Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1905)
- Date
- 1905-12-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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1 % No. 51 Zur spanisch-jüdischen Frage Am letzten Sonntag, dem 17. Dezember, hat sich in Madrid in einer Versammlung, die der Senator Dr. Angel Pulido cinberufcn hatte, unter allgemeiner Zustimmung ein Komitee gebildet zu dem Zwecke, die Ideen dieses Herrn, die Pafiin gehen, die sc p h n r d i sc 11 c n Juden wieder ins .panische Land z u z i e h e n , zu propagieren. Diesem Komitee gehören ausser Dr. Ihilido noch einige bedeutende Männer an, andere, so der Präsident der Handelskammer,; abeti ihre tätige Mithilfe zugesagt. Bei diesem Stande in der neusten Ocschic!1te der ״spanischidischeu Präge“ ist cs wohl angebracht, einige Rückblicke auf ,'!re Pntwicklung zu werfen, umsomehr als sie bisher noch ehr wenig beachtet wurde. Dr. Pulido hat aut vielen Reisen in den DonaulünUern, er Türkei, Griechenland, Kleinasieu. Marokko etc. viele '•ephardische Juden kennen gelernt, ihre Sprachen, Sitten und Kebensgcwolmheitcn studiert, und ist dabei zu der Ansicht ge- : (•mmcii, dass diese zwei Millionen Menschen, deren Vor-!ihren von der katholischen Isabella aus dem Laude ver- .rieben wurden, Spanien, das, wie er sich als Liberaler nicht verhehlte, unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht weiter zu existieren vermag, neue Kräfte zttzufiiliren imstande sein :: issten. Bestärkt wurde er hierin durch den begeisterten r.mpfang. den er. wie er sagt, überall bei den Scphardim gefunden bat. Pr machte es nunmehr zu seiner Lebensaufgäbe, diese ״Spanier olme Vaterland“ wieder mit dem Mutterlande zu vereinigen, und hat seitdem nicht aufgehört, für seine I.lee in Wort und Schrift tätig zu sein. Auch in zwei Büchern!..Pspanoles s.'n patria“ und ״Los israeiitas espauolcs y el iJiomia Castellano“.) hat er seine Ansichten niedergelegt. Zuletzt hat er nach einer Artikelserie im LIBERAL, in der er leider auch den Empfang König Alfons durch Dr. Gaster und Iraucis MotUetiore hervorhebt, obige Versammlung einberufen, die zur Konstituierung des Komitees führte. Man mag sich zu der Präge stellen, wie man will, ancr- Nennenswert ist der Eifer, mit dem Pulido, der natürlich, was ihm niemand verargt, die Sache als spanischer Patriot auffasst, das einmal als richtig Erkannte verfolgt und für Aufklärung unter seinen Landsleuten sorgt. Und wenn dabei einen kleinen Bruchteil unseres Landes, und wären cs auch nur die jetzt grässlich verfolgten marokkanischen Juden, Ruhe und Sicherheit geboten würde, so muss man dem Urheber gewiss dankbar sein. Dass Pulido unter den Scphardim Freunde für seine Idee gefunden hat, beweist ein im LIBERAL' abgedruektes langes Telegramm, das er nach jener Versammlung von der bedeutenden Firma Santo Scmo aus London empfangen hat, tmd in dem diese unter Hinweis auf die Tatsache, dass fast;die Alfonse Judenfreunde gewesen seien, die Hoffnung ausspricht, dass Alt'onso XIII. diese ״schöne alfonsiuische Traditiou“ fortsetzen und die definitive;Wiedervereinigung der spanischen Juden mit ihrem Lande hcrbeifiihrcn möge. Bemerkenswert ist fiir uns au der ganzen Sache vor allem <as Eine: Während in Russland ein Pobjedonoszew erklärt, die Staatsraison verlange, dass man ein Drittel der Juden vertreiben, ein Drittel zum Glaubcnsweclisel bringen und das restliche Drittel morden müsse, bricht sieb in Spanien die Erkenntnis Bahn, dass es zum Wohlc des Landes erforderlich sei, die Enkel der vor •100 Jahren vertriebenen luden wieder als gleichberechtigte Bürger aufzunchuten. -Willi David. Seite 679 Eine Chanukabetrachtung von S. Dünn e r-Fürth. -- Und kein Amt ist beglückender als das eines Dieners am Licht. 