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Jüdische Rundschau · 1905-12-01 · Heft 48 (1.12.1905) · page 13

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
X (1905)
Issue
Heft 48 (1.12.1905)
Date
1905-12-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 48 JÜDISCHE RUNDSCHAU Seite 633 Richtigkeit des Basler Fr02ra1mr.es. rcsp. der Erhaltung des! Judcnturtics als Nation, als ein Volk m t bodenständiger Kultur; 1 d\50 Erkenntnis mag für Ortsgruppenmitglieder. welche dis vierzigste Jahr übcrschr'ttcn. genügen. Von unserer Jugend 'aber müssen wir verlama.11, dass sie ihren Zionismus l.auptsä'.hlxh in einer Arbeit fiir und im Judentum auffasst. Ich möchte dese Behauptungen durch einige Hinweise erläutern: Wir haben in Deutschland eine indische Jugend, die 1) aus Städten mft Ortsgruppen und 2י;*us solchen ohne zionistisch■־ Verein.־ stammen. Leider ist nun (־:;mal de Zahl der Orte ohne Ortsgruppen keine so kleine, als dass wir d e dort auiwachsende jüdische Welt vcrnacldüssigen dürften. Clcwiss wird es lebhaft zu begrüssen seit. wenn in allen derartigen Städten bald ein Zusammenschluss der Zonistcn zustände käme; gewiss wird jeder * auch die jetzigen und zukünftigen Mitglieder des H. B. (— Hcrzlbundcs) - Z'onist arbeiten, Ortsgruppen ins Leben zu rufen. Vorerst aber haben wir ein recht stattliches Kontigent von jungen Leuten, die aus ortsgruppeniosc,! (legen Jen stammen. Das Zentralbureau hat in vielen di.ser OegenJei: noch nicht arbeter! können — cs Hegt in der .;machen Konstatieruiig der Tatsache und in der Erwähnung eines Um- Standes, an dem die traurigen׳ Verhältn'ssc des j.tzigcn Judentumes schuld sind, hoffentlich absolut kein Vorwurf für Jas sehr riibrgc Zcntraümrcau — und s.lbst wenn unsere (Iruppcnverbände., benachbarte Ortsgruppen ucue Orte erobern wollen, in erster Linie werden und müssen de H.rrett erst an die ansäss:gc. schon im Lehen stellende Bevölkerung denken. W ir aber wollen die Jugend. Und es gibt so viele Orte, in denen wir vereinzelte jung.־ Zionisten haben. So sind 7. B. in der noch nicht sehr starken, jungen Verbindung ״Jordania“ Mitglieder aus Tr.'er. RiigenwalJe Stolp usw־M alles Orte, in denen kc'ne zionistischen Vereine existieren. Nun l>n ich aber der Meinung, wo wir unter der Jnged nur einen Zionist.n haben, da müssen wir noch mehr bekommen.!,öffentlich alle. Denn wer die Jugend hat. hat die Zukunft. Haben wir nun in deser Richtug schon systematisch gearbeitet? Sie werden alle nvt einem recht vemehmEchcn ..Nein“ antworten. Denn gewiss haben einzelne junge und alte Zionisten manch hübschen Erfolg ihrer Privat-Arbeit zu verze'ohncn. der Verein Jüd'schcn Studenten hat ein Interesse הב KcilTixen. desgleiche?, die zionistischen Korporationen in Berl:n. Leipzig. München. Aber eine systematische Arbe't ist noch nicht erfolgt. Bis jetzt hat man cs eben dem Zufall überlassen, ob sich .in Privatmann oder eine studentische Koporation zur Werbearbeit gefunden hat. Das sollte anders werden. Jeder Zionist, der aus Orten stammt, in denen noch keine Ortsgruppe ist. wird vom Zeutralbureau angchahen. an dem Zustandekommen einer solchen zu arbeiten. Irrt aPgcmehKu wird man sich