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Jüdische Rundschau · 1905-12-15 · Heft 50 (15.12.1905) · page 14

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 50 (15.12.1905)
Date
1905-12-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU• ,,_No..50 Seite 670 R«cht. Wenn der Staat es duklct, dass ein gewissenloser, frecher Kerl das Volk aulrclzt, dann werden wir nicht Kr.t k üben, sondern wir werden antworten, dass der Staat ur.s bereit linden wird. Wir werden das Leben unserer Frauen und Kinder so teuer als möglich verkaufen!“ Die Rede wurde nach jedem Satze durch stürmische. 7.ust rr.mende Kundgebungen unterbrochen. Ein lieblicher Anfang Prag, 1. Dezember. Heute Mittag versuchte eine Menge von hundert Personen einen Verhafteten gewaltsam zu befreien. Der Wache gelang es nur mit grosser Mühe, sie zu zerstreuen. Darauf sammelten sie sich in der Juden Stadt und plünderten drei Auslagen von Trödlern. Die Statthaltcrei entsendete einen Beamten, den Grafen Beaufort, um Bericht zu erstatten; er \vu־de verfolgt und musste sich in eine Buchhandlung flüchten. Der Wache gelang cs schliesslieh, die Zerstreuung der Demonstranten herbeizuführen. Die’ Lorbeeren des russischen Lumpengesindels haben die böhmischen Lumpen offenbar nicht schlafen lassen. Jüdische Kurie in Galizien Aus Lemberg. 7. Dezember, wird dem Prager T a g b S a 11 telegraphiert: Die hiesigen •Zionisten riehtuen ein Zustmimingstclegramm an den Abgeordneten Roni a n c z u k . worin sic ihm im Namen der gaüz.isclien Judenschaft den Dank dafür ausspreclien. dass er den Gedanken einer besonderen nationalen Kurie für d׳c Juden in Galizien angeregt hat. ,.Die Juden n Galizien‘' - heisst cs in dem Telegramm -- ״wollen nicht mehr den Polen helfen, die Ruthencn zu maiorisicren." (Vgl. ..Rundschau der Presse“.) Willy Bambus Jüngst wurde gelegentlich des ersten Jahrzeittages ein Grabstein auf dem Grabe von Willy Bambus aufgcstellt, und vor zwei Wochen eine Gedenkfeier am Grabe abgehalten. Sein Freund DK Hirsch-Hildesheimer hielt dabei eine ergreifende Gedenkrede. Wenn auch Willy Bambus in den letzten Jahren seines Lebens zu den bewussten Gegnern des potitisehen Zionismus gehörte, besonders durch dessen diplomatische Geschichte des Zionismus in Deutschland, und was mehr sagen will, in Palästina streiche», ohne Wesentliches fortzunehmen. Er gehörte trotz aller seiner späteren Gegnerschaft zu den wichtigsten Vorläufern der politischen zionistischen Bewegung, in der er mit unleugbarem Recht stets die dringende Notwendigkeit sofortiger Arbeit in Palästina betonte, wenn er auch In der Wahl der Mitte! Fehler machte. Mit Stetig• keit und nimmer ermüdender Energie arbeitete er eine lange Reihe von Jahren seines kurzen Lebens für positive Arbeit im Lande Israel, ausgehend von dem Gedanken, dass de! Anspruch der Juden auf Palästina in der Welt der Realitäten nicht grösser sei, als der Besitz und der soziale Einfluss der Juden in Palästina. Dabei beging er den schweren Fehler, den grade w i r am allerschärfsten bekämpft haben, dass er durch richtige Erkenntnis dieser festen Grundlage aller zionistischen Arbeit das Verständnis für die politische Arbeit und den'Massstab für' die Orössc der Persönlichkeit Herzls verlor, die er glaubte, überwinden zu können. Er geriet dabei zwischen die Räder der Bewegung und war lange vor seinem Tode für den poütischen Zionismus ein toter Mann. Politische Zionisten, die gleich ihm die Palästinaarbeit in hohem Masse zu schätzen wussten, dabei aber immer politische’ Zionisten bl eben und Her/Is Grösse zu würdigen verstanden, wie die U s s i s c h k i n, Co han-Bern stein, T e 111 k i n u. v. a. mussten sich deshalb im politischen Kampfe von ihm trennen, ohne die Richtigkeit der Grundidee, die seiner Opposition zu Grunde lag, verkennen zu können. Aber er .war der Mann der kleinen Mittel, während in Palästina mit grossen Mitteln die Bedingungen geschaffen werden inüsseii. um eine wirkliche Basis für den Zionismus dort zu schaffen. Jedenfalls wird Bambus ebenso wenig im Zionismus wie in der Geschichte der Kolonisation Palästinas vergessen werden. . . Zadoc Kahn gestorben Aus Paris wird vom 8. Dezember berichtet: Heute nachmittags fst hier der Grossrabbiner von Frankreich, Zadoc Kahn. 64 Jahre alt, gestorben. Er erlag einem typhösen Fieber. Zadoc Kahn war einer der grössten Kanzelredner des Judentums und von modernen Ideen erfüllt. Sein Tod fällt zufällig zusammen mit der Neuordnung aller Verhältnisse der Kulte in Frankreich, denn von der Separation der Kirche, vom Staat werden auch der jüdschc und protcstantische Kultus getroffen und. nicht allein die katholische Kirche. Zadoc Kahn war also der •letzte aus dem Staatsbudget bezahlte Ürossrabbiner