Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1905)
- Date
- 1905-12-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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’ No'. 50 ־ JÜDIsäHE RUNDSCHAU Seite 667 . worden, wenn auch nicht alle Pläne zur Verwirklichen;: gc• langten, was Referent mit dem Erfahrungssatze zu begründen und. zu entschuldigen suchte, dass menschliches Können nicht immer gleichen Schritt mit dem Wollen halte. Rühmlich sei . es Immerhin, nach Goethes Ausspruch ״Gutes gewollt• zu haben!“ Ausser 10 Ortsgruppenvcrsammlungen fanden 12 .. Vortragsabende statt, die im allgemeinen stets recht zahlreich besucht waren. Von den auswärtigen Rednern sei besonders rühmend in dankbarer Anerkennung um die Förderung der Obcrschles. Ortsgruppen, Herr Dr. Elias Auerbach zu nennen, der in danz hervorragend verdienstvoller Weise sich um die Propaganda für die zionistische Idee bemüht habe. In kurzer Zeit hintereinander‘ sprach der begeisterte Zionskämpfer in Beut hon', Tarnowitz, Königshütte, Z a b r z e. GI e i w i t z ,Ka110witz und Gross-Streh- ■ lit,z. Über_ jung-jüdische Kunst sprach Herr Dr. Fritz Sonderling; über Rom und Jerusalem He״״ cand. Her- * - litz-Zabrze und über den VII. Kongress und seine Bedeutung Herr R.A. S t e i n i t z - Gleiwitz . Ferner Herr Dr. Stahl-Tarnowitz über ״Erinnerungen an den VII. Kongress und anlässlich der Gedächtnisfeier für Moses Hess über Leben und Wirken desselben. Die Kosten der weiteren Vorträge bestritten als heimische Redner, die Vorstandsmitglieder Le ssc r und Lcwandowski. Den Reigen der. Vorträgt beschloss Herr D. T rietsch über ..Probleme der jüdischen Kolonisaton." ־— Per Akklamation wiedergewählt wurden die . Revisoren Berger und Wcichmann. sowie die bisherigen Vorstandsmitglieder Lesse r, de Beer, Lcwandowski, Löbinger, Hcrzfeld und Quttman n. Neugcwählt hingegen wurden die Herren Dr. Pick und Dr. P i n c z 0 w c r. . Die Verteilung der Ämter fand noch nicht statt. Durch Vcry.ug trat aus dem Vorstände der Vorsitzende Herr Koplow.tz. Der Kassenbericht des Herrn de Beer bot ein erfreuliches Bild von den Finanzen des Vereins, trotzdem die Kasse grossen Anforderungen zu genügen hatte. Zur energischen Bearbeitung des Nationalfonds zum Vortrieb der Nationalfond-Biichscn bildete sich ein Komitee . bestehend aus den Herren Herzfeid und Löb. sowie den Damen Frl. Stahl, Elli Guttmann. Pinczowcr und Frau Hartman 11. Mit dem warmen Aufrufe au die Versammlung das Wort, das so oft im verfiossenen Jahre die Gemüter angeregt und die Herzen erwärmt für die Sache unseres Volkes, zur lebendigen und fruchtbringenden Tat reifen zu lassen und mehr der Betätigung ״ freieren Spielraum zu schaffen, schloss Referent die Ver- ־ Sammlung. Kiel. Die hiesige Ortsgruppe veranstaltete am 27. November einen j u n g j ü d i s c h c n Abend, dessen auserwähltes Programm bei den zahlreich Erschienenen grossen ־ Anklang fand. — Am 1־. d. Mts. fand der zweite Djskussians- ־ Abend statt. Herr cand. jur. Cohn (Hasmonäa-Berlin) referierte über die ״Grundlage des Zionismus”. Nationalfondsammlung. '׳ .־ Lübeck. Vor einer zahlreichen Zuhörerschaft sprach in der letzten Ortsgruppensitzung Herr Rechtsanwalt Jacobsohn über das Thema: Judennot und Politik. Treffend kcnnzeichnctc der Redner die traurige Lage des jüdischen Volkes und kam zu dem Schlüsse, dass nur Selbsthilfe der Judennot abhelfen könne. An den Vortrag schloss sich eine lebhafte Diskussion, in der dem Redner durchweg beige- . stimmt wurde. - Emden. Am 12. vorigen Monats erstattete unser Delegierter zum Basler Kongress, Herr Jakob Schnelling, Hannover, vor einer sehr zahlreich besuchten Mitgliederversammlung unserer Ortsgruppe Bericht über die Verhandlungen des Kongresses. Herr Schnelling entledigte sich dieser Aufgabe mit ‘ grossen!' Geschick und hielt'ein sehr objektives und inter- . ־ cssailtc's Referat, das den allgemeinen Beifall der Anwesenden fand. An der nachfolgenden Diskussion, in die auch der Referent mehrmals cingniff, beteiligten sich besonders die Herren Gustav Sch wabe-Varel, cand. jur. Löb. Isaak Stein, B u 11 d 11 e i 111. Silber■«, und Edmund van C I e e f. Samtliehe Redner, sowohl.die'Zione-Zinn als auch die ״politischen Zionisten“ gaben ihrer lebhaften Freude über die im Zentral- Komitee erzielte Einigung Ausdruck. Eine dementsprechende Resolution wurde gegen zwe Stimmen angenommen. Besonderer Dank sei an dieser. Stelle noch Herrn Schwabe ausgesprochen, der speziell nach hier gekommen war, um der Versammlung beizuwohnen, .