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Jüdische Rundschau · 1905-12-22 · Heft 51 (22.12.1905) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 51 (22.12.1905)
Date
1905-12-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 680 JÜDISCHE RUNDSCHAU _ No. 51 von uns kann im Stillen, wo und in welcher Gesellschaft er sich auch befinde, für uns wirken. Mit dem nötigen Takt und der Würde, die unsere grosse Sache an und für sich voraussetzt, werden wir stets dankbare Zuhörer haben, die sich gerne von un$ aufklären lassen. Wenn jeder von uns seine Pficht tut, wird nach und nach unser Programm in alle Schichten unseres Volkes, hineingetragen. Die Vorurteilsfreien werden cs prüien. Die schlecht Unterrichteten werden sich eines besseren belehren lassen und wir werden bei dieser Kleinarbeit erst sehen, welch grosses Feld uns noch zur Bearbeitung offen 'steht. Man wird mir cntgcgcnhalten. dass diese Anregungen alle schon gegeben worden sind und ich mich höchstens in Wiederliolungen ergehe. Meine bisherige Frfalirung in der Agitation für unsere Sache hat mir aber gezeigt, dass man diese Ermahnung nicht oft genug geben kann. Nun kommt cs aber häutig vor. dass Gesinnungsgenossen uns schon in der Privatagitation mehr geschadet als genützt haben. Jedem einzelnen her Richtlinien für eine zweckmässige Bclehrung eines Nichtunterrichteten In unserer Sache zji geben, würde weit über den Rahmen dieses Aufsatzes gehgn. Nur einen Orund will ich hier anführen, das ist die mangelhafte Beherrschung des Belchruiigsstoffes. Prof. Leon Kellner hat das grosse Verdienst, Theodor Hcrzfs Schäften gesammelt und veröffentlicht zu haHn. Die Volksausgabe ist nach meinem Dafürhalten noch etwas hoch im Preis. Trotzdem aber sollte sie sich jeder Zionist anschan'en. Gleichzeitig als e:n teures Vcrmüchtms unseres Führers wird, cs jeden, der noch der Belehrung bedarf, vollkommen aufklären, und. was die Hauptsache ist. uns alle zur weiteren Agitation liir unsere Sache anspornen. Ich brauche wohl nicht erst hervorzuheben, dass diese Schriften ein hervorragendes Agitationsmittel sind und von jedem Gesinnungsgenossen auch als Geschenk den Nichtzionisten verwendet werden sollten. Ein zweiter wichtiger Punkt. Unsere Jüdinnen und namentlich ־ die jüdische Frau sollte sich mehr für unsere Sache intercssieren. Es gibt kein dankbareres Feld für eine edle Bctfitigung des jüdischen Weihes, als der Zionismus. Leider mussen wir elngcsteh.cn. dass die jüdische Frau sich noch viel zu wenig mH unserer Agitation befasst. Ich kann die Abgaben der jüdischen Frau nicht besser zeichnen als es Theodor Herzl in seinem Aufsatz ״Die Frauen und der Zionismus" getan. —'— ״Das ist eine Form fder Zionisrniis) .der Selbsterrfehung und Sclhstcrhöhung. die zum Unterschied“ von den müssten Beschäftigungen auch den Kindern * zu statten kommt. Denn eine Frau, die eine gute Zionistin Ist. Ist auch eine sehr aufmerksame und weitblickende Mutter.-— Die Mutter mussverstehen, dass der Zionismus, wenn *er gross und wichtig ־ist. er es insbesondere für die Kinder ist, weil ia diese die Bürger der Zukunft sind, wie bald oder wie 30*t sie kommt". Hierm't ist d׳e der Frau zufall^nde Auf- **he Im He׳’me richtig gekennzeichnet. Aber auch ausserhalb ihres Hat»'׳‘? kann s׳e dieselbe stil'e Agitation üben. Das fst alles Kleinarbeit, die wir uns wieder an strahlende Scheine der Menorah ins Oed^chtems rufen wollen. Es <^bt eine Sage, dass die Träger der Bundcsladc unseres Volkes in der Wüste gleichsam von ihr eetragen worden seien. Auch uns soll d**r Zionismus zur Bundeslade werdin. dass wir alle Träger, durchdrungen von dem grossen zionistischen Gedanken, ohne Fmofindtmg der Hindernisse und Widerwärtigkeiten auf der Wiistenwanderung der Agitation das 7M\ unserer Heimat erreichen. Darum zünde ein Jeder ein LlchtWn in ursercr Sache an. Wir werden selbst in dieser Betätigung besser ..glücklicher” zufrieden werden- Und unser Unvergesslicher hat Recht: ״Und kein Amt ist beglückender, als das eines Dieners am Licht." Hilfsaktion für unsere russischen Brüder Der Bericht der Herren Dr. Paul Nathan-Berlin, Karl Stettaue r-London und Dr. F e i nbc r g - St. Petersburg über ihre Reise durch Russland vom 22. November bis 10. Dezember d. J. hat folgenden Wortlaut: ״Auf Grund gemeinsamer Anregungen aus Russland, den Vereinigten Stuten und Deutschland fand am14 ״. November 1905 in New Court. London, eine Sitzung unter Vorsitz von Lord Rothschild statt, an welcher teilnahmcn die