Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1905)
- Date
- 1905-12-08
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2651273-2651394-2651443--03043-2659954- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
fco. 49 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 649 S1 y n k a. Der Schaden betrügt »her Rbl. 50 000, 21 der wowlhabcndstcn Familien sind geplündert worden. — Starod u b. Vollständig zerstört. Alle Läden geplündert und niedergebrannt. — K r o \v c I c z. 200 Familien haben Schaden erlitten und sind mittellos geworden. — Die jüdischen Geschäfte und Häuser geplündert, manche niedergebrannt. — fB e r e s 11 a. 300 Familien haben Schaden erlitten. -Nied c r 1 a s s u n g K I i n z y. Vollkommen zerstört, 400 Familien haben gelitten, alle Geschäfte und Wohnungen geplündert. — Reptk 200 Familien haben Schaden erlitten, der ca. 300 000 Rubel beträgt. 70 Magazine sind niedergebrannt worden, die grossen und auch die kleinen Laden sind zerstört. — Norsowku. lieber 100 Familien beraubt und ruiniert. — Nowosybkow. Volle Zerstörung. Feber eine halbe Million Schaden, vier Personen sind getötet, darunter ein Christ. — Nowgorod Sewersk. 400 Familien sind beraubt, 10 Juden sind getötet, 20 schwer verwundet worden. Es ist ein Milfsvcjrcin vorhanden, der. wie verlautet, die dringendste Not befriedigt. — S u r a c 11. 600 Familien hungern. — Nie sh in. Die Krawalle währten 5 Tage, über die Folgen ist noch zu berichten. — Workiewsk. Vollständig ruiniert. — Koselitz. Mehr als 120 Familien haben Schaden erlitten. Gouvernement Minsk. Städtchen R c t s h i z a. Von der Homel'schcn Selbstwehr sind 7 Personen getötet, 1.3 verwundet worden; ־die Stadt hat laut der cingogangenen Nachricht verhältnismässig wenig gelitten. ' Gouvernement Mchilew. Städtchen Nossowitschi. 12 Familien haben einen Schaden von 12ö>! Rubel erlitten. — Orseha. Ls sind 17 Personen aus Duvrona und IS aus Schklow getötet worden; die Plünderung war nicht bedeutend. Gouvernement Pcdnlien. Balta. Starke Judenexzesse, die Menschenopfer gekostet haben. Brandstiftung. — B o g o p o I. Das Städtchen ist in T r ü m mer verwandelt, das Elend ist enorm. — 6 k n y. Die ganze Stadt und alle Läden sind beraubt, 2 Personen. ein Vater mit seinem Sohne wurden getötet und ins Fetter geworfelt. SO Familien hungern; der Schaden beträgt 100 000 Rubel. — Kolonie Wolar ka. 120 Familien betroffen. Gouvernement Poltawa. Solotonoschn. Hat stark gelitten, alle Läden zerstört. — Romnv. Hat eine Einwohnerschau von 1000 Familien, wovon 7S0 Schaden erlitten haben: 350 Läden sind zerstört, davon sind 150. worunter 65 steinerne medergebrannt. Gleichfalls niedergebrannt sind die Hauptsynagogc und 2 Bethäuser mit einem Inhalt von 52 Seier Toras, ferner sind verbrannt die Talmud Tora, die jüdische Bibliothek.. 3. Bethäuser haben Schaden erlitten, 330 jüdische Häuser sind verbrannt, die konfessionelle Schule ist geschlossen, der Verlust beträgt einige Millionen. — Gadiatsch. Die Exzesse fanden am 21. und 22. Oktober statt: V, der Bewohner sind ruiniert. — Krementschug: Ucbcr 2’-• Millionen Schaden. Am Orte seihst sind 50 000 Rbl. gesammelt. — Es sind Nachrichten über Exzesse in 43 Orten eingclaufen. Gouvernement Jckaterlnoslaw. Bachmut. Hat stark gelitten.— Mariupol. 400 Familien sind obdachlos geworden, der Schaden beträgt 1 ג׳ Millionen. Fabrik Kamenka Saporoshsky bei Jekaterinoslaw. Es hat viele Menschenopfer gekostet, mehr als 120 Familien sind obdachlos geworden, der Schaden beträgt 11• Million. — Jekaterinoslaw. 1500 Familien haben Schaden erlitten. — Ansiedlung Amur bei Jekaterinoslaw. Alles ist zerstört und geplündert, die Ansiedlung hat 3^00 Einwohner; jetzt gibt es viele Witwen und Waisen. — Bcssarabien. Ba j r am t sc 11 a. Alles ruiniert. 1000 Personen ohne Bekleidung. — I s m a i I. AUes ruiritert, mehr als 30 Läden niedergebrannt. Million Schaden. — Kala rase 11. 231 Familien haben Schaden erlitten. Städtchen verbrannt, viele Todesfälle sind zu beklagen. Gouvernement Cherson. Krlvol Rog. Viele getötet und geplündert, alles ruiniert. — J e I i s a w e t g r a d. Viele getötet und genlündert, nähere Nachrichten fehlen noch. — Nikolajew. 