h'erin nicht an blutjunge Studintcn und Kaufleute halten, die womöglich erst die ..Penne“ verbissen und nur wahrend der Ferien zu Hause sind. Aber auch diese jungen, s.hr jungen Ootteskinder vermögen. eben weil sie noch von den Alten r.'cht für voll gehalten und von den jünger» fiir ihresgleichen rcklam'ert werden, eben weü sie Alter, früherei Verkehr und Lebensstellung zu den Heranreiiendcn hindrängt. sehr viel unter den H ־ lSjäh• rigen. Hier sind diese Studenten und Kaufleutc in ihrem FHJe. Währunl sie wegen ihrer polnischen Unreife, wegen ihres Berufes — sie sind doch immer noch Lcrn.'tulc u:1d werden auch als solche betrachtet —- in dem zionistiscb-öffcntlicher, Leben der Ortsgruppe keine Rolle sniclen. köpircu so trot/den den jüngeren BniJer. den kleineren Freund bciiucm von unsere•« Wolfen imt.Trichtcn. Aber auch d'csc Werbearbeit kann etwas geregelt werden. Indifferente können etwas geschoben w.rdcn —?Me sinJ nur, tiiciit geborene Agitatoren — junge Kräfte unterwiesen, vereinzeltc Kämpfer vereinigt und für gänzlich brnc!1lieg־.ndc Felder auf die eine oder andere Webe carsucht und aufgc getrieben werde«. Hier wicderNOa praktisches Bes :׳ich Angenommen, •in Hmger Zionist, der heute Student ist. tri't unser!׳! Verbinde hei. Damit übernimmt er dt'c Verpflichtung in s is’cr Heimat ׳?nerglscli zu werben. Aktive Akademiker haben wohl die Verpflichtung fiir ihre Korporation zu ..keilen“, wobei alle Individuen, die entweder nicht nach der .הי״יה mater* streben, oder für eine Korporation, oder für d i c Korporation nicht tauge«, Wegfällen. Anders ist es für den Herzlbündler. er hat auch dC.־ Kaufleute, die Gattung, die nicht das Maturuni als Zweck ihrer Bildung sucht, uns zu gewinnen. Wir wollen annchmcn, dass heute schon jeder junge Zionist seine Pfl'cht als Agitator versieht; ist damit aber unsere ganze Aufgabe schon abgeschlossen? Im Gegenteil. Nur dann wird ein dauernder Erfolg gesichert, w;un der gewonnen;•, junge Gesinnungsgenosse aufängt. den Zionismus zu studieren, alles Jüdische zu pflegen und selbst wieder trachtet, i« seinen Freunden jüdische Gesinnung zu erwecken. Ais Abonnent e'ner zionistischen Zeitschrift, wie von UNSERE HOFFNUNG. Wien 111/12. Untere Viaduktgasse 25. empfängt er stänJig Anregungen, Bücher-Anzeigen, Einblick in den Zionismus, in das moderne Judentum. Viel wäre in dieser Hinsicht noch zu sagen; allein meine Zeilen sollen kein disponiertes Programm, sondern nur einen geringen Teil unseres Gedankengaiiges geben. Bleiben also noch die Orte, wo schon Ortsgruppen bestehen. Herr Hecht schlägt hier Gründung von Di.skutierklubs und Fortbildungskursen vor. Andererseits scheint man wieder die Meinung zu haben, die Ortsgruppe genüg.. Sicherheit genügt die Ortsgruppe mit ihrer beschränkten Agitations-, speziell aber Innenarbeit keineswegs. Für 16- und J/iähr'ge Menschen •st die Debatte über Territoriaüsmus recht interessant, eine Stellungnahme abej von ihnen zu verlangen ist unmöglich. Für sie kommt wohl noch mehr eine ’ eingehende BeschäiEgung mit positiv jüdischen! Wissen (Geschichte. Literatur. Sprache) etc. in Betracht. Oi> diese Jugend nun am besten in Fortbildungskursen, D skut'er-Klubs