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Jüdische Rundschau · 1905-12-15 · Heft 50 (15.12.1905) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 50 (15.12.1905)
Date
1905-12-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 662 JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 50 Dass aus dieser Entwicklung für die indischen Massen keinerlei Vorteile gegenüber der jetzigen trostlosen Lage herausschaucn, Ist klar. Solange diese Massen eine gänzlich undisziplinierte Herde darstellen, die sich in zwanzig verschiedenen Parteien zu den verschiedensten Zwecken ausbeuten lässt, deren End- Inhalt in Russland immer die Htnschlachtung einiger hundert Juden mit in sich schlosst; solange diese Massen die ihnen gemeinsamen Interessen gegenüber anderen so wenig erkannt haben wie bisher — solange Juden aus irgend welchem theoretisehen Parteiintcresse heraus noch glauben, erst gegen Juden, und nicht zuerst gegen alle anderen, Stellung nehmen zu müssen, solange ist auf eine Besserung gar nicht zu hohen. Bei den reaktionären Parteien haben wohl nur verschwindend wenige Juden Unterschlupf gesucht. Das versteht sich von selbst. Aber weniger verständlich ist cs, dass eine nicht unbeträchtliche Zahl von Juden ihre ganzen Hoffnungen auf das kommende liberale Regiment setzen konnten, wo doch die Schwächlichkeit aller bisherigen liberalen Politik den Juden noch nie mehr als Illusionen gebracht hat. Begreulich, aber darum nicht weniger beklagenswert ist hingegen, dass die überwiegende Mehrzahl der jiidisehen fortschrittlichen Elemente sich in den Wahn hat wiegen lassen, auf selbständige jüdische Politik verzichten und einzig auf die Arbeit der soz ia 1 i s t i ־ sehen Parteien verschiedenster Nuance sich verlassen zu können. Wie viele jüdische Menschen, tapfere Kämpfer für hohe Menschheitsziele, sind in diesem Vertrauen gefallen, ohne zu ahnen, welches!irassen Undankes einst ihr Volk für ihre Hingabe gewürdigt werden sollte! So hat es niemanden, der nicht an kindlichem Optimismus unheilbar erkrankt ist. verwundert, dass der Scmstwo-Kongrcss erst am Ende seiner Tagung in einigen matten kalten Phrasen sich erinnert hat, das ja irgendwo auch noch Juden seien, die Rechte forderten. Und die hat man ihnen mit der Freigebigkeit dessen, der selber nichts hat. dann auf dem Papier bewilligt — was konum's aut einen Bogen Papier an, wenn man dafür die ganze liberale Judenschaft des Auslandes kaufen kann! Träge und charakterlos, wie überhaupt der Liberalismus vom Anfänge des zwanzigsten Jahrhunderts! Nichtswürdig undankbar und feige Zu den Makkabäer-Feiern Prolog Fanden sonst wir uns zusammen, Da aus kleinen, scheuen Flammen Zart ein lichter Schein sich malt: Galt's ein frohes Fest bereiten. Das in seinen Fröhlichkeiten Hell dein Lieht entgegenstrahlt. Und aus langentschwund’nein Ruhme, Altem Judenheldenturae, Ward ein junges Frühlingslied. Mit der Väter hohem Streben Sahen jauchzend wir verweben Das, was heut' uns selbst durchglüht. * # Wie in unserm Stamm, dem alten, Neue Triebe sich entfalten Und ein junger Saft sich regt. Der sich breitet, still geschäftig Zu vollenden, eigenmächtig, Was in Sehnsucht uns bewegt.- aber haben sich die Fortschrittsparteien par excelicnce, die Soziah'sten-Revolutionäre und Sozialdemokraten benommen. Als in Woroncsh im Augenblicke höchster Not und Gefahr sich die wehrfähige jüdische Jugend — ganze fünfundzwanzig Mann! — zur Selbstwehr organisierte gegen die herandrängenden Pöbelmassen, da versprach das revolutionäre Komitee, hundert organisierte Arbeiter zur Hilfe zu schicken. Aber statt ihrer kam nach stundenlangem Warten die ״Erklärung“, man brauche die hundert Mann zum Schutze zweier Führer, und die Selbstwehr möchte doch einige Mann senden zum Schutz einer “Politischen“!! So ähnlich lauten alle Berichte, aus denen — wie allein aus der Tatsache der entsetzlichen Massacres in Städten wie Odessa und Kiew! — klar hervorgeht, dass die Juden durchaus auf sich seihst gestellt sind, und dass cs an Selbst mord grenzte, wollten die Juden noch weiter lediglich im Anschluss an andere Parteien ihr Heil suchen. Die Juden müssen unbedingt über alle anderen Parteien hinweg als Juden sich zu einer jüdischen Organisation Zusammenschlüssen, zu dem ״Jüdischen Verband“, der dann im Rate der anderen die Stimme aller russischen Juden führen kann. Das heisst jetzt in Russland für die Juden Gegenwartsarbeit. Für die Zukunft unseres Volkes aber wollen ־wir rüstig an unserem Ziele schaffen, damit es später nie mehr vom Schicksal der Juden gelten möge; was leider jetzt nur zu wahr ist: Verraten und verkauft! . ib. j Mitteilungen des Zenfralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland | 1. Die ersten 10 000 Exemplare der Broschüre: ״W a s will der Zionismus“ sind bis auf einen ganz kleinen Rest vergriffen. Wir haben daher beschlossen, baldigst eine Neuauflage der Broschüre ’ hcrauszugeben. Nach Rücksprache mit Herrn Dr. j Friede mann, dem Verfasser der Broschüre, bitten j wir hierdurch alle Parteigenossen um Mitteilung ihrer ־ Wünsche für die Neuauflage. Wir bitten, sämtliche Anregungen in. kürzester Form baldigst an unsere! Adresse gelangen zu lassen. ״ t Doch heut* sind’s nicht frohe Lieder. — Lähmend zwingt's uns heute nieder Und kein Licht hellt uns das Herz. Selbst das Fest der Makkabäer Wühlt nur grauser sich und weher; Ein in unser!! tiefen Schmerz. 1 v 4j ■:*׳ ן Ströme Blutes sch’n wir fiiessen, I Warmes Lebensblut vergiessen, j Dampfend wälzt sich’s her im Lauf, j Wilde Schreie gellen wieder, j Tausende erschlag'ner Brüder j Wölben hoch sich vor 1ms auf. I Machtlos müssen wir es schauen, * ־ ‘! All das fürchterliche Qrauen! Und das Biut entfliesst derweil.! Wenn entmenschte, wilde Horden Sehen wir die Brüder morden: Ohnmacht nur Ist unser Teil. Und auch Ihr, die Ihr noch eben Könnt’ von i'öbcls Gnaden leben,

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