500 Verwundete sind registriert, der Schaden beträgt über 3 Millioneu: die .billige Küche, das Asvl und das Armenhaus sind gcschlossen. — Majaki. 100 Familien haben Schaden erlitten. - Olviopol. 500 Familien Indien Schaden erlitten. Gouvernement Tauris. Simferopol. 37 Personen sind getötet, die Pltinderutig war unbedeutend. — Gcnitschesk. Vollständig ruiniert, über 100 Familien haben Schaden erlitten. S V׳ ׳ ז/ Gouvernement Kiew. In T o n e s c h haben!50 Familien Schaden erlitten. Die furchtbare Metzelei In der Stadt Kiew selbst ist bekannt: schändliche und empörende Einzelheiten werden uns noch privatim gemeldet, die wir nach Prüfung ver Offen tliehen werden. Der ganze Unifang der fürchterlichen Hetze ist natüriicli auch aus den obigen skizzenhaften Details noch lange nicht zu ersehen. Es werden noch Wochen, bei der gegenwärtigen Situation des Nachrichtendienstes — Telegraphen gesperrt, Posten unzuverlässig und schleppend — vielleicht Monate vergehen, bis sich ein klares Bild der ganzen Tragödie wird enthüllen lassen und des unsäglichen Jammers, den sie über unser Volk gebracht. Aus Russlands Heldentagen*) (Nach fünfzig Jahren.) Von Simplex. Fcdor Jwa nowitsch: So. so, mein Schätzchen .Iwan Fedorowitscli, du bist glücklich, dass ich dein Vater hin. Du sitzest im weichen, sicheren Nest, das Gesetz wacht über dich, du bläst den Ranch deiner Pfeife in die Luft der Freiheit. Das heisst, du wirst ihn blasen, bis du erst eine Pfeife bekommst. * J w a n F c d o r 0 w i t s c 11: Sag mal. Väterchen, ist es wahr, dass zu jener Zeit die Polizei jeden, den sie wollte, hat ohne weiteres cinfangcn dürfen? Fedor Jwa nowitsch: So wahr, wie unsere Glück- Seligkeit. Da gab־s nur einen Polizeistaat und unsägliches Zähneklappern und unermessliches Elend. Und, damit ich nicht aus einer Rede in die andere falle, weisst du, damals führten die Japaner Krieg gegen uns. Jwan Fedorowitscli: Was?, die Japaner, unsere Brüder? . Fedor Jwanowitsch: Jawohl mein lieber Fedi. die Japaner! Jetzt sind sie unsere Brüder, aber vor fünfzig Jahren waren sie noch *gelbe Hunde״. Am ersten Kriegstage haben sie unsere Port Arthurer Flotte über den Haufen gcschossen. Jwan F e d 0 r o w i t s c 11: Und was habt ihr da getan? Fedor Jwano witsch: Wir haben in unserer Wut mit den Zähnen geknirscht und als die Wut noch grösser ward, haben wir die Kisch ine wer Juden niedergemetzelt. Damals waren nämlich auch in Kischitiew noch Juden. Jwan Fedorowitsch: Und was taten inzwischen die Japaner? Fedor Jwanowitsch: Wie ein gelber Schneewirbe! sind sie in unseren Körper eingesturmt. Väterchen sandte gegen sic eine Armee nach der anderen und unsere Beanhcn pressten das Volk lustig weiter aus. Wir hatten so viel Steuern zu zahlen, als man nur zu eroressen verstand, so. dass uns kein Bissen Brot im Hause blieb. Als wir dann bei Liaujang die entscheidende Schlacht verloren. Jwan Fedoro witsch: Nun, was tatet ihr da, Väterchen? Fedor Jwanowitsch: Ich war damals elf Jahre alt, als wir die Schlacht bei Liaujang verloren haben, und in unserer Verzweiflung haben wir die K i e w e r Juden niedcrgemetzelt. Damals haben nämlich in Kiew noch Juden gelebt. Jwan F e d 0 r o w 11 s c h: Und die Japaner? Fedor Jwanowitsch: Die Japaner? Die drangen wie der Wirbelsfurm immer vor bis Mukden. Nun war der Leidenskelch voll geworden. Knechtschaft auf der einen Seite, Armut auf der anderen und obendrein die fürchterliche Menschcnschlüchterei wegen einer Laune eines einzigen Mensehen, des Zaren .... Die Soldaten flohen ins Ausland und wir knirschten mit den Zähnen. Jwan Fedoro witsch: Und wo habt ihr um diese Zeit Juden niedcrgemetzelt? Fedor Jwanowitsch: Wieder in K ischine w. Da waren nämlich noch immer Juden vorhanden. Jwan Fc dor oxvit sch: Und die Japaner? Fedor Jwanowitsch: Die Japaner vernichteten damals bei Tsuschima unsere basische Flotte. In der Wut darüber hielten wir wieder in Kiscliinew nach Juden Um- *) Aus dem Ungarischen In A HF.T übertragen von Kr. Im JÜDISCHEN VOLKSBLATT (Wien). J. N