Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 50 (15.12.1905)
- Date
- 1905-12-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 666 JÜUISCHE RUNDSCHAU r- 1-1 -.... ״...11 - No. 50 Ich will nicht auf den Inhalt des Aufsatzes eingehen. Der Verfasser sieht im ״Jüdischen“ nur ein anorganisches Sichznsammenfinden verschiedener Sprachen. Er begreift darum ״folgerichtig“ nicht, wie man so grammatikalische Schnitzer drucken kann, wie ״ich gehe in der Schul’!" Im Deutschen heisst’s doch ״in die Schule.‘‘!! - Wer sich nur etwas mit dem ״Jüdischen“ beschäftigt hat, wird wissen, was er von diesen Ansichten zu halten hat. Nur gegen Eines müsste man sich mit aller Entschieden» heit wenden: gegen die Absicht, die Versuche zu stören, das ״Jüdische" den westlichen Juden näher zu bringen. Ich kenne das ״Jüdische" sehr wenig noch. Aber ich ergreife jede Oekgenhe't, mein Verständnis für diese eigenartige Sprache zu vertiefen. Und ich rate atlen westlichen Juden, die es ernst meinen mit der Verbrüderung mit dem jüdischen Osten, das gleiche zu tun. Nur so gelangen wir zu einem Verständnis für unsere östlichen Brüder, zu einer Kenntnis der jüdischen Volksseele überhaupt, dieser tiefen, noch so ursprünglichen Seele. Wir haben ja noch kaum eine Ahnung davon im Westen, wie reich unser Volk noch ist. Wie Seht, wie so voller scheuer und keuscher Empfindungen. Wio originell cs sich noch hielt! Was wissen wir davon, die die Assimilation iast zerreb! - - So wenig ich das Jüdische noch verstehe: als ich die guten Übersetzungen d:s Pcrcz durch Maüiims Acher fas, da begriff ich erst so voll und ganz all das Wunderbare der so viel verlästerten Sprache. Wie klingt doch das Original! Ein Urquell ist’s! Hier aber konnte man, trotz der guten Nachbildung, das Empfinden nicht loswerden, dass da etwas Gekünsteltes sei — irgendwo — überall — jetzt, da man's im g 111 e n, reinen Deutsch lesen konnte. Der Blutenstaub war weg!!! Manches klang uns fast unwahr, das uns Im Original doch aufs tiefste ergriffen. — Nein, nein, nein! Unterstützen wir alle Versuche, die uns unsenn Volke näher bringen wollen. Eifern wir. das Verstand* 1׳is zu gewinnen für die Seele unseres Volkes, dort, wo sie uns noch natürlich und unverfälscht entgegenkfingt: in der jüdischen Volkssprache, im ״Jüdischen". — über die Zukunft den Sprache wollen wir uns dabei nicht den Kopf zerbrechen. Dass Wert und Zukunft der hebräischen Sprache dabei nicht berührt wird, :st klar. — . Ich wäre Ihnen für die Veröffentlichung dankbar. Mit herzlichem Zionsgruss . Ihr . J u 11 u s S i m o n. —ן Aus der Bewegung ן— Die Schekelblocks pro 1905 1906 sind jetzt zur Ausgabe gelangt. Damen Und Herren, welche die Einziehung von Schekeln in Berlin übernehmen wollen, bitten wir, sich mit genauer Angabe ihrer Adresse baldigst an unsern Schatzmeister J. H. Wagner, Prenzlauer Allee 9 zu wenden. Berliner Zionistische Vereinigung. ־ Berlin. Die Berliner Zionistische Vcrcini» g u n g lädt zu der am Sonnabend, dem 30. Dezember 1905. abends 9 Uhr, in den grossen Festraumen der Sophien-Sälc (Berliner Handwerkerverein), Sophienstrasse 17/IS, stattfinden־ den Makkabäerfe’er ein. Der Reinertrag des Festes wird zu Gunsten der russischen Juden verwandt. Eintrittskarten ä 1 Mk. sowie Familienkartell (iiir 4 Personen gütig) ä 3 Mk., letztere nur i ui V o r verkauf! sind in der Expedition der JliEDISCHEN RUNDSCHAU. August- Strasse 49a (4—6 Uhr nachm.), in der Buchhandlcng des Herrn Louis Lamm, Neue Fricdnchstr. 