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Jüdische Rundschau · 1905-12-22 · Heft 51 (22.12.1905) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 51 (22.12.1905)
Date
1905-12-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 51 JÜDISCHE RUNDSCHAU StiUfiZ7 Zabrze: Mittwoch, Hotel Schüller, (einmal im j Monat.) י Breslau: Cafe Fahrig, oberer Saal, zweimal wöchentlich. — Stammtisch: Jeden Mittag Cafe Hahn, Karlsplatz. Stettin: Jeden 2. Montag, Restaurant Gold- Schmidt, Schulzenstr. 19. Hamburg: Donnerstag, Logenheim, Hartung- Strasse 9, nicht regelmässig. Stammtisch Sonnabend Abend: Cafe Ott, Jungfcrnsticg. Bremen: Dienstag, Lcvy’s Hotel. Cöln a. RI1.: Jeden 1. Sonnabend im Monat: Altes Präsidium, Schaldcrgassc, 2 mal monatlich: Hotel Maier, Oberste Gasse 59. Nürnberg-Fürth: Dienstag, Cafe Kurländer, Nürnberg. 4. Die Sha rekln bcentrale für Deutschland befindet sich jetzt in Hamburg. Sämtliche Anfragen etc. sind an Herrn Moritz G o I d s c h m i d t. Hamburg, Stadtliausbriickc 12/14, zu richten. Zur Brüsseler Konferenz Das Zionistische Aktions-Komitee hat nachstehendes R n n d sc 11 r e i b e 11 an die Jüdischen Korporationell gerichtet, das mit den entsprechenden Modifikationen auch hervorragenden Jüdischen Persönlichkeifen zuging: ״Die furchtbaren Ereignisse der letzten Zeit in Russland, die ein ungeheures Unglück über unsere jüdischen Brüder heraufbeschworen haben, ein Unglück, das seinesgleichen sogar in der marterreichen Geschichte unseres in Leiden geprüften Volkes sucht, haben das Mitgefühl und die Hilfsbereitschaft aller Juden in allen Ländern wachgeruien. Aber so grossartig und edelmütig auch die Hilfsaktion war, hat sie doch nur für den Augenblick Linderung schaffen, der unmittelbaren, dringendsten Not abhelfen können. Ungelöst und drohend bleibt nach wie vor die Frage der Zukunft der Juden Russlands. Wir können uns nicht mit der Hoffnung trösten, dass diese Ausbrüche des wilden Judenhasses die letzten gewesen seien. Wir sahen, dass die Aenderung der politischen Verfassung in Russland, von der die ganze Welt mit Bestimmtheit eine Besserung der Lage der Juden erhoffte, ihnen bisher nur die entsetzlichsten Leiden gebracht hat. Wie können wir sicher sein, dass nicht neue Stürme unsbrechen werden, schrecklicher noch als die, die wir eben erlebten? Was kann uns die Gewissheit geben, dass nicht der grösste Teil des jüdischen Volkes wiederum vor einem Abgrund von Gefahren steht? Diese Frage berührt nicht allein die russischen Juden, sie ist eine Frage der gesamten Juden heit. Denn der Zustand der Juden in Russland, wo mehr als die Hälfte aller Juden der Welt lebt, kann nicht ohne Einwirkung auf die Lage des gesamten jüdischen Volkes bleiben. Die ganze Judenhcit muss daher dazu Stellung nehmen, muss Mittel und Wege suchen und beraten, welche Schritte unternommen werden müssen, um unseren Unglückliehen Brüdern eine dauernde Hilfe zu bringen. Ein Teil des Judcmums. eine Partei allein kann das nicht, das ist eine Angelegenheit, die über allen Parfeien steht, über alle Programme und Meinungen erhaben ist. Darum muss eine allgemeine Konferenz aller Körperschaften, Organisationen und Vertretungen des Jüdischen Volkes zusamnientreten, die die gesamte Judenhcit repräsentiert. Die Zionistische Bewegung erstreckt sich über den ganzen Erdball und hat insbesondere auch in Russland eine weitverzweigte und festgefügte Organisation geschaffen. Sic darf sich daher von vornherein wohl als befähigt betrachten, die Initiative in dieser Angelegenheit zu ergreifen. Das Aktions-Komitee der Zionistischen Organisation hat beschlossen, eine Konferenz von Rc- Präsentanten Jüdischer Organisationen aus der ganzen Welt anzuregen und sie für den 29. J a n u a r nach B־ r ü s s c 1 einzuberufen. Der einzige Punkt, der in diser Konferenz zur Diskussion gestellt wird, ist: JDie Lage der Juden In Russland“. Im Namen des Aktions-Komitees bringe ich Ihnen diesen Beschluss zur Kenntnis und bitte Sie höflichst, mich gütigst so bald als möglich zu benachrichtigen, ob wir die Ehre haben werden, Vertreter Ihrer Vereinigung auf dieser Konferenz zu begrüssen. Ich werde Ihnen dann alle weiteren Einzelheiten über die Vorbereitungen rechtzeitig zustejlcn lassen. In der aufrichtigen Zuversicht, dass Sie diesem Werke zürn Wolile des Jüdischen Volkes Ihre geschätzte Mitwirkung nicht versagen werden, verbleibe ich mit vorzüglicher Hochachtung Für das Aktions-Komitee der Zionistischen Organisation: David W 01 i f s 0 h n, Präsident. Trost im Unglück Bei dem grausigen Schicksal, das unsere Stammesbrüder in Russland getroffen hat, ist cs natürlich, dass wir nach einem Trost suchen, der uns auch Lichtseiten in dem schrecklichen Bilde selten last. Gewiss ist es hier als ein Fortchritt zu begrossen, dass sich jetzt auch das Gewissen und das nationale Gefühl derjerrgen Juden zu regen beginnt, die bisher bei allem Unglück, das ihr Volk betroffen, stumpf bei Seite gestanden und auch keinerlei Empfindung für ihre eigene Ehre gehabt haben. Das aber ist ein ausserordentlicher Gewinn: denn das StanunesgeiCM, das endlich angesichts des unendlichen Jaminers wohl überall, wo Juden wohnen, wieder lebendig' geworden nt, wird zur Folge haben, das die Hilfeleistung für unsere Brüder m Russland von nun ab fast von der gesamten auserrussischcn Judenheit An die Hand genommen wird. Geschieht das aber, so muss sowohl das Nachdenken über das Schicksal unseres Volkes wie die Steigerung des Nationalgefiihls allmählich dazu führen, dass die grosse Masse der Juden zum Zk>n$nn2$ gelangt. Doch das ist nicht der einzige Trost. Wir dürfen letzt auch hoffen, dass wir unser Ziel weniger oder gar nicht mehr ,.on äussseren Hindernissen bedroht, erreichen werden. Das einzige uns von unseren Gegnern vorgeliaitenc Moment, dem wir eine gewisse Berechtigung nicht ganz absprechen konnten, die Besorgnis, dass die Juden auch in Palästina vor Russland nicht sicher sein würden, kommt jetzt nicht mehr und schwerlieh überhaupt noch einmal iiir die Zukunft in Betracht Denn die inneren Wirrnisse Russlands haben auch seine äussere Macht völlig gebrochen. Noch während des russisch-ja pan;־ sehen Krieges batte ntan cs für unmöglich gehalten, dass die Russen noch im Jahre!905 den Finliindern mit einem Schlage alfc die Rechte zurückgeben würden, dfc sie iltnen allmählich entrissen hatten. Aber auch über die!ihrigen, unterworfenen

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