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Jüdische Rundschau · 1905-12-08 · Heft 49 (8.12.1905) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 49 (8.12.1905)
Date
1905-12-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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JÜDISCHE RUNDSCHAU No. 49 Seite 650 schau. Und da wir liier zu wenig vorfanden, haben wir einen Teil der 0 d c s s a e r Juden nicdergemetzelt. Die Unzufriedenheit hatte aber bereits solche Dimensionen angenommen, dass Väterchen sich nicht mehr getraute, Militär in den Krieg zu schicken. Er brauchte es zu Hause gegen die Aufrührer. Jwan Fcdorowitsch: Und was forderten denn diese? Fedor Jwanowitsch: Verfassung und Gleichheit. Das Militär meuterte auch und hielt zum Volke. Damals war auch der Aufstand der Potcmkin-Matrosen und wir m c t z e 1־ ten die Juden in Odessa nieder. Jwan Fedorowitsch: Oab’s denn in Odessa noch Juden? Fed0r Jwanowitsch: Es gab noch und es blieben noch für den Freiheitskampf welche übrig. Man hat nämlich inzwischen mit Japan Frieden geschlossen und Väterchen widmete seine ganze Sorge den inneren Unruhen. Er licss in Petersburg und Moskau das Volk niederschiessen und das Volk hat in seiner Vorzwciflting die Juden in Petersburg und Moskau nicdergcmctzelt. Jwan Fedorowitsch: Grossartig! Fedor Jwanowitsch: Endlich hat Väterchen nachgegeben und verlieh uns die Verfassung. Hierauf haben wir die Juden überall niedergemetzelt. Jwan Fedorowitsch: Ueberall waren Juden? Fedor Jwanowitsch: Wir metzelten sic nieder, wo wir sic eben fanden. T repo w war um diese Zeit am fürchterlichsten. Blut iloss an allen Orten. Das Blut der Frciheitsheiden. Zinn Schlüsse haben doch wir gesiegt und im Verlaufe von einigen Jahren errichteten wir das freie, reiche, auf Grundlage der Rechtsgleichheit aufgebaute Russland. in dem auch du jetzt sitzest. Jwan Fedorowitsch: Und die Juden? Fedor־ J w a n 0 w i 1 s c h: Dies e 11 a b e n w i r, nachdem wir unsere Rechte a u s g e f o c h t e n hatten, alle samt und sonders niedergemetzelt. Aber wenn wir im nächsten Jahre eine Reise nach Deutschland machen werden, das noch nicht die Freibeiten geniesst. die wir haben, da werde ich dir einen Juden zeigen. —I Aus der Bewegung ן— Die Sehekelblocks pro 1905 1906 sind jetzt zur Ausgabe gelangt. Damen und Herren, welche die Einziehung von Schekeln in Berlin übernehmen wollen, bitten wir, sich mit genauer Angabe ihrer Adresse baldigst an unsern Schatzmeister J. H. Wagner, Prenzlauer Allee 9 zu wenden. Berliner Zionistische Vereinigung. \ — Berlin. Die Makkabäer leier der Berliner Z i onisten ist nunmehr endgiltig aui Sonnabend, den 30. Dezember 1905 festgesetzt. Wir bitten alle unsere Freunde, diesen Abend fr ei zu halten. Das Programm wird in der nächsten Woche bekanntgegeben. Berlin. In der ’ ü d i s c h n a t i o n a I ג n Frau e u v c reinig ung spricht am Montag, den II. d. Mts. abends 9 Uhr im Restaurant Rosenthal. Leip/.igerstrasse 62/63, Eingang Spittelmarkt, Frl. .,Frieda Samter über: ״Küche, Keller, häusliches Leben zur ältesten Zeit”. Gäste, Herren und Damen, sind herzlich willkommen. — Das diesjährige Kinderfest findet am Donnerstag. d*־m >. d. Mts., statt. Ueber 2<א) arme, jüdische Kinder aus. den Gemeindeschulen haben sich bereits gemeldet. Die ’jüdisch-nationale Frauen Vereinigung bittet, um den armen Kleinen eine Chanukahspende bereiten z» können, um Gaben. Geldsendungen sind an Fr. Lina Wagner-Ta über, Prenzlauer Allee 9 zu richten. Berlin. Jüdischer Turnverein ״Bar Kochba“. I. Männer- Abt,: Auguststr. 67/68 Dienstag und Sonnabend 8—10 Uhr abends; II. Männer-Abt.: Kaiserstr. 29/30 Montag S—10 Uhr: III. Männer-Abt.: Scbleswigerufer N Mittwoch n. Sonnabend 15:9—V״*|j Uhr; IV. Männer-Abt.: Niederwallstr. 7 Dienstag und Donnerstag 8—10 Uhr; I. Frauen-Abt.: Augusts67/68 .'״ Montag und Donnerstag 8—10 Uhr; fl. Frauen.Abt.: Schleswigerufer H Montag und Donnertag 8—9l£ Uhr; III. Frauen- Abt.: Ifflandstr. 9/11 Mittwoch und Sonnabend 1־•׳S—*ilO Uhr. Lehrlings-Abt.: Weissenburgcrstr. da Montag und Donnerstag S—10 Uhr. Mädchen-Abt.: Auguststr. 67/68 Montag 6— Uhr. Alte Herrenriege: Auguststr. 67/68 Dienstag «'Abend, Niederwallstr. 7 Donnerstag Abend. Im Sommer Spiele im Freien, im Winter Eisbahn auf dem eigenen Spielplatz. Fccht- Übungen, Samariterkurse, Schwimmen, Turnfahrten, Gesellige und wissenschaftliche Unterhalturigsabeude. Organ: Jüdische Turnzeitung. Gäste stets herzlich willkommen. Anmeldungen werden auf den Turnsälen entgegenotmnen. Weitere Auskunft erteilt der Schriftführer Adolf Graupe, O. Schillingstr. 