61—63 und an der Abendkasse zu haben. Berliner Zionistische Vereinigung. Berlin. Der jüdische Turnverein ..Bar Koch ha“ veranstaltet am Sonntag, den 2-i. Dezember, abends 9 Uhr,;n der ״Berliner Ressource". Konimandantcnstarsse 57, eim: M a k k a b ä c r f c i c r. Programmauszug: Festspie! von Berthold Fciwek Rezitation aus ״Junge Harfen" (Fri. Sidonie l.orm vom Deutschen Theater). Aus Zlocisti s ..Vom Heimweg“ (Herr S:egiri.'d Raden vom Kleinen Theater). Lol Ndre (Cello: Herr Walter Lcwv). ..Höre Israel aus Mendclsohns ״Elias" (Erl. Hedwig Kcmpc). Aufführung von Dr. Emil Cohns ..Amtsgcrichtsrat David Markus". Die Festrede hält Dr. Elias Auerbach. Eintrittskarten ä I Mk. sind auf allen Turnsälen zu haben. Breslau. In dem Bericht in letzter Nununcr muss es in der vorletzten Zeile der Rede Dr. Sandlers natürlich statt ״Publikums" heissen: ״Judentums". Beuthen. Am 2. d. Mts. erstattete in der General-Ver- Sammlung der stellvertretende Vorsitzende Herr PI». Lewa n- 1 dowski den Jahresbericht, aus dem ersichtlich, dass auch 1 in der Beutliener Ortsgruppe mit regem Interesse gearbeitet glaube nur nicht, dass die Polen es je zulassen würden, dass man in Europa sagen sollte, sie verdankten jüdl* scher Hilfe Ihre. Freiheit.“ ״Nun. nun,“ brummte der Czako.vor sich nin, ״man kann doch wohl unter gebildeten Leuten seine Meinung äussern.“ Ben Jckutiel unterbrach das Gespräch der strei* tenden Parteien, indem er sich an den Wirt mit der Frage wandte, wie es mit dem Aufstand stünde. Da erfuhr er, dass der Erfolg davon abhängen würde, ob Warschau imstande wäre, sich zu halten oder nicht. Die Juden hätten sich ebenfalls den Fahnen der Empörung angeschlossen, aber nur diejenigen, welche rasiert seien und nicht mehr am alten Judentume festhielten, hätten die Erlaubnis erhalten, in der Nationalgarde zu dienen. Die anderen bilden unter dem Namen einer Munizipalgardc eine Truppe, welche nicht die Uniform der Nationalgarde, noch Epaulctten und Monturen tra»! gen dürfe, sondern in graubraunen Röcken die anderen Soldaten zu bedienen hätten. Der Jüngling fragte, was : die Bärte und das Judentum mit der Uniform und de־ Beteiligung am Kampfe zu tun hätten. Sehr viel, lautete die Antwort, denn die Juden müssten Polen werden, ״Könnt ihr," fragte Ben-Jekutiel begierig,“ aus Rossen Esel machen?“ ״Nein!“ ״Nun, dann möchte ich wissen, wie Ihr aus Juden Polen macht!“ Ein Tumult auf der Strasse unterbrach das Gesprach. Ein Viertelstündchen sass man drinnen in der Schenke still und schweigend einander gegenüber, und wartete, bis sich der Lärm verzog. Die Ruhestörer zogen allmählich weiter zu detn nahen Markte hinauf. Bald darauf trat mit liochgcrötetcm Gesicht ein iunger Mann in der Uniform der Nationalgarde in die Schank- Stube und setzte sich sichtlich erregt zu seinen Volksgenossen.- Er wartete nicht, bis man ihm nach dem Grunde seiner Erregung fragte, und sagte mit vor Zorn und Entrüstung zitternder Stimme, in jener jüdischdeutschen Mundart, welche die Juden der. osteuropäischen. Länder wie eine Nationalsprache aus dem mittelaterlichen Deutschland nach dem Osten־ mitgenonunen haben: ״Freunde, man will uns doch immer noch nicht als Polen und als gleichberechtigt anerkennen. . . . .. (Fortsetzung folgt.)