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Jüdische Rundschau · 1905-12-01 · Heft 48 (1.12.1905) · page 16

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 48 (1.12.1905)
Date
1905-12-01
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seite 636 No. 48 JÜDISCHE RUNDSCHAU sitzender des Schweizerischen ZionistenvcrbaiiJ.5 «nd der uns bnachbarten Basler Ortsgruppe. Herr Dr. Wormser, einen glänzenden Vortrag über das Thema: ״Der VII. Kongress und seine Bedeutung für di; jüdische Polit'k.“ Redner verstand cs, die Ereignisse, sowie die Eindrücke des Kongresses in geradezu meisterhafter Weise 71! schildern. Er selbst steht, wie er ausfülirt, auf dem Standpunkt der poFtaschen Zonisten und bcdauert lebhaft die Beschlüsse des Ussischkin'schen Blocks. Trotzdem freut ihn der jüngst in Berlin geschlossene Frieden zwischen ״P01itts:;hen" und Zione-Zion. da man nunmehr vv'eder mit voller Kraft verc'nt arbeiten könne. Bass Uganda für uns ungeeignet sei. wissen wir ja alle und dieses Projekt sc durch den Kongress aus der Welt geschafft. Eine Meinungs- Verschiedenheit könne nur entstehen, wenn ein neues Projekt auftauche. Redner glaubt nicht, dass cs unsere Aufgabe sc־'. e;n solches zu suchen, das habe ja auch Dr. Flerzl rieht getan. Und ob \1ir du iu’s vielleicht später zu machendes Anerbieten irgend einer Regierung prüfen wollen, darüber entscheide der dann folgende Kongress, der das Recht habe. Beschlüsse aufzut.cben und neue zu fassen. Bis da!f:1 müsse aber Freden und Einigkeit herrs.rh.n zum Wöhle unserer Bewegung und unseres hart bedrängten Volkes. Die zweite Hälfte der Versammlung war einer Besprechung der Lage unserer Brüder in Russland gewidmet. Auf Antrag des Herrn Dr. Elias wurde folgende Reso’um 11 einstimmig angenommen: ..Die am 12. November tagende Versammln;;;: des Vereins ..Zion" in Mühlhausen i. E. gibt ihrem Schmerz ,״her die Katastrophe Ausdruck, welche über die Juden Russland herengcbrochen :st. Um ein vermintes Regime zu retten, wurde!» «treue! inszeniert, wie das M't'ela'tcr sie nie trieb! hat. Wehrlose Menschen. Frauen und Kndir wurden crl-armungslos h'ugescMachtct und /ah!!׳ - .• Existenzen ruiniert. Im Nam:n der Menschlichke't!egt der Vcren! ..Zion" gegen ■diese Untaten der russisch.cn Henkersknechte Verwahrung ein." Sodann wurde beschlossen, für die Unglücklichen eilte Sammlung zu veranstalten. Diese hat bis Jetzt, trotzdem and! die All'anct hier emsig sammelt, schon c'tt Resultat v*>!1!über 1000 Mark erbracht und wird eifrig ■fortgesetzt, ln der nächsten Woche wird hier unter Mitwirkung e.'uieer Herren und Dutten vom Stadttheater ein Trauerkonzert abg:haltet!, dessen Reinertrag ebenfalls für unsere Brüder bestaun’,t ist. Bemerkenswert ist noch der Antrag unseres Vorsitzende!», des Stad:ra*c$ Dr. Elias, an den Bf!reerniest.r: ..Der Oem.cindcrat wolle für dx Opfer der Judenverfolgungen in Russland die Smnme von 2000 Mark bewilligend* Der Antrag wird in der nächsten Sitzung des Oemeinderatcs besprochen und sxhcrlicl! angenommen werden. S. L.-M. Jerusalem. Se:t einiger Zeit spukt eine Nachricht in den Blättern, dass in Jerusalem von d.