oder Vereinen diese und ähnliche Zwecke verfolgen kann, wird der Herzlbti-d wohl noch oft diskutieren. Jedenfalls ist die ganze Frage erst durch den H. B. aktuell gwordeti und wenn auch Anfänge zu derartigen Unteruelimungeii schon in einzelnen Orten gemacht wurden, energische Schritte sind in dieser Art noch r'rgends ':1 grösserem Massstabe gemacht worden; ja kaum, dass die Idee von Diskutierkiuhs. Fortbildungskursen über den eittzehten Ort hinaus kam. Wir aber wollen nach genauer Besprechung des pro und contra die einzelnen Unternehmungen von unser« Anhängern allüberall tfurcligcfiihrt w'ssen. ob. dann den ersten Schr'tt die dortige Ortsgruppe unternimmt «Ber ein begeisterter Herz!־ bündler. das wird uns ziemlich gleich sein, wenn die Sache nur gc*4’־׳;•«'־ und dass auf dem Gebiete der Jugendarbeit nicht mehr der Zufall das Agens :st. dazu haben wir eben der, Bund als schreckenden Popanz aufgerichtet. Die Frage, oh wir nicht besser taten, allgemein oder nationaljfidisch uns zu nennen, kann heute noch nicht ganz entschieden werden. Der Wunsch e'nes unserer Führer, den Namen nach unscmi grossen Meister zu wählen, hatte hei onsern Vorbcsprechungen einen gewissen F.nfluss ausgeübt. Bei unsere! ersten Zusammenkunft, in der wir das Kapitel ..Jugendarbeit“ vom Aschenbrödel-Eck hcrauszielt tt wollen, wird wohl auch hier Klarheit geschaffen. Und nun noch e;n Wort an die. welche uns dazu mit Knüppeln zu erschlagen drohen, eine qua«.’ Rechtfähigung. dass wir existieren und au die. welche bequem mit den Händen'in der Hosentasche vergnüglich unserit Aufruf gelesen und ihn wieder vergessen haben, ein W'ori zur Aufmunterung. Aus einer Reihe von Städten haben wir Anträgen. Abonnvmentsaufträgc und sogar Versprechungen behufs etter:־ gischcr Arbeit uut.r der Jugend erhalten, ich erwähne so nur Bonn. Berlin. Gleiwitz. Köln. Königsberg. Reutlingen. HolzaKe! .tc. etc. Sogar aus Zürich kamen mehrere Briefe uns zugeflogen. Einer der .Bündler* — er wird diese kle'nc Indiskretion verzeihen — schreibt wörtbch: ..W'ir hoffen abet ,stets. Ihrer Mithilfe, die uns sehr nützen kann. vcrs:chcrt zu sein. Vor allem möchte!ch Sie bitten, mir ein.« Haufen Agitationsschriften zu «enden, so viel Sie nur auftreiben können. Natürlich hoffe ich, sic baldigst zu erhalten. Indem ich Sie nochmals auf die Wichtigkeit dieses Briefes aufmerksam mache, von dem vielt, icht d.'c Lebensfähigkeit eines Jung• Judcn-Vercins in Z. abhängt etc. etc.“ Sein Freund bestürmt mich ebenfalls mit einer wahren Shtdflut von Bitten. Zu! Erklärung dien:, dass die dortigen Vcrhältmssc so liegen, dass der, Gründung eines Vereine nichts im Wc?c steht als ein gewisser Mangel an Mitgliedern. Es versteht sich von selbst, dass wir Petmälerverhiudtmecu nicht gründen werden. Soll ich nun unsern!?ungen FrcunJc schreiben, die deutsch.« Gesinnungsgenossen verwiesen ihn an die Ortsgruppe ־ deren Oberhaupt der Vater meines Briefsehreibers :st und dass wir für Broschüren kein Geld und fiir Rat kette Zeit haben? Ich glaube, der Herzibund Int schon viel getan, dass et nur geboren wurde. Wieder einmal ist die Wichtigkeit der

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