Herren: Lord Rothschild, Leopold de Rothschild, Pelnber g-St. Petersburg. Ld ve n-Paris, Dr. Paul Nat h st r. - Berlin, Claude G. M o n t e 11 o r e, Hermann L a n - dau. Rcv. S. Singer und N. S. Joscoh. Als Ergebnis der Beratungen sind die folgenden Festsetzungen getreuen worden: 1. Es soll eine Kommission ernannt werden, welche die von den Judenhetzen betroffenen Orte bereist.' Die Kommission soll bestehen aus den Herren Dr. Nathan- Berlin, feinberg־ Petersburg und Karl S t c 11 a u c r - London und soll sich zuerst nach Petersburg begeben. Die Kommission soll dem Zentral-Berichtsburcau in Berlin die nötigen Inforrnationen verschaffen, sie soll aber vor allen Dingenjjuch bereebtigt sein, in dringenden Fällen Geldsummen zur Verfügung 'des Herrn Baron von Günzburg bereitziistellcn für die Not des Augenblicks und für die Bedürfnisse der Hospitäler. 2. Es soll in Berlin ein besonderes Zentral-Bcrichtsbureau gebildet werden, welchem auch Vertreter der Alliance isradlitc universelle in Paris angeboren sollen. Dieses Bureau soll die Aufgabe haben, alle Nachrichten aus den bctroffenen Städten zu sichten. Von Zeit zu Zeit, soll dieses Bureau das Ru s s o ־ J e w »s h C o m m i 11 c c Tri London und die Alliance isra 6 litcuni verseile in Paris von den in den einzelnen geschädigten Städten notwendigen Bcdürinissen in Kenntnis setzen. 3. (Bctriiit die Adressierung der Gelder.) Voit Zeit zu Zeit sollen von dem Rtisso Jcwish Commitee in London bei den einzelnen Organisationen je nach dem vorhandelten Fonds verhältnismässig abgestufte Summen durch die Firma N. M. Rothschild Sühne eingezogen werden, die aber nur für Russland Verwendung finden dürfen. Von der Alliance Israölite Universelle in Paris, sowie von der ״Israelitischen Allianz.'’ in Wien ist eine endgütige Zustimmung zu den obigen Festsetzungen bisher nicht eingegangen. Die Kommission reiste am 22. November von Berlin, ab und erreichte St. Petersburg am 23. No\einher. In einer Sitzung, die am Tage darauf im Hause des Herrn Baron v. Günzburg stattfand, wurden die nachfolgenden Beschlüsse gefasst: 1. Schnelle Unterstützungen w erden gewährt, uni die äusserste Not abzuwenden. 2. Unterstützungen, die die Erwcrbsiähigkcit der Helnigcsuchten wiederhcrstclicn sollen, resp. Unterstützungen, die Erwerbsunfähigen gewährt werden, um ihre bleibende Versorgung sicher zu stellen und für die Unterbringung von Waisen werden nur gewährt auf Grund von Feststellungen, die laut besonderer statistischer Formulare aufgcnommci! worden sind. 3. Um eine genaue Aufnahme auf Grund dieser Fornuilarc zu ermöglichen, sind die heimgesuchten Gegenden in Bczirke mit einem zentralen Mittelpunkte cingetcilt worden. 4. Jeder zentrale Mittelpunkt hat die erforderlichen Aufnahmen für seinen Bezirk festzustellen und die Richtigkeit zu kontrollieren. 5. Die zentralen Mittelpunkte wird unsere Kommission aufsuchen. Sie ist an diesen Plätzen an Vertrauenspersonen adressiert, die den hiesigen Herren persönlich bekannt sind und die bereits für Vermittelung der ersten Hilfe in Anspruch genommen sind. Die Kommission wird ausser diesen Zentral* punkten nur einige wenige kleine Plätze zur Kontrolle besuchen. Alle heim gesuchten Orte — wir zählen bisher über 300 —- zu besuchen, würde Jahre in Anspruch nehmen und die Hilfsaktion verzögern. 6. Die Kontrolle für die Ocwährung von Unterstützungen ist die folgende: a) Das Komitee an den hcimgesuchten Orten füllt die Listen zunächst aus. b) Unter No. 9 der Liste gibt das Gouvernements-Komitee sein Votum ab c) Die Liste geht gleichzeitig nach Berlin und an das Komitee nach St. Pctersburg und nach Verständigung zwischen Petersburg und Berlin wird der Vorschlag, welcher Betrag zu bewilligen empfohlen wird, au Lord Rothschild übermittelt. 7. Es ist in Aussicht genommen worden, nach Möglichkeit kein Almosen zu verteilen, sondern, soweit erreichbar, durcli Subvcntionierunk von Vorschuss kassen und auf andere geeignete Weise auf kau? mäiuJ ischc r Grundlage das wirtschaftliche Leben der Heim gesuchten wieder au i zubaucn. 8. Es soll erstrebt werden, dass die russische ״Regierung durch Nachlass der Steuern, durch Nachlass der Schulgelder usw. den Geschädigten Erleichterungen gewahrt. 9. Es herrschte allgemeine Uebereinstininnmg in der Richtung, dass die Hilfsaktion in keiner Weist die Auswanderung unterstützen dürfte, sondern dass im Gegenteil die Massregeln In jedem einzelnen Falle derartige sein sollen,

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