־r Regierung eine zion i s ti s.c h e Versammlung verboten worden sei. Da wir seit Jahren daran gewohnt sind, dass derartige Z itungsenten — natürlich nur in der besten Abs'cht —• alle Augenblicke losgvlass n werden, haben wir der Sache wen'g Aufmerksamkeit geschenkt. Inzwischen Nt aber der Vogel dick und fett geworden und paradiert jetzt sogar;n den Spalten der TIMES und anderer grossen Blätter. Deswegen bleibt die Ente doch, was sie war. W'r haben aber Intormatioren an Ort und Stelle eingezogen und können auf Ortmd unserer Erkundungen versichern, dass die Meldung ganz und gar erfunden ist. Folgendes ist uns in dieser Sache von zuverlässiger Seite mitgeteilt worden: Es ist nicht richtig, dass I r g e n d w :• 1 c h c Massnahmen gegen den Zionismus ergriffen worden sind. Richtig ist lediglich, dass m Jerusalem eine Lelircrkniifer.nz verboten wurde, weil auch türkische Untertan«.» daran teilnahmen und di: Konferenz verdächtigt wurde, politische Bestrehungcu zu verfolgen. Politische Versammlungen sind aber in der Türkei überhaupt verboten. Rundschau Aus Russland Auch in den deutsch.!! Kolonien Siidrtiss'ands haben Juden- Verfolgungen stattgefunden. Wie die deutsche ODHSSAER ZEITUSO mitte lt, sollen sich auf der Station Igreu die dortig.!, deutschen Kolonisten an den Judenverfolgungen beteiligt und — sch an jüdischem Eigentum vergiften hab.11. Ebenso in Rybalsk. von wo dem genannten Blatte berichtet wird: ..ln Rybalsk ging cs du! Juden nicht besser, nur rauhten da nicht Russen die Ware, sondern es ,fanden sich in Rybalsk Deutsche, di.• es taten. Ehe die Unruhen nach Rybalsk kamen, versammelten sich meistens lauter Rybalskcr Landlcute vor den. Leiden des Juden und warteidn mit Schmelzen, b's cs losging. Der Jude versteckte seine War. auf dem Dachboden. ״Geh. guck mal, ob se sclum komme.“ ..Ne se komme noch net." Nach einer Weile rief einer wied.r: .‘Och guck du. Josef.“ ..Se komme, se komme,“ rief Josef. Bis die Aufrührer an• kamen, hatten die Deutschen das Werk schon aiigefang.n. Alles wurde zerschlagen. So begegnete ein Rybalskcr Bauer e'r.cm Deutschen, der etwas auf den! Buckel nach Haus: trug. ״Na. du hoscht wo! Kaffe in! Sack.“ ״\Yu der Dcuwei. wxnns nur Kaffe wür. des isch Pfeffer, den brauch ich zum Schweinschlachte." So hat jeder was nach Hause »gcchlcppt. und einer sagte später: ״Dum ist der. der nix gcmimmc hot ich heb Mehl drei Ktille." - Unterdessen versammelten sich alle Jud.n an den! naheliegenden Flusse Ssamara. um weiter zu flüchten, aber der Pristaw (Polizekoniniissar) gab Order, dass Kthi Jude übergesetzt wird. (!) (Es muss bemerkt werden, dass über den Fluss nur e'ne Bahub! ticke gellt, Fuhrleute timt Eussgün-ger müssen hei Tag inid Nacht mit einer Führe überg«.'c:/t werde!!. Die Fähre wird von dem Scmstow unterhalten.) Zinn Unglück der Juden regnete cs. man hörte ein Geschrei und Gejammer der Kinder, alle halb nickt. Es war i..'1mr.clschre e״׳׳\ Steine hätten siel! erbarmen mögen!, aber von nirgends Hilfe. So Versteckten sic!! d e .Inden auf den! Felde u׳;J in! Weide. . Als d e /fersUrningen zu l:nde waren und! kelr. JeJ ־•/ e!!;ehr sehen war. verlangten d.e Oaun er (di. P rovo k ׳re:! der .. Scl'.w a r/.en lltmdertsch ai:’l‘ von den Deut 'dien 17 i 1 uhrwcrke. Fine Zöge! 11 mg war nickt imigk eh, sic stiesseti viel c Pro!!!! g׳ .u ans־. so mussten J e Deutschen sic nach Igren ickfahreu. Jetzt hiess es. die. Ju Jeu sind weg. nun gellts au de Deiitsc heu. Von Verteidigun; r keine Rt .,«Je. E'n Jude Versuchte sL '׳. mit seiner f־ami!e : tri Dorfe BiüersiVlJ . das!'