Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- X (1905)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1905)
- Date
- 1905-12-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2651394-2651443--03039-2659950- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
No. 49 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite <H6 Ehre die Waffen zu ergreifen, er wird es auch verstehen, seinen Geist und seine Kraft zu gebrauchen für das Land, das ihm teuer ist, so teuer, dass ihn keine Freiheiten und kein Paradies der Liebe diesem Lande entfremden wird. Der Jüdische Freiheitskampf führt direkt zum Zionismus. Mitteilungen des Zentralbureaus der Zionistischen Vereinigung für Deutschland 1. Wir weisen die Ortsgruppen nochmals darauf hin, dass wir das Flugblatt No. 6 und das Flugblatt über den Nationah'onds, soweit der Vorrat reicht, zum Selbstkostenpreise von 1 Pfennig pro Exemplar abgeben. Die Broschüre Nordau: Der Zionismus und seine Gegner wird bei Bestellungen von 100 Exemplaren für 5 Pig., bei grösseren Bestellungen für 4 Pig. abgegeben. 2. Die Zentrale des Shareklubs für Deutschland hat Herr Moritz Goldschmidt, Hamburg, Stadthausbrücke 12/14, übernommen. Wir bitten sämtliche Anfragen über die Gründung und Verwaltung von Shareklubs an Herrn Goldschmidt zu richten. 3. Die Inhaber von Sc 11 ekel block s werden dringend gebetet!/ die Einsammlung der Schekelgelder zu beschleunigen und bis Ende Dezember die erste Rate an die Ortsgruppen abzuführen. 4. Im letzten Monat sind vom Gruppenverband der Hansestädte die Ortsgruppen Kiel und Bremerhaven, vom Gruppenverband Oberschlesien die Ortsgruppe Rybnik und vom Gruppenverband Posen die Ortsgruppe Thorn gegründet worden. 5. Vorsitzender des Qr.upponverbandes Bayern ist letzt Herr Dr. I. Bamberg ׳er, Nürnberg, Essen weinst r. 7. * Wir £ind von verschiedenen Ortsgruppen angefragt worden, ob wir es für zweckmässig halten, in diesem Jahre Makkabäerf ei drn zu veranstalten. Wir sind der Ansicht, dass wir infolge des nationalen Unglücks auf Lustbarkeiten bei der Makkabäerfeier verzichte,n müssen, glauben jedoch, dass Makkabäerfeiern, die einen mehr ernsten Charakter tragen, durchaus am Platze sind. Den Verlauf der Feier denken wir uns etwa fclgendermassen: 1. Prolog. י 2. Chorgesang, etwa durch den Synagogenchor oder durch Kinder. 3. Festrede. 4. Aufführung eines Aktes aus den Makkabäern von Ludwig, oder Amtsgerichtsrat Markus von Dr. Cohn, oder Dr. Cohn von Nordau. 5. Vortrag nationaler Gedichte und Jargonlieder׳ lebende Bilder etc. 6. Allgemeiner Chorgesang. Den sonst üblichen Ball könnte man idurch ein kurzes Promenadenkonzert ersetzen, während dessen eine Tombola mit zionistischen Bildern, Büchern usw. veranstaltet werden könnte. * Wir machen darauf aufmerksam, dass sich für Chanukahgeschenke nichts so eignet, als unsere jüdische Literatur. ■± * r Gesinnungsgenossen, abonniert für eure Kinder auf UNSERE HOFFNUNG. Das Abonnement kostet jährlich 5 Mark. Eine Protestversammlung Köln, den 27. November 1905. überfüllt sind Saal und Galerie der Rhcinlandloge. Viele, viele müssen umkehren; aber die ca. 800 Menschen warten mit ruhiger Spannung, da gegen 10ג-י Uhr Hisst das Aktions־ komitee bekanntmachen, dass es vor 20 Minuten mit seinen anstrengenden Sitzungen