24. Königsberg I. Pr. Eine öffentliche Protestversam ml u n g gegen die Jndenmetzeleien in Russland hat am Donnerstag. den 30. November, abends, im grossen Saale der Bürgerrcssource getagt, eine Versammlung, wie sie aus gleich tragischem Anlass hier in Königsberg wohl noch nie stattgefuuden hat, aber wie wir sic auch so stürmisch und so reich an erregenden Zwischenfällen hier kaum je zuvor erlebt. Gleich zu Beginn der Versammlung, die von etwa 700 Personen, darunter namentlich auch sehr vielen Damen und vielen russisehen Flüchtlingen, besucht war, gab cs wieder einen Exodus der Sozialdemokraten, die etwa SO bis 10U Kopfe stark erschienen waren. Die Genossen Crispicn und prakt. Arzt Ciot t scha 1 k waren noch vor der-Eröifnung an den Vorsitzende״. Justizrat Dr. L i c h t e n s t e i n . mit dem Antrag herangctrctei’.. nach den Vorträgen eine Diskussion zuzulassen. Dr. Lichieustcin erk'ärtc ihnen, dass die Veranstet 1 ter von vornherein beschlossen hätten, keine Diskussion zu eröffnen, da eine solche den! Zweck gerade dieser Vorsammlu.ig. die frei von allen parteipolitischen Gesichtspunkten zu den Greueln in Russland Steilung nehmen solle. kaum entsprechen wüide. Kaum hatte mm Dr. Lichtenstein die Vcr- Sammlung eröffnet und kaum hatte er die ersten drei oder \:er Sätze gepre• eilen, da erhoben sieli wie auf Verabredung sämtliche Sozialdemokraten, uni unter Führung der Herren Gottschaik, Criespien. Linde.;Marehionini usw. klnnend. unter lauten ״Hoho!*‘- und ״Hört, hört!“־Rufen, sowie unter dem Geschrei: ״Keine Redefreiheit!“ den Saal zu verlassen. Das geschah so rücksichtslos, dass sich der übrigen Anwesenden, namentlich der F'raucu. die. in den vordersten Reihen zumal, keine Anhnung von der Ursache des plötzlichen Lärms hatten, fast eine Panik bemächtigt hätte. Alles sprang von den Sitzen, es begann ein plötzliches Flüchten aus den Sitzreihen •ui d ei1׳ Drängen nach den Ausgängen. Der VorsTz.ende war nicht mehr in der Lage, sieh verständlich zu machen, und nur der Besonnenheit der Mehrzahl der Männer, die unter lauten Rufen: ״Ruhe!“ und ״Sitzen bleiben!** auf die Versammlung cinreilcten, gelang es nach einigen Minuten, die Aufregung zu dämpfen. So benutzten die Sozialdemokraten auch diese Gelegenheit wieder zu einer Demonstration auf ihre Weise. Ein Glück, dass der Zwischenfall ohne ernstere Folgen verlief! Nach der Eröffnungsansprache des Vorsitzenden nahm dann zunächst Redakteur Dr. Moses-Berlin das Wort, um in flammender Rede Anklage zu erlichen gegen die Urheber jener furchtbaren Greueltaten und gegen das noch immer schlafende ״europäische Gewissen“. Die Rede wurde mit enthusiastischein, nicht endciiwollcndem Beifall. Händeklatschen und Trampeln aufgenommen. Nicht weniger stürmischen Beifall erntete der zweite Redner des Abends, praktischer Arzt Dr. Pelz- Königsberg, der seinen leidenschaftlichen Protest namentlich auch an die Glaubensgenossen adressierte, die durch Gewährung von Anleihen dem russischen Regime die Waffen geliefert hätten. An ihrem Mitleid, auch wenn cs sich jetzt in mehrstelligen Ziffern äussere, klebe das Blut der Brüder. Nun aber »neideten sich zur gleichen Zeit zwei Redner zum Wort: ein Handwerksmeister Lampe aus Riga, der. wie er sagte, noch einiges Tatsächliche beibringen wollte, und ein Oberlehrer J ander, ebenfalls aus Kurland, der gegen die Anklagen protestieren wollte, die liier gegen die Christenheit und gegen die Gesamtheit des russischen Volkes erhoben worden seien. Beide erhielten — trotz des Ursprunglieh anders lautenden Beschlusses — das Wort, nachdem die Versammlung auf Befragen ihr Einverständnis erklärt hatte. Beide Redner entpuppten sich indessen bald als Antisemiten reinster Färbung deren provozierende Reden di׳* Versammlung natürlich auf das lebhafteste erregen mussten. Herr Lampe behauptete, auf Grund eines langjährigen Aufenthaltes in Russland wisse er aus Erfahrung, wie fürchterlich alle Besitzenden, auch die besitzenden Juden, unter der Agitation der indischen Revolutionäre, namentlich der jungen Studenten, gclitten hätten, wie die beklagenswerten Metzeleien nur der Ausfluss der lange unterdrückten Wut der Bevölkerung seien

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