar sowohl in Bezug auf. die nötigen Aufwendungen für Odessa selbst, wie für die dem Odessacr Zentral- Komitee angegliedcrten Teile Russlands. *Es wurde insbesondere auch fiir Odessa und für Cherson ein Fond ins Leben zu rufen versucht, der den grösseren Kaufleuten Kredite gcwähren soll. Falls der in Odessa selbst aufzubringendc Fond eine Höhe von 180090 Rubel erreicht, verpflichtete sich das internationale Komitee, mit einem Betrage'von 20000 ä fond perdu beizutreten; hei einer Höhe des in Odessa aufzubringenden Betrages von 270000 Rubel aber 30000 Rubel beizusteuern. Für Cherson sind die entsprechenden Zahlen bei 15 000 Rubel an Ort und Stelle ein. Zuschuss von 5000 Rubel. Es ist zu erwähnen, dass die Festsetzung sowohl für Kiew, wie fiir Odessa unter der Bedingung getroffen worden ist, dass in den beiden genannten Städten noch ic weitere 50000 Rubel aus Sammlungen an Ort und Stelle aufgebracht werden. Da Odessa sehr schwer gelitten hat, so wurde ffir die Unterstützung der dortigen Schulen, die aus den Mitteln der verarmten Gemeinde sich zunächst nicht werden bestreiten lassen, 15 000 Rubel bewilligt. Das jüdische Hospital, das während der Tage des Pogroms von 20—30 000 Personen aufgesucht worden war, erhielt eine Unterstützung von 5000 Rubel, und es schien endlich geboten,!einen Fond von 50 000 Rubel zur Verfügung zu stellen zur Unterstützung der Arbeitslosen in Odessa, da die Gefahr besieht, dass die hungernden arbeitslosen Klassen sich in anderem Falle zu neuen Ausschreitungen hinreissen lassen konnten. Es konnte in Odessa des Ferneren direkt verhandelt werden mit den Vertretern folgender Ortschaften: Akkermann. Balta. Bogopol, Cherson Golta, Jelisawetgrad, Kalarasch. K i s c hin c w, Krem en t ־ s c h u g. N i k o 1 a 1 c w. O l i v i o p o 1, S h m e r i n k a , Winitza. Auch mit all' diesen Ortschaften gelang es zu einer vollständigen Verständigung über das Hilfswerk zu gelangen mit Ausnahme von Kischinew. Die Verhältnisse von K i s c 11 i n c w erfordern eine bcsondere Behandlung. Einige reiche Mitglieder der Gemeinde hatten, wie sieh jetzt hcraussteilt, für die durcii" den Pogrom i. J. 1903 Geschädigten Beträge gezeichnet, diese Beträge aber niemals cingczahlt, unter dem .Vorwände, dass ihre Beiträge zur Linderung der Not nicht mehr erforderlich seien. Ausserdem wurde der Rest der damals gesammelten Gelder (ca. 100 000 Rubel) für Wohlfalirtscinrichtungen in der Gemeinde verwandt. Dadurch war eine direktp En( lastung der reicheren Mitglieder der Gemeinde eingetreten. Trotz dieser Tatsachen und trotz des Umstandes, dass Kischinew eine verhältnismässig reiche Stadt 1stt hat man in.Kischmew nach den jetzigen Metzeleien und Plündcrungen keinerlei Sammlung veranstaltet, während andere ärmere betroffene Studie an Ort und Stelle erhebliche Beiträge gesammelt haben. Infolge dessen wurde beschlossen] Kischinew nur unter der Pcdingung 75C00 Rubel zur Verfügung zu stellen, dass am Orte selbst 25—30 000 Rubel aufgebracht würden. Herr Rechtsanwalt Go Iden stein aus Kischinew, der in Odessa anwesend war, und Herr Brodsky Jun. aus Odessa haben es übernommen, an Ort und Stelle in Kischinew unsere Propositionen zur Durchführung zu bringen. Bis zu diesem Augenblick ist ein endgiltiger Bescheid über die Regelung der Angelegenheit nicht eingegangen. Durch die Absendung von Boten aus Odessa hatten wir den Versuch gemacht, Delegierte aus Jekate rlnoslaw und Ismail heranzuholen. Es war unseTcn Böten jedoch nicht gelungen, bis zu den bezeiclmctcn Städten vorzudringen. Noch weniger war es möglich, in direkte Verbindüng mit den entlegenen Saratow und Rostow am Don zu gelangen. Das grosse Tlieehaus \V. \V i s s o t z k y u. Co. in Moskau, dessen Hauptchef wir in Moskau bereits kenneu gelernt hatten, hat in fast allen Städten Russlands Vertretungen. Ein Hauntzweiggeschäft befindet sich in' Odessa. Der Chef dieser Firma. Herr Karl Tauer, sowie Herr J. \v 1 s so t z k y jun. in Odessa haben cs übernommen, sobald sich in irgend einer Weise Verbindungen!!erstellen lassen, die Hilfeleistung für J c k a t c r i n os l a w und Bezirk, sowie lur Saratow und Rostow auf Grund der bereits festgelegten Prinizipcu zu übernehmen. Die nötigen schriftlichen Instruktionen für .1 c k atc r i n osI a w Saratow und Rostow sind hinterlegt worden. Es ist zu erwähnen, dass *V ^״bcl .u״t! Jckaterinoslaw und Rayon rund 30 tK*D Rubel für erste Hilfe zur Verfügung stehen. Am 8. Dezember Abends war unsere Tätigkeit in Odessa zum Abschluss gelangt, und wir trafen am tu. Dezember wiedcrum.in Berlin ein. Die Kcncrcllcu Gesichtspunkte. die uns hei unserer Hilisaktiou geleitet haben, blieben unausgesetzt die folgenden: Verb in deruugder Auswanderung, sowest irgend durchführbar. Keine Almosen, sondern sofortige Gewährung einer Unterstützung in dem Umfange, dass die Betroffenen ihre ursprüngliche wirtschaftliche Tätigkeit, wenn ^ייוי

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