zu Ende gekommen und nun bald erscheinen werde. Den zionistischen Generalstab kennen zu lernen, hat so manche uns sonst Fernstehende hierhergebracht, denn die öffentliche Meinung zu Köln weiss nicht zuviel von den Judcnmctzeleien, alldieweil mit weiser Vorsicht hiesige inassgebende Weltblätter gar viel verschweigen und die KÖLNISCHE ZEZ1TUNG in einem längeren Artikel mit salbungsvollem Bibelzitatc: ״Wer das Schwert zieht, soll durch das Schwert umkommen,“ den Juden die Schuld an der russischen Bestie beimisst. Sie kanns beinah so gut wie die KREUZZEITUNG, DEUSCHE TAGESZEITUNG usw. Dr. Boden he im er eröffnet gegen?110 Uhr: Freudige Feier war geplant zu Ehren des gewählten Präsidenten und Traucrieier wird es dem Jüdischen Volke. Welches Unglück kam nicht letzthin über die Judenheit?! Der Tod unsere!! verehrten Führers, der sein Volk zu ungeahnter Höhe emporzog, ein Führer, wie er seit Jahrtausenden nicht gelebt! Was da knirschend dalag, das hat er wieder aufgerichtet; sein armes Volk! Dann Kok esc 11! Ihn kannte man nur mehr in Zionistenkreisen. Aber mit Kculenschlägen traf uns das Unglück unserer Brüder in Russland. Die Legende erzählt, wenn die Tränen der unglücklichen jüdischen Mütter, den Rand des Kelches erreicht, überfliessen, werde des Volkes Elend ein Ende nehmen. Bald ists genug! Meine Damen und meine Herren, stählen Sie sich, jetzt grauenvolle Mähr zu vernehmen, um dann mit helfender Hand zu lindern. In diesen Tagen konnte man die Lebenskraft und hohen Tugenden des Jüdischen Volkes bewundern. Es sind in diesen Tagen Bestialitäten ln Erscheinung getreten und Grausamkeiten in einem Umfange, wie man sie in den Annalen des finstersten Mittelalters nicht wiederfindet! So möchte man an dem Fortschritt der Menschheit verzweifeln! Ihres Namens werden diese Völker sich schämen müssen! Anerkannt muss werden, dass auch bei Nichtjuden werktätige Hilfe einsetzt. So brachten auch zwei katholische Mädchen jede 5 Groschen zu mir. Wie wertvoll diese kleinen Gaben! Ich sag’s Euch, damit wir nicht verbittert werden um jener• Bestien willen, die In Odessa die unschuldigen Kinder ermordet haben! Ein Hoffnungsstrahl, dass menschliches Fühlen sich überall regt. Hier setzt der Zionismus ein und appelliert an alle Kräfte Im Jüdischen Volke, in Handel und Wissenschaft und zeigt, dass es noch moralisch gross ist. Und unser Führer hat sich an alle Regierungen der Welt gewendet und die Antworten, die ihm geworden, sind Beweis, dass der verbindende Faden nicht zerschnitten ist. Nach Berlin war er gereist, um mit den russischen Brüdern fürs Hilfswerk zu unterhandeln. In Sturm und Drang haben unsere Führer vom Kongress zu Basel jetzt hier in Köln nicht nur über die Notlage der russischen Juden, sondern auch beraten, welchen besonderen Weg weiter zu gehen, um endlich die politische Lösung der Judenfrage ins Auge zu fassen. Dank verdienen die Männer, die Hierhergecilt aus verschiedenen Ländern. Mögen wir auf sie rechnen können in jeder Not und Gefahr. Wir begrüssen in Wolffsohn den Präsidenten, als den rechten Mann auf dem rechten Fleck. Prof. War bürg, der sich bedeutende Verdienste in Kolonialwirtschaft erworben. Alexander Marmorek, der bei seinem Kampf in der Wissenschaft gegen den allgemeinen Feind der Menschheit, gegen die