.::: Werst vt n Ryl l'nlsk entfernt ist. A’s di ie Riesen dies her te;!. sagten sic ■ganz, einfach: ..Ihr Deutsche. versteckt nicht de;! Juden, es w ird s ,chhmmer. n!״rge 1! kommen wir zu I: iuch.“ Bei Nacht!!nd Nebel entfernten die Billersklder den Juden aus dem Dorfe. Am andern Tage kamen nach Igren aus der Stadt (Jekaterinoslaw) Kosaken, welche die Ruhe w'ede־׳ herstellten. Leider viel zu spät Viele Juden wie auch Russen sind verwundet, mehr Weiher und Kinder als Männer, und viele, viele tot. Alle Hospitäler in der Stadt shid überfüllt.‘“ Die Schandliste Russlands Das Verzeichnis der Orte, die in den Tagen vom IS. bis 25. Oktober a. S. den Schauplatz der schrecklichen Ausschreitungen gegen die Juden bildeten, muss noch un! ein Dutzend neuer Städte und Ortschaften vervollstiind gt werden, aus denen noch täglch neue trostlose Nachrichten eintr.ffcn. Als erste ist. wie die ,.Russische Korrespondenz." meldet, die Stadt Alexandrowsk (Gouvernement Jekaterinoslaw׳) zu nennen, die am 21. und 22. Oktober die Beute der scl1warz.cn Banden wurde, die von d.njcnigcn geführt waren, die de Verteidiger der Bevölkerung hätten sein sollen. ־-־ Nachdem man alle Judenläden ausgepliindert hatte, ging man auf die Hiiuscr los. die man völlig zerstörte, indem man über die Leichen von Weihern und Kadern achtungslos himvegstürmt.•. Wären nicht die Kosaken dagewesen. d;e ..Sclbstwehr“ hätte sicherlich das Blutbad zu verhindern gewusst, denn mau wai organisiert, aber sic wurden nicht an die Plünderer hcrangelassen. Infc Igedesscn lieg. 11 jetzt )milderte von Fawj'Uen auf der Gasse, ohne Brot und ohne Obdach und das Snital ׳st von Verletzten überfüllt. von den zahlreichen Tote!» gar nicht zu reden. Zwei Tage hindurch brannte die Stadt. Alle Klassen der Bevölkerung!!ab 11 gleichrnüssig gelitten, sodass jede gegenseitige Hilfe zur Unmöglichkeit geworden ־'st. ־ ־ Aus dem unglücklichen (Vuvcruomeiit Jekaterinoslaw• meldet man immer von neuen ausgeraubten kleinen Ortschaften. So Hostomnl und Dim.r. In dieser Gegend verlicssen Banden von Bergleinen. K״hlc»eräbern ihre Schächte und stürzten sich au! dt von den Juden bevölkerten Ortschaften, in demselben Gouvernement.;!! der grossen Stadt Insowaja Pawlowka. rufen lumdert jüdische F’atnilien. die ohne Obdach und Leb.n.smittel snd. um Hilfe. Am 5. November hatte man die Unglücklichen aus ihren Häusern herausge/.errt. sic geschlagen und aller ihrer Habe beraubt, ohne dass die Lokaivcrw altung die geringst. Anstrengung zu ihren! Schutze machte. Stellungnahme deutscher Kirchenfürsten Dem Kölner Hilfskomitee zur Unterstützung der Familie!, der ermordeten und beraubten russischen Juden hat der Kardinal Fischer einen Beitrag von 100 Mark überwiesen. Das an den Rabbiner Dr. Frank gerichtete Begleitschreiben lautet: ..Eingcschlossen erlaube ich mir. Ihnen meinen Beitrag, Ihn Mark, zur Linderung der Not Ihrer Glaubensgenossen in

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