111 diesen Tagen wrd die Menorah wieder ihren Lichterschein im trauten gut-jüdisclicn Familienhausc verbreiten und uns damit ein ruhmreiches Kapitel jüdischer Geschichte vor unserem Geiste vorüberzielien lassen. Historische Feste und Erinnerungen haben für alle Völker eine xvmttragenue Bedeutung gehabt, so bald sie es verstanden, die für sic nütz* liehen Konsequenzen aus denselben zu ziehen. Das Fest der Makkabäer gewann ebenfalls erst für uns au Wert als wir begannen, die nutzbaren Winke_aus jener glorreichen Epoche fiir uns zu verwenden. — Kein Geringerer als unser unsterblicher Herzl hat vns erst diesen neuen Weg gezeigt. Ihm verdanken wir cs, dass das Makkabäerfest nicht mehr nur ein historisches Denkmal ist. an dem., wir früher vorbeizugehen pflegten, olme es zu beachten und uns etwas־ dabei zu denken, sondern seine alljährliche Wiederkehr steigert’ jetzt unsere Festesfreude hi dem Masse als wir von Jahr zu Jahr die Früchte seiner Wirksamkeit erkennen. Juda Makkabi und sene wenigen Streiter wären über die grösseren und überlegeneren Syrerfeindc nicht Sieger geblieben, wenn nicht jeden einzelnen der Kämpfenden der grosse nat onale Gedanke beseelte, der die Liebe zum Volke und zur Heimat und die reite Erkenntnis der jüdischen Weltanschauung in sich vereinigt. So ist psvchologisch dieser S eg zu begreifen. VicV Jahrhunderte sind inzwischen dahin ״•'gangen. Unser Volk ist geblieben; aber mit der Existenz dieses Volkes auch der alte Kampf. Dieselben Imponderabilien die d'.j Makkabäer damals zur nationalen Einheit erhoben, sind uns durch treue Geschlechter bis heute fortgeerbt worden. Eine rauhe, unfriedliche und zürnende Umgebung haben zu allen Zeiten auch das ihrige dazu beigetragen. Wir können es nicht oft genug wiederhole״, dass wir heute mehr denn sonst auf unsere Selbstverteidigung und Selbsthilfe angewiesen sind. Ereignisse. furchtbarer und grausamer als sie jüngst im Osten stattgefunden, haben niemals deutlicher für unser zionistisches Werk gesprochen. Nicht mit Waffen, wie damals die Makkabäer kämpften, sondern auf gütigerem, milderem Wege wollen wir Zionisten Makkabäeraufgaben lösen. Und trotzdem, wie Ist cs zu verstehen, dass so viele unserer Stammesgenossen mit verschränkten Armen unseren Bemühungen zuschauen und :ndiffcrent zu unseren Bestrebungen stehen.JUns Zio,:sten kommt dieses Verhalten in Anbetracht der jüngsten Kata- Strophen, die allerdings für uns keineswegs überraschend waren, fast paradox vor. Die alte Furcht, als Jude erkannt zu werden und als Jude menschliche Forderungen an die gesittetc Welt zu erheben, sollte doch nach sieKen Jahren unserer Arbeit, die offen vor aller Welt geschah, geschwunden sein. Die Erreichung unseres Zieles, die wir von dem Willen unseres Volkes abhängig machen müssen, dürfte auch verstündlich sein, ferner, dass man Millionen hart bedrängter Menschen aus Druck und Schmach zur Freiheit nicht in. einem Jahrzehnt erhöhen kann, bedürfte wohl kaum einer näheren Erklärung. Es muss also doch noch an etwas anderem liegen, dass unser zionistisches Programm nur langsam den jüdischen Massen zum Gemeingut werde. Beim Studium der Herzl-Schriftcn traf ich auf die s!t’n׳e־e Erzählung von der Menorah. Der Schluss derselben gefie1 mir am besten. Lassen wir den Vnr0,<;scr selbst sprechen. ..Erst eine Kerze, da ist es noch dunkel, und das einsame Licht sieht noch traurig aus. Daun findet es einen Geiährten, noch einen, noch mehr. Die Finsternis muss weichen. Bei den Jungen und Armen leuchtet es zuerst auf, dann sehliesson sich die anderen an. die das Recht, die Freiheit, den Fortschritt, die Menschlichkeit und die Schönheit lieben. Wenn alle Kerzen brennen, dann muss mau staunen und sich freuen über das getane Werk. Und kein Amt ist beglückender als das eines Dieners atn Licht." Das sind goldene Worte. Hier fiat der unsterbliche Führer den Werdegang der zionistischen Bewegung auf Jahre hinaus vorgczeichnet. Er hat aber auch damit jedem einzelneu Zionisten die schone Pflicht der Mitarbeit an unserem I Werke auferlegt. Fragen wir uns nun offen und ehrlich: Er- | füllen wir diese Aufgabe alle ohne Ausnahme? Gibt es nicht I Rentiers des Zionismus, wie s׳e treffend Max Nordau bezeichnet, alte diejcn'gen. deren Zionismus mir in Ortsgruppen-. Landes- und Schekelbeitrag besteht? Die Antwort mögen wir uns selbst geben. Wir sind nicht alle Redioriker, dass wir In öffentlichen Versammlungen durch den 7n״lv.־r unserer Bej>»dtsamhcT de Massen zu unserem Ideal entflammen. Wir wissen'es. weleher Mangel an solchen Männern bei uns besteht. Jeder aber JÜDISCHE RUNDSCHAU