von Frankreich. Es wird nunmehr von der französischen Jndenschaft abhangen, in welcher Weise sie ihren religiösen Dienst, den sie nunmehr selbst bezahlen muss, organisieren will und oh sie an der Institution eines Grossrabbiners festhalten wird, welcher das Restliche Oberhaupt des jüdischen Kultus gewesen ist. Aus Mesopotamien An die wirtschaftliche Erschliessung des alten Mesopotamiens, des äussersten, an Persien grenzenden östlichen Teiles des türkischen Reiches, dürften in nächster Zeit auch von englischer Seite' bedeutende Kräfte und Mittel gesetzt werden. Ein englisches Syndikat, dem der bekannte, durch sein Nil-Kanal-System berühmt gewordene Ingenieur W. Willcocks angehört, macht sich die Wiederherstellung der alten, teils der Schiffahrt, teils zu Bericselungszwccken dienenden Kanäle im Stromgebiete des Euphrat und Tigris zur Aufgabe, um auf diese Weise die Vorbedingungen zu schaffen für eine möglichst erfolgreiche Wiederbelebung der natürlichen Hilisquellen, die das zwischen L'rfa, Mosul und Basra gelagerte Becken in alter Zeit in so ausserordentlichem Masse besass. Die Ansichten der Landeskundigen gehen dahin, dass die Ertragsfähigkeit des Bodens keineswegs erschöpft ist. sondern dass im Gegenteil durch die Jahrhunderte hindurch währende Ruhe und Schonung sich Kräfte und Schätze angesammelt haben, die bei ihrer Entwickelung und Hebung reichen Ge- . winn versprechen. Die erste Bedingung für den Erfolg der hierfür aufgewendeten Arbeit ist die stärkere Besiedelung des Landes. Kommt dazu die Wiedereinrichtung des weitverzweigten Kanafsystems, das in alter Zeit die mesopotatnische Ebene befruchtet hat, so. kann, wenn cs auch an Geldmitteln zur Inangriffnahme landwirtschaftlicher Arbeiten nicht fehlt, eine bedeutende Hebung der Ertragsfähigkeit des Landes in Aussicht gestellt werden. Freilich wird es kein leichtes und billiges Unternehmen sein, die Bewässerungskanäle wieder, betriebsfähig zu machen. Viele von ihnen sind entweder selbst völlig verschlammt oder haben bei ihrer allmählichen Versickerung dem Boden einen sumpfartigen Charakter gegeben, so dass in solchen Fällen von der Wiederherstellung des alten Zustandes wfrd abgesehen werden müssen. Indessen hat Sir Willcocks in Aegypten, wo die Verhältnisse ähnlich liegen, so bedeutende Erfolge erzielt, dass seine Person allein eine gewisse Sicherheit für die Uebcrwindung der Schwierigkeiten, die bei den geplanten Vcrkehns- und Kulturaniagen zu erwarten sind, bedeuten dürfte. ־ Pilgerzug ins hl. Land Köln, *I. Dezember 1905.. Der katholische Pilgerzug aus Deutschland nach dem Heiligen Lande, welcher für das Frühjahr 191)6 geplant ist, verspricht eine grosse deutsche Kundgebung in Palästina zu werden, die einen wichtigen Abschnitt in dem Wirken des ״Deutschen Vereins vom hl. Lande" bilden wird. Bei Gelegenheit desselben.soll der Westilügcl des. neuen den tsch en Hospizes auf ifem St. Paulusplatze vor dem Damaskustore eröffnet und cingeweiht, sowie die Patres Benediktiner in das fcrtiggcstclltc Klostergebäude auf dem Berge Zion angeführt werden. Bei den Itusscrst sehwierigen Transport- und Bäuvorhältnisscn im Orient wird eine Vollendung der Marienkirche selbst, deren Mauern sich gegenwärtig bis über die Empore erheben, vor dem Jahre 1908 wohl sicher nicht 7.u erreichen sein. Die Benediktiner werden einstweilen das fertiggestellte Klostcrgebäudc beziehen und für den Gottesdienst des Konventes die Unterkirche auf dem Zion, welche schon seit Ostern d. J. vollständig ausgcschmückt ist. benutzen. Die Vollendung und den vollstän digen Ausbau werden dieselben alsdann an Ort und Stelle beaufsichtigen können. . Hr. Diözesanbaumcistcr Rcnard, der Schöpfer des Bauplanes, .ist am I. Dezember d. J. abgercist, um die letzten Vorbereitungen für die zu eröffnenden Bauten zu treffen. Für‘den Pilgerzug im März 1906 haben sich bereits eine Anzahl Herren angcmcldct, und cs steht zu erwarten, dass sich hei der regen Beteiligung die Kosten bedeutend verringern, so dass bei Beschaffung eines Sondcrdampters ah Genua dieselben sich höchstens auf 600 bis 7(») Mark belaufen werden. Auch die Benutzung der im Herbste dieses* Jahres vollendeten Eisenbahn von Beiröt'iiber Damaskus nach dem Sec Tiberias. Nazareth und Haifa verringert hei einer grösseren Teilnahme die Reisekosten bedeutend und gestaltet' die in günstigster Jahreszeit unternommene Reise bequemer als früher. U. a. werden• der. Vizepräsident des ״Deutschen Vereins vorn Heiligen Lande". Wirkl. Geh. Oberregierungsrat Dr. Klein. Landeshauptmann a. D. der Rheinprovinz, sowie’ der hochw. Herr Abt von Maria Laach, Fidelis v. Stotzingen und der Generalabt• der Benediktiner aus Rom, der hoclnv.

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