(Verspätet.) Frankfurt z. M. ln der am 22. November von der hiesigen Zionistischen Vereinigung einberufenen öffentlichen Protest .Versammlung gegen die russischen Greueltatcn hörten wir *Herrn Dr. Sonde rling aus Berlin. In tief empfundenen, zu . Herzen gehenden Worten besprach der Referent die aufs Neue über unser Volk hereingebrocheneii Leiden. .Wie er mit einem Rückblick auf die lange Leidensgeschichte des jüdischen Yolkes begonnen hatte, so schloss er, der Hoffnung Ausdruck gebend, dass in der Zukunft der Zionismus berufen sei, alle Juden geeint, einem glücklicheren Geschicke entgegenzuführen. Wiederholter, langanhaltcndcr Beifall bewies dem Redner, dass er, mit seinem Vortrage der zahlreich besuchten Versamtn• tung aus dem Herzen gesprochen hatte. Es gelangte folgende Resolution zur.Annahme: ״Die Versammlung gibt ihrer F.ntrüstung Ausdruck über die aller menschlichen Kultur Hohn sprechenden Greuelszenen in Russland, welche unter den Augen russischer Behörden stattfinden konnten. Unter voller Anerkennung der für die notleidenden Hinterbliebenen der traurigen Opfer eingcleiteten Hilfsaktion, kann sich die heutige Versammlung damit nicht begnügen und erachtet cs für notwend g. nach Mitteln zu suchen, geeignet, in Zukunft derartige Vorgänge zu verhindern. Solange die russische Regierung nicht die offene Absicht zeigt und sichere Gewähr bietet, ihren jüdischen Untertanen vollsten Schutz angedeihen zu lassen, ist die Förderung der ״Jüdischen Sclbstwehr•‘ die heiligste Pfliöht aller Jaden und fühlenden Menschen." mm Rundschau Aus Russland Einem aus Petersburg vom H. November datierten Bcrichte der FRANKFURTER ZEITUNG entnehmen wir, dass in Kriwo Rog (Gouv. Cherson) die jüdische Bevöl״ k e r 11 n g drei Tage nach einander ausgepliindert worden ist. Die Opfer zählen nach Tausenden. In demselben Gouverncment sind kleinere Gruppen von Israeliten vollständig ruiniert, so in Nowo Gcorgjc wsk und mehreren Dörfern in der Umgebung von Nikolajcw. Im Dorie Priwoluoje griff die wütende Menge sogar die Kirche an, in der der Geistliche einige Israeliten verborgen hatte. Die in der Nähe der Fabrik F.Iwortל' — einer englischen Gesellschaft gehörig — wohnenden Juden wurden von den Arbeitern dieser Fabrik ausgeplfmdert, wie man sagt, unter Leitung der Verwaltung. Im Gouvernement Tschernigow haben die Juden von S u r a j e am meisten gelitten. Ueberall, wo die Menge auf Widerstand stless, wurde onc Nlcdermetzelung d:r Juden vermieden und die Verwüstung lokalisiert, so in Snotnenka, wo die Eisenbahnarbeiter eine zahlreiche Volksmenge in die Flucht schlugen. Solche Fälle sind jedoch sehr selten, da die Lok albe hör den häufig mit den Ruhe- Störern gemeinsame Sache machten. In Jusowka (Gouv. Jckatcrinoslaw) erschien eine Bande im Hause eines Juden namens Mleschcw. F> war im Begriff, sich mit bewaff* neter Hand zu verteidigen, als ein Polizeiinspektor mit einigen Polizisten erschien und ihn an der Verteidigung hinderte. Der Jude wurde getötet und sein Haus verwüstet, ln derselben Strasse telephonierte ein anderer Jude Namens Jakobson, als er einen Angriff erwartete, an den Poliz e i k o m ni i s s a r und dieser sandte drei Kosaken, welche von den! zu verteidigenden Manne 25 Rubel erpressten und dann ihn und sein Haus den Plünderern überliessen. In Jusowka wurden 12 Personen getötet und 90 schwer verwundet. Nach zwei Tagen des Mordcns und Plfmderns machte die Beherde dem ״Pogrom" offiziell ein Ende, aber d e Kosaken fuhren fort, alle Juden, denen sic in den Strassen begegneten, zu schlagen und aus/.urauben unter dem Vorwände, um festzustcllen. ob sic keine Waffen haben. — Als die Juden von Kr e ment sch ug den General Kalitin um Schutz baten, erklärte dieser, dass er für seine Kosaken keine Gcwähr übernehmen könne, da sie gegen die Juden erbittert seien, und dass, wenn die Juden sich in Masse auf den Strassen versammeln sollten, er sie selbst in den Dnjcpr werfen lassen werde, auch wenn cs ihre־, tausend wären. Dieselbe Antwort kam vom Chef der Polizei. Am selben Tage begann die Judenhetze. An der Spitze der Volksmenge befanden sich der P o I i z e i c h e f J w a n o w, sein Sohn, sein Gehilfe P ii s c h n o w und viele andere Beamte. Am andern Morgen erschienen auch Bauern aus der Umgebung, die sagten, dass sie von der Polizei und Kosaken nach Krementschug berufen worden seien, und dass man Urnen er- »aubt habe, die Juden auszupliiiidcrn und zu töten. Am Senn- ^end s>ch die plündernde Menge. Ein Teil wollte ober die Brücke nach dem Vororte Krjukow und als dort ein Offizier mit einer Kompanie Soldaten die Menge zurückhalten wollte, verlangte der Gehilfe des Polizclchefs, Puschiiow, freie Bahn und begleitete darauf persönlich die Pliitideraden.